




THE
POLYMATH
engl. Ausgabe!
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CHRONIK
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2002
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Zur
Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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mit
aktuellen Hinweisen zum Literaturbetrieb |
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Stand:
30.06.09
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2002 |
"Sambische
Frauen wegen des Tragens von Miniröcken entkleidet",
lautet die reißerische Überschrift zu einem Artikel
im englischen Telegraph.
Die sambische Polizei habe zwanzig Mitglieder der herrschenden
sambischen Partei Movement for Multiparty Democracy (Bewegung
für Mehrparteien-Demokratie) verhaftet, nachdem Hunderte
von Jugendlichen Frauen wegen des Tragens von Miniröcken
oder Hosen nackt ausgezogen hatten.
"Dutzende von Frauen wurden in der Hauptstadt Lusaka von
einem unbändigen Mob entkleidet, der vorgab, im Namen des
neuen sambischen Präsidenten Levy Mwanawasa zu handeln
und ’eine offizielle oder elegant unauffällige Kleidung’
bei den sambischen Frauen durchsetzen zu wollen."
"Mwanawasa bestritt, den Sambiern eine neue Kleiderordnung
gegeben zu haben und verurteilte die Aktionen der Jugendlichen
als eine Schande und als Versuch, den sambischen Frauen ihre
Freiheit sowie die Freiheit, sich zu kleiden, wie sie wollten,
nehmen zu wollen".
→
Sambia
sei mit seiner Bevölkerung von 11 Mio. streng konservativ,
stellt der ungenannte Verfasser des Berichts fest. Der Zwischenfall
sei erwartet worden, um Mwanawasa, der sich während der
Wahlkampagne Ende des vergangenen Jahres einige verbale Fauxpas
geleistet hatte, erneut zu kompromittieren.
Einer seiner öffentlichen Ausrutscher sei gewesen, den
früheren Präsidenten Frederick Chiluba als seine "Schwester"
zu bezeichnen, ein anderer die Behauptung, fit zu sein wie der
Boxer "Tike Myson".
· (Telegraph,
U.K.,
ÜE:
J.K.)
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| 25.
Januar |
2002 |
Die
führende Tageszeitung →
Ugandas,
New Vision, über den nigerianischen Autor
Okey Ndibe und seinen Roman Arrows of Rain: "Ndibe
verwandelt Realität in Kunst" ...
→
mehr dazu ·
(New
Vision, ÜE:
J.K.)
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2002 |
Kalungi Kabuye titelt in der ugandischen Tageszeitung THE NEW
VISION: "Armer
→
Mongo Beti."
Während seiner langen Karriere als Schriftsteller habe sein
Geburtsland sehr angestrengt versucht ihn zu vergessen. "Die
meisten Ugander vergaßen alles über ihn, als sie die
Schule verließen und Bücher wie Mission To Kala
(dt: →
Besuch in Kala ...) und
The Poor Christ of Bomba nicht mehr lesen mussten. Als
er nun am 7. Oktober 2001 starb, unternahmen die Offiziellen in
→
Kamerun
noch größere Anstrengungen ihn vergessen zu machen.
Bis zum heutigen Tag wissen wenige Ugander, dass dieser Mann starb.
Dabei hatte er großen Einfluss auf die afrikanische Literatur
in jenen Tagen, als wir versuchten unsere Identität als eine
andere, als die uns von den Europäern eingeimpfte, zu finden..."
· (New
Vision, ÜE:
J.K.)
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2002 |
→
Yasmina
Khadra
in einem Interview der englischspr. alger. Monatsschrift Interface
über Terrorismus in seiner Heimat und internationalen Fundamentalismus
Auf die Frage, wie er sich am 11. September gefühlt habe,
entgegnet Khadra: "Wie jeder anständige Mensch, tief
geschockt. Tief." Aber dann habe er daran gedacht, aus einem
Land zu kommen, "das Schlimmeres durchgemacht habe. Und nicht
nur für 30 Minuten, sondern für 12 Jahre."
· (Interface,
ÜE:
J.K.) |
| 25.
Februar |
2002 |
50. Geburtstag der als angesehenste Dichterin →
Burkinas
geltenden Bernadette Sanou Dao. Sie arbeitet gegenwärtig
am l'Institut pédagogique du Burkina und lebt in Ouagadougou,
der Hauptstadt des Landes. |
| 28.
Februar |
2002 |
In
seiner Wohnung im Süden →
Iraks,
in Basra, wird der hoch angesehene Dichter Mahmoud al-Braikan
- vermutlich von Dieben - ermordet.
Der in al-Zubair, im Südirak, geborene al-Braikan studierte
Jura in Bagdad, arbeitete dann einige Jahre als Lehrer in Kuweit,
bevor er nach Bagdad zurückkehrte und sein Studium abschloss.
Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990 lehrte er arabische
Sprache und Literatur am Basra’s Teachers’ Training College.
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2002 |
The Ghanaian Chronicle berichtet von einem Schulrektor,
der den Anschuldigungen von Missmanagement entgegentrat, indem
er eine Waffe zog ...
→
mehr dazu ·
(Ghanaian Chronicle, ÜE:
J.K.)
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| 13.
März |
2002 |
"Nigeria
In den Mühlen der islamischen Justiz", schreibt die
SZ
Sufiyatu Huseini aus Nordnigeria sei vergewaltigt worden und habe
ein Kind bekommen – nun soll sie dafür gesteinigt werden.
Die Süddeutsche Zeitung zitiert →
Michael
Bitala in einem Bericht vom 12. März aus Nairobi :
"Wenn es kein Erbarmen mehr gibt, wird Sufiyatu Huseini in
ein paar Wochen bis über die Hüften in ein Loch eingegraben...
Dann werden sich Männer um sie herum versammeln und Steine
in den Händen halten, nicht zu groß und nicht zu klein,
faustdick sollen sie sein, so hat es der Richter bestimmt. Und
wenn der vermeintliche Wille Gottes dann vollstreckt ist, wenn
der 35-Jährigen das Leben aus dem Körper gesteinigt
wurde, dann soll dies eine Lehre für alle Frauen in Nordnigeria
sein", schreibt Bitala weiter, "denn Sufiyatu Huseini
hat nach Ansicht der strenggläubigen Muslime die zweitschlimmste
Sünde nach der Gotteslästerung begangen: Ehebruch. Den
angeblichen Beweis dafür hält sie die meiste Zeit im
Arm – Adama, ihren Sohn." · (SZ)
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| 20.
März |
2002 |
Zu Ehren des im Februar verstorbenen Dichters Mu'nis Al Razzaz
wird eine 40-Tage**-Gedächtnisfeier
vom Kulturministerium →
Jordaniens veranstaltet, bei der die Leistungen
des einheimischen Autors gewürdigt werden.
Der 1951 geborene Al Razzaz hat sich auch als Romancier sowie
als Kolumnist einen Namen gemacht. |
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| 25.
März |
2002 |
Die Süddeutsche Zeitung berichtet aus → Nigeria
von Safiya Husaini, einer wegen Ehebruchs zum Tode durch
Steinigung verurteilten Frau. Nach internationalen Protesten sei
die Nigerianerin von einem islamischen Berufungsgericht freigesprochen
worden. · (SZ) |
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23. April |
2002 |
"Welttag
des Buches und des Urheberrechts" (seit 1995, als die →
UNESCO
diesen Tag - Todestag von Cervantes und von Shakespeare - dazu
erklärte. |
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2002 |
Die deutschsprachige Allgemeine Zeitung, →
Namibia,
berichtet im Kulturteil von dem Erstlingsroman einer Autorin aus
→ Simbabwe:
"Alexandra Fullers Romandebüt ,,Don´t Let´s Go to the Dogs
Tonight (Laßt uns heute abend nicht vor die Hunde gehen)"
erzählt von einer afrikanischen Kindheit" ...
→
mehr dazu
· (AZ,
Namibia) |
| Juni |
2002 |
Ein Geschichtsprofessor der l'Université d'Antananarivo
namens Raharimanana wird nach einer Radiosendung über präkoloniale
Konflikte wegen Gefährdung der inneren Sicherheit → Madagaskars
verhaftet und gefoltert***.
Sein Sohn, der Schriftsteller Jean-Luc Raharimanana gibt seinen
Lehrberuf auf, um sich ganz der Verteidigung seines Vaters widmen
zu können. U.a. wendet er sich mit einer Eingabe an den frz.
Präsidenten Chirac und erzeugt somit Öffentlichkeit.
Am 23. August wird Raharimananas Vater, nachdem er zu zwei Jahren
Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden ist, wieder
freigelassen. |
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11. Juni |
2002 |
Der südafrikanische
Autor Fugard Athol wird 70. Jahre alt. Er wurde v. a. als Dramatiker
bekannt. Sein einziger, 1960 verfasster Roman Tsotsi, der
von den Rassenunruhen im Land der Apartheid handelt, durfte erst
20 Jahre später veröffentlicht werden. Berühmheit
wird der Stoff durch seine spätere Verfilmung und die Oscar-Verleihung
als Bester Ausländischer Film (2006) erlangen. |
| 13.
Juni |
2002 |
In der Rubrik At a glance bringt die englischsprachige
Ausgabe der halbamtlichen Kairoer Zeitung Al-Ahram mehrere
Kurzkritiken zu Neuerscheinungen aus dem Bereich Belletristik
aus →
Ägypten
sowie aus anderen arabischen Ländern, u.a. wird das Buch: Al-Nubi
(2001, Der Nubier) vom nubischen Autor Idris Ali vorgestellt:
Wie andere nubische Schriftsteller würde auch Idris Ali seinen
Fokus auf die Zeit der 60er Jahre richten, als die Nubier während
des Baus des Assuan-Staudamms aus ihrem Heimatland evakuiert wurden.
Das Thema der drei Kurzgeschichten und der beiden Romane in diesem
Buch konzentriere sich immer wieder auf diese Erfahrung und liefere
eine "namentlich tiefere und befriedigendere Beschreibung" davon.
Einige von Idris' früheren Werken litten unter einem schrillen
Ton, der in Al-Nubi aber nicht zu finden sei, ein Werk,
das "schön strukturiert und fein ausbalanciert" sei. Dies sei
ein Roman, der einlade zum Vergleich mit dem klassischen Werk
des nubischen Romanciers Mohamed Khalil Qasim: Al- Shamandoura.
Eine weitere Kritik behandelt das Buch eines sudanesischen Autors:
Die fiktionalisierte Autobiografie von Amir Tajesser, bekannt
geworden durch seinen 1998 veröffentlichten Roman Nar Al-Zagharid
(2001, Feuergeheul), sei in sechzig
kurze Szenen eingeteilt, in denen der Autor von seinen Erfahrungen
erzähle, die er während seiner Arbeit mit Stämmen im südlichen
→ Sudan
gewonnen habe. "Einige dieser Szenen sind von bemerkenswerter
Kraft und Intensität", aber dies sei nicht genug, heißt es in
der Kurzkritik, die Sammlung als Ganzes zu retten, wenn die abgeschlossene
Reihe einer Serie von Anekdoten mehr ähnele, als einem im Ganzen
umgesetzten Stück. · (Al-Ahram,
ÜE:
J.K.) |
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16. Juli |
2002 |
BBC meldet
den Gewinn des mit $ 15.000 dotierten Caine Prize For African
Writing, der an →
Binyavanga
Wainaina aus →
Kenia
für seine Kurzgeschichte Discovering Home gehe. Bei
einem Dinner im Oxford's Bodleian Museum habe die Vorsitzende
der Jury, die ägypt. Autorin Ahdaf Soueif die Story gelobt:
"Eine gekonnte und fein imaginierte Geschichte. Sie bewegt
sich mit Weisheit und Humor sowie Originalität zwischen verschiedenen
afrikanischen Schauplätzen, ein brillantes Zeichen für
die zukünftige Arbeit des Autors." Der in
→
Südafrika
lebende
Autor und Begründer des kenian. Literaturmagazins Kwani?
sei ein Reisejournalist, und ein Experte in Sachen Afrikanische
Küche. Als solcher habe er 13.000 Rezepte gesammelt.
Zur diesjährigen Jury gehörte u.a. der Autor →
Abdulrazak Gurnah.
Im vergangenen Jahr sei der Preis an den nigerianischen Autor
→
Helon
Habila für seine Kurzgeschichte Love Poems gegangen,
die Geschichte eines unter militärische Herrschaft inhaftieren
Dichters in Nigeria. · (BBC
NEWS, World Edition) .
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2002 |
Der mit 50.000 → Rand
dotierte Sunday Times Fiction-Award 2002 ging an → Ivan
Vladislavic für seinen Roman The Restless Supermarket.
Dies berichtet die südafrikanische Sonntagszeitung. Favorisiert
waren neben Vladislavics Roman, Imraan Coovadia: The Wedding,
Phaswane Mpe: Welcome To Our Hillbrow, K Sello Duiker:
The Quiet Violence Of Dreams sowie → Gillian
Slovo: → Red
Dust.
Vladislavics erster Roman The Folly, heißt es weiter,
sei mit dem CNA-Literaturpreis ausgezeichnet worden; The
Restless Supermarket ist der zweite, sehr ehrgeizige Roman
des 44 Jahre alten Autors.
Mit einer kauzigen Hauptfigur im Mittelpunkt beschreibt er den
Wandel einer Cafégesellschaft in Hillbrow, einem Vorort
von Johannesburg. Der Bericht betont die enorme Bedeutung der
Vertrautheit mit einem Ort im Schreiben des südafrikanischen
Autors. Verpasse man die Veränderungen eines Platzes, "verlierst
du dieses besondere Rüstzeug des Wissens und der Beobachtung"
... · (Sunday
Times, SA, ÜE:
J.K.)
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| zeit |
los |
Arabische und afrikanische Sprüche und Weisheiten:
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| 26.
August |
2002 |
Die
Süddeutsche berichet aus → Nigeria
von Proteste gegen den Schönheitswettbewerb:
"Nach dem Steinigungsurteil gegen die 31-jährige Amina
Lawal kritisieren islamische Fundamentalisten und die amtierende
Miss Norwegen die Austragung des Schönheitswettbewerbs in
Nigeria - aus unterschiedlichen Gründen." ...
Islamische Fundamentalisten sehen in den Miss-Wahlen "eine
Vergiftung der moralischen Atmosphäre des Landes und eine
Strategie, um durch die Ausbeutung von Frauen Geld zu machen"...
· (SZ) |
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| 29.
August |
2002 |
In Nigeria spricht ein Scharia-Gericht ein weiteres Steinigungsurteil
aus, so die Süddeutsche Zeitung:
"Die Richter der nigerianischen Bundesstaaten, die die Scharia
eingeführt habe, lassen sich von den zahlreichen internationalen
Protesten nicht beirren: Nach der Verurteilung Amina Lawals wurde
jetzt ein unverheiratetes Paar zum Tod verurteilt."
Vor diesem Hintergrund, heißt es weiter, habe der UN-Entwicklungsfonds
für Frauen die nigerianische Regierung aufgefordert, "ihre
Verpflichtung zum Schutz aller Bürger einzuhalten.
'Im 21. Jahrhundert darf das Recht einer Frau, sich ihre Partner
zu wählen, nicht ein Steinigungsurteil nach sich ziehen',
erklärte Fonds-Direktorin Noeleen Heyzer am Mittwoch in New
York..." · (SZ) |
| 9.
September |
2002 |
Die
syrische Regierung vergebe verschiedene Stipendien, schreibt die
liberianische Tageszeitung The Inquirer.
Sieben liberianische Studenten hätten kürzlich das Land
verlassen, um an verschiedenen Institutionen der Syrischen Arabischen
Republik Islamische Wissenschaften zu studieren. Die Vergabe der
Stipendien erfolgte im Rahmen einer Anfrage, die die liberianische
Regierung an den Generalkonsul der Syrischen Arabischen Republik
in Monrovia, Mohammed Idriss, gerichtet habe.
Dieser versprach "alles in seiner Macht stehende zu tun, um sicherzustellen,
dass die Anfrage von seiner Regierung berücksichtigt werde,
weil dies seiner Meinung nach eine der wichtigsten Hilfestellungen
sei, die ein wahrer Freund Liberias dem Land während dieser
sehr schwierigen Zeiten anbieten könne". (...) · (Inquirer,
ÜE:
J.K.) |
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2002 |
Der algerische Autor →
Yasmina
Khadra
in einem Interview der Literaturbeilage der Zeit über
Islamismus und das Bild des Menschen in → Algerien:
Während die Kommissar Llob-Reihe mit dem Protagonisten
den angepassten Durchschnittsbürger mit seiner Angst vor
Vorgesetzten darstelle, entwerfe der Roman →
Wovon
die Wölfe träumen das Bild des enttäuschten,
(oft) jungen Menschen, der der Ideologie des Islamismus erliege.
Khadra sagt, es sei ein Glück, dass Algerien die GIA (Groupe
islamique armé, gegründet 1989, gilt als die aggressivste
islamistische Gruppe Algeriens) bekämpfe. "Wenn die
Islamisten in Algerien Erfolg gehabt hätten, dann, das
versichere ich Ihnen, könnte Europa nie mehr in Frieden
leben ..." Er selbst habe - nach knapp einem Jahr im französischen
Exil - keine Angst. Denn Angst sei der "Lebensraum des Terrorismus".
· (Literaturbeilage
der Zeit) |
| 22.
Oktober |
2002 |
Anlässlich einer Lesung von →
Ahmadou
Kourouma aus →
Côte
d'Ivoire im Haus der Kulturen der Welt in Berlin schreibt
die tageszeitung: "... in Afrika kann man kaum an
Ahmadou Kourouma
vorbei lesen, der die Literatur des Kontinents wesentlich beeinflusste
..."
Ahmadou Kourouma schrieb seinen neuen Roman
→
Allah muss nicht gerecht
sein laut taz "...auf Bitten von Kindersoldaten
in →
Somalia,
und genau um deren Schicksal geht es in dem gerade auch auf Deutsch
erschienenen Buch." · (taz-Berlin) |
| 26.
Oktober |
2002 |
In
der Tageszeitung Le Soleil aus dem →
Senegal
stellt die dort beheimatete Schriftstellerin Aminata Sow Fall
ihren neuen Roman Festin de la détresse (Festschmaus
des Elends) vor.
→
mehr dazu · (Le
Soleil, ÜF:
J.K.) |
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2002 |
Goretti Kyomuhendos Respektbezeugung für → Chinua Achebe
in der ugandischen Tageszeitung New Vision, anlässlich
der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an
den nigerianischen Autor ...
→
mehr dazu
· (Goretti
Kyomuhendo, New Vision, ÜE:
J.K.) |
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| 14.
November |
2002 |
Boutros
Boutros Ghali, ägypt. Politiker und ehemaliger Generalsekretär
der UNO, wird 80 Jahre alt. |
| 23.
November |
2002 |
Nach
den Unruhen in → Nigeria
werde die Miss-World-Wahl nun nach London verlegt, berichtet die
Süddeutsche Zeitung:
Die seit Tagen anhaltenden schweren Unruhen anlässlich der
Miss-World-Wahl zwischen Christen und Muslimen in Nigeria hätten
ca. 100 Opfer gefordert, 500 weitere seien verletzt worden.
"... Anlass des Aufruhrs, der am Mittwoch in der Stadt Kaduna
begann, war ein Zeitungsartikel, in dem die Kritik von Muslimen
an der Miss-World-Wahl in der nigerianischen Metropole zurückgewiesen
wurde. Der Verfasser schrieb, selbst der Prophet Mohammed hätte
vielleicht eine Kandidatin zur Frau genommen, was von Fundamentalisten
als Beleidigung ihres Glaubens aufgefasst wurde."
Auch nach der Verlegung des Wettbewerbs nach London dauern die
gewalttätigen Ausschreitungen in Nigeria an. "Hunderte
bewaffnete Moslems zogen nach Augenzeugenberichten randalierend
durch die nigerianische Hauptstadt Abuja. In Kaduna kam es zu
heftigen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften."
· (SZ)
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2002 |
→
Ahmadou Kourouma,
ivorischer Schriftsteller frz. Sprache, wird heute 75 Jahre alt. |
| |
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Mohammed Moulessehoul alias →
Yasmina
Khadra finde für den Horror des algerischen Bürgerkriegs
blumige Worte, schreibt Peter Münder in der Frankfurter
Rundschau:
"Ich habe meinen ersten Mann am Mittwoch, dem 12. Januar
1994, getötet", berichte der junge Ich-Erzähler
Nafa Walid. Er erschießt einen Anwalt, der verurteilte Terroristen
zu lax verteidigt haben soll. Nach anfänglichen Skrupeln
habe er "die nächsten Auftragsmorde fast schon reflexartig,
ohne große Bedenken" ausgeführt. →
"Wovon
die Wölfe träumen liefert als modernes Stationendrama",
so Peter Münder, "einen Einblick in die Killer-Karriere
eines sensiblen Jugendlichen, dem ein verrottetes Gesellschaftssystem
keine Chancen bietet. Nach vielen Demütigungen erlebt Walid
bei den Fundamentalisten zum ersten Mal so etwas wie ein intaktes
Selbstwertgefühl, weil diese ihn ernst nehmen ..."
Während seiner Dienstzeit als Major in der algerischen Armee
hat der Autor Mohammed Moulessehoul Romane und in erster Linie
Krimis (→
Morituri,
→
Doppelweiß,
→
Herbst
der Chimären) unter dem weiblichen Pseudonym Yasmina
Khadra veröffentlicht. Um die für Militärs obligatorische
Vorzensur zu unterlaufen, benutzte er die Vornamen seiner Frau.
Inzwischen ist seine wahre Identität bekannt, der Autor lebt
in Südfrankreich ..." · (Peter
Münder, FR Online) |
| 12.
Dezember |
2002 |
→ Wole
Soyinka kommentiere im Vorwort seines zuletzt erschienen Gedichtbandes,
so die New York Times, in harschem Ton den Missbrauch von
Religion in → Nigeria
anlässlich des Versuchs den "Miss World-Schönheitspomp"
abzuhalten, der mehr als 200 Opfer gekostet habe. "In diesem Land,
ist Religion benutzt worden, sie ist benutzt worden für kurzsichtige,
engstirnige politische Zwecke", zitiert The New York Times
Wole Soyinka. · (NYT,
ÜE:
J.K.) |
| 19.
Dezember |
2002 |
Unter dem Titel "Ibn Chalduns Auferstehung" berichtet
die ägypt. Wochenzeitung Al-Ahram vom diesjährigen
Gewinn der → Nagib
Machfus
Medaille für Literatur, die von der Amerikanischen Universität
Kairo gestiftet wird. Der Preis geht an den marokkan. Romancier
Bensalem Himmich für seinen Roman Al-Allama (The Polymath),
der im Original 1997 in Beirut und 2001 in Rabat veröffentlicht
worden ist. "Al-Allama ist die fiktive Biographie
→
Ibn
Chalduns, des berühmten Gelehrten des 14. Jahrhunderts;
sie rekonstruiert dessen persönliches und intellektuelles
Universum, fokussiert auf die in → Ägypten
und → Syrien
verbrachten Jahre." ... · (Al-Ahram,
ÜE:
J.K.) |
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2002 |
Im Alter von 82 Jahren stirbt der → südafrikanische Schriftsteller
und Dichter Tatamkhulu Afrika an den Folgen eines Autounfalls.
|
| Tatamkhulu
Afrika:
Bitter Eden |
Der in → Ägypten
geborene Autor kam als Kind nach → Südafrika,
wo er sich später dem militärischen Flügel des
→
ANC
anschloss. Seinen ersten Roman Broken Earth schrieb er
im Alter von 17 Jahren. Erst nach über vierzig Jahren erschien
ein weiteres literarisches Werk von ihm, der Gedichtband Nine
Lives. Es folgten weitere Gedichtbände, für die
er mehrfach ausgezeichnet wurde und drei Romane, wovon der letzte,
Bitter Eden, erst vor zwei Wochen, anlässlich des
82. Geburtstags des Autors, in Kapstadt präsentiert wurde.
Das Manuskript der ersten Fassung von Bitter Lemon wurde
von der SS vernichtet, als Tatamkhulu Afrika während des
2. Weltkriegs als Angehöriger der südafrikanischen Armee
in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. |
| 26.
Dezember |
2002 |
"Poeten
gegen Krieg"
In einer Kurzmeldung berichtet die halbamtliche Kairoer Zeitung
Al-Ahram Weekly von der 18. Runde des Marbad Poetry Festivals,
das vergangene Woche in Bagdad stattgefunden habe "inmitten
der Furcht eines kurz bevorstehenden amerikanischen Angriffs
auf den → Irak".
Laut irakischen Zeitungen besuchten ca. 400 Dichter und Literaten
das Festival, um den Irak zu unterstützen. "Lyrik
des irakischen Dichters Abdel-Raziq Abdel-Wahid, des Palästinensers
Youssef Al-Khatib, des Syrers Shawqi Baghdadi und des Libanesen
Abdel-Karim Shamseddin wurde während des ersten Treffens
gelesen." · (Al-Ahram,
ÜE:
J.K.) |
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Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
**
Die Trauerzeit für Verstorbene beträgt nach islamischen
Brauch meist 40 Tage
*** Vgl. Interview
des madagassischen Radiosenders Echo du Capricorne mit
Jean-Luc Raharimanana.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus
dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus
dem Französischen: Janko Kozmus © |
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Quellen:
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Sach-
und Personenregister |
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