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Dongola:
A Novel of Nubia

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Quelle:
Al-Ahram, ägypt. Wochenzeitung in arab. u. engl. Sprache (Al-Ahram)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
** Anfang September 2005 wurde während einer Theatervorstellung in Beni Suef eine brennende Kerze umgestoßen. Die leicht entzündbaren Requisiten auf der Bühne fingen schnell Feuer und erfassten die Vorhänge. Bei der anschließenden Massenpanik wurde ein Ausgang verstopft, der zweite war mit Requisiten verstellt. 32 Besucher starben noch im Theater, 18 weitere erlagen den Verletzungsfolgen.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
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CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
26. April 2007
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· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Ägypten ·  
"Ein Gefühl für nationale Identität"
"Die Zwangsvertreibung der Nubier wird erneut thematisiert", schreibt Rania Khallaf für die halbamtliche Tageszeitung Al-Ahram aus
 Ägypten, "dieses Mal auf der Bühne
".
Vor etwa zwei Jahren habe der Romancier Haggag Odoul einen unabhängigen nubischen Staat gefordert, eine bis dahin nicht dagewesene Forderung, die selbst den meisten sympathisierenden Nicht-Nubiern aufgestoßen sei, ein Thema, das immer wieder hochgekommen sei, weil der größte Teil Nubiens durch den Bau des Assuan-Staudamms überflutet wurde. Vieles vom antiken Erbe sei gerettet, die Nubier umgesiedelt worden, aber ein Gefühl von verlorener Identität, das wahrscheinlich zurückdatiert zu den Fehden zwischen den alten Königreichen von Ober- und Unterägypten, habe die Nubier ständig begleitet, unter ihnen Schriftsteller und Künstler.
Letzte Woche sei das Thema im Hanager-Theater in weit ruhigeren Tönen als Nubia.com neu formuliert worden - ein Stück, basierend auf drei Romanen von Idris Ali, verfasst von Hazem Shehata, eines von vielen jungen Talenten, die im Beni Suef- Theater vor zwei Jahren getötet worden waren*, und inszeniert von Nasser Abdell-Moniem. Das Stück habe mit einer sehr überzeugenden nubischen Hochzeitsprozession begonnen, die Frauen in bunten Kleidern, Männer in weißen Roben, begleitet von afrikanischen Rhythmen.
Dies schien angemessen, berücksichtigte man die Wurzeln des Stückes in der modernen nubischen Literatur, die Idris Ali' Vorstellung inspiriert hatte. Dongola, einer der drei Romane - eine Art Trilogie, die drei Generationen von Nubiern vor und nach dem Dammbau umfasst - war das erste Buch eines Nubiers, das ins Englische übersetzt wurde und 1997 den Arkansas Press Award für eine Übersetzung arabischer Literatur erhielt, schreibt Rania Khallaf und geht im Weiteren auf die Entwicklung nubisch-arabischer Literatur ein, die mit dem Lyriker Mohamed Abdel-Rehim Idris, dessen Diwan 1948 erschien, ihren Anfang genommen habe, gefolgt von Mohamed Khalil Qassems Roman Shamandoura im Jahre 1964. Idris Ali präsentiere eine organische Erweiterung von Qassems Werk, indem das Stück die Zwangsumsiedlung der Nubier in den 50er Jahren behandele. Es beinhalte eine Debatte zwischen Ghada, deren Vater eine Kairoerin heiratete, und Simone, einer Französin, die einst einem in Nubien arbeitenden britischen Archäologen vermählt wurde, die in einer "angemessen unparteiischen Perspektive den nubischen Nationalismus betreffend" einmünde. Nach Odouls Adaptation von People of the River sei dies das erste Stück über Nubien, das seinen Weg auf die ägyptische Bühne finde, "ein willkommenes Angebot".
Bühnenfassungen von Romanen scheinen eine Modeerscheinung zu sein, stellt Rania Khallaf fest, wie beispielsweise die in diesem Sommer anstehende Premiere von Sonallah Ibrahims The Committee im Nationaltheater. Abdel-Moniem habe bei verschiedenen Stücken Regie geführt, die auf literarischen Werken basierten, einschließlich der Romane des verstorbenen Abdel-Hakeem Qassem und des ebenfalls verstorbenen Yehia El-Taher Abdallah. Er, Abdel-Moniem, empfinde es als gegenwärtigen Trend und füge hinzu, dass "'der Reichtum und die Originalität' nubischer Literatur einen Weg heraus aus den vorgefertigten Schemata aufzeigt, die sich häufig in den Tentakeln des Kommerzialismus verfangen". Reflektiert dies das Fehlen eines soliden Skripts? frage er. "Genau", erwidere Nasser scharf. "Das Schreiben für die Bühne ist interaktiv, was es schwieriger macht als jedes andere. Es benötigt Begabungen, die anscheinend heutzutage nicht aufzufinden sind." Es könne argumentiert werden, dass die Sehnsucht nach einer verlorenen Heimat - das einzige Thema nubischer Literatur - jedoch genauso vorgefertigt sei wie jede andere. "Ist sie wirklich geeignet für zeitgenössisches Theater?" Betrachte man das Stück, so stelle sich die angenehme Überraschung ein, dass dem so ist.
Das Stück beginne mit dem Protagonisten Awad Shalalie (Osama Abdel-Moniem, der auch den Führer in People of the River spielte), der seine gerade fertig gestellte Seite Nubia.com aufrufe, welche einen Bericht seines Lebens beinhalte, mit Bildern von traditionell geschmückten nubischen Häusern. Die Webseiten erschienen auf einer großen Leinwand, ein Kommentar spreche von Heimatlosigkeit und von 44 Dörfern die im Lake Nasser versunken seien. Awad errege Belustigung beim Assuan-Regierungsvertreter, indem er die Diskrepanz anspreche zwischen dem, was der Damm an ökonomischen Wachstum für alle Ägypter versprochen habe und der freudlosen Wirklichkeit, die er den Nubiern bringe. "Der Schauspieler war brillant im Beibehalten eines eindringlichen, leicht selbstspöttischem Sinns für Humor - eine für Nubier charakteristische Haltung". Ein anderer Aspekt "südlicher Kultur" sei in den Vordergrund getreten, als Ghada die Dorfmädchen das Alphabet lehrte: jeder Buchstabe markierte ein Liebeslied. Awads Beziehung zu Simone, die in einer Heirat münde, sei im Buch viel besser portraitiert, urteilt die Verfasserin des Artikels, obschon die Körpersprache während des Vortrags auf der Bühne einiges vom Verlust der Tiefe wettmache. Die Liebesszene sei wunderschön choreografiert, und als Simone sich zu Awad dreht und sagt, "Ich habe drei Nationalitäten: Französisch, Englisch und Ägyptisch, welche hast du?" strahle die Frage eine bemerkenswerte Kraft auf das Publikum aus. In anrührender Weise führe sie erneut die Frage nach der Identität ein.
Der Nord-Süd-Dialog werde auf vielen Ebenen wiederholt, mit einer Mischung von traditionell nubischer, ägyptischer und westlicher Musik. "Alle drei Romane haben dazu etwas beizutragen, aber die eigentliche Handlung werde getragen von dem Roman "Playing on the Nubian Mountaintops" (2005), in dem die Krise in weniger ausschließenden Begriffen dargestellt werde als bei Odoul. Laut Idris Ali sei Nubien in diesem Stück kein Märchen. Im Gegenteil, "die Realitäten des nubischen Lebens, ihre Aspirationen und die neue Selbst-Wahrnehmung, mit der sie sich für die Zukunft wappnen, darum geht es." Der Tag, an dem das Dorf evakuiert werde, gehöre zu den beeindruckendsten Szenen, schreibt Rania Khallaf anerkennend, mit der Weigerung des Großvaters, sich wegzurühren, mit der bitteren Ironie, mit der ihm versichert werde, der Himmel erwarte ihn in Komumbu: fließendes Wasser, Elektrizität usw. Doch bald beklagen sich die um Awad herum versammelten Dörfler über den Mangel: "Sieh, Awad, der Nil ist verschwunden!" Und so ende es, dramatisch. Und schon beteuere Awad, einst engstirnig und ethnozentrisch, die ultimative Integrität des Nordens und des Südens. · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
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