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Rezensionen     Beti: Sonne Liebe Tod
Autorenportraits Beti  Beti: Sonne Liebe Tod


Zuviel Sonne tötet die Liebe!

Wer die Identifikation mit seinem ›Helden‹ liebt, wird mit Sonne Liebe Tod, dem vorletzten Roman von Mongo Beti seine Schwierigkeiten haben. Zam ist ein sperriger Typ. Dass der Journalist Jazzmusik liebt, ist eine schöne Sache, dass der nicht mehr ganz junge Mann trinkt, mag der Leser akzeptieren, dass er eine schöne junge Geliebte hat, erfreut nicht nur die Seele. Kritisch wird es, wenn man mit ›ansehen‹ muss, wie Zam diese schöne junge Frau behandelt. Natürlich läuft sie ihm weg, kehrt wieder zurück, läuft weg, kommt immer wieder, bis auf diesen einen Tag, an dem sie weg bleibt. Was ist geschehen? Zam ist sicher, dass sie ihn nicht verlassen hat. Er setzt seinen Freund, Prototyp des windigen Anwalts, der sich mit Detektivaufträgen über Wasser hält, auf den ›Fall‹ an. Soweit die Liebesgeschichte der Hauptfigur, die noch ein anderes - politisches - Leben besitzt, das nicht zuletzt mit dem beruflichen Engagement zusammenhängt. Doch Betis Roman beschränkt sich auch darauf nicht, er ist vielschichtiger.

Zams Freundin bleibt für ihn verschwunden. Nicht für den Leser. Für ihn taucht sie noch einmal auf, aus der Ferne. Gesehen nur durch das Fernglas von Georges, dem ältlichen Franzosen, der seinen Kundschafterjob - im Auftrag der französischen Firma in der Hauptstadt, bei der er angestellt ist oder der lokalen politischen Macht? - dadurch erträglich zu gestalten weiß, dass er mit einer der Töchter des auszuspionierenden Hauses schläft. Die Kleine ist süß mit ihren 12 Jahren, Lolita lässt grüßen.
Der Roman wimmelt nur so von Personen vom Typ Anti-Held, deren oberstes Ziel das Überleben darstellt. Dafür agieren sie im Interesse von kriminellen oder politischen Mächten, sofern dies überhaupt zu unterscheiden ist. Und obwohl es gelegentlich schwer fällt, den Überblick zu behalten, fesselt die Beschreibung des Milieus dieses fiktiven afrikanischen Landes, das gewiss nicht zufällig an Mongo Betis Heimat erinnert, an Kamerun.

Nabokov schrieb einmal sinngemäß, man müsse der Beschreibung von Orten in der Literatur misstrauen. Vielleicht hat er Recht, zumindest lässt die differenzierte Darstellung dieses Teils Afrikas, die Beti uns mit diesem Roman an die Hand gegeben hat, etwas von der Schönheit, aber auch von der Widersprüchlichkeit in der Gefangenheit zwischen den Kulturen erahnen. Nach der Lektüre von Sonne Liebe Tod wird der Leser aber Nabokovs Aussage, bedeutende Romane seien in Wahrheit ›großartige Märchen‹ gerne zustimmen!
(Originaltitel: »Trop de soleil tue l'amour«)

7/2002 © by Janko Kozmus

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