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Das Prinzip Hoffnung
Roman
über die Demokratie in Afrika von E. B. Dongala
Von Manfred Loimeier (©) |
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dauert stets etliche Jahre, bis der zurzeit in den USA als Chemie-Professor
und Literatur-Dozent lebende Schriftsteller Emmanuel B. Dongala
aus Kongo-Brazzaville
einen neuen Roman vorlegt. Elf Jahre hat Dongala an dem nun erschienenen
Buch*, seinem dritten Roman mit dem Titel
Kinder von den Sternen gearbeitet. Entstanden ist ein Prosatext,
den der 59-jährige Autor in dem für ihn bekannten und
mehrfach ausgezeichneten lyrisch-poetischen Stil verfasste. |
| Dongala
erzählt am Beispiel einer afrikanischen Mittelstandsfamilie
die Geschichte eines zentralafrikanischen, im Golf von Guinea
liegenden Landes. Anhand der liebenswert gezeichneten Figuren
malt Dongala ein historisches Fresko, das die letzten Jahre des
Kolonialismus ebenso berücksichtigt wie die ersten Jahre
der jungen Demokratie in afrikanischen Ländern. Großvater,
ein Marxist, erlaubt den Blick auf die frühere Kolonialmacht
und die folgende sozialistische Diktatur; Vater, ein rational
ideologiefreier Lehrer, ermöglicht eine Karikatur der herrschenden
Einparteien-Regierung; Mutter gibt Einblick in die starke gesellschaftliche
Position der sonst im Verborgenen wirkenden Frauen; Onkel steht
für einen politischen Wendehals und Opportunisten, und die
Hauptfigur, der Junge Matapari, ein Drillingskind, schildert schließlich
dieses Panoptikum der politischen Entwicklung von Kolonialismus,
Diktatur, Neo-Kolonialismus, Putschistenregime, Nationalversammlung
und ersten freien Wahlen. |
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Dongala schreibt wie immer sehr
einfühlsam und voller Sympathie für seine Figuren, und
mit dieser menschlichen Anteilnahme geht einher, dass die Formen
der Unterdrückung sowie die Mechanismen der Korruption im
Alltagsleben anschaulich dargestellt und nicht plakativ-abstrakt
angeführt werden. Die Lektüre verbreitet eine Atmosphäre
heiterer Komik, die indes nicht auf oberflächlicher Persiflage
gründet, sondern zugleich von emotionaler Betroffenheit und
analytischer Distanz durchdrungen ist. Bei all der Zurückhaltung,
mit der Dongala die Demokratisierung in einem afrikanischen Land
schildert, bleibt seine latente Fürsprache zu Gunsten der
Demokratie dennoch erkennbar. Angesichts der Illusionen, die den
Import politischer Systeme in Afrika bislang begleiteten, ist
die realistische Sicht Dongalas nur vernünftig zu nennen. |
| Kinder
von den Sternen verbindet Lesegenuss und politische Aufklärung
und zeugt überdies ganz unaufdringlich von der Belesenheit
des Autors; auch das europäische Publikum wird unschwer Dongalas
Anspielungen auf Peter Handkes Angst des Tormanns beim Elfmeter,
auf Umberto Ecos Foucault'sches Pendel oder Wolfgang Leonhards
Sachbuch Die Revolution entlässt ihre Kinder erkennen. |
| Emmanuel
B. Dongala: Kinder von den Sternen. Roman. 277 Seiten, Peter Hammer
Verlag/Missio 2000, EUR 17,90. |
| (Originaltitel:
Le petits garçons naissent aussi des étoiles) |
| Die
Rezension wurde im Jahr 2000 verfasst, für die Marabout-Seite
übernommen 12/2003 |
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