DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 30. März 2009

 

Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Großbritannien ·  


"Meines Vaters Frauen von Jose Eduardo Agualusa"

Boyd Tonkin rezensiert für die britische Zeitung The Independent den neuen Roman des angolanischen Autors.

Glück anstelle von Geschichte

Im Jahre 2007 habe das Buch
Das Lachen des Geckos des angolanischen Autors José Eduardo Agualusa den Independent-Preis für ausländische Belletristik gewonnen, führt B. Tonkin ein. Sein neuester Roman, der sich bereits in der erweiterten Auswahl für den Preis befinde, berühre ähnliche Motive wie jenes "verspielt-schmerzhafte" Buch: "die Nachwirkungen des zivilen Ungehorsams in den einst von Portugal beherrschten afrikanischen Staaten; die pulsierende Mischung von Herkunft und Schatten, die ihrer Kultur Stil verleihen; und das Besorgnis erregende Suchen, um herauszufinden, wohin man gehört an diesem Ort, wo die Gegenwart in einem Gewirr von Stimmen spricht und die Vergangenheit in einem Nebel von Mythen verschwindet".

Ein ganz anderes Buch sei Meines Vaters Frauen: "eher weitschweifig und episodenhaft als streng fokussierend, reich an historischen Streiflichtern und gekonnten Charakterskizzen, wo Geckos ins Wunderliche und ins Mysterium fielen". Diese "Road Novel" dürfe sich verschiedener Wege rühmen.

Laurentina, die aus Lissabon stammende Filmemacherin, umreißt der Rezensent den Inhalt, reise kreuz und quer durch das Südliche Afrika, von
Angola bis Mosambik über Südafrika auf der Suche nach der Wahrheit über ihren angeblichen biologischen Vater, den verstorbenen Jazzvirtuosen Faustino Manso, einem Kontrabass-Zauberer. Sieben Frauen und 18 Kinder seien vermutlich in seinem Kielwasser verblieben.

Parallel zu Laurentinas Suche nach ihrer weit verstreuten Dynastie gebe eine weitere Rahmengeschichte uns eine Autorfigur und seinen Partner - ein weiterer Dokumentarfilmregisseur, der über die Verwandschaft von Träumen, ersponnenen Geschichten und Lügen sinniere. Allzu schelmisch erscheine diese Aufmachung, doch sei Agualusa ein Schriftsteller von solch einnehmendem Charme, dass sie diese hoch-inspirierten Reisenden selten belaste. Daniel Hahns Übersetzung treffe mit Schwung im Schritt und Wärme im Ton genau die Stimmung.

Laurentina und ihr Begleiter - Freund, Cousin, Fahrer - verkörperten die Koalition der Kreolen des ehemaligen portugiesischen Afrika, "Kinder einer ‚großartigen Konfusion von Rassen' mit einer besonderen Gabe für Glück anstelle von blutiger Geschichte". In Afrika, "wo jemand Licht sieht, wo andere nur Schatten sehen", zitiert Boyd Tonkin und resümiert begeistert: "Agualusa wählte das Licht. Strahlender Humor und Menschlichkeit jagen den Roman durch seine schelmenhaften Windungen und Wendungen" .
· (The Independent, U.K., ÜEK: J.K.)

Quelle:
The Independent, U.K. (The Independent, U.K.)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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