DIE MARABOUT-SEITE
linie

linie
linie

Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 24. Mai 1999

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Mosambik ·  


Mit 70 blickt Marcelino dos Santos auf den Sozialismus

Der Kapitalismus in Mosambik sei nichts, was ewig andauern werde, habe der altgediente Nationalist des Landes, Marcelino dos Santos, in einem Interview erklärt, das von Noticias am 20. Mai anlässlich seines 70. Geburtstags veröffentlicht worden sei.

Bevor der Bericht auf die aktuellen Äußerungen von dos Santos eingeht, stellt er kurz dessen Werdegang und Stellenwert in Mosambik dar:

"Dos Santos begründete im Jahre 1962 die Mosambikanische Befreiungsfront (Frelimo) und war ihr Vizepresident von 1969 bis zum Jahre 1977, als die Position aufgegeben wurde.

Er war Minister für Ökonomische Entwicklung in den späten 1970ern und Verantwortlicher für Ökonomie innerhalb der Frelimo in den Anfangsachtzigern. Von 1987 bis 1994 war er Vorsitzender des Mosambikanischen Parlaments. Er verbleibt Mitglied des Zentralkommitees der Frelimo; außerdem ist er ein prominenter Dichter." Dos Santos sei einer der freimütigsten Repräsentanten des linken Flügels der Frelimo, heißt es in dem Artikel der Mosambikanischen Nachrichtenagentur weiter, und er sei nach wie vor Marxist-Leninist.

"Auch heute noch, wenn wir danach fragen, welches System wirklich das Wohlergehen von jedermann garantieren kann, ist dies offensichtlich der Sozialismus", sagte er "Der Kapitalismus in Mosambik ist ein Prozess, den wir durchleben werden, aber soweit es mich angeht, ist es nicht etwas, mit dem wir für immer leben werden."

Dos Santos habe angegeben, an Frelimo-Treffen teilgenommen zu haben, "welche uns zu einem, wie ich es nennen würde, historischen Rückzug zum Kapitalismus führten". Die Bedingungen unserer Zeit, die Aggressionen der Apartheid, die die bewaffneten Banditen der Renamo benutzte und die Schwierigkeiten, die wir hatten, die Renamo militärisch zu bekämpfen, hätten dazu geführt, "dass wir einen diplomatischen Kampf aufnahmen, in welchem wir triumphierten, indem wir die Renamo zwangen, den Frieden zu akzeptieren".

Dos Santos habe eingestanden, fährt der ungenannte Verfasser des Berichts fort, dass die Frelimo jetzt "eine Partei aller Sozialschichten" sei und Menschen in ihren Reihen habe, die "vollständig mit dem Kapitalismus übereinstimmten" und andere, die das nicht täten. "Ich bin einer der letzteren, und ich werde kämpfen für die Retransformierung der Frelimo, jedoch innerhalb der Regelwerks der Legalität."

Was die nationale Versöhnung angehe, denke dos Santos, dass diese nur möglich sein werde, wenn die Renamo anerkannte, "dass es sich bei dem, was sie gegen das mosambikanische Volk während des Krieges unternahm, um Kriegsverbrechen" gehandelt habe.

"Eines Tages werden wir den Antrag eines ‚Zusammenschlusses der Opfer der Renamo' stellen", habe dos Santos versprochen. "Wenn das geschieht, wird es die größte Vereinigung Mosambiks sein".

Die Versöhnung mit der Basis der Renamo schreite voran, wird Marcelinho dos Santos zuletzt zitiert, "jedoch nicht mit der Führerschaft der Renamo, "die in den Händen von Fremden" sei. · (AIM, Mosambik, ÜEK: J.K.)

linie

Quelle:
Agência de Informação de Moçambique, portugisisch u. englischspr. offizielle Nachrichtenagentur (AIM, Mosambik)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum

ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


linie
Weitere Artikel zu  Mosambik in der Afrika-Chronik:
linie
linie