Dongola:
A Novel of Nubia
englischspr. Original
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Quelle: Al-Ahram,
ägypt. Wochenzeitung in arab. u. engl. Sprache (Al-Ahram)
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Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
** Anfang September 2005 wurde während
einer Theatervorstellung in Beni Suef eine brennende Kerze umgestoßen.
Die leicht entzündbaren Requisiten auf der Bühne fingen schnell
Feuer und erfassten die Vorhänge. Bei der anschließenden Massenpanik
wurde ein Ausgang verstopft, der zweite war mit Requisiten verstellt.
32 Besucher starben noch im Theater, 18 weitere erlagen den Verletzungsfolgen.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem
Englischen: Janko Kozmus © |
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CHRONIK
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Zur Sozial-
und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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| · Die
MARABOUT-SEITE zitiert aus Ägypten · |
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"Ein
Gefühl für nationale Identität"
"Die Zwangsvertreibung
der Nubier wird erneut thematisiert", schreibt
Rania Khallaf für die halbamtliche Tageszeitung
Al-Ahram aus → Ägypten,
"dieses Mal auf der Bühne". |
| Vor
etwa zwei Jahren habe der Romancier Haggag Odoul
einen unabhängigen nubischen Staat gefordert,
eine bis dahin nicht dagewesene Forderung, die
selbst den meisten sympathisierenden Nicht-Nubiern
aufgestoßen sei, ein Thema, das immer wieder hochgekommen
sei, weil der größte Teil Nubiens durch den Bau
des Assuan-Staudamms überflutet wurde. Vieles
vom antiken Erbe sei gerettet, die Nubier umgesiedelt
worden, aber ein Gefühl von verlorener Identität,
das wahrscheinlich zurückdatiert zu den Fehden
zwischen den alten Königreichen von Ober- und
Unterägypten, habe die Nubier ständig begleitet,
unter ihnen Schriftsteller und Künstler. |
| Letzte
Woche sei das Thema im Hanager-Theater in weit
ruhigeren Tönen als Nubia.com neu formuliert
worden - ein Stück, basierend auf drei Romanen
von Idris Ali, verfasst von Hazem Shehata, eines
von vielen jungen Talenten, die im Beni Suef-
Theater vor zwei Jahren getötet worden waren*,
und inszeniert von Nasser Abdell-Moniem. Das Stück
habe mit einer sehr überzeugenden nubischen Hochzeitsprozession
begonnen, die Frauen in bunten Kleidern, Männer
in weißen Roben, begleitet von afrikanischen Rhythmen. |
| Dies
schien angemessen, berücksichtigte man die Wurzeln
des Stückes in der modernen nubischen Literatur,
die Idris Ali' Vorstellung inspiriert hatte. Dongola,
einer der drei Romane - eine Art Trilogie, die
drei Generationen von Nubiern vor und nach dem
Dammbau umfasst - war das erste Buch eines Nubiers,
das ins Englische übersetzt wurde und 1997 den
Arkansas Press Award für eine Übersetzung
arabischer Literatur erhielt, schreibt Rania Khallaf
und geht im Weiteren auf die Entwicklung nubisch-arabischer
Literatur ein, die mit dem Lyriker Mohamed Abdel-Rehim
Idris, dessen
→
Diwan
1948 erschien, ihren Anfang genommen habe, gefolgt
von Mohamed Khalil Qassems Roman Shamandoura
im Jahre 1964. Idris Ali präsentiere eine organische
Erweiterung von Qassems Werk, indem das Stück
die Zwangsumsiedlung der Nubier in den 50er Jahren
behandele. Es beinhalte eine Debatte zwischen
Ghada, deren Vater eine Kairoerin heiratete, und
Simone, einer Französin, die einst einem in Nubien
arbeitenden britischen Archäologen vermählt wurde,
die in einer "angemessen unparteiischen Perspektive
den nubischen Nationalismus betreffend" einmünde.
Nach Odouls Adaptation von People of the River
sei dies das erste Stück über Nubien, das seinen
Weg auf die ägyptische Bühne finde, "ein willkommenes
Angebot". |
| Bühnenfassungen
von Romanen scheinen eine Modeerscheinung zu sein,
stellt Rania Khallaf fest, wie beispielsweise
die in diesem Sommer anstehende Premiere von Sonallah
Ibrahims The Committee im Nationaltheater.
Abdel-Moniem habe bei verschiedenen Stücken Regie
geführt, die auf literarischen Werken basierten,
einschließlich der Romane des verstorbenen Abdel-Hakeem
Qassem und des ebenfalls verstorbenen Yehia El-Taher
Abdallah. Er, Abdel-Moniem, empfinde es als gegenwärtigen
Trend und füge hinzu, dass "'der Reichtum und
die Originalität' nubischer Literatur einen Weg
heraus aus den vorgefertigten Schemata aufzeigt,
die sich häufig in den Tentakeln des Kommerzialismus
verfangen". Reflektiert dies das Fehlen eines
soliden Skripts? frage er. "Genau", erwidere Nasser
scharf. "Das Schreiben für die Bühne ist interaktiv,
was es schwieriger macht als jedes andere. Es
benötigt Begabungen, die anscheinend heutzutage
nicht aufzufinden sind." Es könne argumentiert
werden, dass die Sehnsucht nach einer verlorenen
Heimat - das einzige Thema nubischer Literatur
- jedoch genauso vorgefertigt sei wie jede andere.
"Ist sie wirklich geeignet für zeitgenössisches
Theater?" Betrachte man das Stück, so stelle sich
die angenehme Überraschung ein, dass dem so ist. |
| Das
Stück beginne mit dem Protagonisten Awad Shalalie
(Osama Abdel-Moniem, der auch den Führer in People
of the River spielte), der seine gerade fertig
gestellte Seite Nubia.com aufrufe, welche
einen Bericht seines Lebens beinhalte, mit Bildern
von traditionell geschmückten nubischen Häusern.
Die Webseiten erschienen auf einer großen Leinwand,
ein Kommentar spreche von Heimatlosigkeit und
von 44 Dörfern die im Lake Nasser versunken seien.
Awad errege Belustigung beim Assuan-Regierungsvertreter,
indem er die Diskrepanz anspreche zwischen dem,
was der Damm an ökonomischen Wachstum für alle
Ägypter versprochen habe und der freudlosen Wirklichkeit,
die er den Nubiern bringe. "Der Schauspieler war
brillant im Beibehalten eines eindringlichen,
leicht selbstspöttischem Sinns für Humor - eine
für Nubier charakteristische Haltung". Ein anderer
Aspekt "südlicher Kultur" sei in den Vordergrund
getreten, als Ghada die Dorfmädchen das Alphabet
lehrte: jeder Buchstabe markierte ein Liebeslied.
Awads Beziehung zu Simone, die in einer Heirat
münde, sei im Buch viel besser portraitiert, urteilt
die Verfasserin des Artikels, obschon die Körpersprache
während des Vortrags auf der Bühne einiges vom
Verlust der Tiefe wettmache. Die Liebesszene sei
wunderschön choreografiert, und als Simone sich
zu Awad dreht und sagt, "Ich habe drei Nationalitäten:
Französisch, Englisch und Ägyptisch, welche hast
du?" strahle die Frage eine bemerkenswerte Kraft
auf das Publikum aus. In anrührender Weise führe
sie erneut die Frage nach der Identität ein. |
| Der
Nord-Süd-Dialog werde auf vielen Ebenen wiederholt,
mit einer Mischung von traditionell nubischer,
ägyptischer und westlicher Musik. "Alle drei Romane
haben dazu etwas beizutragen, aber die eigentliche
Handlung werde getragen von dem Roman "Playing
on the Nubian Mountaintops" (2005), in dem die
Krise in weniger ausschließenden Begriffen dargestellt
werde als bei Odoul. Laut Idris Ali sei Nubien
in diesem Stück kein Märchen. Im Gegenteil, "die
Realitäten des nubischen Lebens, ihre Aspirationen
und die neue Selbst-Wahrnehmung, mit der sie sich
für die Zukunft wappnen, darum geht es." Der Tag,
an dem das Dorf evakuiert werde, gehöre zu den
beeindruckendsten Szenen, schreibt Rania Khallaf
anerkennend, mit der Weigerung des Großvaters,
sich wegzurühren, mit der bitteren Ironie, mit
der ihm versichert werde, der Himmel erwarte ihn
in Komumbu: fließendes Wasser, Elektrizität usw.
Doch bald beklagen sich die um Awad herum versammelten
Dörfler über den Mangel: "Sieh, Awad, der Nil
ist verschwunden!" Und so ende es, dramatisch.
Und schon beteuere Awad, einst engstirnig und
ethnozentrisch, die ultimative Integrität des
Nordens und des Südens. ·
(Al-Ahram,
ÜE:
J.K.) |
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