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CHRONIK
 
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
TUNESIEN
Stand: 13.10.08
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27. Mai
1332
In Tunis wird der spätere maghrebinisch-arabische Gelehrte Ibn Chaldun Abd Ar Rahman geboren; er entstammt einer adligen arabischen Familie aus dem spanischen Sevilla, Andalusien.
1860
Erscheinen der avantgardistischen Zeitschrift Ar-Raid at Tunusi (Der tunesische Avantgardist).
13. Januar
1875
Per Dekret des Paschas Khereddine wird das erste moderne Gymnasium Tunesiens gegründet. Ziel ist die Heranbildung einer zweisprachigen Elite, was mit der Rekrutierung ehemaliger Schüler der Zitouna - der Hochschule für Scholastik und islamische Theologie -, beabsichtigt wird. Die Gesamtzahl beläuft sich zunächst auf insgesamt 150, davon 30 interne Schüler.
1899
Der künftige Schriftsteller Tahar Haddad wird geboren.
Februar
1909
Der spätere Dichter Abul Kacem Chebbi (auch: Aboul-Qacem Echebbi) wird am Rande der Sahara, im südtunesischen Touzeur geboren.
28. Januar
1911
In Tazarka wird der künftige Schriftsteller und Politiker  Mahmoud Messaâdi geboren.
15. Dezember
1920
In Tunis wird als Sohn eines jüdischen Vaters und einer berberischen Mutter der künftige Romancier und Essayist frz. Sprache Albert Memmi geboren.
16. Juli
1932
In Sfax wird der künftige tunesisch-kanadische Dichter und Erzähler Hédi André Bouraoui geboren.
9. Oktober
1934
Im Alter von nur 35 Jahren stirbt Abul Kacem Chebbi in einem Hospital in Tunis an den Folgen einer Herzmuskelentzündung. Neben dem Schriftsteller Tahar Haddad ist er das enfant terrible der tunesischen Literatur nach dem ersten Weltkrieg.
Im Gegensatz zu seinen drei Brüdern zog Chebbi der zweisprachigen - Arabisch und Frz. - eine reine, klassisch arabische Bildung vor. Im Alter von vierzehn Jahren schreibt er seine ersten Gedichte. Die Bekanntschaft mit dem Verleger As-Snusi, der einen literarischen Zirkel pflegt, ermöglicht ihm die Veröffentlichung einer Anthologie zeitgenössischer tunesischer Lyrik.  
Abul Kacem Chebbi
Im Alter von zwanzig Jahren hält Chebbi eine Aufsehen erregende Konferenz zur "Poetische(n) Imagination in der arabischen Dichtung" ab, in der er provokant formuliert, der arabische Dichter habe in seinem Werk nie echte Gefühle ausgedrückt. Er habe das Erhabene der Natur mit ihrem lebendigen und besinnlichen Gefühl außer Acht gelassen und eher wie "mit zufriedenem Blick auf ein Kleidungsstück oder einen Teppich, fein gewoben und gefärbt" gesehen, nicht mehr.
Chebbis Konferenzbericht wurde in Buchform veröffentlicht: L'imagination poétique chez les Arabes (1929, Die poetische Imagination bei den Arabern) - Vgl. Aboul-Qacem Echebbi in der frz.-sprachigen Wikipedia.
7. Dezember
1935
 In seinen Mittdreißigern stirbt der Schriftsteller und Reformer Tahar Haddad. Er trat insbesondere ab 1930 neben seinem Mitstreiter  Habib Bourguiba für die Rechte der Frauen in seinem Land ein.


5. März
1941

In Tunis wird der spätere Librettist  Alain Boublil geboren.

31. März
1948
Im tunesischen Moknine wird der künftige Schriftsteller Rafik Ben Salah geboren.
6. März
1949

In Jendouba, dem ehemaligen Souk el Arba im Nordwesten Tunesiens, wird der spätere, in arabischer und frz. Sprache schreibende Schriftsteller, Chroniker und Kinderbuchautor Boubaker Ayadi geboren.

27. Mai
1949

Der 1909 geborene Erzähler und Dramatiker Ali Douagi verstirbt an Tuberkolose in einem Hospital seiner Heimatstadt Tunis.
Er gehörte der intellektuellen Bohème im Café Taht Essour de Bab Souika an. Berühmtheit erlangte er mit seinen satirischen Stücken, u.a.:
Le trésor du pauvre (Der Schatz des Armen, 1935)
Le berger des étoiles (Sternenhirte, 1944)
La mère d'Eve (Evas Mutter, 1959 posthum veröffentlicht)

1950

Auf der tunesischen Insel Djerba wird die spätere Schriftstellerin Aroussia Nalouti geboren.

1951
In der tunesischen Stadt Kairouan, die im Maghreb nach Mekka, Medina und Jerusalem als vierte heilige Stadt des Islam gilt, wird der künftige Schriftsteller arabischer Sprache Habib Selmi geboren.
21. März
1957
Ein Jahr nach der Unabhängigkeit Tunesiens von Frankreich wird im Gouvernat Mahdia, in dem Ort Ksour Essef, der spätere Lyriker und Schriftsteller  Youssef Rzouga geboren.
5. April
1963
In Tunis wird der künftige Dichter und Literaturkritiker Chamseddine El Ouni geboren.
11. April
1975
Der spätere Übersetzer und Schriftsteller Walid Soliman wird in Tunis geboren.
zeit
los
Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:
3. April
 Der tunesische Journalist Taoufik Ben Brik beginnt aus Protest gegen eine drohende Haftstrafe von bis zu 6 Jahren wegen "Diffamierung von Staatsorganen" mit einem Hungerstreik im Verlagshaus Aloès. Der Vorwurf gründet auf Veröffentlichungen im Ausland, da Ben Brik seit fast 10 Jahren im eigenen Lande mit einem Schreibverbot belegt ist. ·  (Vgl. Jungle World v. 10.05.2000)
10. April
2000
 Wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" wird das tunesische Verlagshaus Aloès geschlossen und versiegelt. Hintergrund ist der vor einer Woche begonnene Hungerstreik des Journalisten Taoufik Ben Brik im Haus. ·  (Vgl. Jungle World v. 10.05.2000)
25. April
2000
 Beim Versuch, den hungerstreikenden tunesischen Journalisten Ben Brik in einer Privatklinik in Tunis zu besuchen, wo dieser sich inzwischen befindet, werden Rechtsanwälte, Freunde und Verwandte - darunter seine Ehefrau - geschlagen, der Zutritt in die Klinik wird ihnen verweigert. ·  (Vgl. amnesty international)
26. April
2000
 Die Wohnung des tunesischen Journalisten Ben Brik wird von 300 Polizisten umstellt. "Französische und Schweizer Journalisten sowie tunesische Aktivisten aus linken und Menschenrechtskreisen" werden gewaltsam von der Polizei am Zutritt zum Domizil des weiter hungerstreikenden Journalisten gehindert, einige geschlagen. Ben Briks Bruder Jellal wird dabei verhaftet. Namhafte Oppositionelle, "darunter die Verlegerin Ben Sédrine", werden anschließend "auf der Polizeiwache schwer misshandelt". ·  (Vgl. Jungle World v. 10.05.2000 u. amnesty international)
2. Mai
2000
 Der tunesische Journalist Taoufik Ben Brik erhält seinen Pass zurück, der ihm Anfang April abgenommen worden war, zugleich wird das gegen ihn verhängt Ausreiseverbot aufgehoben, doch der Journalist setzt seinen Hungerstreik fort. Sein in Haft befindlicher Bruder und fünf seiner Geschwister haben sich dem Hungerstreik angeschlossen. "Die Hauptforderungen des Journalisten: die Freilassung seines Bruders, die Bezahlung der Behandlungskosten für die gefolterten Aktivisten durch den tunesischen Staat und die Wiedereröffnung des Verlagshauses Aloès". ·  (Vgl. Jungle World v. 10.05.2000)
4. Mai
2000
 Der tunesische Journalist Taoufik Ben Brik reist nach Paris aus. Er will dort seinen Hungerstreik ohnre Repressalien fortsetzen. ·  (Vgl. Jungle World v. 10.05.2000)
15. Mai
2000
 Nach 42 Tagen stellt der tunesische Journalist Taoufik Ben Brik in Paris seinen Hungerstreik ein. Auch seine letzte Forderung ist erfüllt worden: sein zu 3 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilter Bruder wird in Tunis freigelassen, nachdem seine Haftstrafe in Berufungsinstanz zu 16 Tagen reduziert wurde, die er bereits abgesessen hat. ·  (Vgl. Jungle World v. 24.05.2000)
  chrAbs Im Alter von 93 Jahren stirbt der tunesische Politiker und Autor Mahmoud Messaadi. 1975 gründete er das Magazin La vie culturelle. Als Politiker bekleidete er über zehn Jahre - 1958 bis 1968 das Amt des Bildungsministers. In diese Zeit fällt, 1960, die Gründung der Universität von Tunis unter seiner Verantwortung. Zu seinen Werken zählen Bücher wie Le Barrage (dt: Der Staudamm, 2007) Maouled en’nessyèn (1974, Die Geburt des Vergessens) oder das sprachwissenschaftliche Werk Thèse sur l’esthétique et la syntaxe dans la langue arabe.
Mai
Erscheinen des Buches Le Ciel est par-dessus le toit. Nouvelles, contes et poèmes de prison et d'ailleurs. (Der Himmel ist über dem Dach. Novellen, Erzählungen, Gedichte aus dem Gefängnis und von anderswo). Der 1939 geborene tunesische Autor Gilbert Naccache, der in den 60er Jahren als Agraringenieur im tunesischen Landwirtschaftsministerium arbeitete, wurde wegen seiner oppositionellen Haltung dem Regime Bourgiba gegenüber 1968 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und kam erst 1979 wieder frei. Nach seiner Entlassung arbeitete er als Redakteur in Tunis und wanderte 2004 nach Frankreich aus.
3. Oktober

In Chicago wird das Stück The Pirate Queen uraufgeführt. Den Text verfasste der gebürtige Tunesier Alain Boublil, die Musik stammt von Claude-Michel Schönberg. Das berühmteste Werk dieses Gespanns ist das 1980 in Paris uraufgeführte Musical Les Misérables nach Victor Hugo.

7. Januar

chrAbs Theater in Tunis inszeniert Rilkes Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
"Das Universum des R. M. Rilke in Arabisch und in Französisch",
heißt es in der Ankündigung des Stücks in der französischspr. tunesischen Tageszeitung La Presse. Das Theater l'Etoile du nord in Tunis feiere zu Beginn des Jahres den deutschen Schriftsteller Rainer Maria Rilke. Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, ein Werk, das sich auf tatsächlich Erlebtes des Dichters stütze, sei mittels einer Korrespondenz zwischen 1903 und 1910 umgesetzt worden. Sonia Zarag Ayouna habe sich doppelt verdient gemacht, einmal indem sie das Werk in Dialektarabisch übersetzte und zum Anderen indem sie es für das Theater inszenierte. Eine Herausforderung die sie angenommen und bewältigt habe.
Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge rufen das Paris des ausgehenden 19. Jh's wach sowie die Begegnung von Rilke mit Rodin, "der einen großen Einfluss auf den Dichter ausübte durch Themen, die ihm wertvoll waren und die man in seinem gesamten Œuvre wiederfinden wird: der Tod, das Elend und die Angst". Als bezeugender Zuschauer habe Rodin sich das Vertrauen des jungen Rilke verdient, "eine unerlässliche Präsenz, um Rilkes Wort zu übermitteln, sodass es uns erreichen konnte". In der Übersetzung und Inszenierung von Sonia Zarg Ayouna und mit dem Bühnenbild von Noureddine El Ati werde das Stück im Theater l'Etoile du nord aufgeführt, in Dialektarabisch am 8., 9., 10., 22., 23. und 24. Januar und am 15., 16., 17., 29., 30. und 31. Januar in Französisch.
· (LaPresse, Tun, ÜF: J.K.)

21. März
2007
50. Geburtstag des in Ksour Essef geborenen Autors Youssef Rzouga. Zu dem Werk des v.a. als Lyriker bekannt gewordenen Rzouga zählen auch die Romane L'archipel (1986) und Un monde à part.
Als Lyriker, der sowohl in arabischer als auch in französischer Sprache schreibt, gilt er als Wegbereiter eines "occirientalen Rhythmus", der Einführung der arabischen Metrik in die französische Poesie.
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Anmerkungen:
Quellen allgemein, siehe  Chronik-Startseite
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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Quellen

.. . Sach- und Personenregister
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