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CHRONIK
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Zur
Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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| 25.
August |
1931 |
In M'Piti, in Französisch-Kongo [heute: Republik Kongo],
wird Gérald-Félix Tchicaya geboren. Sein Vater ist Diplomat,
seine Mutter wird er nie kennenlernen, eine Tatsache die deutliche
Spuren vor allem in seinem dichterischen Werk hinterlassen wird,
das ihm neben seinem Schaffen als Romancier und Dramatiker unter
dem Pseudonym
→ Tchicaya U-Tam'si
(Zulu: "Kleines Blatt, das für sein Land spricht")
zu Berühmtheit verhelfen wird. |
| 16.
Juli |
1941 |
In Brazzaville wird der künftige Schriftsteller → Emmanuel Boundzeki Dongala
als Sohn eines kongolesischen Vaters und einer zentralafrikanischen
Mutter geboren. |
| 24.
Februar |
1966 |
Der spätere Schriftsteller →
Alain Mabanckou wird als einziges Kind von Pauline Kengué
und Kimangou Roger in der Republik Kongo geboren. Er wird seine
Kindheit in der Wirtschaftsmetropole Pointe-Noire an der Küste
verbringen. |
| 28.
Juli |
1973 |
Wiedereinführung des 1969 mit der Ausrufung der Volksrepublik
abgeschafften Amtes des Premierministers.
→ Henri Lopes,
der bisherige Außenminister übernimmt dieses Amt.
Der 35-jährige Lopes, der sich auch schriftstellerisch
betätigt, erhielt für die 1971 veröffentlichte
Novellensammlung Tribaliques im Vorjahr den von der Association
des écrivains de langue française (ADELF) in Paris vergebenen
Großen Literaturpreis von Schwarzafrika
(Grand Prix littéraire de l'Afrique noire). |
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In Bazancourt bei Paris stirbt der in Französisch schreibende
kongolesische Dichter und Schriftsteller Gérald-Félix Tchicaya
U-Tam'si.
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| Tchicaya
U-Tam'si
Gedichte frz. /deutsch |
Sein Leben ist geprägt vom Exil und der Teilung seiner
Heimat. Geboren 1931 in M'Piti, in Französisch-Kongo [heute:
Republik Kongo], in dessen zweitgrößter Stadt Point-Noire
er auch seine Kindheit verbringt. 1946 nimmt der Vater den Fünfzehnjährigen
mit nach Paris, wohin er als erster schwarzer Abgeordneter des
Mittelkongo (Moyen Kongo), nun französisches Überseeterritorium,
berufen ist.
Tchicaya U-Tam'si schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten
durch, wird schließlich Journalist. 1960, dem Jahr als
sowohl Französisch-, als auch Belgisch-Kongo unabhängig
werden, geht er als Berichterstatter in den Kongo zurück,
nicht aber in die Republik Kongo, wo er geboren ist, sondern
nach Kinshasa, dem ehemaligen Leopoldville, der Hauptstadt von
Belgisch-Kongo und der jetzigen Demokratischen Republik Kongo,
wo er drei Monate lang für die Tageszeitung Le Congo
arbeitet.
Er unterhält enge Kontakte zu Patrice Lumumba, dem Panafrikanisten
und ersten Ministerpräsidenten der unabhängig gewordenen
Demokratischen Republik Kongo. Nach dessen Ermordung, nur wenige
Monate später, kehrt er nach Paris zurück, um fortan
im Dienst der
→
UNESCO zu
stehen. - Vgl. Moore,
Twelve African Writers, a.a.O.
1955 wird sein erstes Buch veröffentlicht, die Gedichtsammlung
Le Mauvais Sang (Paris 1955; dt: Böses Blut,
Aachen 1993), dessen Titel nicht zufällig einem Gedicht
von Arthur Rimbaud aus Une saison en enfer (Ein/e Aufenthalt/Zeit
in der Hölle) entlehnt ist***.
Von seinen vier Romanen liegt der historische Roman Les Méduses
(1982; dt: Das Geheimnis der Medusen. Ostberlin 1986)
in dt. Übersetzung vor. Weitere Romane:
Les Cancrelats (1980, Die Kakerlaken)
Les Phalènes (1984, Die Spanner)
Ces fruits si doux de l'arbre à pain (1987, Die so zarten
Früchte des Brotbaumes) |
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Wenige
Wochen vor seinem 48. Geburtstag stirbt der kongolesische Erzähler
und Dramatiker Sony Labou Tansi****
in Brazzaville an Aids.
Nach dem Studium arbeitete er als Lehrer und schrieb erste Theaterstücke.
1979 gründete er in Brazzaville das Rocado Zulu Théàtre.
Für seinen Roman La Vie et demie (1979, dt: Verschlungenes
Leben, 1981) wurde ihm der Prix Spécial du Festival de
la Francophonie verliehen. Auch sein Roman L'Anté-Peuple
(1983, dt: Die tödliche Tugend des Genossen Direktor,
1985) wurde preisgekrönt: Grand Prix Littéraire de l'Afrique
Noire. Weitere Werke:
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| Sony
Labou Tansi
Die heillose Verfassung |
I. Romane
L'État honteux (1981, dt: Die heillose Verfassung,
1984)
Les sept solitudes de Lorsa Lopez (1985, Die sieben Solitüden
des Lorsa Lopez)
Les Yeux du Volcan (1988, Die Augen des Vulkans)
Le Commencement des douleurs (1995, Der Beginn der Schmerzen)
II. Dramen:
Moi, veuve de l'empire (1987, Ich, die Witwe des Imperiums)
Qui a mangé madame d'Avoine Bergotha (1989, Wer hat Madam
d'Avoine Bergotha verspeist)
La Résurrection rouge et blanche de Roméo et Juliette
(1990, Die rote und die weiße Wiederauferstehung von Romeo
und Julia)
Une chouette petite vie bien osée (1992, Eine kleine
Eule lebt sehr gewagt)
Théâtre complet, 2 Bde (1995)
Antoine m'a vendu son destin (1997, Antoine hat mir sein
Schicksal verkauft) |
zeit
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los |
Afrikanische Sprüche und Weisheiten:
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| 26.
Oktober |
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Der 61-jährige Politiker und Schriftsteller →
Henri Lopes wird Botschafter der Republik
Kongo in Paris mit Zuständigkeit für Großbritannien,
Spanien, Portugal und den Vatikan. Lopes hatte mehrer Ministerposten
inne; 1973 bis Februar 1975 war er Premier seines Landes. |
| 12.
März |
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Die Nachrichtenagentur AngolaPress berichtet vom Besuch
einer hochrangigen Delegation, angeführt vom Gesundheitsminister
Alain Moka, in das Department von Kelle, in der Region West-Cuvette
der Republik Kongo. Zweck des Besuchs sei es "die dortigen
Bewohner der Regierungsbemühungen zu versichern, das Ebola-hämorrhagische
Fieber zu besiegen, das dort vor fast einem Monat ausgebrochen
war ..." (AngolaPress, ÜE:
J.K.) |
| 19.
Oktober |
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Die französischsprachige, kongolesische Wochenzeitung Le
Tam Tam berichtet über drei Jugendroman-Neuerscheinungen
zum Thema Straßenkinder.
→
mehr
dazu · (Tam
Tam, Kongo Brazzaville,
ÜF:
J.K.) |
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70. Geburtstag des in Léopoldville [heute: Kinshasa], Belgisch-Kongo,
geborenen Schriftstellers, Politikers und Diplomaten Henri Lopes.
Seine gymnasiale und Hochschulbildung erhielt Lopes in den Jahren
1949 bis 1965 in Frankreich. Danach kehrte er in seine Heimat
zurück, wo er zunächst als Historiker lehrte und später
seine Karriere als Diplomat und Politiker verfolgte. Nach verschiedenen
Ministerposten wurde er Premier; zuletzt war er in den Jahren
1977 bis 1980 Finanzminister. Danach übernahm er Verantwortung
im kulturellen Bereich der →
UNESCO, bis er 1998 Botschafter
seines Landes in Paris wurde.
Seine erste Buchveröffentlichung als Schriftsteller war
die Novellensammlung Tribaliques im Jahre 1971. Danach
folgten etliche Romane, von denen einige auch ins Deutsche übertragen
wurden:
La nouvelle romance, 1976
Sans Tam-Tam (1977, dt: Die strafversetzte Revolution,
Wuppertal 1979 u. Revolution ohne tam-tam, (Ost-)Berlin
1982)
Le Pleurer-Rire (Paris 1982; dt: Blutiger Ball,
(Ost-Berlin) 1984 u. Köln 1987); ausgezeichnet mit dem
Prix Alioune Diop de littérature 1983
Le chercheur d'Afriques, Paris 1990; ausgezeichnet mit
dem Grand Prix Jules Verne de l'Académie de Bretagne
Sur l'autre rive (Paris 1992; dt: Der Geruch deiner
Haut, Berlin 1994)
Le Lys et le Flamboyant, Paris 1997. |
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Oktober |
2007 |
In
Brüssel wird der im Kongo (Brazzaville) geborene und in Berlin
lebende Schriftsteller Wilfried N'Sondé der mit € 10.000
dotierte Prix des cinq continents de la Francophonie 2007
für seinen Romanerstling Le Coeur des enfants léopards
(Das Herz der Leopardenjungen) überreicht. |
| 26.
Oktober |
2007 |
"Eine
neue Gedichtsammlung von Jean-Baptist Tati Loutard",
kündigt ein nicht genannter Autor in der frz.-sprachigen
kongolesischen Zeitung Les dépêches de Brazzaville an.
→
mehr
dazu
·
(Les dépêches de Brazzaville, ÜF:
J.K.) |
9.
Januar |
2009 |
In
Paris erscheint der Roman Black Bazar des in Kalifornien
lebenden kongolesischen Schriftstellers französischer Sprache
→ Alain
Mabanckou. |
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Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
** Für alle, die sich - wie
ich - immer wieder neu zwischen den beiden Ländern am
Kongo orientieren müssen: Hier handelt es sich um das
ehemalige Französisch-Kongo, die spätere (bis 1990)
sozialistische Volksrepublik mit der Hauptstadt Brazzaville,
deshalb auch häufig "Kongo-Brazzaville" gennannt.
*** Der Afrikanist
Gerald Moore teilt afrikanische Dichtung in zwei Hauptgruppen
ein, die - stark verkürzt dargestellt - besagt, dass
zur einen jene Dichter zählen, die durch verbale oder
musikalische Events zum rhythmischen Ausdruck gefunden haben
und zur anderen jene, die mittels ihrer Bildung mit der europäischen
Dichtung vertraut wurden und über diesen (Um-)Weg zur
Lyrik fanden. Unzweifelhaft zählt Tchicaya U-Tam'si zur
letzteren. Vgl. Tchicaya U-Tam'si. The Uprooted Tree (Der
entwurzelte Baum), in: Moore,
Twelve African Writers a.a.O.
**** Da Tansi in
Kinshasa geboren ist, wird er gelegentlich auch der Literatur
der Demokratischen Republik Kongo zugerechnet.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus
dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus
dem Französischen: Janko Kozmus © |
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Quellen
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Sach-
und Personenregister |
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