DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 8. Februar 2012

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Uganda ·  


"Warum sollte ein Kind einen Spielkameraden töten?",

überschreibt Angela Ndagano ihren Artikel für die englischsprachige Zeitung New Vision. Hintergrund ist ein Fall, der sich kürzlich ereignet haben soll: Zwei elfjährige Kinder wurden des Mordes verdächtigt.

Kindheit gelte als eine Zeit der Reinheit und Unschuld, führt die Verfasserin des Artikels behutsam ein, "aber wenn ein junger Mensch einer Verübung eines schrecklichen Verbrechens beschuldigt wird, schockiert es uns und lässt uns verwirrt zurück".

Letzte Woche habe eine unglaubliche Nachricht von zwei elfjährigen Kindern, die angeblich ihre Spielkameradin getötet haben sollen, das Land aufgeschreckt. Die beiden sollen angeblich in ein Scheingefecht verwickelt gewesen sein. Die Polizei in Luwero rätsele darüber, wie sie sich den beiden Jungen gegenüber, die angeblich ihre zwölfjährige Spielgefährtin getötet haben sollen, zu verhalten habe.

"Könnte dies eine Folge von mangelhafter Erziehung in unserer Gesellschaft sein?", fragt die Autorin kritisch.

Experten würden warnend darauf hinweisen, es sei wichtig herauszufinden, warum sich Kinder gewalttätig verhielten, bevor man sie verurteilte.

"Die Art und Weise, wie sich Kinder verhalten, ist normalerweise durch die Vorgänge der Umwelt beeinflusst, was sie bei Erwachsenen beobachten und was sie durch Kollegen, Eltern, Verwandte und Gesellschaft hören und lernen", schreibt die Autorin wörtlich und zitiert im Anschluss George Masuba, einen Ratgeber für Kinder beim Indernationalen Kinderfonds (Child Fund International):
"Wenn die Kinder aus einem Elternhaus stammen, in dem Gewalt die Norm ist, werden sie wahrscheinlich das nachahmen, was sie zuhause sehen. Wenn sie sehen, dass ihre Eltern, jedes Mal, wenn sie ein Problem haben, miteinander kämpfen, werden die Kinder Gewalt als Mittel zur Problemlösung übernehmen."

Henry Nsubuga, der Leiter des Vereinigung ugandischer Berater (Uganda Counsellors Association) wiederhole damit einhergehende Ansichten:
"Wenn Kinder in einer Umgebung aufgezogen werden, in der Gewalt akzeptiert wird, werden sie Gewalttaten begehen, weil sie in dem Glauben aufgewachsen sind, das Richtige zu tun".

Laut einer Studie des amerikanischen Journal für Psychiatrie (American Journal of Psychiatry) erklärten die Forscher, fährt Angela Ndagano fort, dass Gewalt innerhalb der Familie viel zum Verhalten der Kinder beitrage. Ein gewalttätiger Vater sei der bestimmendste Faktor. Oft habe ein gewalttätiges Kind Gewalt seines Vaters gegenüber seiner Mutter miterlebt.

Mehr noch, es gebe Eltern, die schlecht über andere sprächen oder sich über andere Menschen beschwerten. In solchen Fällen seien sich die Eltern möglicherweise nicht bewusst, dass sie das Kind in ein Verbrechen treiben könnten.

Ein Artikel – "Kinder, die töten - eine Familienverschwörung?" – veröffentlicht in der Zeitung der Nationalen Vereinigung für Sozialarbeiter ( Journal of the National Association of Social Workers) in den USA, zitiere einen Fall, in dem eine Mutter deutlich machte, dass sie sich ihren Ex-Mann tot wünschte. Ihre beiden Söhne im Alter von sieben und acht Jahren, haben es wahrscheinlich als Botschaft aufgefasst und ihren Vater getötet.

Abschließend widmet sich Angela Ndagano dem allgegenwärtigen Einfluss des Fernsehens.

In dieser Zeit scheinen Kinder immer weniger Pflege und Betreuung von älteren Familienangehörigen zu bekommen. Stattdessen würden sie mehr Zeit vor dem Fernseher und Computer verbringen.

"Es gibt eine Menge von unbeaufsichtigtem Fernsehen, Kinder beobachten Gewalt und sie wollen das wiederholen, was sie im Fernsehen sehen", wird der bereits erwähnte Berater des Kinderfonds erneut zitiert. Das Fernsehen stelle den Tod nicht in seiner wahren Form dar. Ein Kind würde einen Menschen in einem Film sterben sehen, und sähe die gleiche Person in einem anderen Film lebendig. Ein Kind könne sehen, wie jemand, ohne zu sterben, mehrmals getroffen würde, in der Realität jedoch könne die Person nicht überleben.

Nsubuga, der Leiter der Beratervereinigung bezeichne das Fernsehen als eines der Dinge, die für Gewalt verantwortlich seien, "weil Kinder immer das praktizieren wollen, was sie in den Filmen beobachten".
· (New Vision, Uganda, ÜEK: R.B./J.K.)

Quelle:
New Vision , englischspr. ugandische Tageszeitung New Vision, Uganda)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Bushart, Kommentar: Janko Kozmus ©


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