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2010
Ngugi
wa Thiong'o: Dreams in a Time of War (dt: Träume
in Zeiten des Krieges. Eine Kindheit; Übersetzung:
Thomas Brückner. München 2010) Autobiografie. Nairobi
und New York 2010.-
Ngugi wa Thiong'o geht in seinen Kindheitserinnerungen zurück
bis in die Zeit seiner Großeltern, als bei der Berliner
Konferenz von 1885 die Teilung Afrikas beschlossen wurde. Er
war das fünfte Kind der dritten von vier Frauen seines
Vaters, die, wie er beschreibt, eine "starke Allianz geschmiedet"
haben und gleichzeitig eine Individualität beibehielten,
die sie "engagiert erobert" hatten. Dabei war die
jüngste Frau Njeri die unerklärte Verteidigungsministerin,
Ngugis Mutter Wanjiku sei für ihre legendäre Fähigkeit,
sich abzuplacken, geschätzt worden, sie war die Arbeitsministerin,
die scheue Gacoki, sei die Friedensministerin und Wangari, die
älteste Ehefrau, sei die Kulturministerin gewesen. Sie
habe Sprichwörter zitiert, um ihre Ansicht durchzusetzen
und am Abend Geschichten erzählt. - Im Übrigen hat
Ngugi wa Thiong'o das Buch zunächst in Kikuyu geschrieben,
seiner Muttersprache, er sagt dazu: "In writing one should
hear all the whisperings, all the shouting, all the crying,
all the loving and all the hating of the many voices in the
past, and those voices will never speak to a writer in a foreign
language." - Vgl. Margaret Busby a.a.O.
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2006
Wole
Soyinka: You Must Set Forth at Dawn: A Memoir (dt:
Brich auf in früher Dämmerung: Erinnerungen;
Übersetzung: Inge Uffelmann. Zürich 2008), Autobiographie.
New York 2006. -
Soyinka knüpft an seine autobiographischen Werke an, die
seine Kindheit und Jugend beschreiben. Beginnend mit der Rückkehr
in seine Heimat im Jahre 1998 nach dem Tode des Diktators Sani
Abacha springt Soyinka vorwärts und rückwärts in
seinen Erinnerungen und reflektiert seine Rolle als Schriftsteller
und politischer Aktivist in Nigeria und in der Welt. Doch der
Nabel, der Mittelpunkt - das spürt der Leser auf jeder Seite
- das ist die Heimat des Nigerianers und in der Verlängerung
des Elternhauses sind das die Freunde und Landsleute. Die Familie
des Autors, Angehörige der Bildungsschicht, kannte, so jedenfalls
der Eindruck, der entsteht, jedermann und jedefrau, die ein gewichtiges
Wort im Lande mitzureden hatten. Der Ich-Erzähler erwehrt
sich jedoch jeglicher Umarmungsversuche, sei es Bevormundung in
der Familie, was seine Partnerinnenwahl angeht oder seine politische
Kritik an Menschen, die im Elternhaus ein- und ausgingen. Er geht
unbeirrbar seinen Weg und der Leser kann mit ihm großen
Persönlichkeiten begegnen, wie z.B. Nelson Mandela, dem Wole
Soyinka seine Nobelpreisrede widmete. |
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2004
Jean
Maria Gustave Le Clézio: L'Africain (dt: Der
Afrikaner; Übersetzung: Uli Wittmann. München 2007).
Autobiografische Erzählung. Paris 2004. -
Bei dem Afrikaner, von dem im Titel die Rede ist, handelt es sich
um den Vater des Autors. Den sieht der Junge, weil die Mutter,
als sie mit ihm schwanger war, Afrika verlassen hatte, zum ersten
Mal im Alter von acht Jahren. Die Erzählung lebt von der
Spannung, die der Achtjährige empfindet, dem Widerspruch
zwischen der Autorität des Vaters, der sich den Regeln des
Empires verpflichtet fühlte und der grenzenlosen Freiheit
der Savanne Afrikas sowie der in ihr lauernden Gefahren. Eine
"magische Berührung" auch dies, wie es der Rezensent
der ZEIT, gemünzt auf die Begegnung von Vater und Sohn, ausdrückt.
Rezension:
Vater und Sohn
Der
Überraschungsnobelpreisträger des Jahres 2008 Le Clézio
bietet dem Leser mit zweien seiner Bücher nicht nur spannenden
Lesestoff, sondern gleichzeitig hervorragendes Anschauungsmaterial
für die künstlerische Umsetzung eigenen Erlebens in
Literatur.
Im Jahre 1948 reist der damals
Achtjährige mit seiner Mutter und seinem nur wenig älteren
Bruder nach Nigeria zu seinem Vater, den er bis zu diesem Treffen
nicht einmal kannte. Als Arzt war der zunächst in Kamerun
tätig und anschließend in Nigeria. Die Reise und
der folgende etwa anderthalb-jährige Aufenthalt wird den
Menschen und Autor Le Clézio nachhaltig beeindrucken
und in einem Ausmaß beschäftigen, dass er fortan
von der Periode vor und der Zeit nach Afrika sprechen wird.
Wie verarbeitet der Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio
diese Reise, das Treffen mit seinem Vater?
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2002
J.M.
Coetzee: Youth. A Memoir. Scenes from Provincial Life,
2. (dt: Die jungen Jahre, Ffm 2002), Secker & Warburg
- Autobiographischer Roman des jungen Programmierers in London.
Rezension:
Dichtung ist Wahrheit - Manfred Loimeier (©)
Dichtung ist Wahrheit, erklärt der südafrikanische Literaturprofessor
und zweimal mit dem Booker-Preis ausgezeichnete Schriftsteller
John Michael Coetzee in seinem neuen Buch Die jungen Jahre,
einem autobiografischen Roman über seine Zeit als Programmierer
in der britischen Metropole. Der studierte Mathematiker Coetzee,
der in Anglistik promovierte, setzt damit die Beschreibung seines
Lebens fort, die er vor fünf Jahren mit dem Kindheitsroman
Der Junge begann.
Coetzees lakonisch distanzierter Stil, der es erlaubt, gleichermaßen
neutral über ungewollte Vaterschaft und Beziehungsunfähigkeit
zu schreiben wie über den intellektuellen Dünkel des
Möchtegernpoeten John und dessen frustrierend stupiden Berufsalltag
beim Computerhersteller IBM, verbreitet eine seltsam anrührende
Aura der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit.
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1996
Mano
Dayak: Je
suis né avec du Sable dans les Yeux (dt: Geboren
mit Sand in den Augen: Die Autobiographie des Führers
der Tuareg-Rebellen; Übersetzung: Sigrid Köppen. Zürich
1997). Autobiografie.-
Rezension:
Sand in den Augen?
Mit seiner Autobiographie Geboren mit Sand in den Augen schrieb
der 1995 ums Leben gekommene Tuareg-Führer Mano Dayak ein
Stück widersprüchlichster afrikanischer Geschichte.
Die nomadischen Tuareg betrachten als ihre Heimat den Teil der
Sahara, der sich über die Grenzen der heutigen Staaten Mali,
Algerien und Niger hinweg erstreckt. Die von der ehemaligen Kolonialmacht
Frankreich künstlich gezogenen Staatsgrenzen schränkten
bis in die jüngste Gegenwart hinein ihren Lebensraum ein
und provozierten so einen Konflikt, dem die Nomaden zwangsläufig
zum Opfer fallen mussten. Sie waren im Begriff ihre Identität,
ihre Lebensweise oder gar ihr Leben zu verlieren. Die jungen Nationalstaaten
wahrten die Integrität ihres Territoriums in einer Weise,
die einer Vergewaltigung gleichkam. Erst Mitte der 90er Jahre
unterzeichneten Niger und Mali unter maßgeblicher Beteiligung
von Mano Dayak ein brüchiges Waffenstillstandabkommen mit
den meisten Tuareg-Widerstandsgruppen.
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1994
Wole
Soyinka: Ibadan: The Penkelemes Years, A Memoir: 1946-1965
(dt: Ibadan, Streunerjahre. 1946-1965. Erinnerungen,
Zürich 1998, aus dem Englischen von Irmgard Hölscher,
Gerd Meuer und Ilse Strasmann), Autobiographie. Ibadan 1994 -
Sehr frisch zu lesende
Erlebnisse des Jugendlichen und des jungen Mannes Wole Soyinka.
Sein Sinn für Gerechtigkeit - so ist für den Leser zu
erspüren - führt
ihn fast beiläufig und gleichzeitig
zwangsläufig hin zu einer Politisierung, die im Nigeria der
1960er bei entsprechendem praktischem Engagement, dem der Ich-Erzähler
niemals aus dem Weg geht, erhebliche Gefahren in sich birgt. Wiewohl
die Lebenslust des Wole Soyinka diese nahezu ausblendet und ihr
Vorhandensein eher in Genuss einmünden lässt, was an
den jugendlichen Streuner, ja Abenteurer gemahnt, der nichtsdestoweniger
ein strebsamer Schüler war. Spannend und mit Humor erzählt,
präsentiert sich Wole Soyinka nicht unbescheiden, gleichzeitig
weit entfernt von jeglicher Prahlerei, ein Typ, den man gern zum
Freund gehabt hätte. |
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1982
Wole
Soyinka: Aké. The Years of Childhood (dt: Aké.
Jahre der Kindheit. Aus dem Englischen v. Inge Uffelmann),
Autobiographie, London; New York 1982.-
Verblüffend, mit welcher Klarheit der 1934 geborene Autor
Wole Soyinka im Alter von knapp fünfzig Jahren die Bilder
seiner Kindheit erstehen lässt. Weniger erstaunlich ist die
Zärtlichkeit, in die er die Portraits seiner liebevollen
Eltern und Geschwister einhüllt, ohne jemals ins Sentimentale
oder gar Rührhafte abzurutschen. Ein liebes Kerlchen wird
dem Leser vorgestellt, das schon früh Persönlichkeit
zu entwickeln beginnt. Trotz großer Wissbegierde - er konnte
es kaum abwarten, eingeschult zu werden und schaffte es auch,
vor der Zeit angenommen zu werden - war Wole auch ein ganz normaler
Lausejunge, der jedoch immer seine Lauscher aufstellte. So wurde
er bald für die Nöte der Menschen sensibilisiert, auf
die er traf. Wenn er beispielsweise Kurierdienste für die
Marktfrauen von Abeokuta, zu denen auch seine Mutter zählte,
erledigte, schärfte deren Widerstand gegen geplante Steuererhöhungen
nicht nur seinen Sinn für Gerechtigkeit, sondern auch das
Bewusstsein für die Möglichkeit und Notwendigkeit, dagegen
vorzugehen, wo immer diese verletzt wurde.
Die
Autobiographie wurde von der Jury des internationalen Buchfestivals
in Harare/Simbabwe zu einem der 100 besten afrikanischen Bücher
des 20. Jahrhunderts gewählt. Nach einem Vorschlag von Professor
Ali Mazrui wurde im Jahr 2000 begonnen, auf internationaler Basis
eine Liste zu erstellen. Aus ca. 1700 Titeln wurde eine Shortlist
von ca. 500 erarbeitet. Schließlich wurden aus der veröffentlichten
Liste im Februar 2002 unter dem Vorsitz des südafrikanischen
Autors und Literaturwissenschaftlers Njabulo S. Ndebele die besten
Bücher ausgewählt, die nun als die 100 besten Werke
afrikanischer Literatur des 20. Jh.s gelten.
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