| Faszinierend
abschreckender Kontinent! |
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Naipaul erzählt in seinem
psychologisch einfühlsamen Roman An der Biegung des großen
Flusses von der unendlichen Einsamkeit eines einer anderen
Kultur entstammenden Grenzgängers. Der Schauplatz seines
weitgehend pessimistischen Romans ist Afrika. Unklar bleibt, in
welchem Land in nicht weit entfernter Vergangenheit sich die Handlung
entwickelt. Naipaul entwirft ein ziemlich düsteres Bild des
Kontinents nach der Erlangung der Unabhängigkeit. Rassenprobleme
und politische Unterdrückung sowie die Entwurzelung des Menschen
in der modernen Gesellschaft stehen im Mittelpunkt des Romans. |
| Ein
junger Kaufmannssohn indischer Herkunft übernimmt in einer
innerafrikanischen Provinzstadt, der Stadt An der Biegung des
großen Flusses, ein heruntergekommenes Geschäft.
Er versucht Wurzeln zu schlagen, knüpft Freundschaften an,
geht Verpflichtungen ein und erfährt die erste große
Liebe. Langsam nur wird er erwachsen. |
| Das
Land befindet sich in einem ständigen Aufruhr. Er bleibt
Außenseiter, erlebt das Ende der Kolonialzeit und ihr fatales
Erbe. Aus dem Nichts ziehen Bürgerkriege und Stammeskämpfe
mit allen ihren Gräueln herauf. Es folgt der Versuch des
Präsidenten, die Verhältnisse zu stabilisieren, eine
kurze Zeit des Fortschritts mit boomender Wirtschaft, aber auch
Personenkult, maßlose Korruption und Willkür. »Wenn
Afrika eine Zukunft hat, dann liegt sie bei den Flüchtlingen.«
- sagt einer der Protagonisten. |
Naipauls
fantastische Erzählweise, die voller Imagination ist, strahlt
eine ganz eigene Stimmung aus. Die Faszination des Autors für
den Kontinent greift genauso auf den Leser über, wie dessen
Angst vor der Unberechenbarkeit und dem Gewaltpotenzial des Landes.
(Originaltitel: »A Bend in the River«)
1/2002 © by Ewa Bielska
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