DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 12. Dezember 2009

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Südafrika ·  


"Über vermisste Bienen",

überschreibt Tymon Smith seinen Bericht für Times Live, die Online-Ausgabe der englischsprachiges südafrikanische Zeitung Times über die Entstehungsgeschichte von Zakes Mda neuen Roman Black Diamond.

Der Vorsitzende des Fifa 2010-Komitees Danny Jordaan und der gefeierte Romanciergehörten zu den "Top-Erfolgstypen" in den verschiedenen Kategorien, wie letzte Nacht bei der Johnnie Walker-Preisverleihung bekannt gegeben wurde.

In seinem neuen Roman blicke Mda ironisch auf den K^ult des Prestigekonsums und der Sofortbefriedigung („instant gratification“) im heutigen Südafrika, heißt es einleitend.

Während er im Grace Hotel sitze, erinnere Zakes Mda ihn daran, schreibt Tymon Smith, dass er nicht fortwährend in Südafrika sein müsse, um Teil des Landes und seiner Entwicklung zu sein. „Die Welt ist meine Bühne, ich bin kein engstirniger Mensch, der ununterbrochen hier sein muss, um Südafrikaner zu sein.

Die meiste Zeit verbringe er seit 2002 in Athens, Ohio, wo er am Englischen Fachbereich der Ohio University lehre. Jetzt sei der 62-jährige Dramatiker, Akademiker und Romancier wieder für ein paar Wochen zu Hause um seinen neuesten Roman, Black Diamond, zu promoten. Der Roman erzähle die Geschichte einer Richterin, zweier bedrohlicher Kriminieller und eines Bodyguards, der angeheuert wurde, um sie zu beschützen.

Sein letztes Buch, Cion, sei ein schwieriger und sehr literarischer Roman und habe die Wiederaufersteheung von Mdas berühmtester Figur erlebt, von Toloki, einem männlichen Gegenstück eines professionelles Klageweibes, Held von Ways of Dying (Arten des Sterbens), Mdas wohl bestem Roman und Tolokis Versetzung in die USA. Black Diomond sei eine ziemlich direkte und gelegentlich humorvolle Geschichte, die am westlichen Rand von Joburg spiele und die im Sog von Cions Erfolg in den USA zu leben begonnen habe.

Cion wirkte anziehend auf die Amerikaner, weil Mda – und hier lässt Tymon Smith den Romanauter selbst erzählen :– „Dinge in ihrer Geschichte ausgrub, die sie faszinierten. Viele von ihnen wussten nicht, dass es Dinge wie weiße Sklaven und so etwas gab. All das war neu für sie und sie lebten einfach ihr Leben in ihren Communities. Meine Frau und ich sind dorthin gegangen und haben all das diskutiert. Wir gingen zu Archiven und recherchierten alte Zeitungen und Briefe und wir entdeckten all diese wundervollen Dinge ... wenn die Insider die Geschichte lesen, sagen sie ‚Diese Dinge existieren hier mit dir, sie sind ein wesentlicher Bestandteil deines Schriftguts und deiner mündlichen Tradition’. Es ist eine reiche und faszinierende Geschichte".

Tatsächlich sei Cion, wie Mda berichte, „so erfolgreich, dass es in Ohio ein jährliches Cion-Festival gibt. Dies wird das dritte Jahr sein. Es heißt The Annual Cion Fall Festival und es dauert drei Monate. Man zeigt Filme über die Dinge, die ich in Cion behandle; es gibt Vorträge und sie laden mich für ein oder zwei Lesungen ein“.

Wegen des Erfolgs von Cion hätten Mdas Verleger ihn auf eine landesweite Tour geschickt und er habe sehr viel Zeit in Flughäfen, Flugzeugen und Hotelzimmern verbracht. Um sich die Zeit zu vertreiben, habe er beschlossen, ein Skript für Thabang Moleya, einen jungen Filmemacher, zu schreiben, der ihn zwei Jahre zuvor darum gebeten hatte.

Mda habe einen Artikel in einer Zeitung der Kapgegend gelesen. Darin sei es um eine Richterin gegangen, die vom Pollsmoor-Gefängnis aus von einem Gangster, den sie verurteilt hatte, belästigt wurde. Das sei der Auslöser für seine Idee gewesen.

Mit dem Skript The Magistrate in der Hand habe sich Mda aufgemacht, Moleya zu suchen, habe ihn aber nicht finden können. Er habe die Story zu gut gefunden, als dass er sie begraben wollte und sie zum Roman Black Diamond überarbeitet und dabei den Fokus auf der Richterin behalten und auch die Figur des Bodyguards Don in den Vordergrund geschoben.

Mda habe oft über etwas gesprochen, was er die „Zwillingskrankheit von Sofortbefriedigung und Prestigekonsum“ nenne und die Gefahr die sie für die Zukunft Südafrikas mit sich bringe. Man könne annehmen, ein Roman mit dem Titel Black Diamond würde dies in den Mittelpunkt rücken, aber in diesem Fall konzentriere er sich – während er einige komische Sticheleien über Lifestyle und Gewohnheiten der schwarzen Elite austeile – auf die Geschichte von Kristin Uys, der Richterin und deren Beziehung zu Don Mateza, dem Black Diamond-Anwärter mit dem Supermodel als Freundin, beauftragt die Richterin vor den rachsüchtigen Visagie Brüdern zu beschützen.

Problemstellungen seien ein wesentlicher Bestandteil von Mdas Schreiben, aber er bestehe darauf, dass keiner seiner Romane mit Problemen beginne. „Sie beginnen immer mit dem Schauplatz und den Figuren und dann entwickelt sich die Geschichte aus der Interaktion der Charaktere untereinander und der Wechselbeziehung zu ihrer Umgebung. Im Verlaufe der Entwicklung der Geschichte ergeben sich Komplikationen organisch aus diesem Prozess“.

„Es war wichtig für mich“, wird Mda weiter zitiert, „dass dieser Roman zugänglich war und dass seine Form Anleihen beim Film macht, weil die Geschichte es verlangt, so erzählt zu werden. Es ist die Geschichte, die mir sagt, wie sie erzählt werden soll ... Ich setze mich niemals hin und kratze mich am Kopf und frage mich, wie ich eine Geschichte erzählen soll. Nein, nein, die Geschichte sagt es mir, 'Hey, ich muss eine humorvolle, optimistische, geradlinige Geschichte sein, mit ernsten Implikationen und trotzdem bleibe ich eine solche Geschichte. Ich handle von einem Model (klar, in Südafrika nennen sie jeden ein Supermodel) und einem Bodyguard, einer Liebesaffäre usw. Ich bin diese Art von Geschichte.'“

Dann kommt Tymon Smith auf die Plagiatsvorwürfe zu sprechen, die man gegen Zakes Mda erhoben habe und die in den lokalen Medien im vergangenen Jahr Wellen schlugen, als ein amerikanischer Historiker namens Andrew Offenberger einen Artikel veröffentlichte, in dem er Mda vorwarf, sich allzu freizügig mit Anleihen aus Professor Jeff Peires' Buch The Dead Will Arise für seinen Roman The Heart of Redness aus dem Jahr 2000 bedient zu haben.

Beide Werke handelten von Nongqawuse und den Xhosa Viehtötungen von 1850. Stephen Gray habe in Mail & Guardian Mda beschuldigt “denkfaul“ zu sein und eine Flut von Antworten und Briefen hätten die Angelegenheit für einige Monate in einen literarischen Skandal verwandelt.

Mda habe die Anschuldigungen abgetan, heißt es weiter: „Dieser Typ, ein Geschichtsstudent, dachte, er habe etwas aufgetan, dabei war offenkundig, was ich getan habe. Ich gebrauchte historische Recherchen, um meine Fiktion zu entwickeln und das war kein Geheimnis“. Der Historiker habe das gewusst. Lese man Mail & Guardian, würde man sehen, dass Stephen Gray, der die Angelegenheit aufgegriffen hat, verurteilt werde. „In den USA sahen sie sich diese Beschuldigungen an und entschieden, solchen Müll nicht in ihren Zeitungen veröffentlichen zu können. Aber hier sind die Standards andere, sie veröffentlichten es ungeachtet des inhaltlichen Wertes, weil es sensationell war und den Zeitungsverkauf fördern würde.

Dann wird Mda zitiert, der aus der Perspektive der USA über seine Heimat sage: „Wir sehen schlecht aus. Sehr schlecht. Ich scherze. Es gibt die Guten, die Bösen und die Häßlichen.“

Mit diesen Worten rückt der Bericht zunächst von literarischen Themen ab und wird allgemeiner:

Was die Epoche von Jacob Zuma angehe, gebe Mda offen zu: „Um die Wahrheit zu sagen. Ich selbst mochte Jacob Zuma nicht. Ich denke immer noch, er sollte sich der Gerichtsverhandlung stellen, aber ich weiß auch, dass er konstitutionell gewählt worden ist, die Leute wollen ihn. Er ist ein legitimierter Präsident dieses Landes, und er ist mein Präsident, und ich hoffe, dass er als Präsident Erfolg hat – ungeachtet meiner persönlichen Gefühle. Ich weiß nicht, wie sich die Dinge entwickeln und ausformen werden, aber ich habe Vertrauen in das, was Südafrika wird.

Im Hinblick auf Barack Obama sei Mda ambivalent, da er glaube, dieser sei liberaler als seine Vorgänger, „aber er steht innerhalb des Systems, er ist keine Radikaler, der außerhalb steht. Er ist ein gewöhnlicher amerikanischer Demokrat.

Mdas nächsten Projekt, heißt es abschließend, werde eine Autobiografie sein, aber im Moment seien er und seine Frau Gugu zum Eastern Cape unterwegs, wo sie an einem ländlichen Bienenhaltungsprojekt beteiligt seien, das Mda offensichtlich am Herzen liege, was er mit der Aussage: „Ich vermisse die Bienen, wenn ich nicht da bin.“ unterstreiche. · (Times Live SA, ÜEK: J.K.)

Quelle:
Times Live, South Africa, englischspr. südafrikanische Tageszeitung (Times Live )

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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