DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 11. Juni 2004

 

·  Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Botsuana ·  


"Wahrheiten der Vergangenheit,"


ist eine Rezension des Romans Juggling Truths von Unity Dow in der botsuanischen Zeitung Mmegi überschrieben.

Juggling Truths (Jonglieren mit/Abwägen von Wahrheiten), heißt es im Untertitel der anonym verfassten Rezension, unterscheide sich sehr von Dows ersten beiden Romanen Far and Beyond und Screaming of the Innocent.

Während diese Abenteuergeschichten darstellten über die Jugend, über junge Menschen, die sich der Heuchelei der Gesellschaft im heutigen Botsuana gegenübersähen, sei Juggling Truths aus der Perspektive jemandes geschrieben, der ca. zwölf Jahre alt ist und in Betschuanaland vor und kurz nach der Unabhängigkeit im Jahre 1966 lebt.

In Juggling Truths schwelge Monei Ntuka (oder "Nei") in Erinnerungen ihrer Kindheit in Mochudi, mit ihren Geschwistern, ihren Eltern, Großeltern und der ganzen großen Familie. Sie erinnere sich auch ihrer Jahre in der Grundschule. Der Roman ende abrupt mit der Feststellung:

"Alles in allem besuchten ca. fünfzehn Prozent von uns die Sekundarstufe". Mit diesem ersten Schritt habe Unity Dow das Feld bereitet und den Samen gepflanzt für drei weitere Romane: Monei Ntuka in der Sekundarstufe, dann die Universitätstage und das Studium in Übersee und - wieder zurück in Botsuana - ihrer Karriere als Architektin.

Die Wahrheiten, die Monei Ntuka gegeneinander abwäge, heißt es weiter, seien solche des Heims gegenüber der Schule und der Welt um sie herum. Sie erforsche verschiedene Realitäten, begründet auf verschiedenen Perspektiven von Richtig und Falsch. Dies sei mehr als "kultureller Relativismus"; z. B. wenn sie mit einer Freundin unterwegs sei:

Während der Schulzeit fänden um sie herum in Betschuanaland Wechsel statt, die für Nei das in Frage stellten, was sie als ‚Wahrheit' begreife; z. B. findet sie mit einer Klassenfreundin heraus, dass es nur zwei Jahreszeiten gebe, Winter und Sommer. Oder vielleicht eine dritte: die Zeit des Pflügens.

Als Nei auf die Taufe vorbereitet wird, hat sie große Schwierigkeiten, zwischen den Niederländisch-Reformgesetz-‚Wahrheiten' und denen ihrer Großmutter zu unterscheiden.

Es folgt ein Originalzitat, das etwas aus dem Sinnzusammenhang gerissen zu sein scheint und bestenfalls dazu dienen kann, den freien Geist der Protagonistin zu belegen:

"... dieses Hölle-Zeugs ist vielleicht der dümmste Teil der Religion des Weißen Mannes. Du denkst, dass Gott uns an diesen Ort stecken könnte, so heftig wie er ist und uns hinterher in die Hölle schicken könnte? Es gibt nur zwei Orte, diesen und den Himmel. Vielleicht gehen die weißen Leute in die Hölle, aber ich wette, du wirst keinen Motswana da finden. Das Leben hier ist hart genug, erzähl mir nicht, dass man anschließend noch die Hölle vor sich habe."

In der Schule, wird die Inhaltsbeschreibung wieder aufgenommen, sei Nei eine Starschülerin, ihr Glanz habe sie jedoch auch in Schwierigkeiten gebracht, weil sie den Mund nicht halten konnte. Wenn sie aber gefragt wurde, was sie später werden wolle, habe sie mit der Antwort gezögert, um aber dann herauszuplatzen ‚Königin'. Das habe ihr das Gelächter der Schüler und den Spott der Lehrerin eingebracht. Sie würde nicht Königin werden, sie solle ein realistischeres Ziel nennen. "Tränen hielten sie davon ab zu erklären, warum sie Königin gesagt hat, denn, wenn sie diese Autorität hätte, würde sie Betschuanaland davor bewahrt haben, das metrische System zu wechseln." Sie habe gezögert, weil sie eigentlich Ärztin sagen wollte, aber wusste, Mädchen wurden Krankenschwestern, nicht Ärztinnen. Schließlich habe sie gesagt, sie wolle Lehrerin werden.

"Aber ich wollte ihr sagen", so das wörtliche Romanzitat, "dass ich nicht Lehrerin werden wollte, weil ich nicht gewillt war, Kinder zu schlagen. Ich konnte mir nicht vorstellen, über Kindern zu stehen und ihnen mit einem Bambusrohr zu drohen, aber ich konnte mir auch nicht vorstellen, wie man Lehrer sein konnte, ohne genau das zu tun."

Nach Nichtbestehen der Taufklasse habe sich Nei vor ihren Klassenkameraden, die bestanden hatten, versteckt. Sie hatte einfach zu viele Fragen an "die weiße Frau mit dem grimmigen Gesicht", heißt es unvermittelt. Vermutlich soll mit dieser Aussage der wahre Grund für ihr Nichtbestehen angedeutet werden, zumal das folgende Zitat die Gesinnung der Lehrerin entlarvt und die Schwierigkeit aufzeigt, eine solche Geisteshaltung nicht zu hinterfragen:

"Ein Geist, der das Wort Gottes hinterfragt, ist ein Geist, der von Satan bewohnt wird. Verbanne Satan aus deinem Geist und dein Herz wird frei von Zweifeln sein. Ich kann dir versichern, Neinsagerin, dass große Geister, diese Wahrheiten ergründet haben, lange bevor du geboren warst, lange bevor irgendeiner von uns geboren war."

Vieles mehr über die Familie, gebe es in dem Buch zu lesen, heißt es abschließend, über die Schule und das Dorfleben in Mochudi, auch darüber, was mit denen geschehe, die nach Südafrika abhauten und darüber, wie das Dorf auf jene reagiere, die zurückkehrten.· (ist eine Rezension des Romans Juggling Truths von Unity Dow in der botsuanischen Zeitung Mmegi überschrieben.

Juggling Truths (Jonglieren mit/Abwägen von Wahrheiten), heißt es im Untertitel der anonym verfassten Rezension, unterscheide sich sehr von Dows ersten beiden Romanen Far and Beyond und Screaming of the Innocent.

Während diese Abenteuergeschichten darstellten über die Jugend, über junge Menschen, die sich der Heuchelei der Gesellschaft im heutigen Botsuana gegenübersähen, sei Juggling Truths aus der Perspektive jemandes geschrieben, der ca. zwölf Jahre alt ist und in Betschuanaland vor und kurz nach der Unabhängigkeit im Jahre 1966 lebt.

In Juggling Truths schwelge Monei Ntuka (oder "Nei") in Erinnerungen ihrer Kindheit in Mochudi, mit ihren Geschwistern, ihren Eltern, Großeltern und der ganzen großen Familie. Sie erinnere sich auch ihrer Jahre in der Grundschule. Der Roman ende abrupt mit der Feststellung:

"Alles in allem besuchten ca. fünfzehn Prozent von uns die Sekundarstufe". Mit diesem ersten Schritt habe Unity Dow das Feld bereitet und den Samen gepflanzt für drei weitere Romane: Monei Ntuka in der Sekundarstufe, dann die Universitätstage und das Studium in Übersee und - wieder zurück in Botsuana - ihrer Karriere als Architektin.

Die Wahrheiten, die Monei Ntuka gegeneinander abwäge, heißt es weiter, seien solche des Heims gegenüber der Schule und der Welt um sie herum. Sie erforsche verschiedene Realitäten, begründet auf verschiedenen Perspektiven von Richtig und Falsch. Dies sei mehr als "kultureller Relativismus"; z. B. wenn sie mit einer Freundin unterwegs sei:

Während der Schulzeit fänden um sie herum in Betschuanaland Wechsel statt, die für Nei das in Frage stellten, was sie als ‚Wahrheit' begreife; z. B. findet sie mit einer Klassenfreundin heraus, dass es nur zwei Jahreszeiten gebe, Winter und Sommer. Oder vielleicht eine dritte: die Zeit des Pflügens.

Als Nei auf die Taufe vorbereitet wird, hat sie große Schwierigkeiten, zwischen den Niederländisch-Reformgesetz-‚Wahrheiten' und denen ihrer Großmutter zu unterscheiden.

Es folgt ein Originalzitat, das etwas aus dem Sinnzusammenhang gerissen zu sein scheint und bestenfalls dazu dienen kann, den freien Geist der Protagonistin zu belegen:

"... dieses Hölle-Zeugs ist vielleicht der dümmste Teil der Religion des Weißen Mannes. Du denkst, dass Gott uns an diesen Ort stecken könnte, so heftig wie er ist und uns hinterher in die Hölle schicken könnte? Es gibt nur zwei Orte, diesen und den Himmel. Vielleicht gehen die weißen Leute in die Hölle, aber ich wette, du wirst keinen Motswana da finden. Das Leben hier ist hart genug, erzähl mir nicht, dass man anschließend noch die Hölle vor sich habe."

In der Schule, wird die Inhaltsbeschreibung wieder aufgenommen, sei Nei eine Starschülerin, ihr Glanz habe sie jedoch auch in Schwierigkeiten gebracht, weil sie den Mund nicht halten konnte. Wenn sie aber gefragt wurde, was sie später werden wolle, habe sie mit der Antwort gezögert, um aber dann herauszuplatzen ‚Königin'. Das habe ihr das Gelächter der Schüler und den Spott der Lehrerin eingebracht. Sie würde nicht Königin werden, sie solle ein realistischeres Ziel nennen. "Tränen hielten sie davon ab zu erklären, warum sie Königin gesagt hat, denn, wenn sie diese Autorität hätte, würde sie Betschuanaland davor bewahrt haben, das metrische System zu wechseln." Sie habe gezögert, weil sie eigentlich Ärztin sagen wollte, aber wusste, Mädchen wurden Krankenschwestern, nicht Ärztinnen. Schließlich habe sie gesagt, sie wolle Lehrerin werden.

"Aber ich wollte ihr sagen", so das wörtliche Romanzitat, "dass ich nicht Lehrerin werden wollte, weil ich nicht gewillt war, Kinder zu schlagen. Ich konnte mir nicht vorstellen, über Kindern zu stehen und ihnen mit einem Bambusrohr zu drohen, aber ich konnte mir auch nicht vorstellen, wie man Lehrer sein konnte, ohne genau das zu tun."

Nach Nichtbestehen der Taufklasse habe sich Nei vor ihren Klassenkameraden, die bestanden hatten, versteckt. Sie hatte einfach zu viele Fragen an "die weiße Frau mit dem grimmigen Gesicht", heißt es unvermittelt. Vermutlich soll mit dieser Aussage der wahre Grund für ihr Nichtbestehen angedeutet werden, zumal das folgende Zitat die Gesinnung der Lehrerin entlarvt und die Schwierigkeit aufzeigt, eine solche Geisteshaltung nicht zu hinterfragen:

"Ein Geist, der das Wort Gottes hinterfragt, ist ein Geist, der von Satan bewohnt wird. Verbanne Satan aus deinem Geist und dein Herz wird frei von Zweifeln sein. Ich kann dir versichern, Neinsagerin, dass große Geister, diese Wahrheiten ergründet haben, lange bevor du geboren warst, lange bevor irgendeiner von uns geboren war."

Vieles mehr über die Familie, gebe es in dem Buch zu lesen, heißt es abschließend, über die Schule und das Dorfleben in Mochudi, auch darüber, was mit denen geschehe, die nach Südafrika abhauten und darüber, wie das Dorf auf jene reagiere, die zurückkehrten.· (MmegiBots, ÜEK: J.K.)

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Quelle:
Mmegi, unabhängige, englischspr. Tageszeitung aus Botsuana (MmegiBots)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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