DIE MARABOUT-SEITE
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KRIMINALLITERATUR
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Last Update: 21.02.17

Kriminalliteratur aus Afrika und Arabien

 ÄGYPTEN   |  ALGERIEN   |  GHANA   |  KAMERUN   |  KENIA   |  MOSAMBIK   |  MAROKKO   |  NIGERIA   |  SAMBIA   |  SüDAFRIKA
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AUTOREN
BUCHTITEL
Parker Bilal:
Die dunklen Straßen von Kairo
John Le Carré *:
Driss Chraibi:
 
 
 
Ahmed Mourad:
Diamantenstaub
Vertigo
Henning Mankell*:
Das Auge des Leoparden
Die Wilderer
Deon Meyer:
Rote Spur
 
Mukoma wa Ngugi:
 
  Bad Cop
 
 
 
Malla Nunn:
Nii Parkes:
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Nigeria


Helon Habila: Oil on Water (dt: Öl auf Wasser; Hrsg.: Indra Wussow; Übersetzung: Dr. Thomas Brückner. Heidelberg 2012), Roman. London 2010.-
Ausgezeichnet beim 29. Deutschen Krimi Preis 2013: Kategorie International 2. Platz
Hintergrund des Romans Öl auf Wasser ist die Ölförderung im Nigerdelta und die damit einhergehende massive Umweltzerstörung. Die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft wird entführt, augenscheinlich die Tat einer gegen die Ölförderung kämpfenden Rebellengruppe. Als der junge Journalist Rufus davon Wind bekommt, macht er sich - gemeinsam mit dem gealterten Starreporter Zaq - in einem Kanu auf dem Niger auf die Suche nach der Entführten und der großen Story.- Zur Rezension des Romans -->
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Ghana


Nii Parkes: Tail of the Blue Bird (dt: Die Spur des Bienenfressers; Übersetzung: Uta Goridis. Zürich 2010), Roman. London 2010.- Für Nii Ayikwei Parkes, wie der in Großbritannien geborene und in Ghana aufgewachsene Sohn ghanaischer Eltern mit vollem Namen heißt, ist der vorliegende Krimi das erste in Prosa verfasste Stück Literatur. Bislang hat sich Parkes als Poet, Liedtexter und Rapper hervorgetan. Ein abgelegenes ghanaisches Dorf gewährleistet dem Romanhintergrund absolute Urtümlichkeit; in der entwickelt sich die teilweise absurde Spurensuche, die der Städer Kayo, seines Zeichens Gerichtsmediziner, bei der Aufklärung eines Mordes mit Akribie und wissenschaftlicher Methodik absolviert. Dabei beweist er genug Intuition, um sich den Vorstellungen des Dorfjägers nicht zu verschließen. - Beträchtliches Lesevergnügen durch amüsante und geistvolle Szenen, werden dem Krimi von der Kritik attestiert. -

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Ägypten

Cover - Diamantenstaub

Ahmed Mourad: Torab al-mas (dt: Diamantenstaub; Übersetzung: Christine Blattermann. Basel 2014), Thriller. Kairo 2010.
Fünf Jahrzehnte Geschichte und drei Generationen einer Familie umspannt dieses Buch aus Ägypten. Die Handlung beginnt in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts mit Hanafi al-Sahâr, dem Großvater, der schon alle Widersprüche im Lande zu spüren bekommt: die Korruption, die extreme Kluft zwischen Arm und Reich. Dann springt der Roman ins Jahr 2008. Hanafis Sohn Hussain lebt mit seinem Sohn Taha zusammen. Husains Frau hat die kleine Familie verlassen, was eine nie verheilte Wunde hinterlassen hat. Hussain sitzt im Rollstuhl und beobachtet den ganzen Tag durchs Fenster die Umgebung. Eines Tages wird er ermordet. Die polizeilichen Ermittlungen werden ohne Ergebnis eingestellt. Sein Sohn Taha, ein Pharmavertreter, kann sich mit dieser Tatsache nicht abfinden und recherchiert auf eigene Faust weiter. Dabei stößt er auf ein dunkles Familiengeheimnis, das bis in die Zeit seines Großvaters zurückreicht. Der Roman endet mit den ersten Treffen auf dem Tahrir Square, das Einsetzen des Arabischen Frühlings.

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Cover - Vertigo

Ahmed Mourad: Vertigo (dt: Vertigo; Übersetzung: Christine Blattermann. Basel 2016), Thriller. Kairo 2007.
In der Hotelbar Vertigo wird Achmad - Gesellschaftsfotograf und Protagonist des vorliegenden Krimis - nicht nur Zeuge eines brutalen Mordes, sondern kann dieses Geschehen auch mit seiner Kamera festhalten. "Das brisante Material spielt er einer Zeitung zu, deren Chefredakteur eine wichtige Rolle im alles durchdringenden Geflecht aus Korruption, Intrigen und Klientelpolitik spielt. Unversehens verfängt Achmad sich in diesem Netz, das bis in höchste Kreise reicht. Er sieht sich gezwungen unterzutauchen, denn seine skrupellosen Gegner schrecken vor nichts zurück", beschreibt der Verlag.
Die erste Übersetzung dieses Romans erschien in englischer Sprache, der britische Guardian schreibt hierzu:
"Ein rasanter, blutiger Thriller, der die gierigen, schäbigen und korrupten Geschäftsleute und Politiker entlarvt, die ihren Reichtum mit der Ausbeutung der Armen machen. Die Story traf einen Nerv in Ägypten, und das Buch wurde zum Bestseller." Der Titel Vertigo gemahne bewusst an Hitchcocks gleichnamigen Film, das Buch sei gespickt mit entsprechenden Anspielungen.

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Bilal Parker: The Golden Scales (dt: Die dunklen Straßen von Kairo; Übersetzung: Karolina Fell. Reinbek 2012), Kriminalroman. Bloomsbury 2011. -
Bilal Parker ist das Pseudonym, unter dem der 1960 geborene britisch-sudanesische Autor Jamal Mahjoub als Krimiautor schreibt.
Protagonist des in den frühen 80er-Jahren handelnden Romans Die dunklen Straßen von Kairo ist Makana, ein Kriminalkommissar aus dem Sudan, der nach Ärger mit den Islamisten seine Heimat fluchtartig verlassen musste und dabei seine Familie verlor. In Kairo lässt er sich neu nieder und erhält den Auftrag nach einem verschwundenen Fußballer zu suchen. Sein Auftraggeber gehört der Millionärsclique an, und so erhält der Außenseiter Einblick in eine Seite des Landes, die weder mit den touristischen noch mit den Not leidenden Massen am Nil zu tun hat.-
Marten Hahn, der Rezensent von Deutschlandradio Kultur kritisiert den Stil des Romans, beschließt seine Kritik jedoch positiv: Wem es gelänge, die angesprochenen Mängel zu verzeihen, "der spürt ein Leuchten - hinter der Sprache. In der Werkstatt des mysteriösen alten Fälschers und Sehers zum Beispiel, den Makana immer wieder besucht, und auf dem Basar der Stadt. Mahjoub alias Bilal Parker macht den engen, lauten, bunten Marktplatz zum eigentlichen Herzen der Metropole und zum Seelenspiegel eines zutiefst zerrissenen Landes: Während die einen hier Souvenirs kaufen, wartet auf die anderen in diesem Labyrinth nichts als Paranoia und alptraumartige Beklemmung."
In seiner Literaturkritik für literaturkritik.de hebt der promovierte Literaturwissenschaftler Walter Delabar insbesondere den gesellschaftlichen Aspekt im Roman hervor: "Ein Land wie dieses Krimi-Ägypten, das wirtschaftlich, sozial und politisch im Umbruch ist, ist eine äußerst fruchtbare Stätte für jede Form der Kriminalität, aber eben auch ein Areal, in dem sich niemand mehr gewiss sein kann, was es bedeutet, sich richtig oder falsch zu verhalten. (...)
Das besondere an Bilals Krimi ist (allerdings), wie er diese fragile Gesellschaft und ihre Akteure schildert und in Beziehung zueinander setzt. Reste traditionaler Formen werden mit modernen Anforderungen kombiniert, kriminelle Akteure suchen den legalen Raum. Die Unsicherheit, in der alle Akteure leben und handeln müssen, treibt sie dazu, den eigenen auch kurzfristigen Vorteil zu suchen, den sie zumeist nicht halten können. Es ist also der Versuch eines Gesellschaftsporträts, der Bilal umtreibt."

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Südafrika

Malla Nunn


Malla Nunn: Present Darkness (dt: Zeit der Finsternis; Übersetzung: Laudan & Szelinski. Hamburg 2016); Kriminalroman. Australien 2014. - Detective Sergeant Emmanuel Cooper hat sich nach Johannesburg versetzen lassen, um sein heimliches Doppelleben führen zu können. Die Rassentrennungsgesetze - wir befinden uns im Jahr 1953 - zwingen ihn dazu, denn er hat eine farbige Frau und zusammen haben sie eine Tochter. Da wird im Villenviertel ein weißes Paar überfallen, der Ehemann wird verletzt und stirbt an den Folgen. In Verdacht gerät u.a. Aaron Shabalala, der jüngste Sohn seines Freundes und Kollegen Detective Constable Samuel Shabalala. - 2015 nominiert für den Davitt Award — Best Adult Crime Novel.

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Malla Nunn


Malla Nunn: Silent Valley (dt: Tal des Schweigens; Übersetzung: Laudan & Szelinski. Hamburg 2016); Kriminalroman. Australien 2012. - Geboren im südafrikanischen Swasiland emigrierte ihre Familie 1970 nach Australien. 2008 erschien dort der erste von mehreren Kriminalromanen mit dem Johannesburger Detektiv Emmanuel Cooper als Protagonist. Die Stories haben das Apartheid-beherrschte Südafrika der 1950er-Jahre zum Hintergrund. In Tal des Schweigens wird Detektiv Cooper Drakensberge geschickt, um einen anonym gemeldeten Todesfall aufzuklären. Zulu-Detective Shabalala begleitet ihn als Übersetzer und Fährtenleser. Vielleicht eine Chance für die beiden in Ungnade gefallenen Ermittler sich zu rehabilitieren? - In Großbritannien und den USA erschien der Roman im Jahre 2012 unter dem Titel Blessed are the Dead und wurde für den Edgar Allan Poe Award / Bester Roman nominiert. Ebenfall nominiert in der deutschen Übersetzung für
den Liberaturpreis 2017

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Mike Nicol


Mike Nicol: Power Play (dt: Power Play; Übersetzung aus dem südafrikanischen Englisch: Mechthild Barth. München 2016); Kriminalroman. London 2015. - Mace Bishop, der Protagonist aus der Rache-Trilogie, hat die Sicherheitsfirma, die er gemeinsam mit einem Kameraden führte, an seine Tochter Krista weitergegeben. Diese bekommt eines Tages den Auftrag, zwei chinesische Geschäftsmänner zu bewachen. Was sie nicht ahnt, die Beiden planen, den Schwarzhandel mit Seeohren in Kapstadt zu übernehmen.

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Mike Nicol


Mike Nicol: Of Cops & Robbers (dt: Bad Cop; Übersetzung aus dem südafrikanischen Englisch: Mechthild Barth. München 2015), Kriminalroman. London 2013. - Im Mittelpunkt des Kriminalromans steht ein Detektiv namens Fish Pescado. Eines Tages steht seine ehemalige Geliebte und Anwältin Vicki Kahn mit einem Auftrag vor ihm: Er soll herausfinden, wer bei den inzwischen zum Ritual gewordenen nächtlichen Autorennen der Söhne der Reichenelite einen Zuschauer totgefahren hat. Die Spur führt in die besagte Elite, bis ganz nach oben. Parallel dazu verweist eine Handlung, die das Treiben einer Todesschwadron im Auftrag der weißen Regierung aufzeigt, in die Vergangenheit, bis ins Jahr 1977 zurück. Der Leser darf gespannt sein, ob und wie der Autor die Fäden zusammenführt- Zur Rezension geht's hier lang -->.

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Mike Nicol


Mike Nicol: Black Heart (dt: Black Heart; Übersetzung aus dem südafrikanischen Englisch: Mechthild Barth. München 2014), Kriminalroman, Letzter Teil der Rache-Trilogie (siehe unten); Kapstadt 2011. -

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Mike Nicol

Mike Nicol: Killer Country (dt: Killer Country; Übersetzung aus dem südafrikanischen Englisch: Mechthild Barth. München 2012), Kriminalroman, Zweiter Teil der Rache-Trilogie (siehe unten); Kapstadt 2010.
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Mike Nicol: Payback(dt: Payback; Übersetzung aus dem südafrikanischen Englisch: Mechthild Barth. München 2011), Kriminalroman. Erster Teil der Rache-Trilogie; Kapstadt 2008.-
Absatz Mace Bishop, der frühere Waffenschmuggler und Kämpfer der Anti-Apartheid-Bewegung betreibt mit seinem Freund zusammen eine Sicherheitsfirma. Als sie einen jungen Popstar gegen eine islamistische Organisation schützen sollen, bekommen sie es mit deren Anwältin zu tun, die anscheinend noch eine Rechnung mit ihnen offen hat.- Tobias Gohlis, der Rezensent der FAZ versichert, die Gewalt in Payback habe nichts mit action zu tun, sondern mit der südafrikanischen Realität. Mit angehaltenem Atem habe er diesen Krimi von "Weltformat" gelesen. - Payback ist der erste Band der sog. Rache-Trilogie, zu der es in der Einleitung zu einem Interview mit dem Autor heißt, Nicol erzähle "abgeklärt, witzig und mit viel Distanz. Genau diese Qualitäten bescheinigten die Kritiker auch seiner Trilogie Payback, Killer Country und
Black Heart. Sie rühmten die Krimis als "großen Wurf", "Ausnahmeliteratur" und Werk in "Weltformat". Vgl. Rache ist das Hauptmotiv v. Eric Breitinger, in: LiteraturNachrichten Nr. 115 Winter 2012, litprom.de
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Deon Meyer: Spoor (dt: Rote Spur; Übersetzung: Stefanie Schäfer: Berlin 2011), Kriminalroman 2011. -
In der KrimiZEIT-Bestenliste erreichte Rote Spur den 6. Platz bei der Auszeichnung für den Krimi des Jahres 2011 .-
Im Mittelpunkt des Romans steht der Bodyguard Lemmer, der sich für den Transport von Nashörnern anheuern lässt. Der Transport, der an der simbabwischen Grenze seinen Anfang nimmt, wird überfallen und Lemmer gerät in Mordverdacht. Doch geht es in dem Roman nicht nur um den Schmuggel der wertvollen Hörner, sondern auch um Waffen und Diamanten. Griessel und Joubert stehen Lemmer zur Seite beim Kampf gegen kriminelle Netzwerke, die weiter greifen als die südafrikanische Landesgrenze. -
Sylvia Staude, die Rezensentin der Frankfurter Rundschau hat jede der über 600 Seiten dieses prallen Thrillers genossen. -

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Deon Meyer: Infanta (dt: Der Atem des Jägers; Übersetzung: Ulrich Hoffmann: Berlin 2007), Kriminalroman 2007. -
Einst war Benny Griessel der beste Polizist Kapstadts, doch dann begann er zu trinken. Nun ist er am Ende. Einzig sein Chef glaubt noch an ihn und übergibt ihm den spektakulärsten Fall der letzten Jahre: Ein Killer läuft durch die Stadt und tötet in Selbstjustiz Kinderschänder. Griessel weiß, dass diese Ermittlung seine letzte Chance ist. Er versucht, die Prostituierte Christine und ihr Kind als Lockvogel einzusetzen. Doch bald ahnt er, dass er diesem Fall nicht gewachsen ist. Denn plötzlich gerät er selbst ins Fadenkreuz eines Drogenbarons. (Klappentext)
2010 wurde Devils Peak, wie Der Atem des Jägers in Englisch heißt, mit dem Schwedischen Krimipreis - International.ausgezeichnet. -
Als klassischen Polizeikrimi einerseits und Sozialroman andererseits sieht
Sylvia Staude, die Rezensentin der Frankfurter Rundschau, dieses Buch und "weil wir glauben können, dass südafrikanische Verhältnisse den einen Menschen zum Alkohol, den anderen zu Selbstjustiz treiben, ist "Der Atem des Jägers" ein Buch, das brillant ist in seiner Ambivalenz. (...) Mit Hammet und Chandler ist Meyer verglichen worden. Seine Welt ist dunkel und hart, soweit stimmt der Vergleich; aber unter dieser Härte ist, anders als bei den amerikanischen Kollegen, der fast verzweifelte Wunsch nach Helligkeit und Schönheit zu spüren."-

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Algerien

KHADRA: WORAUF DIE AFFEN WARTEN bei amazon bestellen

Yasmina Khadra: Qu'attendent les singes? (dt: Worauf die Affen warten; Übersetzung: Regine Keil-Sagawe; Hamburg 2015), (Kriminal-)Roman. Paris 2014 und Algier 2014. -
Absatz Rezension: Schattenherrscher
Nach dem Ausflug ans Horn Afrikas, wo er von einer Entführung von Westeuropäern durch Piraten erzählte, kehrt der algerische Autor Yasmina Khadra mit dem vorliegenden, im französischen Original im letzten Jahr und in deutscher Übersetzung in diesem Frühjahr erschienenen Roman in seine Heimat zurück. Und auch mit dem Genre, dem des gesellschaftkritischen Kriminalromans, wendet er sich wieder seinen Wurzeln zu. Mithilfe seines wiedererstandenen Kommissars Llob hatte Khadra in Nacht über Algier von den Unantastbaren berichtet. Inzwischen sind zehn Jahre vergangen, und auf den ersten Blick scheint sich nichts geändert haben. Jene arroganten, mit absoluter Macht ausgestatteten Patriarchen haben den arabischen Frühling unbeschadet überstanden. Weder die Aufhebung des 19 Jahre währenden Ausnahmezustands, eine Grundforderung der Protestierenden, noch die ansatzweise umgesetzten gesellschaftlichen Veränderungen vermochten an ihrer Macht zu rütteln. Alt sind sie geworden, sehr alt, schließlich sind sie aus dem kolonialen Widerstand gegen Frankreich Mitte des 20. Jahrhunders erwachsen, jene rboba oder Schattenherrscher, wie sie jetzt heißen. Doch klammern sie sich an die Macht, als könne sie ihnen Unsterblichkeit verleihen
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Yasmina Khadra: Morituri (dt: Morituri; Übersetzung: Regina Keil-Sagawe); Double Blanc (dt: Doppelweiß; Übersetzung: Regina Keil-Sagawe); L'Automne des chimères (dt: Herbst der Chimären; Übersetzung: Regina Keil-Sagawe), Kriminalromane, zusammengefasst in dem Band Die Algier-Romane. Zürich 2006. -
Absatz Rezension: Algerischer Witz mit amerikanischem Bart, französisch gebürstet
In einem Interview mit der Zeit äußerte Yasmina Khadra, er habe mit Kommissar-Llob eine algerische Durchschnittsperson entwerfen wollen. Stellt diese Figur einen algerischen Durchschnittsmann dar, dann wimmelt Algerien nur so von kratzbürstigen, chauvinistischen, raubeinigen, fetten, zynischen, alten und nahezu impotenten Männern. Nein, eine absurde Vorstellung. Worauf Yasmina Khadra mit seiner Aussage hinweisen wollte, ist etwas Anderes. Er spricht von diesem einen Wesenszug, dieser Eigenschaft, die die Seele zu vergiften imstande ist: Seine moralische und chauvinistische Haltung hilft dem schreibenden Kommissar nicht, seine Autoritätshörigkeit zu überwinden. Das quält ihn natürlich. Er steht vor seinem Chef, unterwürfig und mit vor Angst schlotternden Knien
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Yasmina Khadra: La part du mort (dt: Nacht über Algier; Übersetzung: Frauke Rother. Berlin 2006), Kriminalroman. Paris 2004. -
Absatz Rezension: Die Unantastbaren
Sechs Jahre nach Beendigung der Kommissar-Llob-Trilogie lässt Yasmina Khadra seinen eigensinnigen Ermittler wieder auferstehen. Wie der interessierte Leser sich noch erinnern wird, ließ der inzwischen international anerkannte algerische Autor seinen Helden, Polizist und Krimiautor in einer Person, im dritten Band der Trilogie, Herbst der Chimären, einem Anschlag zum Opfer fallen.
Nun handelt es sich bei der Wiederauferstehung weniger um ein metaphysisches Ereignis als um einen einfachen literarischen Kniff. Khadra versetzt die Handlung des im Original 2004 erschienen Romans Nacht über Algier in einen Zeitraum, als Kommissar Brahim Llob noch unter den Lebenden weilte und mehr oder weniger munter seiner Ermittler-Tätigkeit nachging.
→ weiterlesen.
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Mosambik

Mia Couto: A Varanda do Frangipani (dt: Unter dem Frangipanibaum. Aus dem mosambikanischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner. Berlin 2000, Neuauflage: Zürich 2007, mit einem Vorwort von Henning Mankell), Roman. Lissabon 1996. -
- Im Mittelpunkt des Romans Unter dem Frangipanibaum steht ein Polizeinspektor namens Izidine Naíta - in Wahrheit die Reinkarnation eines xipoco, einer untoten Seele. Dieser Inspektor untersucht den Mord an einem tyrannischen Heimdirektor in einer ehemals portugiesischen Festung. Unter dem Frangipanibaum auf der Terrasse über dem Meer lauscht er den Aussagen der Heimbewohner, die eine phantastische Welt entwerfen und sonderbarerweise stellen sich alle Verdächtigen bereitwillig der Verantwortung für den Mord.
 
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Kenia

Mukoma wa Ngugi
Mukoma wa Ngugi: Nairobi Heat (dt: Nairobi Heat; Übersetzung: Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer Nitsche. Berlin 2014) 2011.
Mukoma wa Ngugi, der in den USA geborene, in Kenia aufgewachsene und seit dem Studium wieder in den USA lebende Literaturwissenschaftler, Dichter und Sohn des mehrmaligen Nobelpreisanwärters Ngugi wa Thiong'o wendet sich mit diesem Krimi auch der Fiktion zu.
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Der Krimi beginnt in den USA, wo im Haus eines aus Ruanda stammenden Professors die Leiche einer offensichtlich ermordeten blonden Frau gefunden wird. Die Spur auf der Suche nach dem Täter führt den schwarzen Detektiv in seine ursprüngliche Heimat, nach Kenia und dessen Hauptstadt Nairobi. Die Konfrontation mit der eigenen Identität verhindert nicht das Erkennen des wahren Ausmaßes des Verbrechens, bei dem es nicht um die Tat Einzelner geht, sondern um die systematische Verstrickung von Korruption und Gewalt, bis hin zum ruandischen Genozid von 1994.
DIE WELT wählte dieses Buch 2014 unter die "besten Kriminalromane des Jahres". Elmar Krekeler beschließt seine Beschreibung folgendermaßen: "Vom Missbrauch gutmenschlicher Spendenmillionen, von schwärenden Kolonialismuswunden und Korruption, vom Horror der heillosen afrikanischen Gegenwart. Ein cooles Buch, rasant, wirklichkeitssatt und anspielungsreich." - Vgl. DIE WELT online v. 29.12.2014 (wo auf einer Bildcollage der Vater, nicht aber der Autor dargestellt ist! J.K.).
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Mukoma wa Ngugi
Mukoma wa Ngugi: Black Star Nairobi (dt: Black Star Nairobi; Übersetzung: Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer Nitsche. Berlin 2015) 2014. -
In Black Star Nairobi trifft der Leser erneut auf den schwarz-amerikanischen Detective Ishmael, die Hauptfigur aus Nairobi Heat, dem ersten Krimi des Autors Mukoma wa Ngugi. Der Ich-Erzähler Detective Ishmael hat inzwischen mit dem kenianischen Kollegen O in Nairobi die Detektei Black Star gegründet, die mit der Ermittlung im Zusammenhang mit einem Leichenfund im nahegelegenen und berüchtigten Ngong-Wald beschäftigt ist. Man schreibt das Jahr 2007. Gerade als die Ermittler nach Nairobi zurückkehren, explodiert in einem Nobelhotel eine Bombe. Da ein Zusammenhang zu al Qaida oder somalischen Islamisten vermutet wird, ermittelt auch die CIA. Bald erkennen die Ermittler von Black Star einen politisch motivierten Zusammenhang zwischen ihrem Fall und dem Bombenanschlag. Es beginnt eine Jagd, die von Kenia bis in mehrere Länder Nord- bzw. Mittelamerikas führt.
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John le Carré: The Constant Gardener (dt: Der ewige Gärtner; Übersetzung: Werner Schmitz unter Mitarbeit von Karsten Singelmann. München 2001) 2001. -
Absatz
Rezension: Weiße Pest und weiße Westen - Ewa Bielska (©)
John le Carré ist es gelungen, einen unnachahmlichen Stil in seinen Spionageromanen zu entwickeln: eine Mischung aus intelligentem Politthriller und Liebesgeschichte, eingebettet in eine spannende Erzählstruktur, die mit psychologischem Feingespür ihre Protagonisten leitet.
Der aktuelle Roman Der ewige Gärtner kündigt eine neue Richtung im Werk des Autors an. John le Carré verabschiedet sich von bloßen mit Intrigen gespickten Spionagegeschichten, um auf neue Gefahren hinzuweisen: die Bedrohung der globalisierten Welt. Nicht von politischer Ideologie wird das aktuelle Weltgeschehen fortan beherrscht, zeigt er dem Leser auf, sondern von der Macht des Kapitals und ständig wachsender Geldgier.
Ausgangspunkt des Romans ist die kenianische Hauptstadt Nairobi, in der der brutale Mord an der Frau eines britischen Diplomaten verübt wird. Sonderbarerweise lässt sich die kenianische Polizei Zeit bei der Aufklärung, die britischen Botschaftsangestellten schweigen sich aus und die übereifrigen Mitarbeiter des Scotland Yard aus London werden bald von dem Fall abgezogen.  weiterlesen
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Meja Mwangi: The Bushtrackers (dt: Die Wilderer; Übersetzung: Peter Friedrich. Zürich 2001), Roman. Nairobi 1979. -
"Wenn die beiden Ranger Kimathi und Burkell auf ihren langen Fahrten durch die kenianische Savanne die Geier am Horizont kreisen sehen, wissen sie: Die Wilderer haben wieder zugeschlagen. Das Elfenbein der Elefanten und Nashörner ist eine weltweit gesuchte Schmuggelware.
Plötzlich aber sind die Banden mit modernsten Waffen aufgerüstet und scheuen sich nicht, auch den Rangers aufzulauern. Kimathi steigt aus, um sein Privatleben zu retten. Als er in Nairobi einen kleinen Laden eröffnet, muss er feststellen, dass auch dort die Banden regieren. Er und Frank machen sich auf die Suche nach den Hintermännern und erkennen, dass sie es mit der Globalisierung zu tun haben. Mit der Globalisierung des organisierten Verbrechens, das nicht nur hinter Elfenbein her ist.
Meja Mwangi, einer der markantesten Schriftsteller Afrikas, zeigt einmal mehr, was für ein mitreißender Erzähler er ist." (Verlagstext).-
Florian Felix Weyh, der Rezensent von DeutschandRadio äußert sich folgendermaßen: "Hier ist ein farbenreicher Erzähler neu zu entdecken, der sorgfältig zwischen einfühlsamem Realismus und spöttischer Ironie abzuwägen weiß und obendrein die Gesetze der Spannungsliteratur beherrscht."

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Kamerun

Mongo Beti:Trop de soleil tue l'amour, Roman (dt: Sonne Liebe Tod, Übersetzung: Stefan Linster, Zürich 2000), Roman.-
Absatz
Rezension: Zuviel Sonne tötet die Liebe!
Wer die Identifikation mit seinem ›Helden‹ liebt, wird mit Sonne Liebe Tod, dem vorletzten Roman von Mongo Beti seine Schwierigkeiten haben. Zam ist ein sperriger Typ. Dass der Journalist Jazzmusik liebt, ist eine schöne Sache, dass der nicht mehr ganz junge Mann trinkt, mag der Leser akzeptieren, dass er eine schöne junge Geliebte hat, erfreut nicht nur die Seele. Kritisch wird es, wenn man mit ›ansehen‹ muss, wie Zam diese schöne junge Frau behandelt. Natürlich läuft sie ihm weg, kehrt wieder zurück, läuft weg, kommt immer wieder, bis auf diesen einen Tag, an dem sie weg bleibt. Was ist geschehen? Zam ist sicher, dass sie ihn nicht verlassen hat. Er setzt seinen Freund, Prototyp des windigen Anwalts, der sich mit Detektivaufträgen über Wasser hält, auf den ›Fall‹ an. Soweit die Liebesgeschichte der Hauptfigur, die noch ein anderes - politisches - Leben besitzt, das nicht zuletzt mit dem beruflichen Engagement zusammenhängt. Doch Betis Roman beschränkt sich auch darauf nicht, er ist vielschichtiger.
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Marokko


Driss Chraibi: Une enquête au pays (dt: Ermittlungen im Landesinnern; Übersetzung: Angela Tschorsnig. Mit einem Nachwort von Hartmut Fähndrich. Basel 1995), Kriminalroman. Paris 1981 -
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Driss Chraibi: L' inspecteur Ali à Trinity College (dt: Inspektor Ali im Trinity College; Übersetzung: Regina Keil. Zürich 1998), Kriminalroman. Paris 1996 -
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Sambia


Henning Mankell: Leopardens öga (dt: Das Auge des Leoparden; Übersetzung: Paul Berf. Wien 2004), (Afrika-)Roman. -
Im Mittelpunkt des in die Form eines Krimis verpackten Romans steht die Figur des zunächst charakterschwachen Olofson, der in Verfolgung des Lebenstraums eines Anderen in Afrika landet, in Sambia. Hier versucht er als Leiter einer Hühnerfarm - mehr gedrängt, denn freiwillig - mit Reformen seinen Beitrag zum Wiederaufbau des postkolonial darnieder liegenden Landes zu leisten. Doch wie die anderen Weißen kann auch er nur durch Härte seine eigenen Arbeiter motivieren. In seiner Nachbarschaft werden die erste weißen Farmer von Schwarzen ermordet. Als er den abgeschnittenen Kopf seines Schäferhundes, an einen Baum gebunden, vorfindet, fürchtet auch er um sein Leben. -

 

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*) Warum hier auch Krimis von Autoren aufgeführt sind, die nicht in subsaharischen oder arabischen Ländern beheimatet sind? Weil ich der Meinung bin, dass auch jene Bücher in diesen Kreis gehören, die den afrikanischen oder arabischen Hintergrund nicht nur als Lokalkolorit missbrauchen, sondern diesen kongenial widerspiegeln! J.K.