DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Chroniken: 2008_1.Quartal

Stand: 31.08.09

 

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2008
chrAbs Januar - März
4. Januar.
2008
"Kenianische Universitäten verschieben Beginn des Lehrbetriebs"
"Verschiedene Universitäten haben ihre Öffnung infolge der gewalttätigen Auseinandersetzungen nach den Wahlen verschoben", heißt es in einem Bericht von Peter Mutai und Evelyn Ogutu für die kenianische Tageszeitung The Standard.
Unter den Universitäten, die die Studenten am Donnerstag benachrichtigten, die Uni nicht zu dem geplanten Zeitpunkt aufzusuchen, befinden sich: Kenyatta University, United States International University (USIU), University of Nairobi, Maseno, Egerton und Moi Universities.
An der Kenyatta Universität hieß es vonseiten des akademischen Registrierbeamten, die Öffnung sei verschoben bis weitere Nachricht ergehe.
Ähnlich Äußerungen werden von den meisten Einzeluniversitäten zitiert.
Am Beispiel der Egerton University wird nochmals auf den gewalttätigen Hintergrund der verschobenen Öffnung eingegangen. Das Management dieser Uni habe geäußert, die Wege zur Universität seien aufgrund der Verhältnisse unsicher. Transportdienste in Teilen des Landes seien erlahmt, das Reisen für Studenten und die Belegschaft sei unmöglich geworden.
(...)
Der Beginn des Lehrbetriebs für Universitäten sowie für weiterbildende Schulen wurde in der Regel um eine Woche, vom 7. auf den 14. Januar verschoben. · (The Standard Kenya, ÜE: J.K.)
5. Januar
2008

Der  kenianische Schriftsteller  Ngugi wa Thiong'o wird 70 Jahre alt.
Tage später wird der in den USA lebende Autor zu den aktuellen Auseinandersetzungen nach den - mutmaßlich gefälschten - Präsidentschaftswahlen in Kenia Ende Dezember 2007 Stellung beziehen. Gefragt, ob bei den Auseinandersetzungen "ethnische Gefühle" eine Rolle spielen, wird er antworten, dass diese "von den Millionärseliten, die um die Macht kämpfen, aufgepeitscht wurden". Des Weiteren stellt Ngugi wa Thiong'o eindeutig einen historischen Zusammenhang her, wenn er sagt: "Die Gegenwart ist vom Kolonialismus und seinen Nachwirkungen immer noch stark beeinflusst. Es war schließlich der Kolonialismus, der den Tribalismus als ein Instrument der Teilung erfunden hat. 'Teile und herrsche' war das Motto aller Kolonialisten, sei es der Deutschen, der Engländer oder der Franzosen. Die koloniale Politik der kenianischen und afrikanischen Elite verfolgt die schlimmsten Traditionen der kolonialen Vergangenheit weiter. Unglücklicherweise sind es die Armen, die dazu gebracht werden, die Armen zu bekämpfen." Auf die von v. Doris Akrap in Jungle-World gestellte Frage, welche Rolle der Tribalismus unter den städtischen Jugendlichen in Kenia spiele, wird Ngugi antworten: "Tribalismus spielte für den ganz normalen Kenianer nie eine Rolle. Tribalismus ist ein Mittel der Politik und der ökonomischen Elite der verschiedenen communities. Es ist die Elite, die sowohl das Stammesbewusstsein als auch die Feindschaft unter den verschiedenen ethnischen Gruppen überhaupt erst erzeugt."
(Vgl. "Der Aufstand droht, Kenia um Jahre zurückzuwerfen", Interview mit Ngugi wa Thiong'o v. Doris Akrap, in: Jungle-World v. 10.01.2008).

"Nahrungs- und Ölkrise droht infolge der gewalttätigen Proteste nach den Wahlen",
berichtet die kenianische Tageszeitung The Standard. Die Gewalt nach den Wahlen habe eine humanitäre Krise in verschiedenen Städten im ganzen Lande ausgelöst.
mehr dazu · (The Standard Kenya, ÜE: J.K.)

"Befürchtungen über vergiftetes Wasser zerstreut",
heißt es in einem Bericht der kenianischen Tageszeitung The Standard. Die Nairobi Wasser- und Kanalisationscompany (Nairobi City Water and Sewerage Company, NWC) trat mit dieser Meldung an die Öffentlichkeit, nachdem Gerüchte über Saboteure, die das Wasser vergiftet hätten, zu kursieren begannen. Auch in Nakuru habe ein Bewohner verlangt, dass Wasserproben zu entnehmen seien. Aus dem zuständigen Ministerium hieß es, dass nach Überprüfung regelmäßig entnommener Wasserproben eine Vergiftung auszuschließen sei.
- Vgl. The Standard Kenya v. 05.01.2008

8. Januar
2008
"Straßenkinder der Ausbeutung ausgesetzt",
überschreibt Ibrahim Tarawallie seinen Bericht für die englischsprachige Concord Times aus
Sierra Leones Hauptstadt.
Eine Kinderrechtsorganisation in Freetown enthüllte am Montag, dass Hunderte von Straßenkindern in einem Land mit ansteigender Analphabetismusrate dem Risiko ausgesetzt seien, ausgebeutet und missbraucht zu werden. mehr dazu · (Concord Times, ÜE: J.K.)
12. Januar
2008
"Sudanesische Stadt Aweil von hohen Preisen betroffen",
heißt es in der Online-Ausgabe der englischsprachigen sudanesischen Tageszeitung Sudan Vision, die auch gleich den Grund hierfür angibt: Aweils wichtigste Straße sei noch immer wegen der jüngsten Kämpfe zwischen den von den Sudan Armed Forces (Streitkräfte der Allianz von Sudan, SAF) gestützten Misseriya Milizen und der SPLA (Sudanesische Volksbefreiungsarmee) entlang der Nord-Süd-Grenze in Grinti gesperrt.
mehr dazu · (Sudan Vision, ÜE: J.K.)

"Verlegerin Donata Kinzelbach mit dem Bundesverdienstorden geehrt!"
"Für ihre außerordentlichen Verdienste um die Literatur", heißt es in der Allgemeinen Zeitung, sei die in Mainz lebende Verlegerin Donata Kinzelbach gestern von der rheinland-pfälzischen Kulturministerin Doris Ahnen (SPD) mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet worden. Maghrebinische Literatur werde in Deutschland in einem Atemzug mit Donata Kinzelbach genannt, formulierte Ahnen in ihrer Laudatio. Der
→ Donata Kinzelbach Verlag führt in seinem Programm die bedeutendsten SchriftstellerInnen des Maghreb, u.a.  Tahar Ben Jeloun, Rachid Boudjedra, Driss Chraïbi, Mohammed Dib, Mohammed Khaïr-Eddine und Rachid Mimouni. - Vgl. Allgemeine Zeitung v. 12.01.08.
zeit
los
Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:

16. Januar
2008 "BIG-Koalition zahlt Beihilfen aus",
Windhoek
Die erste Gruppe der Einwohner von Otjivero, heißt es in der englischspr. Zeitung New Era, habe gestern mit der Umsetzung des Projekts der BIG-Koalition (Basic Income Grant, Grundeinkommensbeihilfe)
N$ 100 pro Person erhalten.
mehr dazu · (New Era , ÜE: J.K.).
29. Januar
2008
"Internationaler Preis für Arabische Literatur"
Der Jury-Vorsitzende des neu geschaffenen Literaturpreises, der irakische Autor und Journalist Samuel Shimon, gibt in London die in die Shortlist aufgenommenen AutorInnen bekannt, zeitgleich erfolgt die Bekanntgabe in Abu Dhabi, wo der Preis im April 2007 offiziell aus der Taufe gehoben wurde und wo am 10. März, während der dortigen Buchmesse, der Gewinner ermittelt werden soll.
Der Preis zur Würdigung arabischer Literatur wurde von der Londoner Booker Prize Foundation und dem ebenfalls in London ansässigen Weidenfeld Institute for Strategic Dialogue begründet, eine "Denkfabrik", die überwiegend auf europäischen Gebiet tätig ist und deren Zielrichtung das Islam and Integration Programme einbezieht. Unterstützt wird die Initiative von der Emirates Foundation. Der Preis wurde für 2007/08 das erste Mal ausgeschrieben. Die Nominierten, ausgewählt aus 130 Bewerbern, sind:
Jabbour Douaihy (
Libanon) mit June Rain
Elias Farkouh (
 Jordanien) mit The Land of Purgatory
Khaled Khalifa (
 Syrien) mit In Praise of Hate
May Menassa (
 Libanon) mit Walking in the Dust
Mekkaoui Said (
Ägypten) mit Swan Song
Baha Taher (Ägypten) mit Sunset Oasis.

Die Jury setzt sich folgendermaßen zusammen:
Samual Shimon,
Irak, Autor und Journalist - Vorsitz
Mohammed Berrada,
Marokko, Schriftsteller u. Kritiker
Mohammed Bennis, Marokko, Dichter u. Kritiker
Feissal Darraj,
Palästina, Autor u. Kritiker
Ghalia Kabbani,
 Syrien, Autorin u. Journalistin
Paul Starkey, Großbritannien, Autor u. Übersetzer
(Vgl. www.arabicfiction.org)
31. Januar
2008
"Hundertjahrfeiern und Zensur"
Mahmoud Wl-Wardani berichtet für die englischsprachige Al-Ahram Weekly über die Aktivitäten der 40. Internationalen Kairoer Buchmesse.
Vor 40 Jahren, im Januar 1968, schreibt El-Wardani, habe der damalige Präsident des bedeutendsten Regierungsverlags die erste Buchmesse Ägyptens oder eigentlich der gesamten Region organisiert. Die Initiative sei von einigen als Reaktion auf die Niederlage von 1967 gesehen worden, anstatt sich der Verzweiflungswelle hinzugeben, die über
Ägypten schwappte, habe El-Qalamawi das Kulturleben des Landes wiedererwecken wollen. mehr dazu · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
21. Februar
2008
"Ein Ausblick auf die häusliche Gewalt"
überschreibt Dr. Fatima Al-Amoudi ihren Bericht für die englischspr. saudische Tageszeitung Arab News, in dem es um häusliche Gewalt mit traditionellem Hintergrund geht. mehr dazu · (Arab News, ÜE: J.K.)
5. März
50. Geburtstag des in Serekunda, unweit von → Gambias Hauptstadt Bathurst (heute: Banjul) gelegen, geborenen Dichters und Schriftstellers Tijan M. Sallah. Er lebt in den Vereinigten Staaten und ist für die Weltbank tätig.
Der promovierte Ökonom veröffentlichte 1980 mit When Africa Was a Young Woman (Als Afrika eine junge Frau war) sein erstes Buch, eine Sammlung von Gedichten. 1988 folgte mit Before the New Earth (Calcutta) ein Band mit Kurzgeschichten.
Weite Beachtung fand die gemeinsam mit Ngozi Okonjo-Iweala verfasste Achebe-
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ACHEBE-BIOGRAFIE
engl. Original
Biografie: Chinua Achebe, Teacher of light: a biography (Trenton, New Jersey/USA 2003).
Weitere Werke (Auswahl):
Kora Land: poems, 1989
Dreams of Dusty Roads: new poems, 1992
Wolof Ethnography, 1996
Dream Kingdom: new and selected poems, 2007
13. März

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2008
chrAbs "Der ägyptische Autor Bahaa Taher wird für seinen Roman Sunset Oasis mit dem ersten mit US $ 60.000 dotierten Internationalen Arabischen Preis, dem sog. arabischen Booker-Preis ausgezeichnet".
Neben Taher waren in der Shortlist der ägyptische Autor Mekkaoui Said mit Swan Song, die libanesischen Autoren Jabbour Douaihy und May Menassa, mit June Rain und Walking in the Dust, der jordanische Autor Elias Farkouh mit Land of Purgatory und der Syrer Khaled Khalifa mit In Praise of Hate.
Angesiedelt ist die Handlung des Romans Sunset Oasis im 19. Jh., einige Jahre vor der britischen Okkupation Ägyptens im Jahre 1882. Sie erzählt die Geschichte eines ägyptischen Polizeioffiziers, der von seinen britischen Vorgesetzten wegen seines Eintretens für die einheimischen Nationalisten bestraft wird.
(vgl. Al-Ahram Weekly v. 13.-19.03.2008)
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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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chrAbs Quellen

. . chrAbs Sach- und Personenregister
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