DIE MARABOUT-SEITE
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Foto: Le Clezio
J-M. G. LE CLÉZIO
( * 1940)
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Literarisches Portrait: Jean-Marie Gustave Le Clézio

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DER YAMA-BAUM
UND ANDERE GESCHICHTEN

Kurzbeschreibung
siehe unten

1940
Am 13. April wird Jean-Marie Gustave in Nizza geboren; der Vater ist Engländer aus einer bretonischen, später nach Mauritius[0] ausgewanderten Familie stammend, die Mutter ist Französin.

1948
Reise mit der Mutter und dem Bruder nach Nigeria. In dem Ort Ogoja, in der an Kamerun angrenzenden Provinz Cross River (heute gleichnamiger Bundesstaat), wo der Vater als Arzt im Dienste der Regierung arbeitet, wird die Familie ca. anderthalb Jahre[1] gemeinsam leben.

1950
kehrt Jean-Marie Gustave Le Clézio nach Nizza zurück.

1957
Beendigung der Schulausbildung mit dem Abitur.

1958/59
Englisch-Studium an der Bristol University.

1959-64
Studium der Literaturwissenschaften in Nizza und in Aix-en-Provence.

1961
Arbeit als Lektor an einer Universität in London und Heirat mit der polnischstämmigen Französin Rosalie Piquemal; eine gemeinsame Tochter mit Namen Patricia.

1963
Erwerb eines ersten akademischen Grads am Institut d’Études Littéraires, Nizza.
Bibliografische Angabe Le procès-verbal (dt: Das Protokoll; Übersetzung: Rolf und Hedda Soellner. München 1965), Roman. Paris 1963.
Absatz Le Clézio wird mit dem Prix Renaudot für Le procès-verbal ausgezeichnet.

1964
In Aix-en-Provence legt Le Clézio seine Magisterarbeit La Solitude dans l'oeuvre d'Henri Michaux (Die Einsamkeit im Œuvre von Henri Michaux) vor. Beginn der Arbeit an der Dissertation zu Lautréamont (unvollendet) und Tätigkeit als Lektor.
Bibliografische Angabe Le jour où Beaumont fit connaissance avec sa douleur (Der Tag oder Beaumont macht Bekanntschaft mit seinem Schmerz), Roman. Paris 1964.

1965
Bibliografische Angabe La fièvre (dt: Das Fieber; Übersetzung: Rolf und Hedda Soellner. München 1971), Roman. Paris 1965.

1966
Bibliografische Angabe Le déluge (dt: Die Sintflut; Übersetzung: Rolf und Hedda Soellner. München 1968), Roman. Genf 1971.
Bibliografische Angabe Jean-Paul Sartre. Einführung: Bernard Pingaut, Texte von J.-M.G. L. C. Paris 1966.

1966/67
Im Rahmen des Militärdienstes Lehrtätigkeit an Universitäten in Thailand und Mexiko.

1967
Bibliografische Angabe L'extase matérielle (Die materielle Exstase), Essays, Paris 1967.
Bibliografische Angabe Terra Amata (dt: Terra Amata; Übersetzung: Rolf und Hedda Soellner. München 1970), Roman. Paris 1967.

1969
Erste Begegnung mit den Embera-Indianern in Panama, längere Aufenthalte in den nächsten vier Jahren folgen.
Bibliografische Angabe Le livre des fuites (Das Buch der Fluchten), Roman. Paris 1969.

1970
Bibliografische Angabe La guerre (dt: Der Krieg; Übersetzung: Rolf u. Hedda Soellner. Ffm 1972), Roman, Paris 1970.
Bibliografische Angabe Lullaby, Roman. Paris 1970.

1971
Bibliografische Angabe Haï[2]. Sentiers de la Création (Haï. Wege des Schaffens), Roman. Genf 1971.

1972
Bibliografische Angabe Ecrivains de Finlande et de Suède (Schriftsteller aus Finnland und Schweden). Texte ausgewählt v. Mirja Bolgar und C. G. Bjurström. Mitarbeit: J.-M.G. L. C., Marc Guyard und François-Noël Simoneau. Paris 1972.
Absatz Le Clézio wird mit dem Prix Larbaud ausgezeichnet.

1973
Bibliografische Angabe Les géants (Die Giganten), Roman. Paris 1973.
Bibliografische Angabe Mydriase, Roman.

1974
Lehrtätigkeit in Neu-Mexiko.

1975
Rückkehr nach Nizza. In der Folgezeit ausgedehnte Reisen nach Mittel- und Südamerika.
Absatz Ende des Jahres heiratet Jean-Marie Gustave Le Clézio in zweiter Ehe Jemia Jean. Die Tochter aus dieser Ehe wird den Namen Anna tragen.
Bibliografische Angabe Voyages de l'autre côté (Reisen von der anderen Seite), Roman. Paris 1975.

1976
Bibliografische Angabe Les prophéties du Chilam Balam (Die Prophezeiungen des Chilam Balam), Roman. Paris 1976.

1977
Bibliografische Angabe Cahiers Colette 1. Articles v. Bonal, Claude Mauriac, M. Goudeket, Armand Lanoux, J.-M.G. L. C., Françoise Mallet-Joris. Paris 1977.

1978
Bibliografische Angabe L'inconnu sur la terre (Das Unbekannte auf der Erde), Roman. Paris 1978.
Bibliografische Angabe Vers les icebergs (Den Eisbergen entgegen), Roman. Montpellier 1978.
Bibliografische Angabe Voyage au pays des arbres (Reise ins Land der Bäume), Roman. Paris 1978.
Bibliografische Angabe Mondo et autres histoires (dt: Mondo; Übersetzung: Rolf und Hedda Soellner, Berlin 1988), Novellen. Paris 1978.- Enthält neben der Titelgeschichte: Lullaby. Der Berg des lebendigen Gottes. Wasserrad. Von einem, der auszog, das Meer zu sehen. Hazaran. Das Himmelsvolk. Die Hirten.

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1980
Bibliografische Angabe Désert (dt: Wüste; Übersetzung: Uli Wittmann, Köln 1989), Roman. Paris 1980.- Parallel erzählt wird das Schicksal eines ums Überleben kämpfenden Nomadenstamms und ein halbes halbes Jahrhundert später das des Mädchens Lalla, das von diesen Tuareg abstammt und das dessen tragisches Schicksal in Tagträumen neu erlebt. Lalla fühlt sich sehr wohl in der Cité, dem Slum dieser marokkanischen Stadt am Rande des Meeres und der Wüste. Doch eines Tages will ihre Tante, bei der sie nach dem Tod ihrer Eltern lebt, sie mit einem Fremden verheirateten. Sie flieht und erschließt sich eine neue Welt, in der sie in Wahrheit nie ankommt; die Sehnsucht nach der Cité, der Weite, nach Hartani, dem Schäfer und auch den anderen, ihr vertrauten Menschen verhindert ein neues Leben an einem neuen Ort.
Bibliografische Angabe Trois villes saintes[3] (Drei heilige Städte), Roman. Paris 1980.
Absatz Ausgezeichnet mit dem höchst dotierten französischen Literaturpreis, dem erstmalig von der Académie Française ausgeschriebenen Prix Paul-Morand für den Roman Désert.

1982
Bibliografische Angabe La Ronde et autres faits divers (Der Reigen und andere vermischte Nachrichten), Roman. Paris 1982.
Bibliografische Angabe Celui qui n'avait jamais vu la mer suivi de La montagne du dieu vivant (Derjenige, der nie das Meer gesehen hat / Der Berg des lebendigen Gottes), Roman. Paris 1982.

1984
Recherchen auf Mauritius für den Roman Le Chercheur d'or.
Bibliografische Angabe Relation de Michoacan (Die Erzählung von Michoacan), Roman. Paris 1984.

1985
Bibliografische Angabe Balaabilou, Roman. Paris 1985.
Bibliografische Angabe Le chercheur d'or (dt: Der Goldsucher[4]; Übersetzung: Rolf u. Hedda Soellner, Köln und Ostberlin 1989), Roman. Paris 1985.
Bibliografische Angabe Villa Aurore suivi de Orlamonde (Villa Aurora / Orlamonde; in der Roten Reihe von Reclam[5] unter dem Titel: Villa Aurore et autres histoires; Inhalt: L’échappé – Villa Aurore – Fascination – Kalima – La montagne du dieu vivant; Hrsg. Konrad Harrer u. Élise Harrer. Stuttgart 2008), Roman. Paris 1985.

1986
Bibliografische Angabe Voyage à Rodrigues, Roman.

1987
Bibliografische Angabe Les années Cannes: 40 ans de festival (Die Jahre von Cannes: 40 Jahre Festival). Gemeinsam mit Robert Chazal.
Bibliografische Angabe Sur Lautréamont. Complexe
(Über Lautréamont. Komplex). Gemeinsam mit Maurice Blanchot und Julien Gracq.

1988
Bibliografische Angabe Le rêve mexicain ou la pensée interrompue (dt: Der mexikanische Traum; Übersetzung: Rolf u. Hedda Soellner, München 1989), Roman. Paris 1988.

1989
Bibliografische Angabe Printemps et autres saisons (Frühling und andere Jahreszeiten), Roman. Paris 1989.

1990
Bibliografische Angabe La Grande vie suivi de Peuple du ciel (Das große Leben / Himmelsmenschen), Roman. Paris 1990.
Bibliografische Angabe Sirandanes. Seghers. Gemeinsam mit Jémia Le Clézio.

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1991
Bibliografische Angabe Onitsha[6] (dt: Onitsha; Übersetzung: Uli Wittmann, Köln 1993), Roman. Paris 1991.- Held dieses Romans ist der Junge Fintan, der im Alter von 12 Jahren mit seiner Mutter ins nigerianische Onitsha reist, wo er von seinem Vater Geoffroy erwartet wird, der bei einer britischen Handelskompanie arbeitet. Während Fintans Vater, den er bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte, völlig in seiner Beschäftigung mit dem Mythos der Schwarzen Königinnen von Meroë aufgeht, seine Mutter sich von ihren Bekannten innerhalb der örtlichen Kolonial-Aristokratie abwendet, erlernt der Zwölfjährige durch seinen einheimischen Freund Bony eine völlig neue Betrachtungsweise für die Natur und die Menschen des Landes.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Prix Carlton.

1992

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Bibliografische Angabe Etoile errante (dt: Fliehender Stern; Übersetzung: Uli Wittmann. Köln 1996), Roman. Paris 1992. - Der Roman spielt in Frankreich während der Zeit der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg und erzählt die Geschichte einer Flucht eines jüdischen Mädchens und deren Mutter nach Israel.
Bibliografische Angabe Pawana (dt: Pawana; Übersetzung: Uli Wittmann. Köln 2009), Erz. Paris 1992.- Die (angebliche) wahre Geschichte des Walfängers Charles Melville Scammon und der Entdeckung einer mexikanischen Lagune.
Absatz Le Clézio wird mit dem Prix international Union latine ausgezeichnet.

1993
Bibliografische Angabe Diego et Frida (dt: Diego und Frida; Übersetzung: Uli Wittmann. München 1995), Roman. Paris 1993.- Biographie des mexikanischen Maler-Paares Frida Kahlo und Diego Rivera.
Bibliografische Angabe Petra: le dit des pierres (etwa: Petra: das Sprechen der Steine). Texte, J.-M.G. L. C., Jamal Abu Hamdan, Anne Wade Minkowski u.a.; Fotogr.: Fouad Elkoury, Thierry Girard, Bernard Guillot u.a; gesammelt und vorgelegt v. Philippe Cardinal.

1995
Bibliografische Angabe La Quarantaine (dt: Die Quarantäne; Übersetzung: Uli Wittmann. Köln 2000, Neuausgabe u. d. Titel: Ein Ort fernab der Welt. München 2002), Roman. - Zwei Brüder brechen ins Herkunftsland ihrer Familie - Mauritius - auf. Doch das Flugzeug darf nicht landen und die Passagiere werden in Quarantäne gesteckt.

1996
kehrt Le Clézio nach Nizza zurück [7].
Bibliografische Angabe Poisson d'or (dt: Fisch aus Gold; Übersetzung: Uli Wittmann. Köln 2003), Roman. Paris 1996.

1997
Bibliografische Angabe La fête chantée (Das Singfest), Essay.
Bibliografische Angabe Enfances. Enfants Réfugiés Du Monde (Kindheiten. Kinderflüchtlinge der Welt). Mit Christophe Kuhn (Fotogr.) und Brigitte Fossey (Nachwort).
Bibliografische Angabe Gens des nuages (Wolkenmenschen). Mit Jémia Le Clézio.
Bibliografische Angabe In the eye of the sun: Mexican fiestas (Im Auge der Sonne: Mexikanische Fiestas). Fotografien v. Geoff Winningham; Einführung: Richard Rodriguez; Essay v. J.-M.G. L. C. New York 1997.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Grand Prix Jean Giono.

1998
wird Le Clézio mit dem Prix Prince de Monaco ausgezeichnet.

1999
Bibliografische Angabe Hasard suivi de Angoli Mala (Zufall/Glück / Angoli Mala), 2 Kurzromane/Novellen. Paris 1999.

2000
Bibliografische Angabe Fantômes dans la rue (Phantom der Straße), Roman.
Bibliografische Angabe Coeur brûlé et autres romances (Verbranntes Herz und andere Romanzen), Novellen. Paris 2000.

2001
Bibliografische Angabe Rififi en banlieue (Krawall im Vorort). Textsammlung. Für das 4. und 5. Lernjahr. Stuttgart Düsseldorf Leipzig 2001. Texte ausgewählt v. Jean-Marie Gustave Le Clézio und Didier Daeninckx.

2002
Beginn der Mitgliedschaft in der Jury des Prix Renaudot, den er im Jahr 1963 für seinen ersten Erstling, den Roman Le procès-verbal (dt: Das Protokoll) selbst erhalten hat.

2003
Bibliografische Angabe Révolutions[8] (dt: Revolutionen; Übersetzung: Uli Wittmann. Köln 2006), Roman. Paris 2003. - Parallel erzählt der Autor die Geschichte des jungen Jean Marro in den 50er- und 60er-Jahren des 20. Jh's und die eines Vorfahren des Jungen. Jean Eudes Marro wanderte nach der Frz. Revolution nach Mauritius aus. Der junge Marro, dem die Geschichte seines Vorfahren von einer blinden Tante erzählt wird, flüchtet vor den Erschütterungen des Algerienkriegs nach England, dann weiter nach Mexiko, bis er schließlich, gemeinsam mit seiner neuen Liebespartnerin, einer Algerierin, den Spuren seines Vorfahren nach Mauritius folgt.
Bibliografische Angabe Maroc (dt: Marokko; Übersetzung: Eva Plorin. München 2004), Fotografie: Bruno Barbey, Text: Jean-Marie-Gustave Le Clézio u. Jemia Le Clézio. - Bilder des marokkanischen Starfotografen Bruno Barbey aus über 30 Jahren, untermalt von poetischen Texten v. Le Clézio und seiner Frau.
Absatz Im Dezember beginnt Le Clézio mit dem Schreiben des autobiografischen Berichts Der Afrikaner.

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2004
Im Januar beendet Le Clézio die Arbeit an dem Buch Der Afrikaner.
Bibliografische Angabe L'Africain (dt: Der Afrikaner; Übersetzung: Uli Wittmann. München 2007). Autobiografische Erzählung. Paris 2004. - Bei dem Afrikaner, von dem im Titel die Rede ist, handelt es sich um den Vater des Autors. Den sieht der Junge, weil die Mutter, als sie mit ihm schwanger war, Afrika verlassen hatte, zum ersten Mal im Alter von acht Jahren. Die Erzählung lebt von der Spannung, die der Achtjährige empfindet, dem Widerspruch zwischen der Autorität des Vaters, der sich den Regeln des Empires verpflichtet fühlte und der grenzenlosen Freiheit der Savanne Afrikas sowie der in ihr lauernden Gefahren. Eine "magische Berührung" auch dies, wie es der Rezensent der ZEIT[9], gemünzt auf die Begegnung von Vater und Sohn, ausdrückt. (Siehe auch die Einschätzung des Nobelpreiskomitees zu dieser Erz.)

2006
Bibliografische Angabe Ourania[11], Roman. Paris 2006.
Bibliografische Angabe Raga, Approche du continent invisible (dt: Raga, Besuch auf einem unsichtbaren Kontinent. Heidelberg 2008). Paris 2006.- Raga gehört zum südpazifischen Inselstaat Vanatu. Le Clézios Buch beschreibt den Versuch der Annäherung an das Volk, das ein Jahrhundert lang unter britisch-französischer Fremdherrschaft stand.

2007
Bibliografische Angabe Ballaciner[12], Vorwort v. Gilles Jacob, Essay. Paris 2007.

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2008
Bibliografische Angabe Ritournelle de la faim[13] (dt: Lied vom Hunger. Köln 2009), Erz. Paris 2008. - Im Mittelpunkt des Romans steht Ethel Brun, Tochter einer Pariser Familie, deren Wurzeln nach Mauritius führen. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wächst sie auf und als die Besetzung durch die Deutschen der Familie Not und Hunger bringt, übernimmt sie die Verantwortung, führt ihre Familie zunächst in den Süden Frankreichs und dann ins kanadische Exil, weg von Hunger, Nationalismus und Antisemitismus.
Absatz Am 9. Oktober wird Jean-Marie Gustave Le Clézio der Literaturnobelpreis zuerkannt. - Le Clézio sei ein "Autor neuer Ansätze, poetischer Abenteuer und sinnlicher Exstase, Erforscher neuer Menschlichkeit jenseits und unterhalb der herrschenden Zivilisation", so die Jury-Begründung.
Bibliografische Angabe Dans la forêt des paradoxes (dt: Im Wald der Paradoxe), Nobelpreisrede.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Stig Dagermanpriset.

2011
Bibliografische Angabe
Histoire du pied et autres fantaisies (dt: Der Yama-Baum und andere Geschichten; Übersetzung: Uli Wittmann. Köln 2013), Erz. Paris 2011. - Der geheimnisumwobene Yama-Baum aus der Titelgegeschichte bietet Frauen Schutz und Geborgenheit, zunächst der Großmutter und später im Bürgerkrieg der Enkelin. Wie diese - liberianischen - Heldinnen sind viele der Protagonistinnen der neun vorliegenden Geschichten[14] in Afrika beheimatet, eingehüllt in magische, zauberhafte Welten.

2014
Bibliografische Angabe
Tempête: Deux novellas (Sturm: Zwei Novellen). Paris 2014.

2015
Am 13. April wird Jean-Marie Gustave Le Clézio 75 Jahre alt.

STIMME(N):

"Er ist ein sehr in sich zurückgezogener Mann, der sich, das spürt man, vor allem in seinen Büchern mitteilt. Kein Mensch für small talk. Immerhin haben wir ein längeres Gespräch über Bäume geführt. Besonders beeindruckt schien er von den deutschen Linden zu sein, Deutschland ist für ihn ein Land der Linden. Meinen Hinweis auf die Bedeutung der 'deutschen Eiche' hat er nicht verstanden." - Bärbel Flad, Le Clézios ehemalige Lektorin bei Kiepenheuer & Witsch, in: Welt am Sonntag v. 12.10.2008)

ANMERKUNGEN:

0) Was Le Clézios Beziehung zum Inselstaat Mauritius angeht, hat er sich in einem Gespräch folgendermaßen geäußert:
"Ich betrachte mich (selber) als jemand im Exil, denn meine Familie ist ganz und gar mauritisch. Seit Generationen pflegen wir die mauritische Folklore, Küche, Kultur und mauritischen Legenden. Das ist eine sehr durchmischte Kultur, in der sich Indien, Afrika und Europa begegnen."
Jean-Marie Gustave Le Clézio, im Gespräch mit Tirthankar Chanda, Universitätsprofessor und Mitarbeiter der Zeitschrift Magazine littéraire, in: Label France, Nr. 41, Dez. 2001, hgg. v. frz. Außenministerium.

1) Der genaue Zeitraum konnte nicht ermittelt werden. - Trotz dieser relativ kurzen Zeit wird Le Clézio seine Kindheit später einteilen in die Zeit vor und die Zeit nach dem Afrika-Aufenthalt. Einen eindrucksvollen Bericht von dieser Kindheitsperiode gibt er in dem Buch Der Afrikaner. So bezeichnet er seinen Vater, der über zwanzig Jahre im heutigen Kamerun und in Nigeria als Arzt tätig war und in dieser Zeit, in der er häufig Zeuge von Ungerechtigkeiten wurde, einen unbändigen Hass auf den Kolonialismus entwickelte.

2) "Haï" ist der indianische Begriff für "Energie", "Aktivität". Vgl. KLfG.

3) Hintergrund des Romans Trois villes saintes ist die Jahre lange theoretische Beschäftigung mit indianischen Kulturen sowie die ausgedehnten Aufenthalte des Autors bei Indianern in Panama während eines Zeitraums von vier Jahren. Diese Lebensabschnitt greift der Autor in dem 2004 erschienenen Buch L'Africain erneut auf.

4) Laut KLfG geht der Roman Der Goldsucher auf eine Begebenheit in Le Clézios eigener Familie zurück. Sibylle Bieker schreibt in ihrem Aufsatz, Der Goldsucher sei "sicherlich ein Roman, der weniger den Kritikern als dem Lesepublikum gefallen wird. In der Kombination von Elementen des klassischen Abenteuerromans im Stil Louis Stevensons mit den idyllischen Bildern einer Kindheit des 18. Jahrhunderts (...) ist es Le Clézio gelungen, seine Weltsicht in eine Form zu bringen, die größere Kreise als die der 'professionellen' Leser ansprechen kann."

5) Reclams Rote Reihe: Textausgaben im frz. Original, mit Übersetzungen schwieriger Wörter am Fuß jeder Seite, inkl. Nachwort und Literaturhinweisen.

6) Wie viele andere Bücher des Autors hat auch der Roman Onitsha einen biografischen Hintergrund. Auch Le Clézio verlebte wie sein Protagonist Fintan einen Teil seiner Kindheit - allerdings in früheren Jahren - in Nigeria. -
Der Zufall wollte es, dass der Autor mit Onitsha ausgerechnet in dem ostnigerianischen Ort lebte, der den größten Markt des Landes - wenn nicht der ganzen Welt - besitzt. Und ein Teil dieses Marktes ist der Literatur gewidmet. Die Onitsha Market Literature ist v.a. in den 50er und 60er Jahren als eine Konzentration von Schriftstellern, Verlagen, Druckereien etc. berühmt geworden. Der große polnische Journalist und Verfasser von Literarischen Reportagen Ryszard Kapuscinski berichtet in seinem Buch Afrikanisches Fieber darüber.

7) "Rückkehr nach Nizza." Diesen Satz kann man immer wieder und zu verschiedenen Lebensabschnitten in diversen biografischen Notizen über J.-M. G. Le Clézio lesen. In dem bereits o.a. Gespräch des Jahres 2001 in Label France stellt der Kritiker Tirthanka Chanda eingangs einer Frage fest: "Sie leben zwischen Albuquerque in Neumexiko, der Insel Mauritius, von der Ihre Familie stammt, und Nizza, der Stadt, in der Sie groß geworden sind, und in der Ihre Mutter noch lebt."

8) Auch dieser Roman trägt stark autobiografische Züge.

9) "Dieses schmale Buch ist kein Roman. Man möchte es eher eine biografische Etüde nennen, Reverie vielleicht." Vgl. "Der Afrikaner ist ein Weißer" von Walter van Rossum, in DIE ZEIT v. 06.09.07.

10) Der Afrikaner ist für das Nobelpreiskomitee "die Geschichte des Vaters des Verfassers, zugleich Rekonstruktion, Ehrenrettung und Erinnerung an das Leben eines Jungen im Schatten eines Fremden, den zu lieben er schuldig ist. Er erinnert sich durch die Landschaft: Afrika erzählt ihm, wer er in dem Augenblick war, als er als Achtjähriger nach der Trennung durch die Kriegsjahre die Wiedervereinigung der Familie erlebte." .

11) Anlässlich des Erscheines des Romans Ourania wurde Le Clézio gefragt, warum er als Titel den Namen der Muse der Astronomie gewählt habe. Seine Antwort: "Dieser Name hat sich mir infolge der Lektüre von Victor Duruy [Verfasser von historischen Werken wie Geschichte der Griechen, der Römer etc.] von Kindheit an aufgedrängt, ich glaube, sehr früh von einem Ort geträumt zu haben, an dem man eine himmlische Harmonie verwirklichen konnte, und dieser Ort konnte, entgegen dem griechischen Mythos, nur das Gebiet einer Frau sein."

12) Sehr persönlicher Aufsatz über die Geschichte des Films und die Bedeutung dieser Kunstform im Leben des Autors.

13)
Le Clézio über dieses Buch: "Als meine Mutter mir von der Premiere von Boléro erzählte, berichtete sie von ihrer Aufregung, von den Schreien im Saal, den Bravos, dem Pfeifen, dem Tumult. Im selben Saal befand sich auch ein junger Mann, dem sie nie begegnet war: Claude Levi-Strauss. Wie seines, so vertraute mir meine Mutter lange Zeit danach an, so hat dieses Stück auch ihr Leben verändert. Jetzt verstehe ich, warum. Ich verstehe, was das Wiederholen dieses Satzes, das Einhämmern, das Aufdrängen durch den Rhythmus und das Crescendo für ihrer Generation bedeutete. Boléro ist kein Musikstück wie die anderen. Es ist eine Prophezeiung. Es erzählt eine Geschichte von Wut und Hunger. Nachdem es mit Gewalt endete, lastet die folgende Stille fürchterlich auf den Überlebenden. Ich habe diese Geschichte dem Andenken an ein junges Mädchen geschrieben, das trotz ihrer zwanzig Jahre eine Heldin war."

14) "All diese Geschichten erzählt der französische Nobelpreisträger mit unnachahmlicher Poesie und Eleganz. Clézio, ein Wanderer zwischen den Welten, nimmt uns mit in eine Fremde, die ebenso faszinierend wie irritierend und beklemmend ist.", heißt es in einer Kurzbeschreibung der Nachrichtenagentur dpa. Doch so manchem Kriiker sind exotische Einbettung und vollendeter Stil zu wenig. In dieser Hinsicht ähneln sich die Kritiken der Rezensenten der NZZ (v.28.11.13) und der F.A.Z (v. 5.10.13).


Wichtigste Quellen:
"Die französische Sprache ist vielleicht meine einzige wirkliche Heimat" - Jean-Marie Gustave Le Clézio im Gespräch mit Tirthanka Chanda. Siehe unten.
Bio-Bibliografisches v. Fredrik Westerlund - Siehe unten
J.M.G. Le Clézio v. Sibylle Bieker, in: KLfG (Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, edition text+kritik)

LINKS:

Jean-Marie Gustave Le Clézio par Fredrik Westerlund, in frz. Sprache, sehr informativ, obwohl noch im Aufbau begriffen.

"Die französische Sprache ist vielleicht meine einzige wirkliche Heimat" - Jean-Marie Gustave Le Clézio im Gespräch mit Tirthanka Chanda (Der Text befand sich auf der Kulturseite des frz. Außenministeriums und ist inzwischen leider herausgenommen worden und auch an anderer Stelle nicht auffindbar. Okt. 2008. J.K.)

Im Wald der Paradoxe, Nobelpreisreide.

KLfG (Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, edition text+kritik)

2006-2015 © by Janko Kozmus
REZENSION(EN)
Vater und Sohn (zu: Der Afrikaner und Onitsha)
Kinder der Wüste (zu: Wüste)
Weitere Portraits frankophoner Autoren auf der Marabout-Seite (Auswahl):
Tahar Ben Jelloun, Marokko

Mongo Beti, Kamerun

Fatou Diome, Senegal

Assia Djebar, Algerien

Yasmina Khadra, Algerien
Mohammed Khaïr-Eddine, Marokko
Ahmadou Kourouma, Côte d'Ivoire

Amin Maalouf, Libanon

Alain Mabanckou, Republik Kongo

Tierno Monénembo, Guinea

Marie NDiaye, Frankreich
Patrice Nganang, Kamerun
Boualem Sansal, Algerien
Hamid Skif, Algerien
Abdourahman A. Waberi, Dschibuti/Frankreich
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