Literatur
DIE MARABOUT-SEITE
linie
AFRIKA-CHRONIK
   START
   REGISTER
linie
.

SCHANDE bei amazon bestellen!
SCHANDE
bei amazon bestellen!


Download
ChroniK:
17.07.1999
als RTF-Datei

John M. Coetzee bei amazon.de!

Schande, gebunden Ausgabe!
Schande, broschiert!
Disgrace, engl. version

Quelle:
The Guardian, UK (Guardian)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
.
CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
17. Juli 1999
.
···················································································
· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Großbritannien ·  
James Wood schreibt im britischen Guardian über John M. Coetzees Roman Disgrace (dt: Schande) "der perfekt ist, so weit er zu gehen bereit ist".
Mit dem großen Erfolg von Leben und Zeit des Michael K. sei klar geworden, dass der Südafrikaner Coetzee einer der herausragendsten Romanciers englischer Sprache ist, aber ebenso klar geworden sei, dass er ist noch kein großer Romancier ist. "Er ist höchst intelligent, luzide, präzise und elegant, aber sein Talent wird noch behutsam geführt" ... Anders als Dostojewski, so James Wood, betrete er kein unbekanntes Terrain.
Sein neuer Roman könnte kaum besser sein, meint Wood, er liest sich, als wolle der Autor in einer Prüfung das perfekte Beispiel eines sehr guten Gegenwartsromans vorweisen. Der Roman sei spannend, äußerst bewundernswert und ... in seiner Art wohlüberlegt ... eine nahezu vollendete Prosa in ihrer bleichen Perfektion ... Als Bestätigung seiner Einschätzung zitiert Wood: "Er ist stattlich und drahtig, er trägt Spitzbart und Ohrring, schwarze Lederjacke und schwarze Lederhosen. Er sieht älter aus als die meisten Studenten, er sieht nach Ärger aus." In dieser Form taxiere David Lurie, der Protagonist, Petrus, einen schwarzen Farmer. "Petrus putzt die Schuhe ab, sie schütteln die Hände. Ein faltiges, wettergegerbtes Gesicht, kluge Augen. Vierzig, fünfundvierzig?" Diese Sprache ist nie ineffizient, stellt Wood fest, weil sie selbst den Rahmen ihrer Effizienz begrenzt. Die Wirkung eines solchen Schreibens ... sei die Aufhebung dessen, was es beschreibt ...
Der Rezensent vermutet, der Protagonist sei möglicherweise nachdenklicher als sein Autor ihm zugestehe: Ein ironischer, verbitterter, mittelalter Professor an der Technischen Universität von Kapstadt, der eine Schwäche für romantische Dichter und die promiskuitive Liebe habe. Nach einer Affäre mit einer Studentin wird er der Vergewaltigung beschuldigt, beschreibt Woods den Inhalt des Romans, und obwohl sein Job nicht zwingend auf dem Spiel stehe, lässt er dessen Verlust zu. Sich in die Schande fügend und von einer düsteren Laune der Buße ergriffen, besucht er seine auf einer kleinen Farm, allein lebende Tochter. Einfach sei ihre Beziehung nie gewesen, werde aber noch schwieriger nach einem brutalen Angriff auf die Farm der weißen Südafrikaner, bei der die Tochter Lucy von drei schwarzen Eindringlingen vergewaltigt wird.
Wood beschreibt die durch den Zwischenfall größer werdende Distanz zwischen Vater und Tochter ... die sich vor allem in der ideologischen Bewertung des Vorgefallenen ausdrücke. "Lucy weigert sich die Farm zu verlassen, und in der Tat scheint sie sich das Ventil einer Aburteilung oder zumindest eines gewöhnlichen Gerechtigkeitsgefühls zu verweigern. Sie scheint zu glauben, was ihr geschehen ist, sei der Preis, den weiße Frauen dafür zu bezahlen hätten, dass sie alleine auf dem Lande lebten neben schwarzen Südafrikanern". Stillschweigend glaube sie, mit ihrem Martyrium eine Art Ausgleich schaffen zu können für die Jahrzehnte der Apartheid.
Die unleugbare Kraft dieses Romans, so Wood, liege in seiner Fähigkeit zur Analyse der beiden unterschiedlichen Formen der Schande sowie der Buße. Während Davids Umgang mit der Schande persönlicher Art sei, müsse die von Lucy als politisch betrachtet werden. Letztere bestrafe sich selbst, indem sie auf der Farm bleibe, und begrüße diese eigenartige Form von politischer Buße auch noch. Wood zitiert Lucys Aussage, die ihrem Vater sagt, es sei erniedrigend auf der Farm zu bleiben, "aber vielleicht ist es ein guter Punkt neu anzufangen. Vielleicht ist es das, was ich zu akzeptieren lernen muss ..."
"Des Lesers einzige Frustration mit diesem bewegend düsteren, eindrucksvoll verschwenderischen Buch mag sein, dass es seine eigenen Grenzen so peinlich sauber hält. Es bestimmt", so Wood, "seine eigenen Grenzen, innerhalb derer es lebt ... Coetzees neuer Roman ist absolut herausragend, aber vielleicht nicht absolut unentbehrlich." (Guardian, ÜE: J.K.)
Rezensionen zu Coetzee auf der Marabout-Seite
zurRezension Eine Löffelschale voller Zerbrechlichkeit (zu: Leben und Zeit des Michael K.)
zurRezension Im Stil des Gastmahls (zu: Das Leben der Tiere)
zurRezension Dichtung ist Wahrheit (zu: Die jungen Jahre)
zurRezension Wahnsinn in der Wüste (zu: Warten auf die Barbaren)
zurRezension Ein Roman des Abschiednehmens (zu: Schande)
Artikel zu Südafrika in der Afrika-Chronik:
Afrika-Chronik Times Live, Über die Entstehungsgeschichte von Zakes Mdas Roman Black Diamond, 2009
Afrika-Chronik Sowetan, Johnnie-Walker-Preis für Top-Erfolgstypen, 2009
Afrika-Chronik SAPA, "Mandela bleibt im Ruhestand", 2009
Afrika-Chronik Sunday Times, Nachruf auf die 'vergessene südafrikanische Romanschriftstellerin' Daphne Rooke, 2009
Afrika-Chronik Mail&Guardian, Institut für freie Meinungsäußerung im Widerspruch zur südafrikanischen Rundfunkgesellschaft SABC, 2007
Afrika-Chronik Sunday Times, Überfall auf die Nobelpreisträgerin Gordimer in ihrem Johannesburger Haus, 2006
Afrika-Chronik Mail&Guardian, MTV-Crazy Monkey-Schauspieler tot aufgefunden, 2006
Afrika-Chronik Sunday Times, Mandela als Comic-Held, 2005
Afrika-Chronik Cape Times, zum Plagiatsvorwurf gegen die Dichterin Melanie Grobler, 2005
Afrika-Chronik Sunday Times, Streit zwischen Nawal El Saadawi und Rayda Jacobs um moslem. Schleier, 2005
Afrika-Chronik Mail&Guardian, Afrikas Verantwortliche für Erziehung und Bildung über Kondome an Schulen, 2004
Afrika-Chronik Sunday Times, Nadine Gordimer widerruft die Autorisierung ihrer Biographie, 2004
Afrika-Chronik Sunday Times, "Erin Brockovich" von Grahamstown kämpft für die Rechte von Körperbehinderten, 2004
Afrika-Chronik Mail & Guardian, Über Grenzspringer, simbabwische Einwanderer in Südafrika, 2003
Afrika-Chronik Sunday Times, über die Apartheid-Spionin Vanessa Brereton, 2003
Afrika-Chronik Sunday Times, Über die Verleihung des Nobelpreis an den Südafrikaner Coetzee, 2003
Afrika-Chronik Sunday Times, Mandela begrüßt AIDS-Entschließung, 2003
Afrika-Chronik Sunday Times, Über André Brinks Roman The Other Side of Silence, 2003
Afrika-Chronik Mail & Guardian, Über Arthur Nortjes Gedichtband Anatomy of Dark, 2001
Afrika-Chronik Mail & Guardian, Über den Gewinner des Caine-Literaturpreises des Jahres, 2001
Afrika-Chronik Mail & Guardian, Scheidender Chefzensor glaubt an das Ende der Zensur, 1997
Afrika-Chronik Mail & Guardian, Südafrikanische Autoren zu den besten Büchern des Jahres, 1996
Afrika-Chronik Mail & Guardian, Rehabilitation jugendlicher Kämpfer, 1994
Afrika-Chronik Guardian, UK v. 27.06.86, Offener Brief André Brinks an Präsident Botha, 1986
Weitere Artikel zu Schwarzafrika in der Afrika-Chronik

ZURCHRONIK
linie
[ALLGEMEINEREZENSIONEN] [AUTORENPORTRAITS] [AFRIKA-CHRONIK] [BESTENLISTE] [GÄSTEBUCH] [LINKS] [EIGENETEXTE] [MARABOUTREZENSIONEN] [DISCLAIMER] [KONTAKT&KRITIK] [VERLAG] [HOME]