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Das
Lodern der Lust
Nadine
Gordimers Erzählungen Die Umarmung eines Soldaten
Von Manfred Loimeier (©)
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Mit diesem fünften Band an Erzählungen von Nadine Gordimer schließt
der S.Fischer Verlag die Publikation des erzählerischen Werks
der südafrikanischen Literatur-Nobelpreisträgerin ab*.
Damit wird mit den Bänden Die sanfte Stimme der Schlange,
Freitags Fußspur, Nicht zur Veröffentlichung, Livingstones
Gefährten und nun Die Umarmung eines Soldaten auch
derjenige Teil von Gordimers Schaffen ins angemessene Licht gerückt,
der bisher gegenüber ihren Romanen in den Hintergrund geraten
war. Die Umarmung eines Soldaten enthält ein Dutzend, im
Jahr 1980 erstmals veröffentlichte Geschichten, in denen die heute
77-jährige Autorin überwiegend dem Verhalten zwischen den Geschlechtern
nachspürt. |
| Die
Texte dieses Bandes scheinen weniger allgemein politisch gehalten,
sondern eher auf den Bereich des Zwischenmenschlichen konzentriert
zu sein. Fast immer liegen diesen Erzählungen Paarkonstellationen
zugrunde, selbst wenn sie aus der Erinnerung des erzählenden Ichs
vor dem Auge der Leser entstehen. Da sich das Interesse Gordimers
aber darauf richtet, die Machtverhältnisse bloß zu legen, die
sich in Beziehungen manifestieren, entpuppen sich Gordimers Texte,
wenn sie wie Liebende in Stadt und Land bi-kulturelle Freundschaften
thematisieren, bald als subtile Beschreibungen eines versteckten
Rassismus' im Verhalten auch aufgeschlossen sich gebender Weißer.
Gordimer verurteilt aber nicht pauschal, sondern zeigt vor allem
die unterschiedlichen Mentalitäten, die in den Wertschätzungen
der jeweiligen Freundschaften zum Ausdruck kommen. Für die Figur
eines österreichischen Wissenschaftlers sind in der genannten
Erzählung die Schwierigkeiten, die sein zur Geliebten avanciertes
Dienstmädchen zu gegenwärtigen hat, ebenso unnachvollziehbar,
wie das Mädchen verkennt, dass sie dem Akademiker bei aller Liebe
nie als mögliche Ehefrau in den Sinn kommen wird. |
| Obwohl
besonders dieses Buch den Beweis dafür liefert, dass der Autorin
Unrecht geschähe, wenn sie nur als nüchtern-realistische Anti-Apartheid-Autorin
gesehen würde - in der Erzählung Ein Löwe auf der Straße
beschreibt sie die Präsenz sexueller Lust im Alltag, indem sich
das Löwengebrüll aus dem Zoo mit den Liebesschreien aus dem Nachbarzimmer
paart -, schwingt in diesen Erzählungen immer auch eine politische
Dimension mit. Da es Gordimer nämlich auch um eine Kritik an der
gesellschaftlich gezähmten Leidenschaftlichkeit geht, liegt es
nahe, die auf das Private reduziert wirkenden Stücke als literarischen
Kommentar zur Zivilisationsgeschichte zu lesen. |
| Dieser
Ansatz mag nicht neu sein und schon gar nicht der Vorstellung
von Literatur aus Afrika entsprechen, aber gut beobachtet und
tiefgründig angelegt sind die Figuren der Schriftstellerin dennoch,
deren 1998 erschienener jüngster Roman Die Hauswaffe soeben
als btb-Taschenbuch herauskam. Man kann Die Umarmung eines
Soldaten also auch dann gut lesen, wenn es nicht nur um eine
möglichst vollständige Lektüre von Gordimers Werk geht. |
| Nadine
Gordimer: Die Umarmung eines Soldaten. Erzählungen. 224 Seiten,
EUR 17,00 S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. |
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(Originaltitel:
A Soldier's Embrace)
*
Die Rezension wurde im Jahr 1999
verfasst , für die
Marabout-Seite übernommen 12/2003
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