DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2018)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Jahreschroniken: 2017

Stand: 13.04.18

 

Januar
2017
Vor 50 Jahren erschien die erste Nummer der südafrikanischen Monatsschrift Sechaba, herausgegeben vom ANC. Darin waren Artikel aufgenommen, die die Situation im Lande wie auch in der Region Südliches Afrika kritisch und aus Sicht des Kampfes gegen das System der Apartheid beschrieben.
18. Januar
2017

Die äquatorialguineische Schriftstellerin und Journalistin María Nsué Angüe stirbt in einem Krankenhaus in Malabo, der Hauptstadt ihres Heimatlandes.
Die Autorin gehörte dem Volk der Fang an und schrieb in spanischer Sprache, die neben der französischen und der protugiesischen zu den Amtssprachen von Äquatorialguinea zählt.
Im Jahre 1985 wurde Angües erster Roman Ekomo publiziert, sie war damit die erste Frau ihrer Heimat, die ein Buch veröffentlichte. Darin wird die Geschichte einer Ehe aus der Sicht einer Frau aus dem Volk der Fang erzählt.
Weitere Werke:
Alfa y Omega y Sombras, in: Antología de la literatura guineana, ed. Donato Ndongo Bidyogo, Editora Nacional, Madrid 1984
Delirios, in: África 2000, número 15, Centro Cultural Hispano-Guineano, Malabo 1991 (S. 27-29).
Cuentos de la Vieja Noa (Relatos), Centro Cultural Hispano-Guineano, Malabo 1999.
Adugu, in: Literatura de Guinea Ecuatorial – Antología, ed. Donato Ndongo Bidyogo y Mbaré Ngom Faye, Sial Ediciones, Madrid 2000 (S. 369-373).

Die Robert-Bosch-Stiftung gibt den neuen Adelbert-von-Chamisso-Preisträger bekannt. Mit dem Preis ehrt die Stiftung seit 1985 "herausragende auf Deutsch schreibende Autoren, deren Werk von einem Kulturwechsel geprägt ist". Der mit 15.000 Euro dotierte Preis geht in diesem Jahr an den syrisch-deutschen Schriftsteller Abbas Khider für sein bisheriges Gesamtwerk. In diesem erweise sich Khider "als sprachsensibler Beobachter der Verzweiflung, Verstörtheit, Wut und Hoffnung junger Männer, die ihre Heimat verlassen müssen und Zuflucht in Europa suchen".

25. Januar
2017
Im Alter von 72 Jahren stirbt in London die nigerianische Schriftstellerin  Buchi Emecheta.
Ihr erzählerisches Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, so wurde ihr Roman The Joys of Motherhood (dt: Nnu Ego - Zwanzig Säcke Muschelgeld) im Jahre 2003 von der Jury des internationalen Buchfestivals in Harare/Simbabwe zu einem der 100 besten afrikanischen Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt.
16. Februar
2017
Herausgabe der Shortlist des von Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) finanzierten International Prize for Arabic Fiction für 2017.
- Mohammed Hasan Alwan: A Small Death,
Saudi-Arabien
- Najwa Binshatwan: The Slave Pens,
Libyen
- Ismail Fahd Ismail: Al-Sabiliat, Kuwait
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Elias Khoury: Children of the Ghetto – My Name is Adam, Libanon
- Mohammed Abdel Nabi, In the Spider's Room (mit dem in arabischen Ländern tabuisierten Schwulenthema),
Ägypten
- Saad Mohammed Rahim: The Bookseller's Murder, Irak.
Vorsitzende des mit $ 50.000 dotierten Preises ist die palästinensiche Autorin
 Sahar Khalifa. Neben dem Preisgeld winkt dem ausgezeichneten Roman eine Übertragung ins Englische.
1. März
2017
100. Geburtstag der in Nablus geborenen palästinensische Dichterin  Fadwa Tuqan. 2003 starb die "Grande dame" der Lyrik Palästinas. Sie wurde 86 Jahre alt.
Insgesamt wurden neun Gedichtsammlungen von Fadwa Tuqan veröffentlicht, The Last Melody (2000) ist die letzte; 1990 und 1993 erschien ihre zweiteilige Autobiografie: Tuqan, Fadwa: An autobiography: A Mountainous Journey
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10. März
2017
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HUBERT HADDAD
FALASTIN

Der in Tunis geborene Poet, Romancier und Essayist Hubert Abraham Haddad wird 70 Jahre alt.
Als Autor ist er unter der Namenskurzform Hubert Haddad bekannt. Seine Eltern sind mit ihm nach Frankreich ausgewandert, als er selbst noch ein Kind war. Haddad schreibt in französischer Sprache. Sein umfangreiches Werk wurde teilweise ins Englische übertragen. Im Deutschen ist 2009 sein von Katja Meintel übersetzter preisgekrönter Roman Falastin (arab. für Palästina) erschienen. Darin erzählt Haddad von einer Liebesgeschichte im israelisch besetzten Westjordanland, die sich zwischen einem entführten israelischen Soldaten und Falastin, einer modernen Antigone, entspinnt.
29. März
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2017
70. Geburtstag des algerischen Lyrikers und Schriftstellers Habib Tengour.
Dem deutschsprachigen Publikum ist er durch seinen im Jahre 2004 veröffentlichten Roman Der Fisch des Moses bekannt geworden, in dem es um drei junge Algerier geht, die in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft haben und anschließend getrennte Wege gehen, wie auch ihre Motive für den Kampf völlig unterschiedlich waren.
25. April
2017
Mohammed Hasan Alwan wird mit dem International Prize for Arabic Fiction 2017 ausgezeichnet,
 Sahar Khalifa, die Juryvorsitzende des von Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) finanzierten International Prize for Arabic Fiction für 2017, gibt den diesjährigen Gewinner bekannt:
In seinem Roman A Small Death erforsche Mohammed Hasan Alwan Leben und Gedanken des Ibn Arabi. Der im Jahre 1240 in Damaskus verstorbene Sufi Ibn Arabi gilt vielen als der größte Meister - latinisiert ausgedrückt: Magister Magnus - des Sufismus, zudem gilt er als Advokat religiöser Toleranz.

Die Freude des aus Saudi-Arabien stammenden Autors Mohammed Hasan Alwan über die Auszeichnung, den sog. arabischen Booker-Preis, dürfte groß sein. Neben der Übertragung des Romans ins Englische beinhaltet sie ein Preisgeld von $ 50.000.

26. Mai
2017
Der in den USA lebende ägyptische Schriftsteller → Alaa al-Aswani wird 60 Jahre alt.
Neben seiner schriftstellerischen Arbeit hat sich der Autor in seiner Heimat auch gesellschaftlich engagiert. Während der Zeit des Arabischen Frühlings gilt er als
Mitbegründer und einer der Wortführer (manche Quellen sprechen davon, er sei der Wortführer gewesen) von Kifaya (arab. für "Es reicht"), einem breiten Bündnis, dem neben Linken und Bürgerlichen, auch Säkulare und Mitglieder der Muslimbruderschaft angehören.
20. Juni
2017
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Der diesjährige - 9. - Internationale Literaturpreis für ins Deutsche übertragene Erstübersetzungen geht an Fiston Mwanza Mujila aus der Demokratischen Republik Kongo für seinen Roman Tram 83. Die Auszeichnung, gestiftet vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin, ist mit 35.000 Euro dotiert, 20.000 gehen an den Autor und 15.000 an den oder die Übersetzer. Beim vorliegenden Roman sind dies Katharina Meyer und Lena Müller, die aus dem Französischen übersetzten. Die Jury, die aus namhaften Literaturkritikern und -wissenschaftlern besteht, begründete ihre Entscheidung wie folgt:
  "Es ist der radikale Bericht postkolonialen afrikanischen Lebens in einer auf unermesslichen Bodenschätzen brodelnden Stadt. Fiston Mwanza Mujila skandiert, brüllt, säuselt die Sätze über den Alltag in einer von Gewalt beherrschten Männergesellschaft mit radikalem Furor und erzählt nebenbei die Geschichte eines Chefgauners und die der unwahrscheinlichen Rettung eines todgeweihten Dichters. Die Übersetzerinnen Katharina Meyer und Lena Müller haben für diesen ins Performative drängenden Text eine mitreißende Sprache gefunden."
26. Juni
2017
50. Geburtstag des in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo geborenen, in Französisch schreibenden Schriftstellers Jean-Luc Raharimanan.
Juli - Dezember
2017
COVER: RIWAN ODER DER SANDWEG
COVER: DIE NACHT DES BAOBAB
  Die 1947 geborene senegalesische Schriftstellerin Ken Bugul ist auf Einladung des dortigen Literaturhauses Writer in Residence in Zürich.
 In deutscher Übersetzung liegen zwei ihrer Romane vor:
 Die Nacht des Baobab (Le Baobab Fou)
 Riwan oder der Sandweg (Riwan ou le Chemin de Sable)
21. Juli
2017
Der in Frankreich lebende guineische Schriftsteller Tierno Monénembo wird 70 Jahre alt.
18. August
2017
Heute vor 30. Jahren starb der simbabwische Schriftsteller Dambudzo Marechera in Harare an Lungenentzündung infolge von Aids.
6. September
2017
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BACHTYAR ALI:
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BACHTYAR ALI:
DER LETZTE GRANATAPFEL
Der irakisch-kurdische Schriftsteller Bachtyar Ali wird mit dem mit 15.000 € dotierten NellySachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet. Die Entscheidung am heutigen Tag kommentiert Jury-Mitglied und Schriftsteller Stefan Weidner: "Angesichts von Erfahrungen genozider Gewalt, Kriegen und Flucht ist Bachtyar Alis Werk ein Manifest des Lebenswillens und der Poesie. Unter Rückgriff auf die Mythen und die Spiritualität des Orients sowie getragen von hohem moralischem Anspruch und großem Engagement bricht der Autor eine Lanze für die Menschlichkeit". (Focus online v. 7.09.2017)
Der Autor lebt seit Mitte der 90 Jahre in Deutschland. Er schreibt in Sorani, der südöstlichen Variante des Kurdischen. Zwei seiner Werke sind in Deutsch erschienen:
Der letzte Granatapfel, Roman. 2016. Übersetzung: Ute Cantera-Lang und Rawezh Salim.
Die Stadt der weißen Musiker, Roman. 2017. Übersetzung: Peschawa Fatah
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zeit
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Arabische und afrikanische Sprüche und Weisheiten:

15. September 

2017

Die zwischen ihrer nigerianischen Heimat und den USA pendelnde Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie wird 40 Jahre alt.

13. Oktober
2017
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BADELE-THOMAS:
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Der in Kafanchan, im Norden  Nigerias, geborene Schriftsteller Biyi Bandele-Thomas wird 50 Jahre alt.
Bis zu seinem 18. Lebensjahr lebte Bandele-Thomas in seinem Geburtsort, anschließend zog er nach Lagos. 1987-1990 studierte er Theaterwissenschaft an der Obafemi-Awolowo-Universität von Ile-Ife, Oyo State. Als er bei einem Wettbewerb für sein Theaterstück Rain den ersten Preis ein Stipendium für einen einjährigen Aufenthalt in London erhielt, zog er in die britische Hauptstadt, wo er noch heute lebt.
In deutscher Übersetzung sind drei Werke von Biyi Bandele-Thomas erschienen:
Bozo David Hurensohn (Original: The man who came in from the back of beyond; Übersetzung: Gabriele Cenefels) Frankfurt am Main 1991
Kerosin Mangos (Original: The Sympathetic Undertaker and Other Dreams; Übersetzung: Gabriele Cenefels) Frankfurt am Main 1993
In London keine Regenzeit. Eine Parabel. Aus dem englischen Manuskript Incantations on an eve of execution von Susanne Gittel übersetzt). Roman. Frankfurt am Main 1997
18. Oktober
2017
Eugénio de Paula Tavares

150. Geburtstag des im Alter von 62 Jahren 1930 auf der kapverdischen Insel Brava verstorbenen Dichters Eugénio Tavares.

Der vollständige Name des in klassischem Portugiesisch und - als einer der ersten überhaupt - in Kreol (der Ilha da Brava) Schreibenden lautet:
Eugénio de Paula Tavares.
Zu seinen Werken zählen Amor Que Salva (Die Liebe die rettet) und O Mal de Amor (Das Böse der Liebe).
Eugénio Tavares machte sich auch als Komponist der typischen kapverdischen Klagelieder, der Mornas, einen Namen. Seine Lieder wurden nach seinem Tod gesammelt und als Morna: Cantigas Crioulas (Morna: Kreolische Lieder) publiziert.

14. November
2017

In der Online-Ausgabe des algerischen El Watan wird über einen Auftritt des im Lande lebenden Schriftstellers, Kolumnisten und Übersetzers → Amin Zaoui berichtet:

"Amin Zaoui in El Flaye: "Man muss sich vom religiösen Fanatismus befreien"

Vom toleranten und brüderlichen Islam unserer Eltern und Großeltern sei man zu einer Religiosität von Prunk, Scharlatanerie, Hass, Unterdrückung, Anathema und Gewalt übergegangen, wird Zaoui zitiert.

mehr dazu · (El Watan.com, ÜFK: J.K.)

30. November 

2017

COVER: Tierno Monénembo: KUBAS HÄHNE KRÄHEN UM MITTERNACHT bei amazon
KUBAS HÄHNE KRÄHEN
UM MITTERNACHT

Der frankophone guineische Schriftsteller Tierno Monénembo wird mit dem Grand Prix de la francophonie de l'Académie française für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird von der Académie française verliehen, geht jedoch auf eine Initiative der kanadischen Regierung zurück und gilt der weltweiten Verbreitung der französischen Sprache.
Tierno Monénembo ist am 21. Juli diesen Jahres 70 Jahre alt geworden. Neben der aktuellen Auszeichnung stehen zahlreiche andere renommierte Preise. Als sein letztes Werk in deutscher Übersetzung erschien der Roman Kubas Hähne krähen um Mitternacht.
Der Roman ist eine Hymne an die afrikanischen Wurzeln Kubas: Ignacio Rodríguez Aponte, ein Schwarzer mit kubanischen und afrikanischen Wurzeln, sichert sich sein Einkommen, indem er westliche Touristen vom Flughafen in Havanna abholt. Eines Tages fällt sein Blick auf einen Reisenden, der ihn an einen Teil seiner eigenen Geschichte erinnert, den er zu verdrängen versucht. Es begann in den 50er Jahren, als der von Batistas Truppen gejagte Fidel Castro Zuflucht auf dem Hof seines Großvater Alfonso fand. Diesem wird vom Revolutionsführer im Falle des kommunistischen Erfolgs das Eigentum an seinem Hof mit einem unterzeichnetem Brief garantiert. Es ist dieser Brief, der der jungen und schönen Juliana, die in einen guineischen Saxophonisten verliebt ist, jede Menge Ärger einbringt.

27. Dezember 

2017

Nach drei Wochen Haft in seiner kamerunischen Heimat wird Patrice Nganang wieder frei gelassen.
Wenige Stunden nachdem die Vorwürfe gegen ihn vor Gericht abgewehrt wurden und von diesem seine Freilassung angordnet wurde kommt Nganang frei. Hintergrund war ein Artikel von Nganang in der in Paris herausgegebenen französischsprachen Zeitschrift Jeune Afrique Cameroun, in welcher er sich zum Streit zwischen dem englisch- und französischsprachigen Teil des Landes äußerte. Der seit Langem gärende Konflikt - der englische Teil wirft der Regierung vor, seine Interessen nicht ausreichend zu vertreten - droht sich zu einem Sezessionskrieg auszuweiten. Nganang verwies in dem Artikel darauf hin, dass auch die Bevölkerung im französischsprachigen Teil mit dem eisernen Führungsstil des Präsidenten unzufrieden ist.- Vgl. "Der Sprachenstreit in Kamerun eskaliert", in: NZZ online vom 13.12.2017 und "Cameroun : fin des poursuites contre Patrice Nganang, qui doit être expulsé vers les États-Unis", in Jeune Afrique Cameroun online vom 27.12.2017.

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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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Quellen:
Sach- und Personenregister

. . Veranstaltungshinweise
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