Literatur
DIE MARABOUT-SEITE
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CHRONIK
 
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
NIGERIA (Teil I: 1921 - 2000)
Stand: 09.09.12
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April
1921
In der britischen Kronkolonie Nigeria, dem Bundesstaat Delta, in Bomadi, wird der spätere anglophone Dichter und Romancier Gabriel Okara geboren.
26. September
1921
Im nigerianischen Westen, in Minna, wird der spätere anglophone Schriftsteller Cyprian Ekwensi geboren.
18. Februar
1930

Mabel Aig-Imoukhuede wird in Ondo, Nigeria, geboren. Sie wird später unter dem Namen Mabel Segun als Sportlerin sowie als Dichterin und Kinderbuch-Autorin von sich reden machen.

Mabel Segun u. Neville J.H. Grant (Hg.)
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15. November
1930
In Ogidi, im Osten Nigerias, wird als fünftes von sechs Kindern  Albert Chinualumogu Achebe geboren. Sein Vater ist Katechist und Lehrer der Church Missionary Society, die Familie gehört dem Volk der Ibo an.
18. Januar
1931
In Oguta, im zentralen Osten Nigerias, wird als Tochter des wohlhabenden und einflussreichen Lehrerehepaares Christopher Ijeoma und Martha Nwapa Florence Nwanzuruahu Nkiru Nwapa geboren, die später unter ihrer Namenskurzform  Flora Nwapa als Vorreiterin afrikanischer Frauenliteratur Berühmtheit erlangen wird.
16. August
1932
Im östlichen Nigeria, in Ojoto, wird der spätere Lyriker  Christopher Okigbo in eine katholische Familie hineingeboren.
12. Mai
1934
In Aluu wird als Sohn von Daniel Wonuchuku und Enwere (Weke) Amadi der künftige Schriftsteller Elechi Amadi geboren.
13. Juli
1934
In Isara bei Abeokuta, in Westnigeria, wird als zweites von sieben Kindern eines Schulrektors und einer Mutter, die einen Kleinhandel betreibt,  Akinwande Oluwole Soyinka geboren.
6. April
1935
John Pepper Clark, der spätere nigerianische Dramatiker engl. Sprache, wird geboren.
21. Juli
1944
In Nigerias Hauptstadt Lagos wird als Tochter der Alice Okwuekwu Emecheta und des Eisenbahnarbeiters Jeremy Nwabudike die spätere Schriftstellerin  Buchi Emecheta geboren.
16. Juni
1946
Babafemi Adeyemi Osofisan, der spätere nigerianische Schriftsteller, wird in Erunwon, im Bundesstaat Ogun, geboren. Als Femi Osofisan wird er in erster Linie als Dramatiker bekannt werden, seine Sücke werden zu den meistgespielten in Nigeria zählen.
29. September
1947
In Benin City, der Hauptstadt des nigerianischen Bundesstaates Edo wird der künftige Schriftsteller  Festus Iyayi geboren.
Oktober - November
1947
Die Marktfrauen und (Klein-)Gewerbetreibenden im nigerianischen Abeokuta, zu denen auch Wole Soyinkas Mutter zählt, erheben sich gegen die sie betreffenden willkürlichen Steuererhöhungen. Wole Soyinka, der als 13-jähriger Bote zwischen den Organisatorinnen pendelt, wird sich in seinen Erinnerungen Aké. Jahre der Kindheit später an dieses Schlüsselerlebnis erinnern, das zu seiner Politisierung mit beitrug. Eine der Hauptinitiatorinnen der Steuerrevolte ist Funmilayo Ransome-Kuti, die mit der Familie Soyinka befreundet ist.
21. Februar
1959
Uraufführung des Soyinka-Dramas The Lion and the Jewel (dt: Der Löwe und die Perle) am Art Theatre Ibadan, Regie: Geoffrey Axworthy.
15. März
1959
In der westnigerianischen Stadt Minna wird der spätere Schriftsteller  Ben Okri geboren.
1. Oktober
1960
Am Tag der Unabhängigkeit Nigerias von Großbritannien wird das Soyinka-Drama A Dance of the Forest (dt: Tanz der Wälder) in Ibadan uraufgeführt. Regie führt Wole Soyinka selbst, der dieses Stück eigens für die Unabhängigkeitsfeiern verfasste, jedoch alle Erwartungshaltungen frustriert, da er nicht eine romantisierte, präkoloniale Ära offeriert, sondern auch diese als eine fortwährende Verkettung von Unterdrückung und Herrschaft entlarvt.
Juli
1961
In Ibadan wird von einer Gruppe von Schriftstellern und anderen Künstlern der Mbari Club gegründet. Neben den einheimischen Schriftstellern und Lyrikern Wole Soyinka, John Pepper Clark und Christopher Okigbo sowie dem Designer und Architekt Demas Nwoko, dem Maler Uche Okeke gehört Ulli Beier, der Herausgeber des Literaturmagazins Black Orpheus zu den Gründungsmitgliedern. Der südafrikanische Schriftsteller Ezekiel Mphahlele, der als ANC-Mitglied 1957 nach Nigeria emigrierte, ist der erste Präsident des Clubs.
9. Dezember
1963
Im Alter von ungefähr 60 Jahren stirbt mit Daniel Olorunfemi Fagunwa der Begründer des Romans in der Sprache der Yoruba. Fünf Jahre später wird Wole Soyinka, der diesen Autor schon als Schüler bewunderte, sein Werk Ogboju Ode Ninu Igbo Irunmale frei ins Englische übersetzen: The Forest of a Thousand Daemons: A Hunter's Saga (Der Wald der tausend Dämonen: Eine Jägersaga).
Oktober
1965
Aktive Beteiligung Soyinkas gegen Vorwahl- und Wahlfälschungen in der Western Region; am Wahlabend überfällt er mit einer Pistole bewaffnet den lokalen Rundfunk, zwingt den Techniker die Siegesrede des Premiers Akintola durch ein Band mit dem "Aufruf an das Volk zum Aufstand" zu ersetzen. Nach der Rückkehr von einer zweiwöchigen, daran anschließenden "Dienstreise" wird er in Gewahrsam genommen und vor Gericht gestellt, aber freigesprochen.**
September
1967
Im Alter von 35 Jahren fällt Christopher Ifekandu Okigbo, Major der Armee Biafras, die sich im Krieg mit den nigerianischen Truppen befindet. Diese starteten am 6. Juli ihren ersten Angriff gegen Biafra, das in Person des Militärgouverneurs Chukwuemeka Odumegwu, Angehöriger der Igbo, am 30. Mai seine Unabhängigkeit von Nigeria erklärt hatte. Voraus gegangen waren Pogrome von moslemischen Volksgruppen im Norden Nigerias an christlichen Igbos, die zur Abwanderung dieser in den Osten, wo hauptsächlich christianisierte Igbos leben, führten.
Bis zum Kriegsausbruch betrieb Okigbo gemeinsam mit  Chinua Achebe einen Verlag und publizierte unter dem Namen Christopher Okigbo - viel beachtete - Gedichte u.a. in dem von Ulli Beier herausgegebenen Literaturmagazin Black Orpheus. Als Buchveröffentlichungen erschienen zu seinen Lebzeiten: Heavensgate (Himmelstor). Ibadan 1962
Limits (Grenzen). Ibadan 1964
Silences (Stillen, 1965)
13. Oktober
1967
Im Norden Nigerias, in Kafanchan, wird der spätere Schriftsteller Biyi Bandele-Thomas geboren.
November
1967
Helon Habila, späterer Schriftsteller, wird im nigerianischen Kaltungo geboren.
5. Januar
1975
In Lagos wird der künftige Schriftsteller Jude Dibia geboren.
15. September
1977
Die spätere Schriftstellerin  Chimamanda Ngozi Adichie wird in Abba, im nigerianischen Bundesstaat Enugu, als drittes von sechs Kindern von Grace und James Adichie geboren; ihr Vater ist Statistik-Professor und Vizekanzler der University of Nigeria, Nsukka, an derselben Universität ist die Mutter tätig.
19. Oktober
Der regimekritische nigerianische Journalist u. Begründer des Wochenmagazins Newswatch Dele Giwa wird durch eine Briefbombe getötet. Frau u. Tochter, die sich zu dem Zeitpunkt im Haus befinden, bleiben unverletzt.
15 Jahre später wird es der damalige Diktator Ibrahim Babangida verweigern, vor einer Menschenrechtskommission zu dem Attentat Stellung zu beziehen.
 
1991

Die 1969 in Ibadan geborene Autorin
Toyin Adewale-Gabriel ist maßgeblich an der Gründung der Organisation Women Writers of Nigeria beteiligt.

 

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16. November
Mit Termitenhügel in der Savanne habe  Chinua Achebe ein mehr als 20jähriges Schweigen als Romanschriftsteller durchbrochen, schreibt Joachim Sartorius in der taz. Das komme einer Sensation gleich. Denn Achebe "gilt als wichtigster Romancier Nigerias, wenn nicht ganz 'Schwarzafrikas'." (Joachim Sartorius, taz)
26. Juli
Die taz berichtet über den seit vier Wochen andauernden Streik der Ölarbeiter in Nigeria. Damit werde die vom Ölexport abhängige Wirtschaft des Landes lahm gelegt.
"Am Sonntag schaltete sich auch Literaturnobelpreisträger  Wole Soyinka in die Proteste ein: Er leitete mit einigen hundert Anhängern einen 'Marsch für die Freiheit' durch Lagos." (taz)
zeit
los
Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:
19. September
1993
Die taz meldet aus Lagos, der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka sei lt. Angaben des Menschenrechtskomitees CDHR unter Hausarrest gestellt worden. · (taz)
16. Oktober

 

1993

Im Alter von 62 Jahren stirbt mit Flora Nwapa eine Vorreiterin afrikanischer Frauenliteratur.
Nwapa, hatte neben ihrer Tätigkeit als Pädagogin - sie lehrte u.a. an us-amerikanischen Universitäten wie der New York University - auch Verwaltungsämter inne.
Ihre Karriere als Schriftstellerin englischer Sprache begann im politischen Krisenjahr 1966 mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans Efuru; gleichzeitig das einzige Buch der Autorin, das in dt. Übersetzung erschien (Efuru. Göttingen 1997): Vor einer ländlichen Idylle wird das Leben der Heldin Efuru beschrieben, die sich gezwungen sieht, gegen männlich dominierte Traditionen, einen neuen - selbständigen - Weg zu beschreiten. Das Schicksal der - nigerianischen - Frau spielt auch in weiteren Werken Nwapas eine herausragende Rolle, wie beispielsweise in ihrem zweiten Roman Idu (1970) oder den Erzählungssammlungen Wives at War and Other Stories (Frauen im Krieg) und Women Are Different (1986, Frauen sind anders). Ihr letzter Roman The Lake Goddess (1995), den sie kurz vor ihrem Tod fertiggestellt hatte, erschien posthum.
FLORA NWAPA: EFURU bei amazon bestellen Das Skript ihres ersten Romans Efuru hatte Nwapa an
 Chinua Achebe geschickt, der dieses an Heinemann Educational weiterleitete, wo der Roman angenommen wurde. Nach der Veröffentlichung ihres zweiten Romans im selben Verlag war Flora Nwapa jedoch mit der Förderung ihrer Bücher unzufrieden und gründete 1974 mit Tana Press, Ltd einen eigenen Verlag. 1977 folgte mit Flora Nwapa Books eine weitere Verlagsgründung. Fortan veröffentlichte sie, neben anderen Werken, ihre eigenen Bücher in diesen beiden Verlagen, dazu gehörten auch etliche Kinderbücher.

22. November
1994
Mithilfe einer List, so die taz, sei es Wole Soyinka endlich gelungen, Nigeria zu verlassen. Ihm sei durch die Behörden seines Landes die Ausreise mehrmals verweigert worden.
"Soyinka hält sich jetzt in Paris auf. Er hatte am Wochenende Nigeria heimlich verlassen. Aus französischen Diplomatenkreisen war zu erfahren, daß der Autor über den Nachbarstaat Benin ausgereist sei, wo er ein französisches Visum bekommen habe." (taz)***
26. Mai
"Ein leidenschaftlicher Ruf aus einem nigerianischen Gefängnis".
So betitelt die südafrikanische Wochenzeitung Mail & Guardian einen Brief des nigerianischen Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa, der diesen der Redaktion aus einem Militärhospital seines Landes zukommen ließ.
mehr dazu · (Mail & Guardian, ÜE: J.K.)
1. November
1995.
Die taz berichtet, dass der alternative Nobelpreisträger Ken Saro-Wiwa gestern in Nigeria mit drei Mitstreitern zum Tode verurteilt worden ist. So verhindere das Militärregime den Kampf gegen die Ölkonzerne um das ölreiche Ogani-Land im Niger-Delta ...
Dazu der Literaturnobelpreisträger  Wole Soyinka, den die taz zitiert: "Abacha wird erst zufrieden sein, wenn er alles zerstört hat, was er geistig nicht fassen kann." (taz)
9. November
1995
Bestätigung des Todesurteils gegen Ken Saro-Wiwa durch das nigerianische Militärregime trotz weltweiter Proteste.
"Die nigerianische Militärjunta scheint fest entschlossen, der Opposition im Lande das Genick zu brechen: Am Mittwoch hat das Regime das Todesurteil gegen den Schriftsteller Ken Saro-Wiwa einstimmig bestätigt ... Das Todesurteil gegen Saro-Wiwa ... war weltweit scharf kritisiert worden..." Die taz nennt die Menschenrechtsorganisationen amnesty international und Human Rights Watch Africa, den Börsenverein des deutschen Buchhandels, außerdem "zahlreiche Schriftstellerkollegen, darunter der nigerianische Nobelpreisträger Wole Soyinka. Ken Saro-Wiwa war unter fadenscheiniger Beweislage des Mordes an vier Mitstreitern des Mosop beschuldigt worden. Zwei Belastungszeugen gaben später an, sie seien bestochen worden." (taz)
11. November
1995
Trotz weltweiter Proteste sind am gestrigen Freitag, so die Berliner Zeitung, "neun zum Tode verurteilte Vertreter der Ogoni-Minderheit in Nigeria (...) hingerichtet worden, darunter auch der Autor und Bürgerrechtler Ken Saro-Wiwa. Das Urteil ist um 11.30 Uhr MEZ im Gefängnis von Port Hartcourt vollstreckt worden. Die Bundesregierung nahm die Nachricht mit Entsetzen und Bedauern auf." (Berliner Zeitung)
14. November
1995
Die tageszeitung dokumentiert eine Erklärung des Internationalen Schriftstellerparlaments zum Todesurteil gegen den nigerianischen Schriftsteller Ken Saro-Wiwa ...
mehr dazu 
· (taz)
10. April
Die Berliner Zeitung berichtet von wachsendem Druck auf Nigerias Regime. Während die Regierung die demokratische Fassade aufgibt, indem sie eigene Truppen ein Hotel in der nigerianischen Stadt Port Harcourt abriegeln lässt, so dass Vertretern der Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes, die mit einer Menschenrechtsdelegation der UNO sprechen wollten, der Zutritt verweigert ist, formiert sich der Widerstand nach der Hinrichtung von Ken Saro-Wiwa und 8 anderen Oppositionellen neu:
13 demokratische Oppositionsgruppen Nigerias haben auf Parallel-Tagungen in Johannesburg und Oslo beschlossen, die "Vereinigte Demokratische Front Nigerias" (UDFN) als Dachorganisation zu gründen, Motor dieses Beschlusses ist der nigerian. Nobelpreisträger  Wole Soyinka, den die Berliner Zeitung mit folgenden Worten zitiert: "Wir haben keine Zeit mehr (...) Jeden Tag werden Regimegegner ins Gefängnis geworfen, werden Landsleute gefoltert, wird Nigeria von den korrupten Herrschern ruiniert." Soyinka befürchtet, dass weitere inhaftierte Ogoni-Führer vor ein Sondertribunal gestellt und hingerichtet werden könnten und ermahnt die Welt endlich einzugreifen.
· (Berliner Zeitung)
22. August
1996
Die taz meldet sich aus London, wo der Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka sich im BBC-Fersehen zu Angriffen nigerian. Geheimdienstler äußerte. Er selbst sei bereits zum Ziel der nigerianischen Militärdiktatur geworden. "Er
fürchte sich besonders vor Säureangriffen ins Gesicht. In Nigeria werde dies häufig getan, um Oppositionelle zum Schweigen zu bringen. Ein früherer Agent bestätigte vor der Kamera, daß das Militär Mitglieder der Demokratiebewegung im Ausland verfolge. Die nigerianische Botschaft wies die Vorwürfe zurück."
·  (taz)
27. September
1996
Der Exstaatschef von Nigeria würde einen guten UN-Generalsekretär abgeben, stellt Marion Gräfin Dönhoff in der Zeit respektvoll fest:
"Was für ein Wahnsinn: Da gibt es kaum eine Handvoll wirklicher Staatsmänner in Afrika, aber unter dem Militärdiktator von Nigeria wird der neben Nelson Mandela wichtigste Mann zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt. Olusegun Obasanjo - 'Das Gewissen der Nation', unermütlicher Streiter gegen Korruption und für Gerechtigkeit und Demokratie, wurde auf dem Flugplatz von Lagos verhaftet, als er im vorigen Jahr vom Weltsozialgipfel in Kopenhagen zurückkam. Er wurde in einem Geheimprozeß wegen eines angeblichen Putschversuches verurteilt; der Hauptzeuge war schwer gefoltert worden..."
Und fast ins Schwärmen für den Exstaatschef von Nigeria gerät Marion Gräfin Dönhoff, wenn sie sagt, wie schön es wäre, "wenn er als Nachfolger von Butros-Ghali Generalsekretär der UN würde: ein Mann, dem es gelungen ist, ohne Gewalt ein Militärregime in eine zivile Regierung zu verwandeln, der Mitglied vieler internationaler Kommissionen war, dem mehrere Ehrendoktorwürden verliehen wurden und den die Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Menschenrechtspreis 1996 auszeichnete. "
·  (Zeit)
2. Oktober
1996
In einem Artikel von Ortrun Egelkraut berichtet die Berliner Zeitung von Wole Soyinkas Theaterstück The Beatification of Aerea Boy (Die Seligsprechung des Area-Jungen), das am heutigen Tag im Berliner Podewil Deutschlandpremiere habe.
Wole Soyinka verbinde in dem Stück, "traditionelle Mythen mit modernen Stilmitteln, hinterfragt kritisch alte und neue Götter, soziale und politische Konflikte". (...)
Mit einem Hinweis auf Wole Soyinkas politisches Engagement schließt der Bericht: Wole Soyinka versuche "unermüdlich" die westliche Welt zu Sanktionen gegen das Militärregime in seiner Heimat Nigeria zu bewegen.
·  (Berliner Zeitung)
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13. März
"Der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka und 14 weitere Nigerianer sind wegen Landesverrats angeklagt worden", meldet die taz aus Lagos. In Abwesenheit von Soyinka und drei seit kurzer Zeit im Exil lebenden Angeklagten wurde die Anklageschrift verlesen. "Die 15 Nigerianer sind angeklagt, 'Explosionen in verschiedenen Teilen Nigerias' verursacht zu haben mit dem Ziel, die Staatsführung einzuschüchtern." (taz)
8. Juni
1997
Der nigerian. Erzähler Amos Tutuola, 1920 in Abeokuta in ärmlichen Verhältnissen geboren, stirbt in Ibadan, Nigeria. Als sein Hauptwerk gilt der 1952 erschienene Roman The palm-wine drinkard (dt: Der Palmeintrinker).
2. Juli
1997
"Lassen Sie mich gleich sagen", zitiert die taz  Wole Soyinka, "Folter der schlimmsten, unvorstellbarsten Art ist in Nigeria eine feste Einrichtung geworden." Soyinka geht auf das Beispiel von Bello Fadile ein, der im Zusammenhang eines angeblichen Putschversuchs verhaftet worden war. Er sei sinnlos gefoltert worden, "bis er zusammenbrach und gegen Obansanjo aussagte". Obansanjo, das ehemalige Staatsoberhaupt, sei, so die taz, in dieser Sache verhaftet worden.
Soyinka fährt in seiner schonungslosen Kritik fort: "Auch Oberst Lawan Gwadabe wurde gefoltert, auf brutale, schmutzige, obszöne Weise. Er wurde an den Füßen aufgehängt, mit Fäkalien überschüttet und bekam Elektroschocks. Dann holte man seine Freundin, die zusehen mußte. Auch sie wurde, so weit ich weiß, kurze Zeit festgehalten.
Wir haben es also mit dem Abschaum der Menschheit zu tun, wenn wir von denen reden, die zur Zeit mit der sogenannten Kunst des Regierens in Nigeria beschäftigt sind. Hauptzweck all dessen ist natürlich, der gesamten Opposition zu zeigen, daß Abacha vor nichts und niemandem haltmacht. Das wollen sie jedem ins Gedächtnis brennen." (taz)
1. August
1997
"Der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka wird in seinem Heimatland wegen 'Landesverrats' mit Haftbefehl gesucht", meldet die taz. Soyinka und drei andere führende Vertreter der Exil-Opposition wurden am Mittwoch von der nigerian. Militärdiktatur zur Fahndung ausgeschrieben. "Der Haftbefehl ist die Grundlage für Auslieferungsanträge." (taz)
29. September
1997

50. Geburtstag des in Benin City geborenen Schriftstellers Festus Iyayi.
Nach dem Studium der Ökonomie in Kiew und in Bradford, wo er promovierte, kehrte Iyayi 1980 in seine Heimatstadt zurück, wo er an der dortigen Edo State University (veraltet: Bendel State U.) bis zum heutigen Tag lehrt und sich in der radikalen Union der Universitätsangestellten (Academic Staff Union of Universities, ASSU) organisiert; 1986 wurde er Vorsitzender der ASSU. Ein Jahr darauf wurde er als Oppositioneller für kurze Zeit inhaftiert.
1986 erschien nach Violence (London 1979) und The Contract (London 1982) mit Heroes (London 1986) Iyayis dritter und vorerst letzter Roman. 1987 wurde Heroes mit dem nationalen Buchpreis der Association of Nigerian Authors (ANA) und 1988 mit dem Commonwealth Writers' Prize ausgezeichnet. 1996, während der Zeit der Militärdiktatur des Sani Abacha, erschien in Lagos die Kurzgeschichtensammlung Awaiting Court Martial (Warten auf's Kriegsgericht).
Iyayis Schreiben ist dem sozialen Realismus verpflichtet und lehnt sich an die marxistische Begrifflichkeit an. Heroes wird gelegentlich als der erste proletarische Roman Nigerias bezeichnet.

13. Oktober
1997
Der nigerianische Schriftsteller Biyi Bandele-Thomas wird 30 Jahre alt. Schon vor diesem Geburtstag hat das vielseitige Talent zahlreiche Bücher - Theaterstücke, Romane sowie Lyrik - veröffentlicht. Im deutschsprachigen Raum bekannt geworden ist der Autor mit seinen beiden Romanen Bozo David Hurensohn und Kerosin Mangos, wovon der letztere als das reifere Werk gilt.
2. Januar

Manfred Loimeier begrüßt in der taz das Erscheinen der deutschen Übersetzung von Sozaboy, einem Roman des nigerianischen Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa. mehr dazu · (Manfred Loimeier, taz)

1. Mai
1998

Für die inhaftierte nigerian. Journalistin Christina Anyanwu, die seit 1995, "nachdem sie einen kritischen Artikel über die Miltärregierung geschrieben hatte" in Haft ist, empfing ihr Landsmann  Wole Soyinka den von der UNESCO gesponserten Press Award, der für Beiträge zur Verteidung der Pressefreiheit übergeben wird, "insbesondere solche, die ein Risiko beinhalten". · (BBC World)

10. Juni
1998
Anlässlich des überraschenden Todes des nigerian. Militärmachthabers Sani Abacha, der einem Herzanfall erlegen sein soll, so die Berliner Zeitung, meldete sich der renommierte nigerian. Schriftsteller Wole Soyinka vor Reportern in Jerusalem zu Wort. Die Berliner Zeitung zitiert ihn:
"Die Nigerianer haben die Militärdiktatur satt." Abachas Tod sei "eine Gelegenheit für die nigerianische Gesellschaft und für das nigerianische Militär", zur Demokratie zurückzukehren. Eine Sicht, die die Regierungen der USA, Großbritanniens und Deutschlands teilen; sie fordern den neuen Militärmachthaber General Abdulsalam Abubakar zur Rückker zur Demokratie auf.
· (Berliner Zeitung)
16. Oktober
1998
Die tageszeitung zur Rückkehr des nigerian. Nobelpreisträgers Soyinka in seine Heimat: Am Mittwoch abend haben Tausende von Oppositionsanhängern  Wole Soyinka in Lagos begrüßt: "Sie trugen ihn auf den Schultern und riefen Parolen wie 'Willkommen unser König!'" Vorerst wolle Soyinka ein bis zwei Wochen in Nigeria bleiben.
Die taz verweist auf die politische Dimension dieses Ereignisses, denn der Besuch Soyinkas unterstreiche die Liberalisierung des Landes, die es seit dem Tod des Militärdiktators Sani Abacha erlebe. Dessen Nachfolger Abdulsalam Abubakar wolle nach Wahlen im Februar 1999 die Macht am 29. Mai an einen gewählten Nachfolger abgeben. "Doch ausgerechnet jetzt beginnt das politische Klima sich wieder zu verdüstern. Oppositionsgruppen klagen über Unregelmäßigkeiten bei der Wählerregistrierung ..."
· (taz)
29. August

Norimitsu Onishi schreibt in der New York Times: "Dinge ändern sich"
 Chinua Achebe, der nigerianische Schriftsteller, dessen Roman Things Fall Apart einer der meistgelesensten Werke afrikanischer Literatur in den Vereinigten Staaten sei, kehrte nach 9-jähriger Abwesenheit für einen Besuch in sein Geburtsland zurück.
"Der 69-jährige Achebe verließ Nigeria, in dem kürzlich nach 16 Jahren die erste Zivilregierung ihr Amt übernahm, um sich in Amerika einer medizinischen Behandlung zu unterziehen, die nach einem Autounfall notwendig geworden war, bei dem er von der Hüfte abwärts gelähmt wurde. Obwohl er nicht als Exilant betrachtet wird, wurde Achebes Ankunft als ein Schritt positiver Entwicklung gewertet in einem Land, dessen Militärmachthaber wenig Kritik tolerierten und 1995 international geächtet wurden, nachdem sie den Schriftsteller und politischen Kritiker Ken Saro-Wiwa gehängt hatten." (NYT, ÜE: J.K.)

November
1999
Nachdem Nigeria fünfzehn Jahre militärischer Herrschaft hinter sich gelassen hat, lernt der 1967 geborene Schriftsteller Helon Habila mit dem Dichter Odia Ofeimun einen seiner literarischen Heroen kennen. - Vgl. Granta Writers Diary 2010.
6. November
"Literarische Diaspora trinkt auf das Wohl einer der ihren", betitelt SOMINI SENGUPTA seinen Artikel für die New York Times. Am 3. u. 4. November trafen sich Kollegen und Freunde des nigerian. Romanciers Chinua Achebe zu Ehren seines 70. Geburtstags am New Yorker Bard College, wo dieser unterrichtet. Die Veranstaltung zog "einflussreiche schwarze Schriftsteller und Dozenten" an. Unter ihnen befanden sich Toni Morrison, Wole Soyinka,  Ngugi wa Thiong'o, K. A. Appiah,  Nurrudin Farah und viele andere (...) · (NYT)
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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
** Angaben nach Soyinkas Erinnerungen: Ibadan. Streunerjahre. Siehe dazu auch den spannenden Bericht von Gerd Meuer, dem deutschen Übersetzer Soyinkas Die ›penkelemes years‹ in Ibadan.
*** Dieser Eintrag war bis zum heutigen Tag - 16.02.2008 - irrtümlicherweise dem Jahr 1993 zugeordnet. Ich bitte dies zu entschuldigen. - J. K.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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Quellen

.. . Sach- und Personenregister
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