DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 18. März 2012

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Simbabwe ·

Standard - Simbabwe


"Geheime Liebesträume von Dambudzo Marechera",

überschreibt Godwin Muzari seinen Bericht über eine der spektakulärsten Liebesbeziehungen an der Schnittstelle von Afrikanistik und ihrem wissenschaftlichen Objekt.

Die Wohnung Nummer acht am Sloan Court in der Gegend der Harare Avenues berge für die Autorin Flora Veit-Wild süße und saure Erinnerungen, beginnt Godwin Muzari seinen Bericht für die englischsprachige simbabwische Zeitung The Standard. Sie genieße ihre romantischen Erfahrungen in den Armen eines rätselhaften, wenn auch etwas exzentrischen Genies und talentierten Schriftstellers, der die Aufmerksamkeit der Literaturkritik in den frühen 80ern, zu Hause und im Ausland, erregt habe.

Aber sie erinnere sich auch daran, wie sie es verabscheut habe, in die Welt dieses "witzigen, durchtriebenen und komplexen Charakters von → Dambudzo Marechera" verstrickt zu werden.

"Veit-Wild lächelt, als sie erzählt, wie sie spät nachts oder am frühen Morgen durch die Hintertür in Marecheras Zimmer schleichen musste, um ein Schäferstündchen („quality time“) mit einem jungen Mann zu verbringen, der auch noch Jahre nach seinem Tod, ein integraler Bestandteil ihres Lebens sein würde."

Erstmalig habe Veit-Wild ihre Romanze mit Marechera in einem kürzlich verlegten Essay mit dem Titel „Ich und Dambudzo“ öffentlich gemacht.

Die in Deutschland ansässige Akademikerin sei am Montag der vergangenen Woche nach Harare geflogen, wo sie der Standard am Mittwoch abgefangen habe.
"Ihr emotional reflektierter Essay offenbart komplizierte persönliche Details, einschließlich der ersten Liebesnacht mit Marechera, und wie sie entdeckte, nachdem der umstrittene Schriftsteller krank geworden war, dass sie HIV-positiv war."

Seit mehr als zwei Jahrzehnten hätten Forscher und Wissenschaftler erfolglos nach näheren Details der Beziehung von Veit-Wild zu Marechera gesucht. Die Frage, die sich viele gestellt haben mögen, nachdem sie ihr Essay gelesen haben: "Warum veröffentlicht sie es gerade jetzt?"

"Ich war bereit, es Ende des Jahres 2010 zu veröffentlichen, als ich den Aufsatz fertig geschrieben habe und gab es an Verlage", wird Flora Veit-Wild wörtlich zitiert. "Aufgrund der vielen Arbeit der Verleger, erzählten sie mir im Mai letzten Jahres, dass der Aufsatz im März 2012 veröffentlicht werden würde. Es war noch immer eine nicht abgeschlossene Geschichte. Natürlich geschah es vor vielen Jahren, aber ich musste diese Geschichte schreiben. Es geht nicht nur um meine Beziehung zu Dambudzo, sondern etwas, das mit meinem privaten Leben im Allgemeinen zu tun hatte."

Es sei nicht leicht, wird Veit-Wild weiter zitiert, "solche privaten Themen wie sexuelle Beziehungen und den HIV-Status zu offenbaren. Es ist etwas Persönliches, dass man nicht einfach sagen kann, und ich brauchte eine lange Zeit, um mich zu offenbaren."

Der einzige Hinweis, den sie über das Timing gegeben habe, sei, dass sie bald von ihrer Universitätsarbeit in Berlin in den Ruhestand wechseln würde, vermutlich sei das der richtige Zeitpunkt, über ihre Romanze mit Marechera zu sprechen, ohne ihre akademischen Diskussionen über den Schriftsteller zu kompromittieren.

Veit-Wild gesteht ein, dass sie den akademischen Erfolg ihrer engen Beziehung zu Marechera zu verdanken habe.

"Ich verwaltete sein Vermögen, bis ich das Land verließ und übergab es seiner Schwester Florence Ndebele. Es gibt jetzt neue Ausgaben seiner Bücher, „House of Hunger“ und „Black Sunlight.“ „Mindblast“ würde zum ersten Mal außerhalb
→ Simbabwes veröffentlicht werden. Man arbeite noch an einer Reihe von Marechera-Projekten.

"Wie auch immer", räume sie ein, die 18 Monate, in denen sie in den verstorbenen Autor verliebt war, seien ereignisreich gewesen. "Er hatte einen rebellischen Geist und ich fragte mich oft, warum ich so weit mit ihm gegangen bin. Ich hätte manchmal schwören können, dass ich ihn nie wieder sehen wollte, aber nach einigen Tagen suchte ich ihn schon wieder auf. Sie wissen, wie es ist, wenn man jemanden liebt. Ich hätte ihn schon nach einigen Tagen vermisst, wenn ich mich entschieden hätte, ihn zu verlassen."

Während ihrer Affäre habe Veit-Wild über einige von Marecheras Freundinnen Bescheid gewusst, sich aber nichts daraus gemacht, weil sie, wenn sie bei ihm war, gespürt habe, dass er jemanden an seiner Seite brauchte.

"Er erzählte mir, wie eifersüchtig die anderen Freundinnen waren, als sie von unsere Sache erfuhren. Er sagte, ich verstünde ihn besser, und als er starb, war ich die einzige mit einem Schlüssel zu seinem Zimmer und ich denke, dass es ein Zeichen dafür war, dass er mir mehr vertraute."

Veit-Wild wolle weder viel über die vielen Freundinnen Marecheras sagen noch darüber, ob sie denke, dass sie HIV von ihm habe.

Es sei egal, wer wen angesteckt habe. "Auch das ist nicht Teil meiner Geschichte. Alles was ich über diese Beziehung zu offenbaren hatte, ist in meinem Essay. Ich will nicht mehr sagen, als das, was ich für richtig befunden habe zu sagen."

Veit-Wild träume immer noch von Marechera. In ihrem Essay habe sie darauf hingewiesen, wenige Tage nach seinem Tod seinem gewalttätigem Charakter in ihren Träumen begegnet zu sein, während er jetzt aber friedlich erscheine. "Ich habe von ihm geträumt, als ich letzte Woche in Südafrika ankam. Ich erinnere mich nicht an die Details des Traumes, aber er war überhaupt nicht mehr gewalttätig."


"Meine Familie ist außer sich."

Veit-Wild weigere sich, über ihre Familie zu sprechen und darüber wie sie sich fühlte, als sie Marechera - ihren Liebhaber – zu ihr nach Hause gebracht habe, wo sie mit ihrem Mann und ihren Kindern lebte.

"Meine Beziehung mit Dambudzo", wird Flora Veit-Wild ein letztes Mal wörtlich zitiert, "hat nichts mit meiner Familie zu tun. Es ist nicht Teil meiner Geschichte, und ich kann niemanden miteinbeziehen, außer uns beiden." · (Standard Simbabwe, ÜEK: R.B./J.K.

Quelle:
The Standard, englischspr. simbabwische Sonntagszeitung (Standard Simbabwe)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜER.B/J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Bushart; Kommentar: Janko Kozmus©


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