DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 28. September 2003

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Nigeria ·  
VANGUARD, Nigeria


"Amina Lawal singt das Freiheitslied"

schreibt die nigerian. Tageszeitung Vanguard über die Freilassung der durch das Shariaa-Recht zum Tode durch Steinigung verurteilten Frau.

Vanguard zitiert die Freigelassene: "Ich bin glücklich. Gott ist groß, er hat das möglich gemacht. Alles, was ich möchte, ist nach Hause zu gehen, heiraten und ein normales Leben führen." So hat Amina Lawal ihren Gefühlen freien Lauf gelassen ... Seit dem Urteil im Jahr 2000 hat sie in Angst gelebt, schlimmer noch: sie hat vor Augen gehabt, wie diejenigen, die das Sharia-Recht verletzen, von diesem bestraft werden.

An ein Opfer, so schreibt John Nwokocha in diesem Artikel, denkt man sofort: Tatsächlich war der Farmer Baba Bello Jangedi aus der Region Zamfara das erste Opfer des Sharia-Rechts: Im Mai 2000 wurde ihm wegen des Diebstahls einer Kuh der rechte Arm amputiert. In derselben Region widerfuhr einem andern Mann dasselbe Schicksal, weil er drei Fahrräder gestohlen hatte. Die Freigelassene wird auch an die ebenfalls zum Tode durch Steinigung verurteilte Safiya Husaini Tundun's gedacht haben. Ihr Sharia-Urteil wurde augenscheinlich aufgrund nationaler und internationaler Proteste ebenfalls in der Berufung aufgehoben.

Amina Lawals Fall allerdings war schwieriger. In erster Berufungsinstanz wurde das Urteil vom 23. März 2002 bestätigt, allerdings wurde ihr eine Aufschiebung gewährt, bis zum Abstillen des Mädchens, das sie im selben Jahr geboren hatte. Dann, am Donnerstag letzter Woche, konnte sie einen "lauten Seufzer der Erleichterung" ausstoßen: Die 5 Richter des Sharia-Berufungsgerichts hatten sie mit 4:1 Stimmen freigesprochen. "Doch der Sieg gehört Amina nicht allein. Er wurde gefeiert von Menschenrechts- und angeschlossenen Gruppen, die für ihn gekämpft hatten. Und wenn es einen einzelnen Menschen gibt, der über die Entwicklung glücklich ist, so ist das Aminas Rechtsanwältin: Hauwa Ibrahim". In offensichtlicher Begeisterung berichtet John Nwokocha von der Integrität und Unbestechlichkeit dieser Anwältin und lässt sie zu Wort kommen: "Das ist ein großer Sieg für die Gerechtigkeit. Das Gesetz der Gerechtigkeit hat gesiegt über das Gesetz des Menschen. Amina ist frei zu gehen und zu tun, was immer sie möchte."

Der Bericht schließt mit der Bemerkung, dass das Sharia-Recht, anders als in den Fällen von Safiya und Amina, bereits seine Opfer gefordert habe und nennt weitere Beispiele ... (Vanguard, Nigeria, ÜEK: J.K.)

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Quelle:
Vanguard, englischspr. nigerian. Tageszeitung (Vanguard)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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