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Mit
seiner Autobiographie Geboren mit Sand in den Augen schrieb
der 1995 ums Leben gekommene Tuareg-Führer Mano Dayak ein Stück
widersprüchlichster afrikanischer Geschichte.
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Die nomadischen Tuareg betrachten
als ihre Heimat den Teil der Sahara, der sich über die Grenzen
der heutigen Staaten Mali,
Algerien
und Niger hinweg erstreckt. Die
von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich künstlich gezogenen
Staatsgrenzen schränkten bis in die jüngste Gegenwart
hinein ihren Lebensraum ein und provozierten so einen Konflikt,
dem die Nomaden zwangsläufig zum Opfer fallen mussten. Sie
waren im Begriff ihre Identität, ihre Lebensweise oder gar
ihr Leben zu verlieren. Die jungen Nationalstaaten wahrten die Integrität
ihres Territoriums in einer Weise, die einer Vergewaltigung gleichkam.
Erst Mitte der 90er Jahre unterzeichneten Niger und Mali unter maßgeblicher
Beteiligung von Mano Dayak ein brüchiges Waffenstillstandabkommen
mit den meisten Tuareg-Widerstandsgruppen. |
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Vor diesem Hintergrund berichtet Dayak in beeindruckender Weise
von den widersprüchlichen Ereignissen, insbesondere von dem
grundsätzlichen Widerspruch, der seinem persönlichen entspricht,
dem Widerspruch von Nomadentum und Sesshaftigkeit. Zeit seines Lebens
bleibt er in diesem Widerspruch gefangen. |
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Vom Schmerz der Loslösung als
kleiner Junge erzählt Dayak. Wie jedes jüngste Kind einer
Tuaregfamilie wurde er vom nigerischen Staat in die Schulpflicht
gezwungen, verweigerte sich und fühlte sich gleichzeitig vom
Wissen angezogen, wie auch von der neuen Welt. Er muss diese Welt
der Moderne, der Sesshaftigkeit kennen lernen. Schnell gewinnt er
Freunde in Frankreich, in den USA. Doch immer wieder kehrt er zurück
in die Sahara. Dazwischen überlebt er als Hilfsarbeiter, als
Rallyefahrer, begründet gar ein Reiseunternehmen, um der Region
seines Volkes wirtschaftlich unter die Arme zu greifen. Einen Moment
kann er seinem persönlichen Widerspruch entkommen: Er ist in
Bewegung, er ist zu Hause. Doch bald wird ihm diese Möglichkeit
genommen. Übergeordnete Interessen greifen in sein Leben. Wieder
muss er sich von seiner Heimat trennen, deren Ruf, personifiziert
durch die Mutter, ständig präsent ist in ihm. |
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Von klein auf ist es seine Mutter, die in klaren, einfachen, aber
niemals simplifizierenden Bildern Geschichten erzählt. Diese Bilder
fließen in Mano Dayaks Lebensgeschichte ein. Deutlich ist, dass
mit zunehmendem Abstand von seinen Wurzeln auch seine Erzählung
an Überzeugungskraft verliert. Schließlich zwingt ihn sein Gefühl
für Verantwortung in die Pflicht; er muss dem Volk der Tuareg,
seinem Volk, helfen. Er beschreitet den prosaischen Weg der Politik.
Erst als er alle politischen Mittel ausgeschöpft sieht, schließt
er sich den Tuareg-Rebellen an, ist aber weiterhin einer der wichtigsten
Vertreter der Vermittlung. Bevor nach vielen Opfern der Frieden
mit dem Staat Niger endgültig besiegelt ist, fällt er einer Explosion
zum Opfer.
(Originaltitel:
»Je suis né avec du sable dans les yeux«)
01/2003
© by Janko Kozmus
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Blutender Stein v. Ibrahim al-Koni:
Kein Getier auf der Erde |
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