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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Jahreschroniken: 2002

Stand: 30.06.09

 

15. Januar
2002

"Sambische Frauen wegen des Tragens von Miniröcken entkleidet",
lautet die reißerische Überschrift zu einem Artikel im englischen Telegraph.
Die sambische Polizei habe zwanzig Mitglieder der herrschenden sambischen Partei Movement for Multiparty Democracy (Bewegung für Mehrparteien-Demokratie) verhaftet, nachdem Hunderte von Jugendlichen Frauen wegen des Tragens von Miniröcken oder Hosen nackt ausgezogen hatten.
"Dutzende von Frauen wurden in der Hauptstadt Lusaka von einem unbändigen Mob entkleidet, der vorgab, im Namen des neuen sambischen Präsidenten Levy Mwanawasa zu handeln und ’eine offizielle oder elegant unauffällige Kleidung’ bei den sambischen Frauen durchsetzen zu wollen."
"Mwanawasa bestritt, den Sambiern eine neue Kleiderordnung gegeben zu haben und verurteilte die Aktionen der Jugendlichen als eine Schande und als Versuch, den sambischen Frauen ihre Freiheit sowie die Freiheit, sich zu kleiden, wie sie wollten, nehmen zu wollen".
Sambia sei mit seiner Bevölkerung von 11 Mio. streng konservativ, stellt der ungenannte Verfasser des Berichts fest. Der Zwischenfall sei erwartet worden, um Mwanawasa, der sich während der Wahlkampagne Ende des vergangenen Jahres einige verbale Fauxpas geleistet hatte, erneut zu kompromittieren.
Einer seiner öffentlichen Ausrutscher sei gewesen, den früheren Präsidenten Frederick Chiluba als seine "Schwester" zu bezeichnen, ein anderer die Behauptung, fit zu sein wie der Boxer "Tike Myson". · (
Telegraph, U.K., ÜE: J.K.)

25. Januar
2002

Die führende Tageszeitung Ugandas, New Vision, über den nigerianischen Autor Okey Ndibe und seinen Roman Arrows of Rain: "Ndibe verwandelt Realität in Kunst" ...
mehr dazu · (New Vision, ÜE: J.K.)

1. Februar
2002
Kalungi Kabuye titelt in der ugandischen Tageszeitung THE NEW VISION: "Armer  Mongo Beti."
Während seiner langen Karriere als Schriftsteller habe sein Geburtsland sehr angestrengt versucht ihn zu vergessen. "Die meisten Ugander vergaßen alles über ihn, als sie die Schule verließen und Bücher wie Mission To Kala (dt:
Besuch in Kala ...) und The Poor Christ of Bomba nicht mehr lesen mussten. Als er nun am 7. Oktober 2001 starb, unternahmen die Offiziellen in Kamerun noch größere Anstrengungen ihn vergessen zu machen. Bis zum heutigen Tag wissen wenige Ugander, dass dieser Mann starb. Dabei hatte er großen Einfluss auf die afrikanische Literatur in jenen Tagen, als wir versuchten unsere Identität als eine andere, als die uns von den Europäern eingeimpfte, zu finden..." · (New Vision, ÜE: J.K.)
7. Februar
2002
Yasmina Khadra in einem Interview der englischspr. alger. Monatsschrift Interface über Terrorismus in seiner Heimat und internationalen Fundamentalismus
Auf die Frage, wie er sich am 11. September gefühlt habe, entgegnet Khadra: "Wie jeder anständige Mensch, tief geschockt. Tief." Aber dann habe er daran gedacht, aus einem Land zu kommen, "das Schlimmeres durchgemacht habe. Und nicht nur für 30 Minuten, sondern für 12 Jahre."
· (Interface, ÜE: J.K.)
25. Februar
2002
50. Geburtstag der als angesehenste Dichterin Burkinas geltenden Bernadette Sanou Dao. Sie arbeitet gegenwärtig am l'Institut pédagogique du Burkina und lebt in Ouagadougou, der Hauptstadt des Landes.
28. Februar
2002

In seiner Wohnung im Süden Iraks, in Basra, wird der hoch angesehene Dichter Mahmoud al-Braikan - vermutlich von Dieben - ermordet.
Der in al-Zubair, im Südirak, geborene al-Braikan studierte Jura in Bagdad, arbeitete dann einige Jahre als Lehrer in Kuweit, bevor er nach Bagdad zurückkehrte und sein Studium abschloss. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990 lehrte er arabische Sprache und Literatur am Basra’s Teachers’ Training College.

8. März
2002
The Ghanaian Chronicle berichtet von einem Schulrektor, der den Anschuldigungen von Missmanagement entgegentrat, indem er eine Waffe zog ...
 mehr dazu · (Ghanaian Chronicle, ÜE: J.K.)
13. März
2002
"Nigeria
In den Mühlen der islamischen Justiz", schreibt die SZ
Sufiyatu Huseini aus Nordnigeria sei vergewaltigt worden und habe ein Kind bekommen – nun soll sie dafür gesteinigt werden.
Die Süddeutsche Zeitung zitiert
Michael Bitala in einem Bericht vom 12. März aus Nairobi :
"Wenn es kein Erbarmen mehr gibt, wird Sufiyatu Huseini in ein paar Wochen bis über die Hüften in ein Loch eingegraben...
Dann werden sich Männer um sie herum versammeln und Steine in den Händen halten, nicht zu groß und nicht zu klein, faustdick sollen sie sein, so hat es der Richter bestimmt. Und wenn der vermeintliche Wille Gottes dann vollstreckt ist, wenn der 35-Jährigen das Leben aus dem Körper gesteinigt wurde, dann soll dies eine Lehre für alle Frauen in Nordnigeria sein", schreibt Bitala weiter, "denn Sufiyatu Huseini hat nach Ansicht der strenggläubigen Muslime die zweitschlimmste Sünde nach der Gotteslästerung begangen: Ehebruch. Den angeblichen Beweis dafür hält sie die meiste Zeit im Arm – Adama, ihren Sohn."
· (SZ)
20. März
2002
Zu Ehren des im Februar verstorbenen Dichters Mu'nis Al Razzaz wird eine 40-Tage**-Gedächtnisfeier vom Kulturministerium Jordaniens veranstaltet, bei der die Leistungen des einheimischen Autors gewürdigt werden.
Der 1951 geborene Al Razzaz hat sich auch als Romancier sowie als Kolumnist einen Namen gemacht.
25. März
2002
Die Süddeutsche Zeitung berichtet aus  Nigeria von Safiya Husaini, einer wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilten Frau. Nach internationalen Protesten sei die Nigerianerin von einem islamischen Berufungsgericht freigesprochen worden. · (SZ)
23. April
2002
"Welttag des Buches und des Urheberrechts" (seit 1995, als die UNESCO diesen Tag - Todestag von Cervantes und von Shakespeare - dazu erklärte.
24. Mai
2002
Die deutschsprachige Allgemeine Zeitung, Namibia, berichtet im Kulturteil von dem Erstlingsroman einer Autorin aus  Simbabwe:
"Alexandra Fullers Romandebüt ,,Don´t Let´s Go to the Dogs Tonight (Laßt uns heute abend nicht vor die Hunde gehen)" erzählt von einer afrikanischen Kindheit" ...
 mehr dazu · (AZ, Namibia)
25. Mai
2002
100. Geburtstag des auf der Ilha de Santiago geborenen Dichters portugiesischer Sprache Jorge Barbosa. Er starb im Alter von 68 Jahren in seiner Heimat Kap Verde.
Während die Veröffentlichung seiner Lyrik-Anthologie Arquipélago im Jahre 1935 den Beginn der kapverdischen Dichtung markierte, stellte die Begründung des literarischen Journals Claridade gemeinsam mit Baltazar Lopes da Silva und Manuel Lopes einen ähnlichen Meilenstein für die kapverdische Literatur allgemein dar.
Juni
2002
Ein Geschichtsprofessor der l'Université d'Antananarivo namens Raharimanana wird nach einer Radiosendung über präkoloniale Konflikte wegen Gefährdung der inneren Sicherheit  Madagaskars verhaftet und gefoltert***. Sein Sohn, der Schriftsteller Jean-Luc Raharimanana gibt seinen Lehrberuf auf, um sich ganz der Verteidigung seines Vaters widmen zu können. U.a. wendet er sich mit einer Eingabe an den frz. Präsidenten Chirac und erzeugt somit Öffentlichkeit.
Am 23. August wird Raharimananas Vater, nachdem er zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden ist, wieder freigelassen.
11. Juni
2002
Der südafrikanische Autor Fugard Athol wird 70. Jahre alt. Er wurde v. a. als Dramatiker bekannt. Sein einziger, 1960 verfasster Roman Tsotsi, der von den Rassenunruhen im Land der Apartheid handelt, durfte erst 20 Jahre später veröffentlicht werden. Berühmheit wird der Stoff durch seine spätere Verfilmung und die Oscar-Verleihung als Bester Ausländischer Film (2006) erlangen.
13. Juni
2002
In der Rubrik At a glance bringt die englischsprachige Ausgabe der halbamtlichen Kairoer Zeitung Al-Ahram mehrere Kurzkritiken zu Neuerscheinungen aus dem Bereich Belletristik aus Ägypten sowie aus anderen arabischen Ländern, u.a. wird das Buch: Al-Nubi (2001, Der Nubier) vom nubischen Autor Idris Ali vorgestellt:
Wie andere nubische Schriftsteller würde auch Idris Ali seinen Fokus auf die Zeit der 60er Jahre richten, als die Nubier während des Baus des Assuan-Staudamms aus ihrem Heimatland evakuiert wurden. Das Thema der drei Kurzgeschichten und der beiden Romane in diesem Buch konzentriere sich immer wieder auf diese Erfahrung und liefere eine "namentlich tiefere und befriedigendere Beschreibung" davon. Einige von Idris' früheren Werken litten unter einem schrillen Ton, der in Al-Nubi aber nicht zu finden sei, ein Werk, das "schön strukturiert und fein ausbalanciert" sei. Dies sei ein Roman, der einlade zum Vergleich mit dem klassischen Werk des nubischen Romanciers Mohamed Khalil Qasim: Al- Shamandoura.
Eine weitere Kritik behandelt das Buch eines sudanesischen Autors:
Die fiktionalisierte Autobiografie von Amir Tajesser, bekannt geworden durch seinen 1998 veröffentlichten Roman Nar Al-Zagharid (
2001, Feuergeheul), sei in sechzig kurze Szenen eingeteilt, in denen der Autor von seinen Erfahrungen erzähle, die er während seiner Arbeit mit Stämmen im südlichen  Sudan gewonnen habe. "Einige dieser Szenen sind von bemerkenswerter Kraft und Intensität", aber dies sei nicht genug, heißt es in der Kurzkritik, die Sammlung als Ganzes zu retten, wenn die abgeschlossene Reihe einer Serie von Anekdoten mehr ähnele, als einem im Ganzen umgesetzten Stück. · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
16. Juli
2002
BBC meldet den Gewinn des mit $ 15.000 dotierten Caine Prize For African Writing, der an Binyavanga Wainaina aus  Kenia für seine Kurzgeschichte Discovering Home gehe. Bei einem Dinner im Oxford's Bodleian Museum habe die Vorsitzende der Jury, die ägyptische Autorin Ahdaf Soueif, die Story gelobt: "Eine gekonnte und fein imaginierte Geschichte. Sie bewegt sich mit Weisheit und Humor sowie Originalität zwischen verschiedenen afrikanischen Schauplätzen, ein brillantes Zeichen für die zukünftige Arbeit des Autors." Der in Südafrika lebende Autor und Begründer des kenian. Literaturmagazins Kwani? sei ein Reisejournalist, und ein Experte in Sachen Afrikanische Küche. Als solcher habe er 13.000 Rezepte gesammelt.
Zur diesjährigen Jury gehörte u.a. der Autor
→ Abdulrazak Gurnah. Im vergangenen Jahr sei der Preis an den nigerianischen Autor Helon Habila für seine Kurzgeschichte Love Poems gegangen, die Geschichte eines unter militärische Herrschaft inhaftieren Dichters in Nigeria. · (BBC NEWS, World Edition) .
21. Juli
2002

Der mit 50.000  Rand dotierte Sunday Times Fiction-Award 2002 ging an  Ivan Vladislavic für seinen Roman The Restless Supermarket. Dies berichtet die südafrikanische Sonntagszeitung. Favorisiert waren neben Vladislavics Roman, Imraan Coovadia: The Wedding, Phaswane Mpe: Welcome To Our Hillbrow, K Sello Duiker: The Quiet Violence Of Dreams sowie Gillian Slovo: Red Dust.
Vladislavics erster Roman The Folly, heißt es weiter, sei mit dem CNA-Literaturpreis ausgezeichnet worden; The Restless Supermarket ist der zweite, sehr ehrgeizige Roman des 44 Jahre alten Autors.
Mit einer kauzigen Hauptfigur im Mittelpunkt beschreibt er den Wandel einer Cafégesellschaft in Hillbrow, einem Vorort von Johannesburg. Der Bericht betont die enorme Bedeutung der Vertrautheit mit einem Ort im Schreiben des südafrikanischen Autors. Verpasse man die Veränderungen eines Platzes, "verlierst du dieses besondere Rüstzeug des Wissens und der Beobachtung" ...
· (Sunday Times, SA, ÜE: J.K.)

zeit
los
Arabische und afrikanische Sprüche und Weisheiten:

26. August
2002
Die Süddeutsche berichet aus  Nigeria von Proteste gegen den Schönheitswettbewerb:
"Nach dem Steinigungsurteil gegen die 31-jährige Amina Lawal kritisieren islamische Fundamentalisten und die amtierende Miss Norwegen die Austragung des Schönheitswettbewerbs in Nigeria - aus unterschiedlichen Gründen." ...
Islamische Fundamentalisten sehen in den Miss-Wahlen "eine Vergiftung der moralischen Atmosphäre des Landes und eine Strategie, um durch die Ausbeutung von Frauen Geld zu machen"...
· (SZ)
29. August
2002
In Nigeria spricht ein Scharia-Gericht ein weiteres Steinigungsurteil aus, so die Süddeutsche Zeitung:
"Die Richter der nigerianischen Bundesstaaten, die die Scharia eingeführt habe, lassen sich von den zahlreichen internationalen Protesten nicht beirren: Nach der Verurteilung Amina Lawals wurde jetzt ein unverheiratetes Paar zum Tod verurteilt."
Vor diesem Hintergrund, heißt es weiter, habe der UN-Entwicklungsfonds für Frauen die nigerianische Regierung aufgefordert, "ihre Verpflichtung zum Schutz aller Bürger einzuhalten.
'Im 21. Jahrhundert darf das Recht einer Frau, sich ihre Partner zu wählen, nicht ein Steinigungsurteil nach sich ziehen', erklärte Fonds-Direktorin Noeleen Heyzer am Mittwoch in New York..."
· (SZ)
9. September
2002
Die syrische Regierung vergebe verschiedene Stipendien, schreibt die liberianische Tageszeitung The Inquirer.
Sieben liberianische Studenten hätten kürzlich das Land verlassen, um an verschiedenen Institutionen der Syrischen Arabischen Republik Islamische Wissenschaften zu studieren. Die Vergabe der Stipendien erfolgte im Rahmen einer Anfrage, die die liberianische Regierung an den Generalkonsul der Syrischen Arabischen Republik in Monrovia, Mohammed Idriss, gerichtet habe.
Dieser versprach "alles in seiner Macht stehende zu tun, um sicherzustellen, dass die Anfrage von seiner Regierung berücksichtigt werde, weil dies seiner Meinung nach eine der wichtigsten Hilfestellungen sei, die ein wahrer Freund Liberias dem Land während dieser sehr schwierigen Zeiten anbieten könne". (...)
· (Inquirer, ÜE: J.K.)
Oktober
2002

Der algerische Autor Yasmina Khadra in einem Interview der Literaturbeilage der Zeit über Islamismus und das Bild des Menschen in  Algerien:
Während die Kommissar Llob-Reihe mit dem Protagonisten den angepassten Durchschnittsbürger mit seiner Angst vor Vorgesetzten darstelle, entwerfe der Roman
 Wovon die Wölfe träumen das Bild des enttäuschten, (oft) jungen Menschen, der der Ideologie des Islamismus erliege.
Khadra sagt, es sei ein Glück, dass Algerien die GIA (Groupe islamique armé, gegründet 1989, gilt als die aggressivste islamistische Gruppe Algeriens) bekämpfe. "Wenn die Islamisten in Algerien Erfolg gehabt hätten, dann, das versichere ich Ihnen, könnte Europa nie mehr in Frieden leben ..." Er selbst habe - nach knapp einem Jahr im französischen Exil - keine Angst. Denn Angst sei der "Lebensraum des Terrorismus".
· (Literaturbeilage der Zeit)

22. Oktober
2002
Anlässlich einer Lesung von Ahmadou Kourouma aus Côte d'Ivoire im Haus der Kulturen der Welt in Berlin schreibt die tageszeitung: "... in Afrika kann man kaum an Ahmadou Kourouma vorbei lesen, der die Literatur des Kontinents wesentlich beeinflusste ..."
Ahmadou Kourouma schrieb seinen neuen Roman
Allah muss nicht gerecht sein laut taz "...auf Bitten von Kindersoldaten in  Somalia, und genau um deren Schicksal geht es in dem gerade auch auf Deutsch erschienenen Buch." · (taz-Berlin)
26. Oktober
2002
 In der Tageszeitung Le Soleil aus dem Senegal stellt die dort beheimatete Schriftstellerin Aminata Sow Fall ihren neuen Roman Festin de la détresse (Festschmaus des Elends) vor.
 mehr dazu
· (Le Soleil, ÜF: J.K.)
8. November
2002
Goretti Kyomuhendos Respektbezeugung für  Chinua Achebe in der ugandischen Tageszeitung New Vision, anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den nigerianischen Autor ...
 mehr dazu  · (Goretti Kyomuhendo, New Vision, ÜE: J.K.)
14. November
2002
Boutros Boutros Ghali, ägypt. Politiker und ehemaliger Generalsekretär der UNO, wird 80 Jahre alt.
23. November
2002
Nach den Unruhen in  Nigeria werde die Miss-World-Wahl nun nach London verlegt, berichtet die Süddeutsche Zeitung:
Die seit Tagen anhaltenden schweren Unruhen anlässlich der Miss-World-Wahl zwischen Christen und Muslimen in Nigeria hätten ca. 100 Opfer gefordert, 500 weitere seien verletzt worden.
"... Anlass des Aufruhrs, der am Mittwoch in der Stadt Kaduna begann, war ein Zeitungsartikel, in dem die Kritik von Muslimen an der Miss-World-Wahl in der nigerianischen Metropole zurückgewiesen wurde. Der Verfasser schrieb, selbst der Prophet Mohammed hätte vielleicht eine Kandidatin zur Frau genommen, was von Fundamentalisten als Beleidigung ihres Glaubens aufgefasst wurde."
Auch nach der Verlegung des Wettbewerbs nach London dauern die gewalttätigen Ausschreitungen in Nigeria an. "Hunderte bewaffnete Moslems zogen nach Augenzeugenberichten randalierend durch die nigerianische Hauptstadt Abuja. In Kaduna kam es zu heftigen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften."
· (SZ)
24. November
2002
Ahmadou Kourouma, ivorischer Schriftsteller frz. Sprache, wird heute 75 Jahre alt.
27. November
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Mohammed Moulessehoul alias Yasmina Khadra finde für den Horror des algerischen Bürgerkriegs blumige Worte, schreibt Peter Münder in der Frankfurter Rundschau:
"Ich habe meinen ersten Mann am Mittwoch, dem 12. Januar 1994, getötet", berichte der junge Ich-Erzähler Nafa Walid. Er erschießt einen Anwalt, der verurteilte Terroristen zu lax verteidigt haben soll. Nach anfänglichen Skrupeln habe er "die nächsten Auftragsmorde fast schon reflexartig, ohne große Bedenken" ausgeführt.
"Wovon die Wölfe träumen liefert als modernes Stationendrama", so Peter Münder, "einen Einblick in die Killer-Karriere eines sensiblen Jugendlichen, dem ein verrottetes Gesellschaftssystem keine Chancen bietet. Nach vielen Demütigungen erlebt Walid bei den Fundamentalisten zum ersten Mal so etwas wie ein intaktes Selbstwertgefühl, weil diese ihn ernst nehmen ..."
Während seiner Dienstzeit als Major in der algerischen Armee hat der Autor Mohammed Moulessehoul Romane und in erster Linie Krimis (
Morituri, Doppelweiß, Herbst der Chimären) unter dem weiblichen Pseudonym Yasmina Khadra veröffentlicht. Um die für Militärs obligatorische Vorzensur zu unterlaufen, benutzte er die Vornamen seiner Frau. Inzwischen ist seine wahre Identität bekannt, der Autor lebt in Südfrankreich ..." · (Peter Münder, FR Online)
12. Dezember
2002
 Wole Soyinka kommentiere im Vorwort seines zuletzt erschienen Gedichtbandes, so die New York Times, in harschem Ton den Missbrauch von Religion in  Nigeria anlässlich des Versuchs den "Miss World-Schönheitspomp" abzuhalten, der mehr als 200 Opfer gekostet habe. "In diesem Land, ist Religion benutzt worden, sie ist benutzt worden für kurzsichtige, engstirnige politische Zwecke", zitiert The New York Times Wole Soyinka. · (NYT, ÜE: J.K.)
19. Dezember
2002
Unter dem Titel "Ibn Chalduns Auferstehung" berichtet die ägypt. Wochenzeitung Al-Ahram vom diesjährigen Gewinn der  Nagib Machfus Medaille für Literatur, die von der Amerikanischen Universität Kairo gestiftet wird. Der Preis geht an den marokkan. Romancier Bensalem Himmich für seinen Roman Al-Allama (The Polymath), der im Original 1997 in Beirut und 2001 in Rabat veröffentlicht worden ist. "Al-Allama ist die fiktive Biographie Ibn Chalduns, des berühmten Gelehrten des 14. Jahrhunderts; sie rekonstruiert dessen persönliches und intellektuelles Universum, fokussiert auf die in  Ägypten und  Syrien verbrachten Jahre." ... · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
23. Dezember
2002
Im Alter von 82 Jahren stirbt der  südafrikanische Schriftsteller und Dichter Tatamkhulu Afrika an den Folgen eines Autounfalls.
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Tatamkhulu Afrika:
Bitter Eden

Der in
 Ägypten geborene Autor kam als Kind nach  Südafrika, wo er sich später dem militärischen Flügel des ANC anschloss. Seinen ersten Roman Broken Earth schrieb er im Alter von 17 Jahren. Erst nach über vierzig Jahren erschien ein weiteres literarisches Werk von ihm, der Gedichtband Nine Lives. Es folgten weitere Gedichtbände, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde und drei Romane, wovon der letzte, Bitter Eden, erst vor zwei Wochen, anlässlich des 82. Geburtstags des Autors, in Kapstadt präsentiert wurde. Das Manuskript der ersten Fassung von Bitter Lemon wurde von der SS vernichtet, als Tatamkhulu Afrika während des 2. Weltkriegs als Angehöriger der südafrikanischen Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet.
26. Dezember
2002

                    "Poeten gegen Krieg"

In einer Kurzmeldung berichtet die halbamtliche Kairoer Zeitung Al-Ahram Weekly von der 18. Runde des Marbad Poetry Festivals, das vergangene Woche in Bagdad stattgefunden habe "inmitten der Furcht eines kurz bevorstehenden amerikanischen Angriffs auf den  Irak". Laut irakischen Zeitungen besuchten ca. 400 Dichter und Literaten das Festival, um den Irak zu unterstützen. "Lyrik des irakischen Dichters Abdel-Raziq Abdel-Wahid, des Palästinensers Youssef Al-Khatib, des Syrers Shawqi Baghdadi und des Libanesen Abdel-Karim Shamseddin wurde während des ersten Treffens gelesen." · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)

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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
**
Die Trauerzeit für Verstorbene beträgt nach islamischen Brauch meist 40 Tage
*** Vgl. Interview des madagassischen Radiosenders Echo du Capricorne mit Jean-Luc Raharimanana.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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Quellen:

. . Sach- und Personenregister
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