DIE MARABOUT-SEITE
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Foto: Schami v. Root Leeb (c)
RAFIK SCHAMI[0]
(*1946)
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Literarisches Portrait: Rafik Schami

DAS AKTUELLE BUCH
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Sophia oder
Der Anfang aller Geschichten
Beschreibung siehe unten

1946
Am 23. Juni wird der Bäckersohn einer christlich aramäischen Familie als Suheil Fadél in Damaskus
[1] geboren. Er hat fünf Geschwister.

1950er[2]
Verbringt als Kind ca. zweieinhalb Jahre in einem Kloster, wo die besondere Liebe zu Büchern gedeihen kann.

1964(5?)
[3]-70 Mitbegründung und Leitung der Wandzeitung Al-Muntalek (Der Ausgangspunkt) im alten Stadtviertel von Damaskus.

1971

Emigration in die Bundesrepublik Deutschland[4].

1970er
Studium der Chemie und Pharmakologie in Heidelberg.

1979
Promotion zum Dr. rer. nat.

1971-77
Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, in arabischer und deutscher Sprache.

1971-79
Tätigkeit als Aushilfskraft in Fabriken, Kaufhäusern, Restaurants und Baustellen.

1978
Bibliografische Angabe Andere Märchen[5]. Bonn 1978.

1980
Mitbegründer der Literaturgruppe Südwind und des PoLiKunst-Vereins.

1980-85
Mitherausgeber und Autor der Reihe Südwind-Gastarbeiterdeutsch sowie der Reihe Südwind-Literatur (insgesamt 13 Bände).

1982
Bibliografische Angabe Das Schaf im Wolfspelz. Mit Zeichn. von Barbara Rieder. Dortmund 1982.
Beginn der Tätigkeit als freier Schriftsteller.

1983
Bibliografische Angabe Luki. Die Abenteuer eines kleinen Vogels, Kinderbuch. Göttingen 1983.

1984
Bibliografische Angabe Das letzte Wort der Wanderratte, Märchen, Fabeln und phantastische Geschichten. Kiel 1984.

1985
Bibliografische Angabe Der Fliegenmelker und andere Erzählungen aus Damaskus. Taschenbuchausgabe: Berlin 1985. Neu hgg. als gebundene Ausgabe unter dem Titel Der Fliegenmelker. Geschichten aus Damaskus. München 1997.
Bibliografische Angabe Der erste Ritt durchs Nadelöhr. Noch mehr Märchen, Fabeln und phantastische Geschichten. Kiel 1985.
Bibliografische Angabe Weshalb darf Babs wieder lachen?, Göttingen 1985.
Absatz Rafik Schami wird mit dem Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

1986
Bibliografische Angabe Bobo und Susu, Kinderbuch. Wien 1986. Text: Rafik Schami, Bilder: Erika Rapp.
Bibliografische Angabe Der Kameltreiber von Heidelberg, Hörspiel (RIAS) Berlin 1986.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Thaddäus-Troll-Preis des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg für Der Fliegenmelker.

1987
Bibliografische Angabe Eine Hand voller Sterne, Roman. Weinheim 1987.
Bibliografische Angabe Märchen aus Malula. Kiel 1987.
Bibliografische Angabe Als die Puppen aus der Reihe tanzten, Theaterstück. Regie G. Naasan. Uraufführung: München im Dezember 1987.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis Die blaue Brillenschlange für Eine Hand voller Sterne.
Absatz Ausgezeichnet mit dem ZDF-Leseratten-Preis für Eine Hand voller Sterne.

Absatz Ausgezeichnet durch die Aufnahme in die österreichische Ehrenliste des Staatspreises für sein Gesamtwerk.

1988
Bibliografische Angabe Die Sehnsucht fährt schwarz. Geschichten aus der Fremde. München 1988.- Über "Gastarbeiter"-Schicksale.

1989
Bibliografische Angabe Erzähler der Nacht, Roman. Weinheim 1989. - Damaskus' bester Geschichtenerzähler ist verstummt. Nur sieben besondere Gaben, überreicht innerhalb einer 3-Monatsfrst, können das Talent des Kutschers Salim zurückbringen. Seine sieben Freunde denken sich besondere Geschenke für ihn aus, doch erst acht Tage vor Ablauf der Frist kommen sie auf die Idee, jeder könne ihm seine schönste Geschichte vortragen.
Absatz Ausgezeichnet mit dem niederländischen Smelik-Kiggen-Preis für sein Gesamtwerk.

1990
Bibliografische Angabe Der Wunderkasten. Weinheim 1990. Illustriert von Peter Knorr. Neuauflage: Weinheim 2006.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Rattenfängerpreis der Stadt Hameln für Erzähler der Nacht.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar für Erzähler der Nacht.

1991
Bibliografische Angabe Vom Zauber der Zunge. Reden gegen das Verstummen. Frauenfeld (Schweiz) 1991.
Bibliografische Angabe Der fliegende Baum. Die schönsten Märchen, Fabeln und phantastischen Geschichten. Illustriert von Root Leeb. Taschenbuchausgabe: Kiel 1991. Neu hgg. als gebundene Ausgabe: München 1997.
Absatz Ausgezeichnet mit dem us-amerikanischen Kinderbuchpreis Mildred L. Batchelder Award für A Hand Full of Stars (Eine Hand voller Sterne).

1992
Geburt des Sohnes Emil.
Bibliografische Angabe Der ehrliche Lügner. Roman von tausendundeiner Lüge. Weinheim 1992.

1993
Ausgezeichnet mit dem Adalbert-von-Chamisso-Preis für sein Gesamtwerk.

1994
Bibliografische Angabe Das ist kein Papagei. Illustriert von Wolf Erlbruch. München 1994.
Bibliografische Angabe Der brennende Eisberg. Eine Rede, ihre Geschichte und noch mehr. Frauenfeld (Schweiz) 1994.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Hermann-Hesse-Preis für Der ehrliche Lügner.

1995
Bibliografische Angabe Der Schnabelsteher. Illustriert von von Els Cools und Oliver Streich. Hamburg 1995.
Bibliografische Angabe Reise zwischen Nacht und Morgen
[6]. Roman. München 1995.

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FATIMA UND DER TRAUMDIEB

1996
Bibliografische Angabe Fatima und der Traumdieb. Illustriert von von Els Cools und Oliver Streich. Hamburg 1996.
Absatz Ausgezeichnet mit dem frz. Prix de Lecture für Der Schnabelsteher.

1997
Bibliografische Angabe Gesammelte Olivenkerne. Aus dem Tagebuch aus der Fremde. München 1997.
Bibliografische Angabe Milad. Von einem der auszog, um einundzwanzig Tage satt zu werden. München 1997. Taschenbuchausgabe: München 2000.
Bibliografische Angabe Albin und Lila. Illustriert von Els Cools und Oliver Streich. Hamburg 1999.
Bibliografische Angabe Zu Besuch bei Harry Heine, Hörspiel. (SDR) Stuttgart 1997
Absatz Ausgezeichnet mit dem Hans-Erich-Nossack-Preis für sein Gesamtwerk.
Absatz Ausgezeichnet mit einem Ehrentitel des us-amerikanischen Storytelling World Award für Fatima and the Dream Thief (Fatima und der Traumdieb).

1999
Bibliografische Angabe Wie kam die Axt in den Rücken des Zimmermanns. Zürich 1999. - "Ein Kompendium der Ignoranz, Schlamperei und Unverschämtheiten, unter denen wir alle leiden, die wir unser Haus nicht allein bauen, unsere Post nicht persönlich ausliefern und unsere Toten nicht selbst begraben können." (Verlagstext)
Bibliografische Angabe Der geheime Bericht über Goethe. Der eine Prüfung auf einer arabischen Insel bestand. (Arabische Edition: Al Takrir al Sirri ´an al Scha´ir Goethe
[7]. Berlin 2005). Gemeinsam mit U. M. Gutzschhahn. München 1999.
Bibliografische Angabe Sieben Doppelgänger, Roman. München 1999. - Der Autor Rafik Schami sieht sich durch fortwährende Einladungen zu Lesungen überfordert. Die Idee, gleich sieben Doppelgänger für diese Tätigkeit zu engagieren, scheint einen Ausweg aus dieser Misere anzubieten, doch entwickeln sich die Dinge anders als erhofft...
[8]
Absatz Der geheime Bericht über den Dichter Goethe wird im Februar von der Volkacher Akademie als Buch des Monats ausgezeichnet.
Absatz Der geheime Bericht über den Dichter Goethe wird im März ausgewählt für Besten 7 Bücher für junge Leser von Focus u. Deutschlandradio.

Absatz Im August Auszeichnung Fällt aus dem Rahmen der Zeitschrift Eselsohr für Der geheime Bericht über den Dichter Goethe.

2000
Bibliografische Angabe Die Sehnsucht der Schwalbe. Kinderbuch. München 2000.

2001
Bibliografische Angabe Angst im eigenen Land. Israelische und palästinensische Schriftsteller im Gespräch[9]. Hgg. v. Rafik Schami. Zürich 2001.

2002
Bibliografische Angabe Mit fremden Augen. Tagebuch über den 11. September und den Palästinakonflikt. Heidelberg 2002.
Bibliografische Angabe Damaskus. Der Geschmack einer Stadt. Oasen der Sinne. Gemeinsam mit Marie Fadél. Zürich 2002. - Ein "Kochbuch", das weit über das Vermitteln von Kochrezepten hinausgeht, indem es über Tradition und Kultur dieser Stadt berichtet.
Bibliografische Angabe Die Farbe der Worte. Gemeinsam mit Root Leeb. Cadolzburg 2002.
Absatz Beginn der Mitgliedschaft in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Kinderbuchpreis Heidelberger Leander.

2003
Bibliografische Angabe Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm
[10]. Kinderbuch. Illustrationen: Ole Könnecke. München 2003.
Bibliografische Angabe Dem Morgen begegnen, heißt Hoffnung haben. 7 Bemerkungen eines hoffnungsvollen Pessimisten, Rede zum 9. Bundeskongress für Politische Bildung im März 2003.
Absatz Ausgezeichnet mit dem von Schülern vergebenen und mit 6000 EUR dotierten Weilheimer Literaturpreis [11].
Absatz Ausgezeichnet mit dem mit 10.000 EUR dotierten Kunstpreis Rheinland-Pfalz, der höchsten Auszeichnung des Landes für Kulturschaffende.

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DIE DUNKLE SEITE
DER LIEBE

2004
Bibliografische Angabe Die dunkle Seite der Liebe
, Roman. München 2004. - Der knapp 900 Seiten umfassende Roman erzählt die "Romeo und Julia"-Geschichte von Rana und Farid, der jüngsten Sprößlinge zweier verfeindeter Sippschaften in Damaskus. Beide Familien, die Schahins und die Muschtaks, gehören dem christlichen Glauben an, die eine dem orthodoxen, die andere dem katholischen. Ihre geistige Haltung speist sich jedoch aus dem arabisch-islamischen Ehrbegriff und dem Klandenken
[12].
Absatz Ausgezeichnet mit dem Illustrationspreis des Gemeinschaftwerks Evangelischer Publizistik für Kinder- und Jugendbücher wird der Zeichner Ole Könnecke für seine Illustrationen zu Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm von Rafik Schami.

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DAMASKUS IM HERZEN UND
DEUTSCHLAND IM BLICK
Essays

2006
Bibliografische Angabe Damaskus im Herzen und Deutschland im Blick. Beobachtungen eines syrischen Deutschen[13]. Essays u. Reden. München Wien 2006.
Bibliografische Angabe Der Kameltreiber von Heidelberg. Kinderbuch. München 2006
.
Absatz Ausgezeichnet wurde Der Kameltreiber von Heidelberg als Kinderbuch des Monats April von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach e.V.

2007
Bibliografische Angabe Lob der Ehe. Ein weltliterarisches Treuebuch (Hrsg.). München 2007.
Absatz Am 6. September wird von der Dortmunder Stadtverwaltung bekannt gegeben, dass Rafik Schami der diesjährige mit 15.000 € dotierte Nelly-Sachs-Preis
[14]  für sein Gesamtwerk zugesprochen wird.

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DAS GEHEIMNIS DES
KALLIGRAPHEN

2008
Bibliografische Angabe Das Geheimnis des Kalligraphen. München 2008; Taschenbuchausgabe: München 2010. Roman[15].- Die Geschichte einer Liebe zwischen einer Muslimin und einem Christen, zwischen Nura und Salman. Er ist der Lehrling ihres Ehemannes, des berühmten Kalligraphen Hamid Farsi, der eine radikale Reform der arabischen Schriftsprache plant.
Bibliografische Angabe Was ich schaffe, überdauert die Zeit. Eine Geschichte von der Schönheit der Schrift. München 2008.

2010
Im Sommersemester hat Rafik Schami die Brüder-Grimm-Professur am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Kassel inne[16].

2011
Zur Monatswende März April wird Rafik Schami in mehreren deutschsprachigen Zeitungen zu den Protesten in Syrien interviewt[17] .
Absatz Rafik Schami wird für sein Schaffen mit dem seit 2005 vergebenen und mit 7.500 Euro dotierten Preis "Gegen Vergessen - Für Demokratie" ausgezeichnet. Die Preisübergabe findet am 30. Oktober in Bremen statt.
Absatz Ende Oktober wird Rafik Schami in Bremen für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte vom gleichnamigen gemeinnützigen Verein mit seinem Vorsitzenden Joachim Gauck mit dem Preis Gegen das Vergessen - Für Demokratie ausgezeichnet.
 

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DIE FRAU, DIE IHREN MANN
AUF DEM FLOHMARKT VERKAUFTE

Absatz Ende November warnt Rafik Schami vor einem Bürgerkrieg in Syrien[18] 
Bibliografische Angabe "Wie sehe ich aus?" fragte Gott. Kinderbuch, illustriert von Sandra Beer. Frankfurt am Main 2011.

Bibliografische Angabe Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte, Erzählungen. München 2011. - Rafik Schami erzählt Geschichten aus seiner Kindheit und darüber, wie er zum Schreiben kam.
[19] 

2012
Bibliografische Angabe Das Herz der Puppe. Kinderbuch. München 2012.

2015
Ausgezeichnet mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis der ökumenischen Stiftung "Bibel und Kultur". Sein Werk sei in besonderer Weise von seiner Herkunft aus einer der frühen Stätten des Christentums geprägt, wird die Ehrung begründet. Weiter heißt es: "Mit großem Erfolg habe der christliche Aramäer es geschafft, durch seine literarischen Arbeiten die arabischen Traditionen des Erzählens in Deutschland neu heimisch zu machen".[20] 
Bibliografische Angabe Sophia oder Der Anfang aller Geschichten. München 2015 - Der Roman Sophia spielt in der Zeit kurz vor Ausbruch des Arabischen Frühlings. Lange zuvor hatte Sophia Karim, ihrem unter Mordverdacht geratenen Geliebten das Leben gerettet. Er versprach ihr, wann immer sie ihn brauche, würde er für sie da sein. Als Karimas Sohn aus dem italienischen Exil nach Damaskus zurückkehrt, entdeckt dieser sein Fahndungsfoto in der Zeitung. Sophia, mit einem reichen Goldschmied verheiratet, wendet sich an Karim um Hilfe. [21]

2016
Ausgezeichnet mit dem undotierten Medienpreis Goldene Zeile durch den Bezirk Pfalz des Deutschen Journalistenverbandes, eine jährliche Ehrung für Persönlichkeiten, "die ein herausragend vertrauensvolles Verhältnis zu den Medien pflegen".

Rafik Schami lebt mit seiner Familie in dem pfälzischen Dorf Marnheim.

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STIMME(N):
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(noch nicht aufgenommen)

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ANMERKUNGEN:
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0) Pseudonym: "Rafik" bedeutet im Arabischen "Gefährte" od. "Kamerad" und "Schami" "der aus Damaskus kommt".

1) In einem Gespräch mit Corinna Spies sagt Rafik Schami dazu: "Wir lebten (z. B.) in einem christlichen Viertel, nicht in einem Ghetto, denn es war durchlässig. Aber es war bekannt, daß das hier das christliche Viertel war. Die Schule war christlich..." Seine Eltern seien sehr religiös gewesen: "Mein Vater war in allen katholischen Vorständen mit dabei. Meine Mutter war aber religiöser als mein Vater, sie war nicht in den Gremien, aber sie praktizierte ihren Glauben, vor allem die Verherrlichung der heiligen Maria." - Rafik Schami im Gespräch mit Corinna Spies, BR, Sendetag: 03.04.1998, 20.15 Uhr.

2) Im o. g. Gespräch mit Corinna Spies erzählt Rafik Schami, er sei in der Zeit im Kloster "zehn bis zwölf Jahre alt" gewesen. Diese Zeit endete, als er "sehr krank wurde: Ich bekam die Meningitis".

3) Unterschiedliche Angaben in den Quellen.

4) In einem Interview mit der ZEIT wird Rafik Schami gefragt: "Sie haben den Traum, eines Tages nach Damaskus zurückzukehren, wo Sie Ihre Jugend verbrachten. Wann werden Sie ihn realisieren können? Die syrischen Machthaber sind Ihnen nicht wohl gesonnen." Seine Antwort:
"Ich habe diesen Traum nicht mehr so intensiv wie in früheren Jahren. Das ist so eine Art Idylle, die sich im Exil im Kopf bildet. Ich weiß, dass ich enttäuscht wäre, würde ich das reale Damaskus heute sehen. Ganz abgesehen davon, dass es mich als Mensch stören würde, meine Meinung dort nicht öffentlich äußern zu können."- Vgl. in: Durch die Hintertür nach Syrien . Achim Fehrenbach für die ZEIT (47/2002) im Gespräch mit dem Autor.

5) Das erste in dt. Sprache geschriebene Buch des Autors, der im o. g. Gespräch mit Corinna Spies zum Sprachverständnis sagt, sein Französisch und Englisch, "das ich in der Schule gelernt habe", habe ihm den Zugang zur deutschen Sprache leichter gemacht: "Die deutsche Sprache war wirklich nicht schwierig für mich. Sie ist eine begnadete Sprache wegen ihrer Logik. Nur, mein Problem fing dort an, als ich den allerhöchsten Anspruch der Sprache erobern wollte, beim Schreiben von Literatur."

6) "Die ganze Geschichte ist ein Dialog zwischen einem Europäer und einem Araber", sagt Schami über seine Reise zwischen Nacht und Morgen, "der Europäer aber hat einen arabischen Ursprung, und der Araber ist deutsch erzogen. Dieser Dialog zwischen den Personen findet auch im Aufbau des Romans statt: Ich habe die Geschichte von dem Orientalen wie Mosaikbilder aufgebaut, während die Geschichte von Valentin zielstrebig verläuft wie die europäische Erzählweise, also auf ein logisches Ende hin." - Rafik Schami, zitiert nach: "Geschichten sind wie Freunde" v. Angelika Ohland, in: Sonntagsblatt 6/1996.

7) Der Autor äußert sich in einem Interview auf den Hinweis, dass seine Bücher in 22 Sprachen übersetzt seien, aber seine Heimatsprache fehle, folgendermaßen: "Im nächsten Jahr sollen meine Werke beim Verlag Al-Kamel (Köln) erscheinen. Dass es sich dabei um einen Exilverlag handelt, zeigt wieder das Verhältnis der syrischen Machthaber zu meiner Person. In China hat man meine Bücher zugelassen, nicht aber in Syrien. Die arabischen Ausgaben werden in Köln produziert und gelangen dann auf leisen geduldigen Sohlen von Kamelen auch nach Syrien. Es freut mich, durch die Hintertüre in mein Land zurückkehren, ohne dass meine Freunde dort mich auf Französisch oder Englisch lesen müssen. Sie werden meine Stimme hören, ohne dass ich körperlich dort sein muss." - Vgl. o. g. Interview: Durch die Hintertür nach Syrien.
Aus einem Gespräch Schamis mit Christiane Schwalbe für Radio Bremen geht ergänzend hervor, der Kölner Verlag werde sein Gesamtwerk in arabischer Sprache herausbringen - der "Goethe"-Band sei nur der Anfang - und mit seinen vielen Beziehungen zur arabischen Welt in den dortigen Buchhandel bringen.

8) Anekdotischer und laut Kritik untypischer Roman des Autors Rafik Schami, der nicht dessen "orientalische Erzählkunst" widerspiegelt.

9) Angst im eigenen Land kann als ein beeindruckendes Dokument für Rafik Schamis Eintreten für einen Dialog zwischen Palästinensern und Israelis gelten. Neun SchriftstellerInnen und Intellektuelle israelischer und palästinensischer Herkunft folgten seiner Einladung im Jahr 2000 und diskutierten an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, um neue Wege des Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern zu erkunden. Die Ergebnisse der Debatten liegen mit diesem Buch in schriftlicher Form vor.

10) Der Titel erinnert sehr deutlich an das 1997 im frz. Original und 1999 in dt. Übersetzung erschienene Buch Papa, was ist ein Fremder? des in Frankreich lebenden marokkanischen Schriftstellers Tahar Ben Jelloun.

11) Der Weilheimer Literaturpreis wird alle zwei Jahre vergeben. Der auf Schami folgende Preisträger des Jahres 2005 ist Wole Soyinka; die Verleihung erfolgt in diesen Tagen (Juni 2006) durch Bundespräsident Köhler, der auch die Laudatio hält.

12) Von der Kritik überwiegend hoch gelobter Roman des Autors. Die Rede reicht von "großes Epos" (Martin Halter, FAZ) über "Zauberteppich", der aus "Blutrache, Stammesfehden und Familienzwist" (Fritz J. Raddatz, DIE ZEIT) geknüpft sei, bis zu "kunstvolles Mosaik" (Ulrich Baron, SZ). Denis Scheck (druckfrisch, ARD) meint dazu: "Dass dieses Märchen sich so wunderbar entfaltet, hat möglicherweise damit zu tun, dass Schami seit über 30 Jahren in Deutschland lebt und schreibt."- Eine Besonderheit bietet das letzte, das sog. "Making-of-Kapitel" wie Petra Kohse in ihrer Rezension für die FR es nennt. Man müsse, habe der 16-jährige Schami gedacht und es in diesem Kapitel niedergeschrieben, "einen Roman über alle Spielarten der verbotenen Liebe in Arabien schreiben". -
Rafik Schami selbst sagt in o. g. Gespräch mit Christiane Schwalbe zu diesem Buch, an dem er 30 Jahre gearbeitet hat und dessen erzählte Zeit 110 Jahre und drei Generationen umfasst, es sei eigentlich dokumentarisch. Er habe in seiner syrischen Heimat recherchieren lassen, habe sich beispielsweise Stadtpläne seiner Heimatstadt aus allen Perioden schicken lassen, habe nachvollzogen wie Damaskus, das, als er es verließ, 400.000 und heute 4 Mio. Einwohner zählt, strukturell verändert habe, habe auch ehemalige Gefangene interviewen lassen oder habe sich von einem Schweizer Psychiater, der in den 60er Jahren in Damaskus gearbeitet habe, genau die damals üblichen Medikamente benennen lassen usf. All diese Details, fasst Christiane Schwalbe zusammen, führten zu dem "authentischen Charakter" des Buches.- Vgl. Schwalbe, Radio Bremen

13) Damaskus im Herzen und Deutschland im Blick sei eine "wunderbare Liebeserklärung an seine Stadt Damaskus", schreibt der Rezensent der schweizerischen Zeitung DER BUND. "In ihren Gassen hat Schami die sinnliche orientalische Erzählweise erlernt und zu unserem Vergnügen so kunstvoll auf die deutsche Sprache übertragen. Doch sei sich der Autor "der Gefahr kitschiger Verklärung durchaus bewusst"; er schreibe dazu: "Im Exil verwandeln sich die Städte der Kindheit in Idyllen, ihr Staub in Perlen, und die düsteren Gassen werden von goldenem Licht durchflutet". Mit diesem Satz beginnt das Buch, eine Sammlung von Publikationen der vergangenen Jahre. Neben Reden und Essay stehen Kindheitserinnerungen, Plädoyers für den Dialog zwischen Ost und West sowie die Beschreibung eines fiktiven Besuchs bei Heine.

14) Zu den früheren PreisträgerInnen zählt die südafrikanische Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer, der der Preis 1985 zugesprochen wurde.

15) Renée Zucker, der Rezensent von INFOradio, geht zunächst auf die Faszination ein, die der Roman Das Geheimnis des Kalligraphen für die arabische Schrift zu vermitteln wisse; sie sei "Musik für das Auge". Selbstverständlich handele es sich bei dem Buch um "keine theoretische Abhandlung über die Kunst der Kalligraphie", doch beinhalte deren "Freiheit und Schönheit" eine Gefahr in sich für die Vertreter des Fundamentalismus. Darüber lernten wir viel in Schamis Roman, "während wir so leichtfüßig, wie es der Schriftsteller erlaubt, durch das Geschichtengeflecht einer Nachbarschaft in der Damaszener Altstadt wandern. Wir halten inne bei Nura, der herzensklugen und gebildeten Frau des Kalligraphen und ihrem rührenden und ebenso gutherzigen wie tapferen Liebhaber und Freund, dem Christen Salman. Und bei dem gierig geilen Nassri und der Hure Asmahan mit dem Sinn für Geld und Poesie."
Es sei "nach seinem letzten großen Roman Die andere Seite der Liebe wieder ein herrliches und zumal herrlich dickes Buch, das der große erzählende Mann, der aus Damaskus kommt, uns geschenkt hat.".

16) "Mit Schami lädt die Universität Kassel einen Literaten ein, der sich seit Jahren bemüht, die Welten von Orient und Okzident einander näher zu bringen", heißt es in der Pressemitteilung der Universität. Zu Schamis Vorgängern der Brüder-Grimm-Professur zählten u.a. Guntram Vesper, Sarah Kirsch und die rumäniendeutsche Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin des Jahres 2009 Herta Müller.

17) 28. März, NZZ Online: "Kinder haben die syrische Revolution gezündet", Interview: Isabelle Imhof. - Rafik Schami zeige sich vom Schwung der Revolte in Syrien überrascht. Was die Opposition seit Jahrzehnten nicht fertig gebracht habe, sei nun einer neuen Generation gelungen: Die Überwindung der Angst vor einem brutalen Regime.

18) "Der Schriftsteller Rafik Schami", heißt es in einer Mitteilung des Senders phoenix, "warnt vor einem drohenden Bürgerkrieg in seinem Heimatland Syrien. 'Die Machthaber geben nicht die Macht ab, sondern tun alles, damit es in einen Bürgerkrieg rutscht', sagte der in Deutschland lebende Autor in der PHOENIX-Sendung IM DIALOG. Die Folgen einer solchen Eskalation seien unabsehbar. Syrien sei ein 'wichtiger Dominostein' in der Region."

29. März, WELT ONLINE: "Abgesehen von Deutschland leistet der Westen Hilfe", Mara Delius und Alan Posener. - Schami spreche über die Aufstände in seiner Heimat Syrien. Deutschland im Merkel-Westerwelle-Format habe für ihn einen Rückschlag erlebt.

30. März, FR online: "Ein neues Zeitalter", Interview: Thomas Wolff - Untertitel: "Der Schriftsteller Rafik Schami über die Revolte in seinem Heimatland Syrien, den Machtverlust arabischer Sippen und einen historischen Fehler der Bundesregierung" - Nicht zuletzt auch in diesem Interview wird Schami ganz persönlich, wenn er von einem alten Freund erzählt, der wie seine Schwester in Damaskus lebe. Er mache sich Sorgen um die Beiden. Mit seiner Schwester telefoniere er bis zu zweimal täglich.

31. März, FAZ.NET "Die arabischen Diktatoren ähneln Kernkraftwerken", Das Gespräch führte Eren Güvercin - Rafik Schami habe lange ein düsteres Bild seines Heimatlandes gezeichnet. Jetzt sei der Schriftsteller überrascht, wütend und doch voller Hoffnung. Der politische Frühling in Syrien sei endlich angebrochen.

4. April, taz online: "Schneller als die Geheimdienste", Interview ANDREAS FANIZADEH, "...über die Situation in seiner alten Heimat, die unglaubwürdige Rolle der Muslimbrüder und die politischen Fehler des Westens".

19) In seinem jüngsten Buch Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte blicke Rafik Schami einerseits zurück auf seine Kindheit in Damaskus, schreibt Andreas Heimann für den Stern, und "erzählt andererseits viel über sein Selbstverständnis als Autor. Beides ist eng miteinander verknüpft." - Vgl. stern.de v. 12.08.2011

20) Verliehen wird der Preis im Rahmen des Evangelischen Kirchentages in Stuttgart am 4. Juni 2015. In der Laudatio würdigt Michael Köhlmeier Schami als "magischen Erzähler..

21) Denis Scheck zeigt sich während einer Fernsehsendung im Gespräch mit Rafik Schami sehr angetan von dem Roman Sophia oder Der Anfang aller Geschichten und bezeichnet das Buch als einen guten Krimi, es hätte durchaus Züge eines Kriminalromans, zumindest eines Agententhrillers. Diese Feststellung trifft Scheck nachdem er eine Romanfigur zitiert, die behauptet, es gäbe keine guten Krimis im arabischen Raum. Schami erklärt diesen Umstand mit der Tatsache, dass in der arabischen Welt -realistischerweise - kein Kommissar den Mut habe, jemanden aus der elitären Schicht zu verhören. Dies gelt für Romane, die innerhalb des arabischen Raums geschrieben würde. Arabische Autoren, die im Ausland lebten würden durchaus frei diese Thematik angehen können. - Denis Scheck im Gespräch mit Rafik Schami, DRUCKFRISCH v. 7.09.2015 - Anmerkung hierzu: Ein gutes Beispiel für einen im Westen geschriebenen arabischen Krimi mit der angesprochenen Problematik ist Yasmina Khadras Roman Worauf die Affen warten .- J.K.

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Wichtigste Quellen:
Rafik Schami im Gespräch mit Corinna Spies, BR, Sendetag: 03.04.1998, 20.15 Uhr.
Achim Fehrenbach: Durch die Hintertür nach Syrien. ZEIT (47/2002)
Christiane Schwalbe porträtiert den syrischen Autor, Radio Bremen

Dokumentation der Rede zum 9. Bundeskongress für Politische Bildung: Dem Morgen begegnen, heißt Hoffnung haben. 7 Bemerkungen eines hoffnungsvollen Pessimisten.

Rafik Schami erzählt aus seinem Roman Die dunkle Seite der Liebe, Soundfile.

Rafik Schami erzählt aus seinem Roman Die dunkle Seite der Liebe, Soundfile, 2. Teil.

taz online: "Schneller als die Geheimdienste", Interview ANDREAS FANIZADEH v. 4.04.2011.
NZZ Online: "Kinder haben die syrische Revolution gezündet", Interview: Isabelle Imhof.

Christiane Schwalbe porträtiert den syrischen Autor, Radio Bremen (mit vielen Sounddateien!)

Heinz Hug: Über die deutschsprachige Rezeption von arabischer Oralliteratur
2006 - 2017 © by Janko Kozmus
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REZENSION(EN)
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(noch nicht aufgenommen)
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Literarische Portraits von Autoren aus dem arabischen Raum auf der Marabout-Seite
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Arabische Themen in der Afrika-Chronik der Marabout-Seite
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