DIE MARABOUT-SEITE
linie

linie
linie

Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 10. Februar 2004

 

·  Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Swasiland ·  


"Frau heiratet zwei Männer",

betitelt Mayibongwe Kunene seinen Bericht für die Times of Swaziland, in dem er die Notwendigkeit herausstreicht, die Menschen darin zu unterrichten, was eine legale traditionelle Heirat ausmache. Sonst könne sich eine junge Frau plötzlich dem Bigamievorwurf ausgesetzt sehen, weil sie zwei Männer geheiratet habe, einen nach traditionellem Recht, den anderen nach zivilrechtlichem.

Die Rede ist von zwei Heiraten, die innerhalb von zwei Monaten stattfanden.

Die 26-jährige Zodwa Dlamini habe das Herz des 28-jährigen Thabo Zwane aus dem Madonsa Township gewonnen, berichtet der Autor Kunene. Sie wurde nach Swasi-Tradition mit ihm verbunden "und sie waren glücklich … für eine Weile wenigstens".

Angeblich verliebte sich die Frau zwei Monate später in einen andern Mann, den sie im Gemeindebüro von Mbabane zivilrechtlich heiratete.

Auch nach wiederholten Anstrengungen, heißt es, sei es der Zeitung nicht gelungen, den Namen des zweiten Ehemannes herauszufinden.

Lt. Zwane, dem enttäuschten "ersten Ehemann", nahm er die Frau in seine Heimat nach Bhekinkhosi mit, um sie am 16. November vergangenen Jahres zu heiraten, nachdem sie einige Zeit in einer gemieteten Ein-Zimmer-Wohnung in Madonsa verbracht hatten.

Nach der Heirat sei die "Lady", die gelegentlich als Straßenhändlerin in Johannesburg arbeite, dorthin aufgebrochen, habe sich aber nicht, wie verabredet, bei ihm zurückgemeldet, sondern sei am 11. Dezember zu ihrer Mutter zurückgekehrt.

"Damals ist das traditionelle Armband durch ihre Mutter zerschnitten und weggeworfen wurden. Um das zu veranschaulichen, die ausgesuchte Fleischportion ("umsasane"[1]), die ihrem Heim gebracht worden war, bevor sie es verließ, wurde den Hunden zum Fraß vorgeworfen", sagte der "erste Ehemann".

"Nach einem Monat tauchte die ‚Lady' in Begleitung von Polizisten und ihrer Schwestern auf, um ihre Sachen in der Wohnung einzufordern. Zwane verweigerte dies vehement, weil sie sei ja seine Frau sei. Er beschloss, Hilfe bei der Polizei zu suchen, die ihm Recht gab, mit dem Ergebnis, dass seine ‚Frau' mit leeren Händen gehen musste."

Gefragt, ob seine ‚Frau' gesagt habe, sie sei nicht länger an ihm interessiert, sagte er, sie habe gesagt, sie liebe ihn noch.

Außerdem sei in seiner Abwesenheit im Dezember in die gemeinsame Wohnung eingebrochen worden und Sachen wie TV- und Hi-Fi-Anlage sowie CD's seien gestohlen worden. Erst am 25. Dezember habe er dies bemerkt.

Seit dieser Zeit war sie nicht wieder aufgetaucht, erst letzte habe Woche er herausgefunden, dass sie mit einem Bergmann verheiratet sei.

Nach einigen Anstrengungen sei es der Zeitung gelungen, einen Kommentar der Mutter der Frau zu erhalten.

Aus Angst vor Attacken seitens Thabo Zwane sei zunächst ein Onkel gebeten worden zu kommen, da sich kein Mann im Heim der Mutter befand.

"Nomsa Bhembe, die Mutter der Frau, die ihm ‚Liebesdreieck gefangen' war, widerlegte sichtlich verärgert die Anschuldigung, ihr Kind sei durch ‚kuteka' Thabo angetraut worden." Sie argumentierte, das, was er getan habe, entspräche der Swasi-Tradition nicht. Er sei drei Jahre mit ihrem Kind zusammen gewesen, ohne zu arbeiten, nur um dann zu sagen, sie sei mit ihm verheiratet.

"Er ist verrückt! Mein Kind hat die Miete bezahlt und fütterte diesen Mann drei Jahre lang durch ohne ihm traditionell angetraut gewesen zu sein, und nun behauptet er, sie sei seine Frau."

Der Bericht schließt mit weiteren Stellungnahmen der Mutter, ohne eigenen Kommentar:

(...)

"Bhembe, die Mutter, sagt, sie sei diejenige gewesen, die angeordnet habe, das Fleisch (umsasane), den Hunden vorzuwerfen, weil sie ein Kalb erwartet habe."

"Sie fügt hinzu, soweit es Swasi-Gesetz und -Brauch angeht, sollte es bei einer ‚kuteka'-Heirat eine Kuh (‚insulanyembeti') geben, die von ihrem "Schwiegersohn" nicht gebracht worden war. · (Times Swaziland, ÜEK: J.K.)

linie

Quelle:
Times of Swaziland, englischspr. Tageszeitung, Swasiland, gegr. 1897 (Times of Swaziland)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
1) Traditionell Ziege, dieses Fleisch wird bei der trad. Heirat zum Heim der Braut gebracht. Das angesprochene trad. Armband besteht aus der Haut der geschlachteten Ziege. (J.K.)
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


linie
Weitere Artikel zum  subsaharischen Afrika in der Afrika-Chronik:
linie
linie