DIE MARABOUT-SEITE
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Foto: Fatou Diome; copyright (c) Regine Mosimann / Diogenes Verlag
FATOU DIOME
( * 1968)
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Literarisches Portrait: Fatou Diome

DAS BESONDERE BUCH
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1968
wird Fatou als uneheliches Kind
in dem Fischerdorf Niodior, auf einer kleinen Insel im Senegal gelegen, geboren. Sie wird von ihrer Großmutter aufgezogen.

1980er
Im Alter von dreizehn Jahren verlässt sie ihr Dorf, um in die nächstgrößere Stadt in die Schule zu gehen. In der Folge wechselt sie noch mehrmals den Wohnort[1], bis sie schließlich in Dakar ein Studium aufnimmt.

1990er
Im Alter von 22 Jahren verliebt sie sich in einen frz. Entwicklungshelfer. Sie folgt ihm nach Frankreich, in den Elsaß. Doch aufgrund der Ablehnung durch die Familie ihres Mannes lässt sie sich bald darauf scheiden.

1994
F.D. lässt sich in Straßburg nieder und beginnt ein Studium der Literaturwissenschaften.

2001
Bibliografische Angabe La Préférence nationale (dt: Eingeborene zuerst!; Übersetzung: András Dörner. Bremen 2012), Novellensammlung. Paris 2001. [2]

2002
Bibliografische Angabe Les Loups de l’Atlantique (Die Seewölfe), in: Étonnants Voyageurs. Nouvelles Voix d’Afrique (Erstaunliche/Staunende Reisende. Neue Stimmen aus Afrika). Novellensammlung. Saint-Malo 2002.

2003.
Bibliografische Angabe Le Ventre de l’Atlantique (dt: Der Bauch des Ozeans; Übersetzung: Brigitte Große. Zürich 2004), Roman. Paris 2003. -

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DER BAUCH DES OZEANS
Beschreibung siehe unten

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DER BAUCH DES OZEANS
3 CD's

Beschreibung siehe unten

Der Bauch des Ozeans ist ein stark autobiografisch eingefärbter Roman, in dessen Mittelpunkt das Geschwisterpaar Madické und Salie steht. Die große Schwester Salie, die wie die Autorin, einen frz. Entwicklungshelfer heiratet und in Frankreich landet, verabredet sich mit Salie zu den im Fernsehen übertragenen Fußballspielen, weil sie so ihrem kleinen Bruder nahe sein kann. Der leidenschaftliche Kicker Madické träumt von einer Fußballerkarriere in Europa. Die inzwischen desillusionierte Salie, die Ich-Erzählerin des Romans, erzählt ihm die Wahrheit über die Migranten in Frankreich, die, zurück in der Heimat, alles Leiden verschweigen und die Rolle vom erfolgreichen Rückkehrer mimen. Auch von Moussa berichtet sie, dem großen Fußballtalent, der den vielversprechenden Anfang in Frankreich schaffte, dann aber in die Hände jener Leute geriet, die den schwachen rechtlichen Status der Einwanderer auszunützen wissen ...[3]
Absatz F.D. arbeitet an ihrer Promotion zum Thema Le Voyage, les échanges et la formation dans l'œuvre littéraire et cinématographique de Sembène Ousmane (Die Reise, die Veränderungen und die Bildung im literarischen und filmischen Œuvre von Sembène Ousmane).
[4]

2004
Im September startet der frz. Fernsehsender France 3 Alsace eine monatliche literarische Talk-Show mit dem Titel Nuit Blanche; Moderatorin ist Fatou Diome.

2005
Ausgezeichnet mit dem österreichischen Jugendbuchpreis der Jury der jungen Leser 2005 für den Roman Der Bauch des Ozeans.
Absatz Ausgezeichnet mit dem LiBeraturpreis 2005 für den Roman Der Bauch des Ozeans; dotiert mit einem symbolischen Preisgeld von € 500.

2006
Bibliografische Angabe Kétala (dt: Ketala; Übersetzung: Brigitte Große. Zürich 2007), Roman. 2006.- Ketala ist ein Begriff, mit dem die Serer, eine senegalesische Volksgruppe, die Erbteilung beschreiben. Die Möbel und andere kleine Dinge von Memoria, die aus Frankreich zum Sterben nach Afrika zurückgekommen ist, sollen verteilt werden. Bis es jedoch soweit ist, verbleibt noch eine Trauerfrist von sechs Nächten und fünf Tagen, genug Zeit, um Memorias abenteuerliche Geschichte zu erzählen. Die kennt aber niemand besser als genau jene Habseligkeiten ...

2008
Bibliografische Angabe Inassouvies nos vies (Ungestillt unsere Leben), Roman. Paris 2008.

2010
Bibliografische Angabe Le vieil homme sur la barque (Der alte Mann auf dem Boot). Erz. Paris 2010.
Bibliografische Angabe Celles qui attendent (Jene die warten). Roman. Paris 2010.
Bibliografische Angabe Mauve (Malvenfarben). Erzählung. Paris 2010.

2013
Bibliografische Angabe
Impossible de grandir (Unmöglich zu wachsen). Roman. Paris 2010.

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Fatou Diome

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2015
Bibliografische Angabe "Si les gens qui meurent étaient des Blancs, la Terre entière tremblerait" (Bei weißen Opfern würde die Welt erzittern) - Aufsehen erregende Stellungnahme im frz. Fernsehen zu den afrikanischen und arabischen Bootsflüchtlingen.

Fatou Diome lebt im elsässischen Straßburg und unterrichtet an der dortigen Universität Literaturwissenschaften. Nach achtjährigem Kampf hat sie inzwischen die frz. Staatsbürgerschaft und eine Arbeitserlaubnis erhalten.

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STIMME(N):
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(noch nicht aufgenommen)

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ANMERKUNGEN:
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1) Eine ihrer Stationen ist das kleine Gambia, welches, mit Ausnahme eines kleinen Küstenstreifens, vollständig von Senegal eingefasst und dessen Verkehrssprache Englisch ist. [Es gab eine Konföderation Senegambia während der Jahre 1982-89, weitere Versuche einer Vereinigung sind gescheitert]

2) Erste Veröffentlichung der Autorin, die in einem Interview gefragt wird, wie sie zur Literatur gekommen sei. Ihre Antwort: "Ich bin nicht zur Literatur gekommen, sie kam zu mir. Ich habe begonnen zu schreiben, als ich mein Dorf verließ, ich war dreizehn Jahre alt. Aufgrund der Tatsache, dass ich in andere Städte Senegals gehen musste, um zu studieren, war ich oft sehr allein, also las ich enorm viel, und das hat die Lust in mir geweckt, kleine Geschichten zu schreiben, und so kam es nach und nach. Ich war sehr jung, ich habe zu schreiben begonnen und habe seither nicht mehr damit aufgehört. Ich wußte nicht zwangsläufig, wohin mich das führen würde." - Vgl. Interview v. 25.11.2003 v. Grioo.com. - Inhalt: Die Bettlerin und die Schülerin; Die gestohlene Hochzeit; Das Gesicht der Arbeitswelt; Eingeborene zuerst! Kunigunde in der Bibliothek; Abendmahl mit einem Professor.

3) Wie in der französischen, so ist der Roman auch in der deutschen Kritik überwiegend positiv aufgenommen worden. Mathias Hoenig von der Stuttgarter Zeitung schreibt beispielsweise: "Der von Metaphern und Bildern funkelnde afrikanische Erzählstil macht das Lesen zu einem sinnlichen Vergnügen und ermöglicht zugleich eine intensive Teilhabe am Zerrissensein zwischen zwei Welten." Frank Wittmann von der Neuen Zürcher Zeitung sieht jedoch auch Mängel: Die intellektuelle Leistung der Autorin, "den Klischees der Interkulturalität (meist) erfolgreich aus dem Wege zu gehen", finde "keine Entsprechung auf ästhetischer Seite. So nett die Aneinanderreihung von kleinen Geschichten aus dem Leben ausgewanderter oder auswanderungswilliger Menschen auch ist, es gelingt der Autorin kaum je, ihren Figuren ein literarisches Eigenleben zu verschaffen; das Gefühlsleben der Charaktere wird meist nur behauptet und selten veranschaulicht. Bis auf wenige Ausnahmen bleiben die eingesetzten Stilmittel plump. Das gilt auch für die titelgebende Metapher vom Bauch des Ozeans, deren existenzialistische Konnotationen angesichts der fatalistischen Mentalität des Romanpersonals enttäuschend unausgelotet bleiben." Der Schluss gestaltet sich wieder versöhnlich: "Trotz dem beschränkten literarischen Anspruch ist Diomes Roman aber dank der charmanten Behandlung tiefgreifender gesellschaftlicher Konflikte dennoch lesenswert."
Was den autobiografischen Hintergrund angeht, wurde die Autorin von der frz-sprachigen. senegalesischen Tageszeitung Le Soleil daraufhin angesprochen: "Sie haben gesagt, in Préférence Nationale sei 99 % des Inhalts autobiografisch. Wie verhält es sich mit Der Bauch des Ozeans?" Diome antwortet: "Ich würde sagen, es verhält sich ähnlich. Ich denke, dass man immer von einer Erfahrung spricht. Die Préférence Nationale ist autobiografisch. Man muss jedoch nicht alles autobiografisch anlegen, sonst hat man nichts Interessantes zu erzählen. Ich verlasse die Realitäten, die ich kenne, um Geschichten mit einem bestimmten Aufbau zu konstruieren, mit einer gewissen Analyse, um auf ein gewisses Verständnis abzuzielen. Was Der Bauch des Ozeans angeht, so habe ich die Migration kennen gelernt. Auch ich habe Menschen in der Familie gehabt, die kommen wollten. Auch ich habe ökonomische Probleme gehabt, so dass ich ihnen nicht helfen konnte. Auch ich habe mir sagen lassen müssen, dass ich egoistisch sei, weil ich den und den nicht habe kommen lassen, aber das ist falsch". - Vgl. "FATOU DIOME, ECRIVAIN : 'Je voyais venir le phénomène de l’émigration clandestine (Ich habe das Phänomen der heimlichen Emigration kommen sehen)' ", in Le Soleil, März 2007; Übersetzung aus dem Frz. J.K.

4) Die Angaben über den Abschluss dieser Arbeit sind - auch im frz.-sprachigen - Internet widersprüchlich.

Wichtigste Quellen:
Interview de Fatou Diome, auteur de "Le Ventre de l'atlantique" 25/11/2003 v. Grioo.com.
Interview de Fatou Diome par Cikuru Batumike, März 2006
Roman aus dem Senegal. Fatou Diome "Der Bauch des Ozeans" v. Brigitte Neumann
 FATOU DIOME, ECRIVAIN : 'Je voyais venir le phénomène de l’émigration clandestine'", Interview v. OUMAR NDIAYE und MAMADOU GUEYE in Le Soleil, März 2007
Interview de Fatou Diome, auteur de "Le Ventre de l'atlantique" 25/11/2003, frz. Sprache
Interview de Fatou Diome par Cikuru Batumike, März 2006, in frz. Sprache.
Roman aus dem Senegal. Fatou Diome "Der Bauch des Ozeans" v. Brigitte Neumann; DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2004.
2007-2015 © by Janko Kozmus
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REZENSION(EN):
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Das Gedächtnis der Dinge (zu: Ketala)
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Literarische Portraits subsaharischer Autoren (ohne Südafrika)
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Senegalesische Themen auf der Marabout-Seite:
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Le Soleil, Proteste für mehr Sicherheit und öffentliche Beleuchtung nach einem Mord, 2007
Le Soleil, Die senegales. Zeitung berichtet über ein Treffen Ghadaffis mit senegales. Intellektuellen, 2006
Daily Observer, Die gambische Tageszeitung berichtet vom mysteriösen Tod eines Marabouts aus dem Senegal, 2005
Le Soleil, Die senegal. Zeitung stellt die einheimische Autorin Aminata Sow Fall vor, 2002
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Subsaharische Themen in der  → Afrika-Chronik Marabout-Seite
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