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1919
Am 22. Oktober wird Doris May als Tochter der britischen
Familie Taylor - der Vater ist Offizier der Kolonialarmee
- in Kermanshah/Persien geboren.
1924-39
Nach
der Übersiedlung auf den afrikanischen Kontinent
lebt D. L. mit ihrer Familie auf einer Farm in Rhodesien.
Der Traum vom Reichtum durch Maisanbau erfüllt
sich nicht.
Bis zum 14. Lebensjahr schulische Ausbildung an einem
römisch-kath. Konvent in der Hauptstadt Salisbury.
Anschließend Arbeit als Kindermädchen, Telefonistin
und Angestellte. |
|
|
| 1939
Heirat
mit Frank Charles Wisdom; zwei Kinder. |
| 1943
Scheidung,
die Kinder verbleiben beim Vater.
Eintritt in die progressive Partei Southern Rhodesian
Labour Party sowie Mitarbeit in einer marxistischen Gruppe.
Über die politische Arbeit lernt sie Gottfried Lessing
kennen. Der spätere DDR-Botschafter in Uganda
wird während des 1979er Aufstands gegen Idi Amin unter
ungeklärten Umständen getötet werden. |
1945
Heirat
mit Gottfried Lessing, gemeinsamer Sohn Peter. |
1949
Scheidung
und Emigration mit ihrem Sohn (und dem Manuskript The Grass
Is Singing) nach England. |
1950
The
Grass Is Singing[0]
(dt: Afrikanische
Tragödie, 1953; Übersetzung: Ernst
Sander. Gütersloh 1953; Neuausgabe: Ffm 1981. Berlin, DDR
1984; Taschenbuchausgabe: Ffm 1982), Roman. London 1950; New
York 1950; Taschanbuchausgabe: St. Albans 1973. |
1951
This Was the Old Chief's Country (dt: Der Zauber
ist nicht verkäuflich. Fünf Erzählungen aus Afrika;
Übersetzung: Lore Krüger. Berlin, DDR 1956. Auswahl:
Übersetzung: Lore Krüger, Marta Hackel, Elisabeth
Schnack. Zürich 1976. Taschenbuchausgabe: Zürich 1981),
Erzählungen. London 1951. New York 1952. |
1952
Martha
Quest[1]
(dt: Martha Quest, 1. Bd. des Zyklus Kinder
der Gewalt; Übersetzung: Karin Kersten, Iris Wagner.
Stuttgart 1981, Taschenbuchausgabe: München 1985.), Roman,
1. Bd. des Roman-Zyklus' Children of Violence. London
1952; New York 1964; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1969.
Doris Lessing besucht die Sowjetunion. |
1953
Five. Short Novels (Auswahl: Hunger. Erzählung;
Übersetzung: Lore Krüger. Zürich 1976), London
1953; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1969. |
1954
A Proper Marriage (dt: Eine richtige Ehe; Übersetzung:
Karin
Kersten,
2. Bd. des Zyklus Kinder der Gewalt), Roman, 2. Bd. des
Roman-Zyklus' Children of Violence. London 1954; New
York 1964; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1969.
Doris Lessing wird mit dem Somerset Maugham Award of the
Society of Authors für Five ausgezeichnet. |
1956
Retreat to Innocence (Rückzug in die Unschuld).
London 1956.
Nach dem Ungarnaufstand und den Enthüllungen auf dem XX.
Parteitag der KPdSU und der beginnenenden Entstalinisierung
entfernt sich Doris
Lessing
von der Kommunistischen Bewegung. |
1957
The Habit of Loving (Gewohnheit der Liebe). London 1957;
New York 1957; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1973.
Going Home (dt: Heimkehr). London 1957; Taschenbuchausgabe:
St. Albans 1958. - Bericht über Reaktionen in Rhodesien
anlässlich eines Besuchs. |
1958
A Ripple from the Storm (dt: Sturmzeichen, 3.
Bd. des Zyklus Kinder der Gewalt), Roman, 3. Bd. des
Roman-Zyklus' Children of Violence. London 1958; New
York 1966; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1969. |
1959
Each His Own Wilderness (dt: Wie ein Taubenschlag oder
Jedem seine eigene Wildnis) Drama, in: New English Dramatists.
Three Plays, Elliot Mrtin Browne (Hg.) Harmondsworth 1959.
Fourteen Poems (Vierzehn Gedichte). Nortwood 1959 |
1960
In Pursuit of the English (dt: Auf der Suche.
Eine Dokumentation; Übersetzung: Manfred Ohl u. Hans
Sartorius. Stuttgart 1986), autobiogr. Bericht (über ihre
erste Zeit in England). London 1960; Taschenbuchausgabe: St.
Albans 1980. |
1962
The Golden Notebook[2]
(dt: Das Goldene Notizbuch; Übersetzung: Iris Wagner.
Ffm 1978; Taschenbuchausgabe: Ffm 1982), Roman. London 1962;
New York 1962. Neuausgabe mit Vorwort der Autorin[3]:
London 1972; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1973.
Play with a Tiger. A Play in Three Act. (dt: Spiel
mit einem Tiger. Theaterstück in drei Akten; Übersetzung:
Manfred Ohl u. Hans Sartorius. Stuttgart 1985), Drama. London
1962; Taschenbuchausgabe: London 1972. |
1963
A Man and Two Woman. Stories (dt: Zwischen Männern;
Übersetzung: Adelheid Dormagen. 1986), Erzählungen.
London 1963; New York 1963; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1968. |
1964
African Stories (Afrikanische Geschichten), Erzählungen.
London 1964. New York 1965.
Winter in July (dt: Winter im Juli; Übersetzung:
Manfred Ohl u. Hans Sartorius. Stuttgart 1984. und eine Auswahl
daraus in der Übersetzung von Adelheid Dormagen, Lore Krüger,
Raner Rönsch. Berlin DDR 1985.), Erzählungen. London
1964. Taschenbuchausgabe: London 1966. |
1965
Landlocked (dt: Landumschlossen; Übersetzung:
Karin Kersten u. Iris Wagner, 4. Bd. des Zyklus Kinder der
Gewalt), Roman, 4. Bd. des Roman-Zyklus' Children of
Violence. London 1965; New Yoirk 1966; Taschenbuchausgabe:
St. Albans 1969. |
1966
The Black Madonna (dt: Die schwarze Madonna; Übersetzung:
Manfred Ohl u. Hans Sartorius. Stuttgart 1984. Auswahl aus This
Was the Old Chief's Country u. The Habit of Loving),
Auswahl aus African Stories, St. Albans 1966. |
1967
Particularly Cats (dt: Doris Lessings Katzenbuch;
Übersetzung: Ursula von Wiese. Stutgart 1981). London 1967;
Taschenbuchausgabe: St. Albans 1979. |
1968
Nine African Stories (Neun afrikanische Geschichten),
Auswahl aus African Stories. London 1968. |
1969
The Four-Gated City (dt: Die viertorige Stadt,
5. Bd. des Zyklus Kinder der Gewalt), Roman, 5. Bd. des
Roman-Zyklus' Children of Violence. London 1969; New
York 1969; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1972. |
1971
Briefing for a Descent into Hell (dt: Anweisung für
einen Abstieg zur Hölle; Übersetzung: Iris Wagner.
Ffm 1981; Taschenbuchausgabe: Ffm 1984), Roman. London 1971.
New York 1971. Taschenbuchausgabe: St. Albans 1973. - Ein Literaturprofessor
wird in den Straßen von London gefunden. Offenbar erleidet
er einen psychischen Zusammenbruch und verliert dabei sein Gedächtnis,
das er auch in der Klinik, in die er gebracht wird, nicht wieder
erlangt. Sein Unbewusstes aber treibt in einem archaischen Strom
zu den Urgründen des menschlichen Seins.
Nominierung (Endauswahl) von Briefing for a Descent into
Hell für den Man Booker Prize. |
1972
The Story of a Non-Marrying Man & Other Stories (dt:
Der Mann, der auf und davon ging, Auswahl aus Five
Short Novels; Übersetzung: Adelheid Dormagen. Stuttgart
1979 ), Erzählungen. London 1972; New York 1972
(Unter dem Titel: The Temptation of Jack Orkney and Other
Stories); Taschenbuchausgabe: Harmondsworth 1975. |
1973
The Summer Before the Dark (dt: Der Sommer vor der Dunkelheit;
Übersetzung: Jürgen Abel. Reinbek 1975; Taschenbuchausgabe:
Reinbek 1978.), Roman. London 1973. New York 1973. Taschenbuchausgabe:
Harmondsworth 1975.
Collected African Stories (Gesammelte afrikanische Geschichten);
Bd 1: This was the Old Chief's Country (Das Land
des alten Häuptlings), Bd 2: The Sun Between Their Feet
(Die Sonne zwischen den Füßen). London 1973. Tashcenbuchausgabe:
St. Albans 1979. |
1974
The Memoirs of a Survivor[4]
(dt: Memoiren einer Überlebenden; Übersetzung:
Rudolf Hermstein. Ffm 1979. Ffm 1987; Taschenbuchausgabe: Ffm
1981), Roman. London 1974; Taschenbuchausgabe: London 1976.
- D. L. spannt die Memoiren einer Überlebenden
in einen futuristisch-phantastischen Rahmen. Die Protagonistin,
eine Frau unbestimmten Alters, erinnert sich der Zeit des Umbruchs,
des Zerfalls der Ordnung ihrer Umgebung. Eines Tages wird ihr
ein Mädchen zugeführt, um das sie sich zu kümmern
hat. Eine Verpflichtung, die sie akzeptiert, ohne zu wissen,
woher diese rührt. Eine wirkliche Nähe zu der Heranwachsenden
entsteht nicht, wohl stellt diese aber eine Art Medium für
die Ich-Erzählerin dar, eine Verbindung zur Außenwelt,
zu der sie selbst im Verlaufe der Handlung eine immer mehr beobachtende
Haltung einnimmt. Das Mädchen verliebt sich in Gerald,
den Führer einer der marodierenden Banden in der Stadt
und entgleitet immer mehr der direkten Obhut der Protagonistin.
Gleichzeitig gewinnt diese Zugang zu einem metaphysischen Raum,
in welchem sie die Entwicklung ihres Zöglings verfolgen
kann.
A Small Personal Voice. Doris Lessing. Essays, Reviews, Interviews
(dt: Mit leiser persönlicher Stimme. Essays, 1982),
Hg. von Paul Schlueter. New York 1974. |
1977
Doris Lessing wird mit dem frz. Prix Medicis Ètranger
für Das goldene Notizbuch ausgezeichnet. |
1978
Collected Stories (Gesammelte Erzählungen) Bd.
1 To Room Nineteen (Zu Raum Neunzehn); Bd. 2 The Temptation
of Jack Orkney (Die Versuchung des Jack Orkney). London
1978. Taschenbuchausgabe: St. Albans 1979. |
1979
Shikasta, I. Teil d. Romanzyklus: Canopus in Argos:
Archives (dt: Shikasta, Canopus im Argos; Übersetzung:
Manfred Ohl u. Hans Sartorius. Ffm 1983).
London 1979. New York 1979. Taschenbuchausgabe: St. Albans 1981.
Am 22. Oktober wird Doris Lessing 60 Jahre alt.
|
1980
The Marriages between Zones Three, Four and Five, II. Teil
d. Romanzyklus: Canopus in Argos: Archives, (dt: Die Ehen
zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf, Canopus
im Argos; Übersetzung: Manfred Ohl u. Hans Sartorius.
Ffm 1984).
London 1980; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1982. |
1981
The Sirian Experiments, III. Teil d. Romanzyklus: Canopus
in Argos: Archives, (dt: Die sirianischen Versuche, Canopus
im Argos; Übersetzung: Manfred Ohl u. Hans Sartorius.
Ffm 1985,
Taschenbuchausgabe: Ffm 1987). London 1981; Taschenbuchausgabe:
St. Albans 1982.
Nominierung (Endauswahl) von The Sirian Experiments für
den Man Booker Prize.
Doris Lessing wird mit dem Österreichischen Staatspreis
für Europäische Literatur ausgezeichnet.
|
1982
The Making of the Representative for Planet 8, IV. Teil
d. Romanzyklus: Canopus in Argos: Archives, (dt: Die Entstehung
des Repräsentanten von Planet 8, Canopus im Argos;
Übersetzung: Manfred Ohl u. Hans Sartorius. Ffm 1985;
Taschenbuchausgabe: Ffm 1987).
London 1982; Taschenbuchausgabe: London 1983.
Ausgezeichnet mit dem deutschen Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung
F. V. S., der der Pflege des europäischen Kulturerbes im
englischsprachigen Raum Europas gewidmet ist. |
| 1983
Documents Relating to the Sentimental Agents in the Volyan
Empire, V. Teil d. Romanzyklus: Canopus in Argos: Archives,
(dt: Die sentimentalen Agenten im Reich Volyen, Canopus
im Argos; Übersetzung: Manfred Ohl u. Hans Sartorius.
Ffm 1985;
Taschenbuchausgabe: Ffm 1987).
London 1983; Taschenbuchausgabe: St. Albans 1985.
The Diary of a Good Neighbour (dt: Das Tagebuch der
Jane Somers). Roman unter dem Pseudonym Jane Somers[5].
London 1983. |
1984
If the Old Could ... (dt: Die Liebesgeschichte der Jane
Somers; Übersetzung: Barbara Schönberg. Stuttgart
1985.) Roman unter dem Pseudonym Jane Somers[5].
London 1984.
The Diaries of Jane Somers: 1: The Diary of a Good Neighbour
u. 2. If the Old Could ... . London 1984 Taschenbuchausgabe:
Harmondsworth 1985.. |
1985
The Good Terrorist (dt: Die Terroristin; Übersetzung:
Manfred Ohl u. Hans Sartorius. Ffm 1986; Taschenbuchausgabe:
Ffm 1989), Roman. London 1985; Taschenbuchausgabe: London 1986
Impertinent Daughters (dt: Das Leben meiner Mutter),
in: Granta, Cambridge 1985.
Wie ich endlich mein Herz verlor. Erzählungen. Auswahl
aus: Die schwarze Madonna u. Die Frau auf dem Dach;
Übersetzung: Manfred Ohl u. Hans Sartorius. München
1985.
Doris Lessings Roman The Good Terrorist wird für
den Man Booker Prize nominiert (Endauswahl). |
1986
Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis des britischen Buchhandelskonzerns
W.H. Smith für The Good Terrorist.
Im Herbst reist Doris Lessing nach Pakistan, wo sie Kontakt
mit afghanischen Flüchlingen und Widerstandskämpfern
aufnimmt.
Der Ameisenhügel, aus: Der Zauber ist nicht verkäuflich;
Übersetzung: Lore Krüger. München 1986. |
1987
Prisons We Choose to Live Inside (dt: Gefängnisse,
in denen wir leben wollen). London 1987.
The Wind Blows Away Our Words and Other Documents Relating to
the Afghan Resistance (dt: Der Wind verweht unsere Worte.
Bericht aus Afghanistan; Übersetzung: Elke Hosfeld.
2002 ). London 1987. |
1988
The Fifth Child (dt: Das fünfte Kind; Übersetzung:
Eva Schönfeld), Roman. London 1988.- Ein subtiler Horrorroman,
der die Gutsituiertheit britischer Familien auf's Korn nimmt.
In eine solche wird Das fünfte Kind geboren und
droht das erwartete Glück zu zerstören. Aggressivität
und Bösartigkeit scheinen ihm angeboren zu sein. |
1989
The Doris Lessing Reader (dt: Das Doris Lessing Buch,
Hamburg 1989; Taschenbuchausgabe: Ffm 1991), Auswahl aus dem
Gesamtwerk. New York 1989.
Doris Lessing wird mit dem italienischen Premio Grinzane
Cavour, Internationale Sektion: "Ein Leben für
die Literatur"[6]
ausgezeichnet. |
1992
African Laughter: Four Visits to Zimbabwe. Dokumentation
nach vier Besuchen in Simbabwe.
London 1992.
London Observed: Stories and Sketches. London 1992. |
1994
Under My Skin. (dt: Unter der Haut; Übersetzung:
Karen Nölle-Fischer. Hamburg 1995; Taschenbuchausgabe:
1996), Autobiographie 1919-1949. London 1994. |
1995
Spies I Have Known and Other Stories. London 1995.
Ausgezeichnet mit dem James Tait Black Memorial Prize
für Under my skin.
Doris Lessing besucht Südafrika,
was ihr erst seit dem Ende der Apartheid möglich ist, da
sie als Kritikerin unerwünscht war. Neben dem Besuch von
Tochter und Enkelkindern befindet sie sich auf Promotiontour
für ihre Autobiographie Under My Skin.
Ausgezeichnet mit dem Los Angeles Times Book Prize für
Under my skin.
Norwegen ehrt D. L. als Woman of the Year. |
1996
Love, Again (dt: Und wieder die Liebe; Übersetzung:
Irene Rumler. Hamburg 1996). London 1996. |
1997
Walking in the Shade: Volume II of My Autobiography 1949-1962.
(dt: Schritte im Schatten; Übersetzung: Christel
Wiemken. Hamburg 1997). London 1997. |
1999
Mara and Dann: An Adventure (dt: Mara und Dann; Übersetzung:
Barbara Christ. Hamburg 2001). London 1999. - In einen
futuristischen Rahmen gespannt wird die Geschichte des kindlichen
Geschwisterpaars Mara und Dann erzählt, das seine Welt,
den ausgetrockneten südlichen Kontinent Ifrik verlässt,
um im Kälte starrenden Norden eine bessere Heimat zu finden.
Ausgezeichnet mit dem katalonischen Premio Internacional.
Am 22. Oktober wird Doris Lessing 80 Jahre alt.[7]
|
2000
Ben, in the World (dt: Ben in der Welt; Übersetzung:
Lutz Kliche. Hamburg 2000), Roman. (Fortsetzung und Ende von
The Fifth Child) London 2000.-
Doris Lessing wird als Mitglied des brit. Ordens Companions
of Honour aufgenommen. |
2001
The Sweetest Dream (dt: Ein süßer Traum;
Übersetzung: Barbara Christ. Hamburg 2003), Roman. London
2001.
Ausgezeichnet mit dem David Cohen British Literature Prize.
Doris Lessing wird mit dem spanischen Prinz-von-Asturien-Preis
in der Sparte Literatur geehrt. |
2003
The Grandmothers. Four Short Novels. (dt: Ein
Kind der Liebe. Drei Erzählungen.
[8];
Übersetzung: Barbara Christ. Hamburg 2004.) London 2003. |
2004
Time Bites: Selected Essays. London 2004. |
2005
The Story of General Dann and Mara's Daughter, Griot and the
Snow Dog (dt: Die Geschichte von General Dann und Maras
Tochter, von Griot und dem Schneehund; Übersetzung:
Barbara Christ. Hamburg 2006), Roman. London 2005. - Die futuristische
Geschichte des Geschwisterpaars Mara und Dann des gleichnamigen
Romans wird hier fortgeführt. Die Beiden sind inzwischen
erwachsen geworden. In einer von einer ökologischen Katastrophe
bedrohten Welt versucht der berühmte General Dann das kulturelle
Wissen seiner Vorfahren zu retten.
Nominierung (Shortlist)
für den Man Booker International Prize.
|
2006
Im
September ist Doris Lessing Gast des 6. Internationalen Literaturfestivals
in Berlin. |
2007
The Cleft (dt: Die Kluft; Übersetzung: Barbara
Christ. Hamburg 2007). London 2007. - Ein römischer Senator
und Gelehrter in der Zeit von Nero ist im Besitz eines Manuskripts,
das er den Alten Zeiten zuordnet. Seine Übertragung des Inhalts,
mit einigen autobiografischen Details versehen, erzählt die
gleichnishafte Geschichte des Volkes der 'Spalten'.
Die Spalten, Hybriden zwischen Frauen und Walrossen, leben in
einem geordneten Miteinander, dass durch die überraschende Geburt
eines - wie sich später herausstellt - männlichen Wesens gestört
wird. Der Unmut der Gebärenden erfährt eine neue Qualität als
mehr und mehr männliche Babies geboren werden. Die Spalten erahnen,
dass Veränderungen herannahen, ein erster Schimmer von Intelligenz
taucht auf. Sie suchen nach Möglichkeiten, die männlichen Babies
loszuwerden, doch mehr und mehr von ihnen werden geboren. Schließlich
werden die männlichen Babies von großen Adlern in das Tal jenseits
des Berges getragen. Dort werden sie dank der anhaltenden Geduld
eines einzelnen Weibchens aufgezogen.
Eines Tages gerät eine der Spalten in dieses Tal und macht die
Erfahrung von Sexualität. Obschon bis dato nichts darauf hindeutete,
dass die Spalten einen über das instinktiv-Notwendige hinausgehenden
Gemeinschaftssinn kennen, geschweige denn Liebe, verlassen die
jungen Spalten ihre älteren Artgenossinnen, um im Tal mit den
Männlichen zusammenzuleben. Nach und nach bilden sich geschlechtsspezifische
Strukturen heraus. Dies führt unter anderem dazu, dass
die Männlichen die geschlossene Welt verlassen und zu einer
Bedrohung für die benachbarte Welt werden.
Nominierung (Shortlist)
für den Man Booker International Prize.
Am 11. Oktober gibt das Nobelpreiskomitee die diesjährige
Wahl bekannt:
Doris Lessing, "der
Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft
und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung
vorgenommen"
habe.
Wegen einer Erkrankung wird D.L. voraussichtlich nicht nach
Stockholm reisen können, um den Nobelpreis in Empfang zu
nehmen. Eine solche Reise hätten ihre Ärzte untersagt,
heißt es Ende November; der Preis werde ihr in London
übergeben.
Den Nobelpreis nicht gewinnen. Nobelpreisvorlesung.
|
2008
Ende
Januar nimmt Doris Lessing mit ca. 6-wöchiger Verspätung
den Nobelpreis entgegen. Bei einer Zeremonie in der Londoner
Galerie Wallace Collection wird ihr der Preis vom schwedischen
Botschafter Staffan Carlsson übergeben. Aus gesundheitlichkeiten
konnte sie nicht an den Stockholmer Feierlichkeiten im Dezember
teilnehmen.
Alfred & Emily (dt:
Alfred und Emily; Übersetzung: Barbara Christ. Hamburg
2008). London 2008. - Halb fiktive, halb faktische Biografie
der Autorin über ihre Eltern, deren Leben vom Krieg und
von der Auswanderung nach Rhodesien bestimmt war. Gleich zweimal
erzählt die Autorin die Familiengeschichte. In der ersten
werden die Eltern in einer alternatiav gestalteten Welt ohne
ersten Weltkrieg mit anderen Partnern glücklich. Als zweite
folgt die wahre, weniger glückliche Geschichte der Eltern.[9]
Nominierung (Shortlist) als Reader's Digest Author of the
Year für The Cleft. |
2009
Am 22. Oktober wird Doris Lessing 90 Jahre alt. |
| Doris
Lessing lebt und arbeitet in London Hampstead. |
|
| |
| "Lessing
ist direkt und kompromisslos in ihrer Art. Sie lässt mir
keine Frage leicht durchgehen, permanent fragt sie nach, was
ich genau meine. Aber sie ist liebenswert, und nach einer grauenhaften
ersten Viertelstunde redet sie enthusiastisch und engagiert."
- Helena de Bertodano, anlässlich eines Interviews für
The Daily Telegraph im Jahre 1996.- Übersetzung
v. J. K. |
| "Auch
im Alter von 79 bleibt Lessing energisch - mit ihrem in der
Mitte geteilten Haar, nach hinten in einem Knoten auslaufend
erscheint sie wie eine fest verwurzelte Erdmutter." - Dwight
Garner, anlässlich eines Interviews im Jahre 1997.- Übersetzung
v. J. K. |
| |
| 0)
Nach einer Beschreibung im zweiten Teil ihrer Biographie (Walking
in the Shade) hat Lessings New Yorker Verlegerin sie aufgefordert,
in ihren Debütroman The Grass is Singing eine
explizite Vergewaltigungsszene einzufügen. Dwight Garner
spricht D. L. in einem Interview darauf an. Ihre Antwort:
"Ja, es war Blanche Knopf - die große Blanche Knopf
- die wollte, dass ich eine explizite Vergewaltigungsszene
einfüge. Und ich war fürchterlich geschockt, weil
sie damals der große Verleger-Guru war, zumindest in
New York.", aus "A notorious life", Doris Lessing
im Interview mit Dwight Garner.
1)
Der erste Teil des 5-bändigen Romanzyklus' Kinder
der Gewalt, der als Ganzes neben dem Roman Das Goldene
Notzizbuch als Lessings Hauptwerk gilt, ist besonders
interessant für an Afrika-Literatur Interessierte, da
die Protagonistin Martha Quest - stark angelehnt an die Biografie
der Autorin - noch in Afrika verweilt und die Widersprüche
einer Kolonialgesellschaft durchlebt.
2)
Größter Bucherfolg von Doris Lessing. Der Roman
Das Goldene Notizbuch wurde in zahlreiche Sprachen
übersetzt und brachte seiner Autorin auch die Nominierung
für den Nobelpreis. - Er beinhaltet vier Notizbücher
(das schwarze Notizbuch entspricht dem Afrikabuch der Protagonistin
Anna), die im Goldenen Notizbuch münden.
3)
D. L. verwahrt sich darin gegen eine rein feministische Rezeption.
4)
1981 verfilmt David Gladwell den Roman Memoirs of a Survivor,
die Hauptrolle spielt Julie Christie. Der Vorwurf der Filmkritik,
die Produktion hätte unter Budgetmangel gelitten, weil
der Blick auf die degenerierte Stadt zu dünn ausfiele,
ist nur nachvollziehbar unter Berücksichtigung des heutigen
Trends, jede auch noch so subtile Vorlage in einen Actionthriller
zu verwandeln. Der Roman ist von einem ruhigen Sprachfluss
getragen, der Blick auf das Chaos einer in Anarchie zerfallenen
Stadt ist - wie bei Doris Lessing nicht anders vorstellbar
- unaufgeregt. Gladwell hat versucht dem Rechnung zu tragen,
allerdings erinnert das ganze Ambiente eher an die 70er Jahre,
also die Entstehungszeit des Romans und nicht an eine zeitlose
Vision - wie sie beispielsweise Tarkowski mit Stalker 2 Jahre
zuvor schuf - und die einem futuristischen Roman m. E.
eher angemessen wäre.
5) D. L. wollte damit auf das Problem
unbekannter Autoren aufmerksam machen.
6) Der Literaturpreis
- benannt nach dem Ort Grinzane Cavour, der seinerseits nach
dem oft im Schloss weilenden Staatsgründer Italiens, Camillo
Cavour, benannt wurde, - wird von 270 Schülern aus verschiedenen
Ländern vergeben. Für 8 Preisträger war dieser
Preis "der Vorbote für den Nobelpreis": Wole
Soyinka, Nadine
Gordimer, José Saramago, Günter Grass, Vidiadhar
Naipaul, J.M.
Coetzee und Ohran Pamuk. (Vgl. der Standard v.
6.11.2006)
7) Wenige
Monate vor ihrem 80. Geburtstag erzählt D. L. in
einem Interview mit Jonah Raskin von Perspektiven des Lebens:
"Letzes Jahr vor Weihnachten hatte ich einen Mini-Schlaganfall.
Ich war in Athen und Wien und fast ohne Übergang in Simbabwe,
das war eine lange, lange Reise, und ich denke es war die
Reise nach Simbabwe, die ihn auslöste. Ich wachte eines
Morgens auf und konnte meinen Arm nicht bewegen. Das war eine
verrückte Sache, diese Lähmung. Ich rief einen Freund
an und sagte: 'Ich glaube, ich hatte einen Schlaganfall' und
tatsächlich, es war genau das, was der Arzt zu mir sagte.
Es war nicht so schlimm, aber schlimm genug mich zu erschrecken.
Nun denke ich immerzu an den Tod. Ich habe einen toten Arm,
meinen rechten Arm. Mein Sprechvermögen wurde auch in
Mitleidenschaft gezogen. Ich konnte die Worte nicht herausbringen."
J. Raskin hakt nach: "Sie denken jetzt immerzu an den
Tod?" D. L.: "Ja, Tod, Momenti Mori. Ich überlege
wie viel Zeit mir noch bleibt. Bevor ich ein neues Buch beginne,
überlege ich, ob es das wert ist. Werde ich Zeit haben,
es zu beenden?" THE PROGRESSIVE INTERVIEW v. Jonah Raskin,
Juni 1999. (Übersetzung: J. K.)
8) Wie werden
aus "four short novels" drei Erzählungen? Müßig
über einen Gattungsbegriff wie "short novel"
zu streiten, da sich der Eindruck aufdrängt, dass heutzutage
Gattungszuordnungen allgemein mehr oder weniger willkürlich
vorgenommen werden. Im besonderen Fall kommt offenbar noch
eine Übersetzungsschwierigkeit hinzu. Die klassische
Übersetzung lt. Langenscheidt-Dictionary für "short
novel" ist eindeutig "Kurzroman". Beim meist
frequentierten deutschen Online-Wörterbuch "leo.org"
beispielsweise wird daraus kurzerhand eine Novelle. Eine Bezeichnung,
die im vorliegenden Beispiel auf Abwege führt. Vielleicht
einigt man sich am besten auf Erzählungen und behält
im Hinterkopf, dass der Umfang - die deutsche Ausgabe mit
den drei Erzählungen zählt 287 Seiten - durchaus
auch den Begriff Kurzroman rechtfertigen würde. Warum
aber nur drei Erzählungen? Die Antwort gibt Alexandra
Kedves, die Rezensentin der FAZ, die den Lektor der dt. Ausgabe
lobt, da er die schwächste der "four short novels"
weggelassen und die ihrer Meinung nach stärkste Ein
Kind der Liebe zur Titelgeschichte der deutschsprachigen
Ausgabe erkoren habe. Sie sei der (Dauer-)Nobelpreisaspirantin
durchaus würdig.
In der dt. Titelerzählung Ein Kind der Liebe kommt
James, der brit. Soldat des II. Weltkriegs nach einer "höllischen"
Überfahrt, genährt aus der Angst vor Stürmen
u. dt. U-Booten, in Kapstadt an Land. Eine viertägige
leidenschaftliche Liebe zu einer Offizierswitwe lässt
ihn sein ganzes Leben nicht mehr los. In der zweiten Geschichte
Victoria und die Staveneys sieht sich die Protagonistin
einem subtilen Rassismus in ihrem Umfeld ausgesetzt, dem sie
nichts entgegenzusetzen hat. Und die dritte diente dem engl.
Original als Titelgeschichte: Die Großmütter.
Darin weisen die beiden eng befreundeten, älteren Damen
auffällig viele Parallelen in ihrem Leben auf. Sie verlieben
sich und heiraten im selben Jahr und als Großmütter
haben sie eine enge Beziehung zum jeweiligen Sohn der Freundin.
Diese Geschichte wäre auch für die dt. Ausgabe der
passende Buchtitel gewesen, findet Michael Schornstheimer
in seiner positiven Rezension für den NDR, denn sie ist
"noch raffinierter und abgründiger als Kind der
Liebe". Insgesamt sei es Doris Lessing gelungen,
schreibt Gisela-Felicitas Köhns für den Südkurier,
"Portraits zu zeichnen, die in ihrer beeindruckenden
Tiefe menschliche Verletzlichkeit und zugleich atemberaubende
Schönheit vermitteln."
9) Sie fürchte,
sie habe den Zorn ihres Vaters aus den Schützengräben
in ihrer Jugend übernommen und nie abgelegt, sagt Doris
Lessing. Von der Mutter mag sie den Teil bekommen haben, den
diese nie hat ausleben können. Ihre Mutter war diejenige,
die für die Bildung zuständig war, die Lehrerin,
die sie nie hat werden können. Tim Adams, der Rezensent
des brit. Guardian (11.05.2008) schreibt, mit diesem handwerklich
tadellos gemachten Buch habe die Autorin die vorerst letzte
Rate an ihre Eltern gezahlt, "eine bemerkenswerte Rückzahlung".
Dennis Scheck im Deutschlandradio: In ihrem neuen Werk schlage
die immer auch der Science-Fiction zugeneigte Doris Lessing
aufs Wundervollste über die Stränge. (...) "'Alfred und
Emily' ist das Buch einer nachgetragenen Tochterliebe, eine
besondere Form der Familienaufstellung. Doch damit nicht genug.
Einer kühnen formalen Idee folgend, wechselt Lessing mitten
im Buch Stil- und Tonlage, springt von der Prosa zum Essay
und erzählt nach der Novelle die Geschichte von Alfred und
Emily ein zweites Mal, diesmal autobiografisch."
Quellen:
"A notorious life", Doris
Lessing in einem Interview von 1997 mit Dwight Garner (salon.com).
" THE PROGRESSIVE INTERVIEW",
Doris Lessing in einem Interview Jonah Raskin, Juni 1999.
KLfG - Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur,
edition text+kritik |
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Leseproben als Audiodateien gelesen von D. L. gibt es auf http://lessing.redmood.com/audio.html |
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"A notorious life", Doris Lessing
im Interview von 1997 mit Dwight Garner auf salon.com.
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"A
PROGRESSIVE INTERVIEW", Doris Lessing im Interview
mit Jonah Raskin, Juni 1999. |
| KLfG
(Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur,
edition text+kritik) |
| Den
Nobelpreis nicht gewinnen. Nobelpreisvorlesung. |
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