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Literatur

Rezensionen    Pelewin: Omon hinterm Mond
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Hinterm Mond!

Omons Vater frönt einer seltsamen Vorliebe: Er bedenkt seine Kinder mit Vornamen, die sich aus Abkürzungen irgendwelcher Institutionen zusammenstellen. So auch Omon (Übertragung aus dem Russ. = Sondereingreiftruppe der Polizei). Omons Entwicklung, getragen von dem Wunsch, Kosmonaut zu werden, tut dies keinen Abbruch. Romantisch-skurille Bilder beschreiben seinen Werdegang hin zum großen naiven Idioten, der in der russischen Literatur bekanntlich bedeutende Vorbilder hat.

Seine Naivität endet in dem Moment, als er von einem der Prüfer für die Zulassung zur Kosmonautenschule gefragt wird, ob er bereit sei, dem Vaterland sein Leben zu opfern. Seine Zustimmung kommt zögerlich. Nach seiner Aufnahme wird er mit  d e r  Doktrin des Vaterlandes bekannt gemacht: Automatik. Die Amerikaner hätten das Leben der Menschen aufs Spiel gesetzt, als sie diese auf dem Mond landen ließen. Das Vaterland sei verantwortungsbewußter, setze nur die Automatik den Gefahren der dunklen Seite des Mondes aus. Leider sei aber, wie jeder wisse, die Automatik, die Technik in ihrem Vaterland - aufgrund der ungünstigen Vorbedingungen der Revolution - nicht immer imstande, diesen löblichen Vorsatz auszuführen, gelegentlich müsse nachgeholfen werden. Und Omon sei auserwählt, seinem Vaterland diesen großen Dienst zu erweisen. Er würde die Automatik bedienen, das Mondfahrzeug, den Lunochod. Sein Dienst sei um so größer, als weder die Öffentlichkeit des Vaterlandes noch die der Welt von dieser Tatsache je erfahren dürfe.
Eine Satire, eine Parabel auf die sowjetische Gesellschaft, in nachsowjetischer Zeit (1993). Sprachlich glänzend gemacht, gelingt es Pelewin, den Leser in die Perspektive des großen Naiven zu zwingen, wodurch so manche inhaltliche Wendung um so überraschender trifft.

(Originaltitel: »Omon Ra«)
2001 © by Janko Kozmus
In seinem neuen Roman Der Schreckenhelm bearbeitet der Autor
den Mythos von Theseus und dem Minotaurus:
Eine weitere Rezension zu einem russischen Autor finden Sie hier:
zurRezension Ein Teil von jener Kraft (zu: Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita)