DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 15. Januar 2004

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Botsuana ·  


In einem Artikel für die englischsprachige Tageszeitung Mmegi berichtet Tiro Sebina, Herausgeber, Literaturdozent und selbst Dichter, über Barolong Seboni:

"Botsuanas Schriftsteller Nr.1 ist zurück",

Barolong Seboni, Botsuanas bestens bekannter englischsprachiger Dichter, schreibt Sebina, sei von einem 3-monatigen Aufenthalt aus den USA zurückgekehrt, wo er an dem berühmten Iowa International Writers program teilgenommen habe.

Seboni sei euphorisch, heißt es in dem Bericht weiter, wenn er von der bereichernden interkulturellen Verschmelzung und Interaktion mit Schriftstellern aus Ländern wie Deutschland, Polen, Mongolei, Burma, China, Irland, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien, Korea, Vietnam, Litauen, Chile und Argentinien berichte.  

Die Hauptbeschäftigung der Programmteilnehmer habe Vortrag und Deutung von Poesie beinhaltet, reguläre Seminare zu Themen der kulturellen Produktion. Eines der Highlights seiner Poetry-Performance, so Tiro Sebina, sei die gemeinsame Darbietung mit Stefan Harris gewesen, einem begabten jungen asiatisch-amerikanischen Xylophon-Spieler. Harris' Jazz sei mit den Klängen und Rhythmen seiner Gedichte richtig verschmolzen.

"Was Seboni in seiner Interaktion mit Dichtern verschiedener Länder am meisten auffiel, ist die Tatsache, dass sie ihre Gedichte in anderen Sprachen als der englischen verfassten. Die meisten der 24 Dichter aus 22 verschiedenen Ländern benutzten indigene Sprachen als Medium ihres künstlerischen Ausdrucks." Für Seboni habe die Frage der Sprache größere Vordringlichkeit angenommen. Außerdem sei ihm aufgefallen, dass all die Schriftsteller schon etabliert waren, weitgehend publiziert hatten, und ebenso leidenschaftlich in ihrer Berufung wie wissend in literarischen Dingen waren. "Sie waren vielfältig beschäftigt in Berufen, die mit dem Schreiben zusammenhängen, als Journalisten, Verleger oder Redakteure." Die Schriftsteller aus Osteuropa beispielsweise setzten sich mit künstlerischen Problemen im Zusammenhang mit den Gegebenheiten nach dem Kalten Krieg und der Globalisierung auseinander.

Der Aufenthalt in Iowa, gibt Tiro Sebina Sebonis Erfahrungen weiter, sei fruchtbar gewesen, da Seboni Zeit gefunden habe, mit seinen literarischen Projekten weiterzumachen. Er habe daran gearbeitet, 1400 Setswana-Sprichwörter und Rätsel von Prof. M.O.M. Seboni, einem seiner intellektuellen Vorfahren, zu übersetzen, ferner an seiner populären humoristischen Kolumne im Botswana Guardian - Nitty Gritty (etwa: auf den Punkt kommen) -, um sie für eine Buchveröffentlichung vorzubereiten. Er habe ebenfalls an der Produktion einer revidierten Fassung von Thinking Allowed (Denken erlaubt) und anderen Sammlungen geistreicher Sozialkommentare gearbeitet

"Die Reise nach Iowa war eine von verschiedenen produktiven Abwesenheiten von der Heimat, die ihm Zeit und Raum gaben zu reflektieren und kreativ zu schaffen." Obwohl er sich außerhalb von Botsuana nicht immer zu Hause fühle, betrachte Seboni diese "strukturelle Entfernung" von der Heimat als "Periode der Entwicklung und des künstlerischen Wachsens". Sein erster, sehr langer Aufenthalt außerhalb von Botswana sei in den Jahren 1966 bis 1970 gewesen, als er als Teenager in London lebte. Ausfluss dieser Zeit sei die Fähigkeit, die englische Sprache mit Selbstvertrauen und Leichtigkeit anzuwenden.

Images of the Sun (1986), seine erste Gedichtsammlung, sei ein experimentelles Projekt gewesen, das er auf den Weg brachte, während er Mitte der 80er Jahre in den USA studiert habe. 1990 habe er an der Veranstaltung Poets on The Frontline in Großbritannien teilgenommen, wo er wieder Verbindung mit den Schriftstellern Mongane Serote und Mandla Langa aus dem südlichen Afrika Kontakt aufgenommen habe. Er habe auch einige Lesungen in Irland und Wales gegeben. 1993 sei er als Poet-in-residence an der Scottish Poetry Library, in Edinburgh gefördert worden. Frucht dieser Periode sie "die glänzende Sammlung" mit dem Titel Windsongs of the Kgalagadi (1995).

Den gegenwärtigen Zustand der Lyrik-Produktion in Botsuana kommentierend, beobachte Seboni, dass die lokale Produktion englisch geschriebener Prosa der Lyrik hinterhinkt, welche allmählich zu einer populären Kunstform avanciert. Live-Poetry-Performances würden in einer Vielzahl von Orten - Gaborone und andere im Lande - aufgeführt. Es gebe bereits eine beträchtliche Anzahl von Lyrikpublikationen lokaler Dichter.

Als Antwort auf die Frage nach der zukünftigen Rolle der Lyrik in Botsuana, schreibt Sebina, äußere Seboni sich offen: "Solange wir in unseren Schulen nicht Literatur unterrichten, werden Lyrik und andere Literaturformen keine Rolle bei der Entwicklung des Landes spielen. Wir, in Botsuana, müssen nicht davor zurückschrecken, Schriftsteller, Romanciers, Dichter und Autoren von Kurzgeschichten zu fördern und zu unterstützen", rate der Dichter, der von David Rubadiri als "eine Person, die ziemlich scheu, groß und kuschlig wie ein Bär ist" beschrieben werde. Seboni beobachte, dass lokale Dichter und Kulturaktivisten im Allgemeinen unterbewertet und wenig geschätzt würden. Er glaube, sie erhielten nicht die nötige materielle Unterstützung und Aufmunterung. Seinem Gefühl nach müsse poetisches Talent entdeckt, entwickelt und anerkannt werden. Seboni schlage vor, heißt es abschließend, "ein Weg, künstlerisches Schreiben zu unterstützen ist, die relevanten Regierungskörperschaften zu verpflichten, eine nennenswerte Menge von Exemplaren eines jeden Buches eines lokalen Schriftstellers zu kaufen". · (MmegiBots, ÜEK: J.K.)

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Quelle:
Mmegi, unabhängige, englischspr. Tageszeitung aus Botsuana (MmegiBots)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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