DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 3. März 2012

 

newTimes - Ruanda
· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Ruanda ·  

"Stadtzerstörungen und die Weisheit des Kaukasischen Kreidekreises",

überschreibt Paul Ntambara seine Stellungnahme in der Rubrik Opinion der englischsprachigen Tageszeitung The New Times und erweckt die Neugier des Lesers ob der zu erwartenden Verknüpfung von Themen, die augenscheinlich nicht weiter voneinander entfernt liegen könnten. Nichts währe so lange, führt Paul Ntambara ein, wie die Liebe einer Mutter, sage man, "aber ich muss hinzufügen: Nichts währt so lange wie ein gutes Buch. In dieser Woche veranlasste mich das Lesen Bertolt Brechts Der kaukasische Kreidekreis (zum x-ten Mal) zum Nachdenken über die laufenden Zerstörungen in der Stadt Kigali, die Applaus und Aufruhr erregt haben."

Der kaukasische Kreidekreis sei Ntambara zufolge "ein Spiel im Spiel mit einem übergeordneten Thema, dass, wer auch immer die bestmögliche Nutzung der Ressourcen vornehme, um für andere zu sorgen, es verdiene, sie zu erhalten. Das Stück handele von einem Streit über ein Tal. Zwei Gruppen, die Mitglieder der Galinsk Ziegenzucht-Kolchose und die Mitglieder des benachbarten Rosa Luxemburg-Obsthofs beanspruchten jeweils für sich ein Tal in einem zerstörten Dorf im sowjetischen Kaukasus kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Ein Experte der Staatlichen Kommission für Wiederaufbau, erläutert Ntambara weiter den Inhalt des Kaukasischen Kreidekreises, werde entsandt, um den Streit zu schlichten. Die Obstbauern argumentierten, dass sie detaillierte Pläne besäßen, um das Tal zu bewässern und Nahrung zu produzieren. Die Ziegenhirten beanspruchten das Land, "weil sie schon immer dort lebten". Am Ende würden die Obstbauern das Tal erhalten, weil sie das Land besser zu nutzen wüssten. Den Bauern bleibe ein kleiner Teil und Arkadi Tschcheidse, ein Sänger, stimme zu, ihnen die Geschichte vom Kreidekreis zu erzählen, bis der Vorhang falle.

Die Stadt Kigali gleiche einer großen Baustelle. Die Implementierung des Masterplans der Stadt Kigali bedeutete den Abriss der Slum-Viertel wie des Lower Kiyovu (Kiyovu cyabakene) und als nächste in der Reihe das Kimicanga und das Muhima, ungeachtet des Ausgleichs. Der Prozess vollziehe sich nicht allzu rosig, realisierten die Vollzugsbeamten der Stadt Kigali. In einigen Fällen seien Bulldozer gerufen worden, um Abrisse von Bauten vorzunehmen, deren Besitzer die Räumung der Parzellen trotz Kompensation verweigert hätten.

Der größte Streitpunkt liege im Widerspruch von persönlichem Anspruch und öffentlichem Interesse. Es sei offensichtlich, dass die oben genannten Viertel nicht in die Vorstellung von der "Gartenstadt Kigali" passten. Im Geiste des Kaukasischen Kreidekreis hätte der Streit um die Grundstücke "im Gesang beendet" werden sollen in der Erkenntnis, dass die Sanierung der Slum-Viertel dem gemeinsamen Wohl der Gemeinde diene. Leider sei dies nicht der Fall gewesen.

Es sei offensichtlich, schreibt der Brechtkenner Ntambara weiter, dass einige der betroffenen Anwohner nicht kooperativ gewesen seien und dass der "Schiedsrichter" keinen guten Job gemacht habe. "Viele haben sich über Verzögerungen beim Enteignungsprozess und die widersprüchlichen Mitteilungen von oben beschwert. Am Dienstag berichtete diese Zeitung von einer Abrissmitteilung an Kimicanga-Vermieter. Bei einem Treffen zwischen Gasabo-Bezirkbeamten und Vermietern in Kimicanga wurden diesen zwei Wochen gegeben, um ihre Häuser zu zerstören und damit den Weg zu ebnen für die Integration des Gebietes in das Kimicanga Vergnügungsviertel.
Bürgermeister Fidele Ndayisaba habe zu diesem Thema Folgendes ausgedrückt: "Das ist nicht möglich ... Einwohner haben gesetzlich garantiert das Recht, nach dem Ausgleich für einen Zeitraum von maximal drei Monaten dort zu bleiben "
Solche Widersprüche seien nicht hilfreich bei der Konsensbildung des oft explosiven Themas Land.

"Der Plan, die Stadt im Einklang mit dem Kigali City-Masterplan zu sanieren, ist herrlich", kommt Paul Ntambara zu einem Ende seiner Ausführungen.. Aber der Prozess müsse gestrafft werden. Eine angemessene Entschädigung- und Kommunikationsstrategie muss geschaffen werden. Der Enteignungprozess sollte gründlich und im Einklang mit dem Gesetz sein. Wo Entschädigung zu erfolgen habe, sollte sie rechtzeitig erfolgen. "Nur dann endet der Prozess wie in Der kaukasische Kreidekreis im Gesang und nicht in Gefluche." · (New Times, Rwanda, ÜEK: J.K.)

Quelle:
The New Times, Rwanda's First Daily (New Times, Rwanda)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert : Janko Kozmus ©


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