DIE MARABOUT-SEITE
linie

linie
linie

Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 12. März 2012

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Simbabwe ·  

The Herald 


"Hör auf den Poeten"

Poesie sei wieder in Mode, behauptet der namentlich nicht genannte Verfasser dieses Artikels für die englischsprachige simbabwische Zeitung The Herald. Die Sammlung, die Wellingtone Kusema für den Nationalen Kunstpreis (National Arts Merit Awards) einreichte, habe den ersten Preis in einer der Kategorien für Literatur gewonnen. Er nannte sie Lazarusse und Divas, ein ziemlich interessanter Titel. Der simbabwische Dichter, der in Großbritannien lebt, erforscht in dieser Sammlung die menschliche Natur.

Dies sei eine gewaltige Sammlung von Gedichten, "die leicht verständlich, überzeugend und prägnant sind". Sie behandelten Themen wie Krieg, Liebe, Religion und soziale Gerechtigkeit.

Die meisten Stücke seien "leicht, elegant und voller Komik". Der Dichter vertrete eine kompromisslose Haltung gegenüber der Wahrheit.

Wie die meisten Dichter, die sich gegen Gewalt ausgesprochen haben, sei Wellingtone Kusema gegen Kriege. Den Leuten, die an der Macht sind, wirft er vor, Kriege zu ihrem eigenen Vergnügen anzuzetteln.

Und das Schlimmste, was sie tun, sei, denjenigen Medaillen zu verleihen, die die meisten Menschen getötet haben. In seinem Gedicht Krieg stelle der Künstler die Auswirkungen des Krieges unter das Mikroskop. Was er sehe, sei erschreckend. Positiv hebt der Rezensent hervor, dass der Dichter die Dinge beim Namen nenne. Respektabel sei der Mut, seine Meinung zu äußern, ein Umstand, den der Verfasser des Artikels mit folg. Gedichtauszug dokumentiert:

"Krieg!
Es sind die einfachen Söhne, die geschickt werden, um an den Grenzen zu sterben.
Wie die Autoren des Krieges und ihre Söhne
Zurückgelassen, um die Beute zu genießen!
Nur um nach Jahrzehnten vergeblichem Bekriegens zurückzukommen
Und Friedensabkommen zu unterzeichnen, an Tischen,
hergestellt aus Recycling-Särgen
Von denen, die kämpfend gestorben sind,
Nur um die Egos zu befriedigen
Von den exzentrischen politischen Kriegstreibern!"
Es gebe noch etwas, das gleichermaßen beunruhigend sei und in der Unwillkommenen Braut beschrieben werde. Der Dichter deute an, warum einige der heutigen Ehen zerbrächen, bevor die Tinte auf der Heiratsurkunde getrocknet sei. Scheidung sei in den alten Tagen selten gewesen. Von einem jungen Mann sei erwartet worden, dass er seine Ehefrau aus einer Familie wählt, die seinen Eltern als ehrenwerte Menschen bekannt waren. Die Ehe verband zwei Familien, die nicht getrennt werden konnten. Geschwister wurden ermuntert, aus den gleichen Häusern zu heiraten. Scheiterte die Ehe, seien die Ehegatten zusammengeblieben, um den Schein zu Ehren des Bandes zu wahren, den sie zwischen den zwei Familien geschaffen hatten.

Wellingtone Kusema vertrete die Tugenden der traditionellen Ehe, deren Werte zum "Glück im Heim" führten. Der Dichter tadele den Zusammenbruch der Institution der Ehe aufgrund der veränderten Lebensgewohnheiten. Dafür steht folgender Gedichtauszug:

“Denn diese Frau hast du beschlossen zu heiraten ...
Alles wird nicht gut enden zwischen dir und ihr,
Sie ist aus der Stadt und kennt die Eigenarten unseres Volkes nicht!”
Die Veränderungen seien angesichts der Entwicklungen, die stattgefunden haben, unvermeidlich. Junge Leute gingen auf Internate und träfen andere aus anderen Bereichen. Sie verliebten sich ineinander und am Ende würden sie heiraten.

"Wo sie zur Arbeit gingen, trafen sie andere aus anderen Bereichen und verliebten sich ineinander. Letzten Endes heirateten sie. Dieser Trend kann nicht rückgängig gemacht werden, er ist zu einem Lebensstil geworden. Kultur sei dynamisch und vermischt sich mit anderen Kulturen. Allerdings ist es selbstmörderisch, Aspekte der traditionellen Kultur aufzugeben, die die sich über Zeiten bewährt haben.“
Ernsten Zwecken solle nach Ansicht des Dichters die Ehe dienen. Es gebe keinen besseren Weg, diesem Vorsatz zu folgen, als die Geister der Hüter des Kampfes aufzurufen.

Obwohl die Gedichte geschrieben worden seien, bevor der Rat der Stadt Harare den Baum gefällt hat, an dem Mbuya Nehanda gehängt wurde, sei ein Hinweis darauf angemessen. Es sei fraglich, ob der Dichter von der griechischen Muse oder durch seine eigenen Geister der Ahnen zu schreiben inspiriert wurde. Darüber könne man debattieren ...
"Sohn,
Hör zu, und höre gut zu auf die weisen Worte, von deinen Ältesten gesprochen. . .
Diese, deine Frau ist eine Muroyi
Die mit einem Lächeln den helllen Tag verzaubert !
Selbst wenn Mbuya Nehanda Nyakasikana
Und Sekuru Kaguvi Gombera gehängt wurden
Am berüchtigten Platz in Harare, sie war da!"
Der Dichter hebe den Unterschied zwischen den Armen und den Reichen hervor, heißt es weiter in der Besprechung. Die Lücke könne geschlossen werden, wenn die Weltwirtschaftsordnung die Gerechtigkeit im internationalen Handel fördern würde.

Dies sollte auf einer gerechten Preisgestaltung beruhen. Westliche Länder bestimmten die Preise für Rohprodukte, die sie importieren. Die gleichen westlichen Länder bestimmten aber auch die Preise der fertigen Produkte, die sie exportieren. Die weltweit stattfindende Rezession habe Länder wie → Simbabwe in eine prekäre Situation gebracht.

"Die Kolonialisten investierten massiv in die Kolonien. Ihre Erben bestreiten ihren Lebensunterhalt aus dieser damaligen Investition und müssen nicht arbeiten. Die wirklichen Eigentümer dieses Erbes müssen von den Brosamen überleben“, eine Aussage, die mit folg. Gedichtauszug belegt wird:
"Sie nennen sich die Erste Welt
Diese Diva-Nationen, die sich selbst füttern
Mit den erlesensten Teilen des Reichtums anderer Nationen,
Reichtum, beschlagnahmt von den Lazarus-Nationen der Dritten Welt ..."
Die Schaffung von Arbeitsplätzen für die Jugend sei eine bewundernswerte Sache, wird eine andere Thematik aufgegriffen, aber sie sollte nicht zum Selbstzweck dienen. Das Programm werde erst dann abgeschlossen sein, wenn Jugendliche anfangen, Fertigprodukte und Dienstleistungen für den Weltmarkt herzustellen.

Kusema stelle fest, heißt es abschließend, "dass die Menschen, die Sanktionen gegen Simbabwe anwenden, dieselben Leute sind, die unseren Reichtum geplündert haben. Die Quintessenz ist, dass die Menschen in Simbabwe nicht nur von politischer Unabhängigkeit allein überleben können. Sie brauchen auch wirtschaftliche Unabhängigkeit, die stimulierend („edifying”) ist."

Das Äußere der Sammlung sei ordentlich, die Textbearbeitung hervorragend. · (The Herald Simbabwe, ÜER.B/J.K.)

Quelle:
The Herald , Simbabwe (The Herald)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜER.B/J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Bushart; Kommentar: Janko Kozmus©


linie
Weitere Artikel zu  Simbabwe in der Afrika-Chronik:
linie
linie