DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 10. Oktober 2010

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Kenia ·  


"Sie sprechen Suaheli und sagen hakuna matata*",

überschreibt der Journalist Yazeed Kamaldien seine in → Südafrika vorgefundenen Meinungen über Kenia und das kenianische Volk, die er für die kenianische Zeitung Sunday Nation zusammengestellt hat. Die meisten Durchschnitts-Südafrikaner, fasst er einleitend zusammen, wüssten nicht viel über Kenia und solche mit Teilkenntnis über das ostafrikanische Land hätten über die Mainstream-Medien negative Eindrücke gewonnen.
Ein Spaziergang durchs Zentrum von Kapstadt, der touristischen Trumpfkarte des Landes, enthülle eine entmutigende Wissenslücke über alle Bereiche Kenias.
Zwei Frauen, die sich in der Einkaufsmeile unterhielten, haben laut Yazeed Kamaldien ein Interview verweigert, weil sie nicht als ungebildet rüberkommen wollten: „Wir möchten uns zuerst noch mehr informieren, bevor wir Auskunft geben“, habe eine der Frauen gesagt, die selbst eine Antwort ins Blaue hinein zu verweigern schien.
Es gehe nicht darum, zu testen, ob sie richtig lägen mit ihren Fakten über Kenia, habe er, der Berichterstatter, daraufhin geantwortet und zu erklären versucht, wobei es bei der Momentaufnahme ginge. Die Antwort sei weiterhin negativ ausgefallen:
„Nein, es ist besser, sie kommen ein anderes Mal, nachdem wir mehr über Kenia herausgefunden haben“, habe die Frau scharf erwidert. Später habe ein Wachmann mit der Frage über Kenia überfordert gewirkt:
„Ich weiß nichts darüber“, habe er gesagt und ebenfalls ein Interview verweigert.
Nangamso Duze, einer Kassengehilfin in einem großen Kapstädter Supermarkt, habe es nichts ausgemacht, ihre Meinung, die sich mehrheitlich aus TV-Nachrichten und Dokumentationen speiste, zu teilen:
„Ich weiß nicht viel über Kenia, außer dass es ein armes Land ist. Ich weiß, es ist in Afrika. Ich sah viele Kinder herumliegen und Mengen von Fliegen. Es war kein schöner Anblick. Im letzten Monat habe ich die Bilder im Fernsehen gesehen. Aber ich weiß nichts über das Volk und die Kultur. Ich kenne niemanden aus Kenia.“
Glücklicherweise hätten einige Südafrikaner, die Kenianer kennen, ein positives Feedback aus der gegenseitigen Beziehung gezogen. Ayesha Mall, eine Journalismus-Dozentin an der Technischen Universität von Durban habe angegeben, kenianische Freunde zu haben und kenianischen Studenten, Journalisten und Akademikern begegnet zu sein. Das Erste, woran Mall gedacht habe, als das Wort Kenia fiel, sei Mombasa gewesen, das Ferienziel an der Küste:
„Die Kenianer, denen ich begegnet bin, sind intelligent, interessiert und kultiviert. Ich habe Kenia selbst nicht besucht, alles was ich darüber weiß, habe ich gehört oder gelesen.“ Aber auch negative Eindrücke habe sie gewonnen:
„Ich denke, die politische Situation in dem Lande ist unberechenbar. Kenia hat großes Potential, aber der Fortschritt wird aufgrund von viel Korruption und Gewalt behindert. Ich hörte, dass es auch eine schöne Küste, aber einen fürchterlichen Flughafen besitzt und dass es gegen Inder und Muslime ist.“
Yusuf Barnard, ein Mediziner und Schulungsleiter, habe auch kenianische Langstreckenläufer getroffen:
„Ich traf sie, als ich selbst lief. Sie gewannen alle Wettläufe. Aber ich weiß nichts über Kenia.“
Die Interviews, erklärt Yazeed Kamaldien, hätten auch Eindrücke von einem exotischen Touristenziel zu Tage gefördert. Software-Entwickler Craig Byren assoziiere Wildlife und Tourismus, wenn er Kenia denke, „obwohl ich noch keinen Kontakt mit Kenianern hatte.“
In dem Kontext habe Kenia noch viel Aufklärungsarbeit bei den afrikanischen Nachbarn zu leisten über ein Land, das vielseitig sei und naturgemäß einladend. “Ein Kurztrip nach Nairobi, den ich vor einigen Jahren unternahm, offenbarte ein generell entspanntes Land mit Menschen, die nicht daran interessiert waren, mit Ausländern zu sprechen. So etwas geschieht nicht überall, ein aufbauender Eindruck.“
Die Graphik-Designerin Kim Benjamin aus dem Ort Kuils River habe auch noch keine Kenianer getroffen, aber sie assoziiere, die Schönheit des Landes, die weiten Ebenen und das großartige afrikanische Erbe, soweit sie es vom Fernsehen kenne. Dann enthüllte sie die über Kinofilme vermittelte Hollywood-Version von Kenia:
“Sie sprechen Suaheli und sagen hakuna matata**.“
Kim Abrahams, die Kellnerin in einem vegetarischen Restaurant in der belebten Long Street im Zentrum Kapstadts, habe sich sehr positiv über das „ursprüngliche Afrika“*** geäußert.
Das entspreche der allgemeinen Sicht der Südafrikaner, die sich Mühe geben, eine neue Sicht vom "ursprünglichen Afrika"*** zu gewinnen, die sich nicht auf außerafrikanische Mainstream-Wahrnehmungen stützt.
Abrahams habe beim Treffen mit dem Journalisten ein äthiopisches Kopftuch und Perlenschmuck getragen. In größeren Städten wie Kapstadt kämen Afrikaner von überall her zusammen, um Anstellungsmöglichkeiten zu suchen und eine Zufluchtsstätte, um dem Krieg zu entkommen.
Gute Kaffebohnen und das Maasai-Volk kämen Abrahams in den Sinn, „wenn ich an Kenia denke. Ich habe einen Maasai in Kapstadt gesehen. Ich habe Freunde aus  Burundi, die mich Leuten aus Kenia vorstellten. Ich habe auch Perlenschmuck von Menschen bekommen, die in Kenia gewesen sind. Ich weiß nicht viel über Kenia. Ich sehe schöne Bilder. Ich denke, es gibt dort Touristenattraktionen und Menschen auf Farmen, die sich autark versorgen. Ich denke an Afrikanerinnen, die mit Perlen am Hals dasitzen und an Schnitzen, Spinnen und Perlstickerei.“
Sie denke sehr positiv vom "ursprünglichen Afrika"*** und wünsche sich, „wir würden ihm mehr Verständnis und Bescheidenheit entgegenbringen“.  
· (Sunday Nation, ÜEK: J.K.)

Quelle:
The Sunday Nation, Kenya (Sunday Nation)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
**Sinngemäß: (Es gibt) kein Problem; alles easy.
***Im Originaltext wird nur von „Africa“ gesprochen, aus dem Kontext geht jedoch hervor, dass von dem „eigentlichen“ oder „ursprünglichen“ Afrika die Rede ist, das dem urbanen Südafrikaner genau so exotisch vorkommt wie uns Europäern.
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert v. Janko Kozmus ©


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