DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 10. Oktober 2010

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Kenia ·  


"So frech, dass sie unsere Gesellschaft irgendwie aufpeppen"

Der Bericht von Kezio-Musoke David aus Kigali fasst für die kenianische Sunday Nation, Sonntagsausgabe der Tageszeitung Daily Nation ruandische Meinungen zusammen, die Kenia und dessen Bewohner näher in Augenschein nehmen.
Erst vor einigen Wochen hätten sich über hundert Kenianer in einem Hotel namens Laico Umubano in der ruandischen Hauptstadt Kigali versammelt. Die Zusammenkunft sei keine gewöhnliche gewesen.
Die Kenianer in Ruanda seien berühmt für’s Feiern, jedoch habe diese Zusammenkunft auch eine Anzahl von Ruandern und anderen Ostafrikanern angelockt. „Es war eine Riesenfeier ... um die Verkündung der neuen Verfassung von Kenia feierlich zu begehen.“
Von einigen Angehörigen anderer Nationalitäten sei das Fest mit den Kenianern in Ruanda mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden und mit Pomp von anderen. Gewöhnlich würden die Ruander alle Nationalitäten willkommen heißen, aber hinzufügen: „Wir finden Kenianer faszinierender, gewitzter, mit einem feinen Geschäftssinn ausgestattet und strikter und politisch aggressiver.“
Nach Ansicht eines ruandischen Journalisten, der namentlich nicht genannt werden wollte, habe man nun, nach dem Gewaltausbruch in Kenia, etwas gemein. „Setzen sie die Gewalt nach den Wahlen in Kenia mit dem ruandischen Genocid von 1994 in Beziehung, erkennen sie in beiden Ereignissen die ethnische Spannung. Jedoch denke ich nach wie vor, dass Kenianer hitzige Menschen sind. Sie schlagen sich in Kneipen und sind so stolz. Irgendwie peppen sie unsere Gesellschaft auf.“
Nach der Gewalt nach den Wahlen in Kenya hätten Experten vor einer Entwicklung wie in Ruanda 1994 gewarnt, als die Gewalt in schrecklichen Ereignissen mündete und über eine Million Tutsis und gemäßigte Hutus getötet wurden. Einige der einflussreichen Führer, inklusve einer Gruppe, die von Vizepräsident Kalonzo Musoky geleitet wurde, seien nach Kigali gereist, um von Ruandas Versöhnungsprozess zu lernen.
„Und wie werden Kenianer in Ruanda aufgenommen? Sind sie wirklich Partylöwen, hart arbeitend, hitzig oder einfach sie selbst?“ Als Antwort präsentiert Kezio-Musoke David die Meinung eines Nachtschwärmers: „Ausgehend von den Meldungen in den Medien verbinden wir Ruander die Kenianer für gewöhnlich mit einem hohen Niveau von Korruption. Wir sind immer überrascht von der Arbeitseinstellung von typischen Kenianern. Der Nakumatt Supermarket hat die Art, wie wir einkaufen, vollkommen verändert. Kigali war es gewohnt um sieben Uhr abends ins Bett zu gehen, aber die 24-Stunden-Ladenzeit hat unser Sozialleben dank der Kenianer beeinflusst.“
Nachdem ein Ruander im letzten Jahr auf kenianischem Boden eine Geldprämie in dem Realitiy-TV-Wettbewerb Tusker’s Project Fame gewonnen habe, habe sich das Gefühl eingestellt, dass Ruanda nun sozial wahrscheinlich den Hebel finde, indem es in Richtung Integration mit regionalen Riesen wie Kenia zusammenrückt.
„Kenia und Ruanda haben über Jahre eine warme Beziehung genossen“, heißt es in dem Bericht weiter. Eine vergleichende Volkszählung habe es zwar nie gegeben, aber nach Angaben der Kenya Rwanda Business Association gebe es gegenwärtig über 5.000 Kenianer, die in offiziellen und inoffiziellen Geschäftsangelegenheiten nach Ruanda ausgewandert seien.
Kenianer würden Firmenbüros besetzen und multinationale Firmen führen. Als eine Geste der Gegenseitigkeit habe der kenianische Präsident Mwai Kibaki während eines Staatsbesuchs die Arbeitserlaubnis für Ruander, die in Kenia arbeiteten oder Geschäfte führten, abgeschafft. „Für einige wenige Ruander mit fremdenfeindlichen Gefühlen gegenüber der kenianischen Auswanderergemeinde war das nur fair.“
Unkommentiert breitet der Verfasser des vorliegenden Artikels die Äußerungen eines „betroffenen Geschäftsmannes“ aus:
„Die Kenianer kommen hierher und übernehmen alle Jobs. Sie leiten Rwandair, die Finanzinstitutionen, sie arbeiten in der Informations- und Kommunikationstechnologie und auch im Telekom-Geschäft. Sie betreiben Gastronomiebetriebe. Der Typ, der die Kapitalmärkte in Ruanda etablierte, ist ein Kenianer (Robert Mathu). Haben wir keinen fähigen Ruander, der das machen könnte? Vielleicht sind sie fähiger und erfahrener, aber was gewinnen wir als Ruander dabei oder nehmen sie uns nur aus, was lernen wir von ihnen?“
„Jedoch“, fügt er hinzu, „Kibakis Geste wurde mit Dankbarkeit aufgenommen, bedenkt man, dass er auch sagte, Kenia würde Ruanda (und der Region) in der Suche nach Frieden und im Umgang mit externen Elementen, die die Stabilität der Region bedrohen, beistehen.“
Obwohl Ruanda kaum etwas nach Kenia exportiere, würden viele Produkte kenianischen Ursprungs von den Ruandern konsumiert. Laut William Mtengo, dem Repräsentanten der staatlichen kenianischen Hafenbehörde (Kenya Ports Authority, KPA) berechne Ruanda fünf Prozent für Transitgüter in Mombasa.
Die Präsenz der Kenya Commercial Bank (KCB) und ihre Zweitnotierung am ruandischen Börsenmarkt, das erste Firmenkapital nach Eröffnung der Börse, zeige dass kenianische Unternehmen vom ruandischen Privatsektor gut aufgenommen werden. Nach der KCB habe auch die kenianische Equity Bank ihr Interesse geäußert, eine Filiale zu eröffnen.
Der in Ruanda tätige kenianische Journalist David Oluoch habe geäußert, dass tatsächlich eine Angst existiere wegen Kenias typischer Haltung von Überlegenheit. Mit einem Zitat dieses Journalisten beschließt Kezio-Musoke David seinen Bericht aus Kigali:
Die strikte Beachtung der Regeln und Vorschriften der ruandischen Behörden kann die Fremdenfeindlichkeit nicht begrenzen, herrscht doch der Eindruck vor, dass die Kenianer sich in Kigali zusammenscharen, um Gelegenheiten zu ergreifen, die normalerweise für Ruander reserviert sein sollten.“ 
· (Sunday Nation, ÜEK: J.K.)

 

Quelle:
The Sunday Nation, Kenya (Sunday Nation)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert v. Janko Kozmus ©


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