DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 10. Oktober 2010

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Kenia ·  


"Kenianer ziehen zu schnell die ethnische Karte",

ist ein weiterer Bericht der englischsprachigen Zeitung überschrieben aus einer Reihe, die untersucht, welche Meinung die afrikanischen Nachbarn von Kenia und den Kenianern haben.
Francis Kokutse berichtet aus Ghanas Hauptstadt.
Frage man einen Durchschnittsghanaer nach Kenia, sei die häufigste Antwort "Safari" oder "Tourismus". Für andere aber seien die Eindrücke vielfältig, kein Wunder bei der Entfernung zu Kenia.
Die letzten Wahlen von 2007 blieben das meistdiskutierte Thema der Ghanaer, vermerkt der Verfasser, um sofort wieder auf das Tourismusthema überzugehen: „Kenia ist das einzige Land in Afrika, von dem man eine Menge hört, wenn über Tourismus diskutiert wird.“ Es werde der Eindruck erweckt, dass Kenia ein Zufluchtsort für Touristen sei, meint Joseph Mbeah, ein Taxifahrer in der ghanaischen Hauptstadt Accra. „Ich habe einige kennen gelernt, die mein Taxi benutzten, wenn sie Konferenzen in Accra besuchten. Leute, mit denen man nett reden konnte; ich erinnere mich an ihren starken Akzent, der verriet, dass sie nicht aus Westafrika waren."
Für Mbeah und viele wie ihn, sei die Gewalt, die während der Wahlen von 2007 ausbrach, etwas gewesen, was das Bild von Kenia zerstört habe.
"Die Zeitungen haben Kenia immer als ein Land beschrieben, in dem die Menschen frei und ohne Sorgen und Probleme lebten. Als ich aber hörte, dass die Menschen sich wegen der Wahlen gegenseitig töteten, überraschte mich das sehr."
Anders als in den westafrikanischen Ländern, wo Putsch und Gegenputsch die Norm seien, habe Kenia solche Erfahrungen nicht gemacht.
Deshalb sei für den High-School-Lehrer Evans Pappoe in Accra „Kenia ein Land, das sich mir, seit ich von der Mau-Mau Bewegung und dem Kampf gegen die Briten gelesen hatte, eingeprägt hat. Namen wie Jomo Kenyatta, Tom Mboya and Odinga Oginga benutzten wir in der Sekundarstufe als junge Männer in den 60ern als Spitznamen, und dann liefen die Dinge schief in den 80ern, den 90ern bis 2007, als das Land fast zerstört wurde.“
Mit dieser Meinung stehe er nicht allein da, fährt Francis Kokutse fort, um das Wort an Bright Blewu, den Geschäftsführer der Ghanaischen Journalisten Vereinigung (Ghana Journalists Association) zu übergeben, der glaube, dass dem Stammessystem eine wichtige Rolle zufalle bei den Problemen, denen sich Kenianer heutzutage ausgesetzt sähen.
„Diskutiert man mit einem Kenianer über Politik, kommt augenblicklich das Thema Tribalismus zur Sprache und erzeugt den Eindruck, Stammespolitik spiele dort eine negative Rolle.“
Ein Kenianer außerhalb der Gestade seines Landes lasse einen unverzüglich wissen, ob er ein Luo sei oder einem anderen Stamm angehöre.
„Das bedeutet nicht, dass andere afrikanische Länder dieses Problem nicht haben, aber es scheint, dass sich der Begriff Volkszugehörigkeit tief in die kenianische Politik eingegraben hat, und dies erzeugte eine Art Misstrauen unter den Menschen.“
Der Durchschnittskenianer traue den Politikern nicht: „Der einfache Kenianer, dem ich begegnet bin, denkt, dass Politiker nur ihre Taschen füllen und sieht sie deshalb als habgierige Menschen an, die nichts mehr für den gewöhnlichen Menschen übrig haben.“
Im Folgenden wird Pumpuni Asante, Leiter des Programms des Ghana-Zentrums für Demokratische Entwicklung (Ghana Centre for Democratic Development), zitiert:
„Kenianer kommen sehr bescheiden rüber verglichen mit uns Westafrikanern. Jedoch sind sie schnell dabei, auf ihre Volkszugehörigkeit zu verweisen.“
Die Ereignisse von 2007 waren ein Segen für Ghana, das zu der Zeit den Eintritt in ein Wahljahr vorbereitet habe. „Beobachter der Ereignisse auf dem Kontinent argumentierten damals, wenn Wahlgewalt in Kenia geschehen konnte, dann stand Ghana nicht isoliert da.“
Es sei deshalb nicht überraschend gewesen, dass viel Zusammenarbeit stattfand zwischen einigen Schlüsselspielern beider Länder, um eine ähnliche Situation in Ghana zu vermeiden, fasst Francis Kokutse den politischen Kommentar des Leiters des Ghana-Zentrums für Demokratische Entwicklung zusammen und zitiert ihn abschließend noch einmal wörtlich:
„Erfreulicherweise ist die Überprüfung der Konstitution gut verlaufen, für die meisten Afrikaner bedeutet dies eine optimistische Sicht auf Kenias Zukunft.“
· (Sunday Nation, ÜEK: J.K.)

Quelle:
The Sunday Nation, Kenya (Sunday Nation)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert v. Janko Kozmus ©


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