DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 1. Juli 2009

 

·  Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Swasiland ·  


"Wann wird das alles enden?"

überschreibt Mbongeni Mbingo, Chefredakteur der Times of Swaziland, seinen Leitartikel anlässlich der erneuten Verhaftung eines mutmaßlichen Serienkillers, über welche ebenfalls in der heutigen Ausgabe dieser englischsprachigen Zeitung berichtet wird.
„Warum sind wir nicht überrascht, dass jetzt noch ein weiterer Serienkiller aufgetaucht ist? Haben wir wirklich Grund zu jubeln, wenn der berühmteste mutmaßliche Serienkiller, den das Land je besaß, seine Berühmtheit in einem Justizsystem genießt, das mehr sein Fan zu sein scheint als sein Ankläger?“.
Man müsse anfangen zu fragen, wie viele weitere Serienkiller da draußen mit Ehrfurcht zusehen, wie ein Held durch „die langsamen Mühlen der Justiz, die schnell dabei sind zu urteilen, wo es weniger wichtig ist, handgemacht“ werde.
„Wir begrüßen die gute Arbeit der unterbesetzten und überarbeiteten Polizeikräfte und der amtierende Polizeichef hat jeden Grund, sich über den jüngsten Erfolg seiner Untergebenen zu freuen, aber wir trauern über das Fehlen eines abgestimmten Justizwesens.“
Der ermittelnde Beamte im David Simelane-Fall sei, als er mit dem Fall begonnen habe, ein sehr aktives Mitglied der Polizeikräfte gewesen, berichtet Mbongeni Mbingo, inzwischen sei er aber in Pension gegangen und krank geworden. Er habe fast ein Jahrzehnt lang ermittelt. „Wir beten darum, dass er lang genug leben möge, den Fall am Tag des Gerichts zu erleben.“
Es dürfe nicht gestattet werden, dass der jüngste Fall so viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Die Polizei habe wissen lassen, konkret nachweisen zu können, dass der mutmaßliche
 Serienkillers von Elangeni-Ezulwini schuldig im Sinne der Anklage sei, „so erwarten wir eine siebenmonatige Verhandlung, nicht eine siebenjährige.“ Mord scheine ein großes Geschäft in diesem Land geworden zu sein, das in den Nachbarstaaten von traditionellen Medizingurus als ein „fruchtbares Territorium für menschliche Körperteile bezeichnet wird“.

"Menschenhandel",

überschreibt der Chefredakteur den zweiten Teil seines Artikels.
„Dieses Land hat auch eine armselige Geschichte von Menschenhandel, der eine Menge Vermisste in fast allen Teilen des Landes hinterlassen hat.“ Dank dem amerikanischen Präsident Barak Obama gebe es plötzlich Panik, das Problem festzumachen. Aber sei die Panik groß genug, um Verhandlungen, wie die gegen den verdächtigen David Simelane, zum Abschluss zu bringen? Zu alledem sei der Mord zu einer trivialen Angelegenheit reduziert worden; „kein Wunder, dass Leute einander töten als wäre es eine Mode“.
Die Hip-Hop-Stargeste eines mutmaßlichen Mörders in den gestrigen Zeitungen erzähle die Geschichte viel besser. „Er erschien stolz und schien sich in dem neuentdeckten Status von Berühmtheit mit all den Blitzlichtkameras vor ihm wohlzufühlen, so dass er diese Rolle spielte. Er und seine Mitverdächtige genossen ihre gegenseitige Gesellschaft, was dem Lachen während ihrer Unterhaltung zu entnehmen gewesen sei.
„Wir sind glücklich, dass die Ortsbegehung im David Simelane-Mordfall gestern schließlich stattfand“, beschließt Mbongeni Mbingo seinen Kommentar. Vielleicht könne der Chef der Staatsanwaltschaft den Fall nun zu einem Ende bringen. „Wir fahren fort zu trauern und dehnen unsere Beileidsbezeugungen auf die steigende Zahl der Familien aus, die einen ihrer Lieben an diese grausamen Bestien verloren haben. Wir beten darum, dass eines Tages der Gerechtigkeit Genüge getan und keine Familie mehr Anlass zum Trauern haben werde.“
· (T
imes of Swaziland
, ÜE: J.K.) .

Quelle:
Times of Swaziland, englischspr. Tageszeitung, Swasiland, gegr. 1897 (Times of Swaziland)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert v. Janko Kozmus ©


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