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Literatur

Rezensionen    Haruki Murakami: Wilde Schafsjagd
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Ratte und Schaf

Zusammen mit einem Partner und Freund unterhält der Ich-Erzähler ein Übersetzungs- und Werbebüro in Tokyo und hat damit Erfolg, der ihm aber nicht wichtig erscheint. Überhaupt scheint ihm wenig wichtig zu sein. Womöglich liebt er die Musik, jedenfalls plaudert er gern darüber. Ob er seine Ehefrau liebt, ist schon weniger gewiß. Als die ihn verläßt, lernt er bald die mit den Ohren kennen. Die scheint er zu lieben, die Ohren. Die Sexualität vielleicht auch, insgesamt erscheint er motivationslos in einem Grad, der bis an die Schmerzgrenze reicht. Und doch macht er sich auf in seine Heimatgegend, als sein Freund ihn um einen Gefallen bittet und später, als er erpreßt wird vom schwarzen Sekretär, der damit droht, sein Partner und er würden in der Branche keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen, wenn er ein ganz bestimmtes Schaf, ein Tier, das es in ganz Japan gar nicht geben dürfte, nicht fände. Damit beginnt die von Haruki Murakami völlig unaufgeregt inszenierte Wilde Schafsjagd, die bis in den hohen Norden, die Kältezone Japans führt.

Was zunächst wie ein zwar äußerst humoriges, aber zielloses Plaudern wirkt, erweist sich spätestens gegen Ende des Romans als ein eng geknüpftes, logisch-stringentes Handlungnetz. Dieses steht nie in Widerspruch zur Symbolik des Schafs, das einzelne Menschen in Besitz nimmt. Nur der Ich-Erzähler läßt sich treiben und einsetzen, wenn nicht, letztlich, benutzen. Eingespannt zwischen die Verzweiflung seines alten Freundes Ratte und die Interessen des schwarzen Sekretärs droht er zu zerbrechen.

(
Originaltitel: »Hitsuji o meguru boken«)

2002 © by Janko Kozmus

BEGINNREZENSIONEN
Und hier eine kleine Kostprobe aus »A Wild Sheep Chase«, der englischen Übersetzung:

To put it in numerical terms, sheep figured in approximately eighty percent of his hallucinations, or in four out of five hallucinations. And not just any sheep. It was this chestnut-colored sheep with the star on its back.
"So it was the Boss came to use this sheep, that is engraved on the lighter, as his own personal rest from 1936 on. I believe you will have noticed that this sheep is one and the same as the sheep in the medical records. Which is again the same as the one in your photograph. Most curious, do you not think?"
"Mere coincidence," I tossed out. I had meant to sound cool, but it didn't quite come off.

BEGINNREZENSIONEN
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  Von der Phantasmagorie zur Allegorie (zu: Tanz mit dem                                                                    Schafsmann)
  Über den Unterschied von Symbolen und Zeichen 
                                                  (zu: Sputnik Sweetheart)
An Stelle einer Rezension:
Murakami lesen oder: Ein Elefant verschwindet

 

L I N K S :

Haruki Murakamis deutscher Verlag: DuMont Literatur und Kunst Verlag
(Unter >Autoren >M >Murakami ist eine ausführliche Biographie einzusehen!)

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