DIE MARABOUT-SEITE
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CHRONIK
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas

BURKINA FASO

Stand: 06.06.07


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21. Juni
1922
In dem Dorf Toma, Obervolta [heute: Burkina Faso], wird der künftige Historiker und Politiker Joseph Ki-Zerbo als Sohn eines christlichen Vaters geboren.
31. Dezember
1943
Vier Jahre vor Wiederherstellung der Kolonie Obervolta [heute: Burkina Faso] wird der künftige Dichter und Schriftsteller frz. Sprache Frédéric Pacéré Titinga in dem betreffenden Gebiet, das zwischenzeitlich von der frz. Kolonialmacht unter den Nachbarkolonien aufgeteilt worden war, geboren.
25. Februar
1952
In Baguinda (Bamako, Mali) wird die spätere Dichterin, Kinderbuchautorin und Politikerin Bernadette Sanou Dao geboren. Im Alter von elf Jahren wird die Familie mit der Tochter in ihr Herkunftsland Burkina Faso zurückkehren.
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1955
In Ouagadougou wird der künftige Dichter und Schriftsteller Jacques Prosper Bazié geboren.
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1968
Als Tochter eines Burkinabé und einer Französin wird die künftige Schriftstellerin Sarah Bouyain geboren.
16. Mai
1969
In Kokologho verstirbt knapp 60-jährig der um 1909 in Bwan geborene Schriftsteller und Politiker Nazi Boni.
Ab 1931 arbeitete Boni als Lehrer. Zehn Jahre später wurde er Direktor der Grundschule in Treichville, doch bald als kritischer Geist von der Kolonialmacht zum ersten Mal, und von da an immer wieder, versetzt. Aktive politische Arbeit in der länderübergreifenden, panafrikanisch ausgerichteten Bewegung Rassemblement démocratique africain (RDA). Als Deputierter für Obervolta wurde Boni 1948 ins französische Parlament in Paris gewählt und 1957 erhielt er den Vorsitz des neugeschaffenen Parlaments von Obervolta, musste diesen allerdings wegen politischer Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Premierminister Daniel Ouezzin Coulibaly wieder abgeben. 1964 schrieb er mit Crépuscule des temps anciens (Abenddämmerung der Alten Zeiten, Roman 1964) den ersten Roman seines Landes. Weitere Werke:
Chronique du Bwamu (1962)
Fondements traditionnels et modernes des pouvoirs en Afrique (Grundlagen traditioneller und moderner Mächte in Afrika, 1969) Histoire synthétique de l'Afrique résistante (1971).
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Für sein Werk Poèmes pour l'Angola et La Poésie des griots (Gedichte für Angola und Die Poesie der Griots) wird der burkinische Dichter Frédéric Pacéré Titinga mit dem Grand Prix littéraire de l'Afrique noire ausgezeichnet.
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Thomas Sankara, der 1983 mit einem Putsch die Macht übernahm, benennt Obervolta in Burkina Faso - Land der Aufrichtigen - um.
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In Ouagadougou begründet der aus dem Tschad eingewanderte Schriftsteller frz. Sprache Koulsy Lamko die Agentur Kaléido Culture "zur Belebung kultureller Projekte".
7. Juni
Die burkinische Autorin und gelernte Juristin Monique Ilboudo nimmt als eine von "fünfzehn Poeten" in Hannover im Rahmen der EXPO 2000 an dem Projekt Blumen für Schwitters. Nachdichtungen von Anna Blume von und mit fünfzehn Poeten aus aller Welt teil.
25. Februar
50. Geburtstag der als angesehenste Dichterin Burkinas geltenden Bernadette Sanou Dao. Sie arbeitet gegenwärtig am l'Institut pédagogique du Burkina und lebt in Ouagadougou, der Hauptstadt des Landes.
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Die französischsprachige, 1967 in Côte d'Ivoire geborene, burkinische Autorin Angèle Bassolé-Ouédraogo wird für ihren Gedichtband Avec tes mots (Mit deinen Worten) mit dem von der Regierung von Ontario gestifteten und mit (kanad.) $ 10.000 dotierten Trillium Book Award ausgezeichnet. Nach Burkina Blues ist dies bereits die zweite Veröffentlichung der seit 1992 in Kanada lebenden Autorin, die in einem fiktiven Dialog selbst die Situation eines Interviews durchspielt, in dem es um die Frage ihrer Herkunft geht. Sie stamme aus Burkina Faso, habe zwar ihre Kindheit und Jugend in Côte d'Ivoire verbracht, aber ihre Eltern seien Burkinabé, Immigranten aus dem Nachbarland, im Übrigen sei sie Afrikanerin, die in ihrem Geburtsland wie in Burkina nur "die Kanadierin" genannt werde. "Und ja, ich fühle mich überall zu Hause in Afrika. Aber auch anderswo! Ich arbeite daran, mich überall da zu Hause zu fühlen, wo ich gerade bin. Deshalb beantworte ich von nun an die bekannte Frage nach der Herkunft mit: 'Ich habe kein Heimatland, die Welt ist mein Land'. Und ich träume davon mit Susan Sontag sagen zu können (deren Zitat mir ein Freund aus Deutschland schickte): 'Verwurzelt zu werden interessiert mich nicht. Ich bin das, was ich bin: offen für die Welt'. (Vgl. Sans pays ! langue, exil et self-identité diasporique, Angèle Bassolé Ouédraogo, motspluriels.arts.uwa.edu.au/)
zeit
los
Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:

Februar
2003
20. Geburtstag der Schriftstellerin Suzy Henrique Nikiéma. Bereits im Alter von dreizehn Jahren fing sie an zu schreiben und im Jahre 2001 veröffentlichte sie bei einem Pariser Verlag ihren ersten Roman: L'homme à la bagnole rouge (Der Mann in dem roten Auto). Sie lebt derzeit mit ihrer Familie in ihrer Geburtstadt Ouagadougou, wo sie Jura studiert.
31. Mai

chrAbs Unter dem Titel
   "Das Behindertenrecht fördern"
bringt die französischsprachige burkinische Wochenzeitung L'opinion in ihrer Rubrik Echos des provinces einen Bericht zur Situation körperbehinderter Menschen.
Am 13. Mai habe die in (Burkina Fasos Hauptstadt) Ouagadougou ansässige Kommunale Koordinierung für die Förderung der Rechte behinderter Personen eine "Sensibilisierungssitzung" zu deren Rechten organisiert. Ziel sei es gewesen, über die Rechte behinderter Personen zu informieren. "In der Tat sind diese Opfer von Verachtungseinstellungen seitens einiger Bevölkerungsteile." Das Konzept beinhaltete verschiedene Informationsmodule hinsichtlich "der Wahrnehmung von Behinderung, der Einschränkungen und der Rechte behinderter Menschen". Nach Aussagen der Dozenten seien die Behinderten in der Provinz Opfer von "Misshandlung, von Isolierung, von Nachlässigkeit und von Ausschluss aus dem Bildungssystem sowie der Produktion".
Die Behinderten selbst hätten darauf bestanden "ihre Unzufriedenheit angesichts bestimmter Spenden einiger Personen" auszudrücken. Als Opfer "profitierten" sie, formulierten sie ironisch, von minderwertigem Getreide, von Fischköpfen, von unbrauchbaren Stoffen und ungenießbaren Produkten. Irénée Norgho, Präsident der Kommunalen Koordinierung habe unterstrichen, dass die behinderten Personen dieselben Rechte haben wie alle anderen Bürger. Die Behinderten von Manga haben die Behörden auf die Notwendigkeit der Ausstellung einer Invaliditätskarte hingewiesen. Was die Koordinierungsstelle von Ouagadougou angehe, so habe diese den Betroffenen in Manga ihre Unterstützung für ihre Aktionen zugesagt.
· (L'opinion, Burkina, ÜF: J.K.)

4. Dezember
2006
Im Alter von 84 Jahren stirbt in Ouagadougou der burkinische Historiker und Politiker Joseph Ki-Zerbo. Vor allem als Wissenschaftler machte Ki-Zerbo sich einen Namen. Sein 1972 veröffentlichtes Buch L'Histoire de l'Afrique (Die Geschichte Schwarzafrikas), das er fortwährend aktualisierte, gilt noch heute als Standardwerk.
Sein Abitur absolvierte Joseph Ki-Zerbo in Bamako,
Mali. Anschließend studierte er Geschichte und Politik in Paris. In Orléans und Paris war er danach als der erste schwarzafrikanische Professor Frankreichs tätig. Im Jahre 1957 kehrte er nach Afrika zurück, zunächst nach Dakar,  Senegal **. Hier wandte er sich der Politik zu und war Mitbegründer der antikolonialen Bewegung Mouvement de libération nationale.
Von 1972 bis 1978 war er Professor für afrikanische Geschichte an der Université d'Ouagadougou. 1983 musste er unter dem Druck der Militärregierung ins Exil gehen und wurde 1985 in Abwesenheit von einem revolutionären Volkstribunal - gemeinsam mit seiner Frau Jacqueline Ki-Zerbo - wegen "Steuerhinterziehung" zu einer zweijährigen Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Erst 1992 konnte er wieder in seine Heimat zurückkehren. 1993 begründete er die sozialdemokratische Parti pour la démocratie et le progrès (PDP), für die er bis zum August 2006 Abgeordneter im burkinischen Parlament war und deren Vorsitz er bis 2005 innehatte.
1997 erhielt er für seine lebenslange Arbeit als Historiker und Analytiker afrikanischer Probleme den sog. Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award, RLA).
Weitere Werke des Historikers sind:
Le Monde africain noir (1964, Die schwarzafrikanische Welt)
Histoire générale de l’Afrique, ouvrage collectif (1991, Allgemeine Geschichte Afrikas)
Afrique Noire, gemeinsam mit Didier Ruef (2005, Schwarzafrika)
9. April

chrAbs "Die Kartoffel, gefeiert in Titao",
Die französischsprachige burkinische Wochenzeitung Bendré berichtet vom "Fest der Kartoffel", das - zum sechsten Mal aufeinanderfolgend - am 31. März in Titao gefeiert wurde. Rund ums Thema "Kartoffelproduktion und Bekämpfung der Armut" trafen sich mehr als 200 Teilnehmer für mehrere Tage.
mehr dazu · (
Bendré, Burkina, ÜF: J.K.)

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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
** Auf www.rightlivelihood.org, der Internetseite des sog. Alternativen Nobelpreises, wird als erster afrikanischer Aufenthaltsort
Conakry, Guinea, genannt. Diese Angabe konnte bisher nicht verifiziert werden.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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Quellen

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Sach- und Personenregister