DIE MARABOUT-SEITE
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CHENJERAI HOVE
(1956-2015)
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Literarisches Portrait: Syl Cheney-Coker

DAS BESONDERE BUCH
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1956
Am 9. Februar wird Chenjerai Hove nahe der Stadt Zvishavane in der britischen Kolonie Rhodesien - heute: Simbabwe - geboren.

1960/70er
Besuch katholischer Schulen in Kutama und Dete.

1970er
Literatur- und Pädagogik-Studium an der University of South Africa und der University of Zimbabwe und am Gweru Teachers College. Akademische Abschlüsse in beiden Fächern.

1977
Bereits während des Universitätsstudiums beginnt Chenjerai Hove als High-School-Lehrer - auf dem Lande, im Gebiet Bikita nahe Masvingo, zu arbeiten[1].

1978
Weil die Schule, an der Chenjerai Hove unterrichtet, geschlossen wird, wechselt er in das Zuckerplantagengebiet Lowveld, wo er an einer Schule arbeitet, die der Zuckerplantagencompany gehört.

1981
gibt Chenjerai Hove die Arbeit als Lehrer auf und wird Lektor beim Verlagshaus Mambo Press in Gwelo/Gweru.[2]
Bibliografische (oder filmografische)Angabe And Now the Poets Speak (Und nun sprechen die Dichter), Lyrik-Anthologie. Harare 1981[3]. Chenjerai Hove ist mit 14 Gedichten vertreten.

1982
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Matende Mashava: bumbiro reNyaya[4]. Gwelo 1982
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Up in Arms
(Sturm laufen), Gedichte[5]. Harare 1982.

1983
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Swimming in Floods of Tears (Schwimmen in Tränenfluten), Gedichte, gemeinsam mit Lyamba wa Kabiba. Gweru 1983.
Absatz Lobende Erwähnung des Gedichtbandes Up in Arms beim Noma Award for Publishing in Africa.

1984
wird Chenjerai Hove Vorsitzender des simbabwischen Schriftstellerverbandes (bis 1992).

1985
wird Chenjerai Hove Cheflektor des Verlags Zimbabwe Publishing House.
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Red Hills of Home (Die roten Hügel der Heimat), Gedichte. Harare 1985.
Absatz Lobende Erwähnung des Gedichtbandes Red Hills of Home beim Noma Award for Publishing in Africa.

1986
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Masimba Avanhu? (Ist dies die Macht des Volkes?), Roman. Gweru 1986.

1988
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Bones (dt: Knochen[6] ; Übersetzung: Ilija Trojanow. München 1990), Roman. Harare 1988. - Im Mittelpunkt steht die Farmarbeiterin Marita. Als ihr Sohn in den Kriegwirren verloren geht, macht sie sich auf die erfolglose Suche nach ihm, ohne je ihren Mut aufzugeben.

1989
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Sister Sing Again Someday, Hörspiel 1989.
Ausgezeichnet mit dem Noma Award for Publishing in Africa für den Roman Bones.

1991
Nachdem Chenjerai Hove seine Arbeit als Lektor wegen ideologischer Differenzen[6a] mit dem Verlag aufgegeben hat, wird er Redakteur bei der internationalen Nachrichtenagentur Inter Press Service (IPS) mit dem Zuständigkeitsbereich Kultur im Südlichen Afrika. Gleichzeitige Förderung als writer-in-residence durch die University of Zimbabwe.
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Shadows (dt: Schattenlicht; Übersetzung: Thomas Brückner. München 1996), Roman. Harare 1991.

1994
Ende der Förderung als writer-in-residence der University of Zimbabwe.
Absatz Gastprofessur am Clark College in Portland, Oregon, USA.
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Shebeen Tales. Messages from Harare[7] (dt: Stadtgeflüster. Skizzen aus einer afrikanischen Metropole; Übersetzung: Marion Walter; Vorwort: Peter Ripken. Ffm 1995), Essays. Harare 1994.

1995
Gefördert als Gast-Schriftsteller in Yorkshire und von der Leeds University, Großbritannien[8].

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1996
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Guardians of the Soil. Meeting Zimbabwe’s Elders (dt: Hüter der Sonne. Begegnungen mit Zimbabwes Ältesten. Übersetzung u. Fotos: Ilija Trojanow. München: 1996). 1996. Fotos v. Ilija Trojanow.
Bibliografische (oder filmografische)Angabe
Ancestors[9] (dt: Ahnenträume; Übersetzung: Thomas Brückner. München 1999), Roman. Harare 1999.
Absatz Gefördert als Gast-Schriftsteller der Heinrich Böll-Stiftung.

1998
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Rainbows in the Dust, Gedichte. Harare 1998.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Zweiten Preis des Zimbabwe Literary Award für den Roman Ancestors.

2001
Absatz Chenjerai Hove ist Gast beim XI. Poesie-Festival von Medellin, Kolumbien.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Preis der Deutschen Afrikastiftung.

2002
Nach seiner Kritik an Mugabes Politik sieht sich Hove gezwungen, seine Heimat Simbabwe zu verlassen[10]. Das International Parliament of Writers vermittelt ihm eine vorübergehende Zuflucht in Frankreich. Später wird er nach Stavanger in Norwegen umziehen, wo er als Gast-Schriftsteller des Netzwerks International Cities of Refuge Network, einer Organisation, die sich bedrohter und exilierter Schriftsteller annimmt, unterstützt wird.
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Palaver Finish, Essay. Harare 2002.

2003
Bibliografische (oder filmografische)Angabe Blind Moon (Blinder Mond) Gedichte. Harare 2003.

2004
Bibliografische (oder filmografische)Angabe The Keys of Ramb (Rambs Schlüssel), Kinderbuch. 2004.

2007-2008
Gaststipendiat des International Writers Program am Watson Institute For International Studies, Brown University, Providence, USA.

2010
Seit Beginn des Jahres ist Chenjerai Hove für zwei Jahre Gast der Knight Foundation in Miami, Florida.

2015
Am 12 Juli stirbt Chenjerai Hove im Alter von 59 Jahren an Leberversagen in einem Hospital in Norwegen, wo er als Gastschreiber der Stadt Stavanger, die dem Hilfsprojekt International Cities of Refuge Network angehört, Zuflucht gefunden hatte.

STIMME(N):
"Chenjerai Hove ist ein außergewöhnlich humorvoller, geistreicher und lebenslustiger Mann. Sein Charme weiß stets die Besucher seiner Lesungen zu betören." - Trjanow/Ripken, in: Afrikanissimo.
ANMERKUNGEN:
1) "Wir haben nicht viel unterrichtet", sagt Chenjerai Hove in einem Interview, "weil es der Höhepunkt des Krieges war und wir immer in den Bergen waren, um Essen zu bringen oder Nachrichten von einer Guerilla-Gruppe zur anderen zu überbringen und solche Sachen". - Vgl. Zimbabwe: Mugabe Held at Gunpoint.
2) Im besagten Interview erzählt Hove, warum er den Lehrerdienst quittiert hat: Die schwarzen Lehrer verdienten immer noch weit weniger als die weißen Kollegen und streikten. Gleichzeitig streikten auch die Krankenschwestern für mehr Lohn. In einem Fernsehauftritt tat Robert Mugabe diesen Streik mit der Bemerkung ab, diese Berufsgruppen hätten ja nichts für die Revolution getan. Während seiner Dienstzeit auf dem Lande habe es einen Monat gegeben, in dem ihm nur einige Cents seines Gehalts geblieben waren, weil das Meiste für Schuhe und Kleidung für die Kämpfer ausgegeben habe. Die Äußerung habe ihn so geärgert, dass er den Dienst quittiert habe. - Vgl. Zimbabwe: Mugabe Held at Gunpoint.
3) Die Gedicht-Anthologie erschien anlässlich der Unabhängigkeit Simbabwes verspätet im darauf folgenden Jahr 1981.
4) Chenjerai Hove schreibt sowohl in Englisch als auch in Schona, der Sprache des größten Volkes in Simbabwe.
5) Die Gedichte von Hove, schreibt der simbabwische Kritiker Maurice Vambe, können als "Wellen der Opposition der sich verändernden Zustände von Ungerechtigkeit" gelesen werden.- Vgl. "Where is Chenjerai Hove’s Resistance?" v. Maurice Vambe
6) Chenjerai Hoves Roman Knochen wurde von der Jury des internationalen Buchfestivals in Harare zu einem der 100 besten afrikanischen Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt. Nach einem Vorschlag von Professor Ali Mazrui wurde im Jahr 2000 begonnen, auf internationaler Basis eine Liste zu erstellen. Aus ca. 1700 Titeln wurde eine Shortlist von ca. 500 erarbeitet. Schließlich wurden aus der veröffentlichten Liste im Februar 2002 unter dem Vorsitz des südafrikanischen Autors und Literaturwissenschaftlers Njabulo S. Ndebele die besten Bücher ausgewählt, die nun als die 100 besten Werke afrikanischer Literatur des 20. Jh.s gelten.
6a) Vgl. Zimbabwe: Mugabe Held at Gunpoint.
7) In Stadtgeflüster, wie die Shebeen Tales in der deutschen Übersetzung heißen, wird, indem der Autor auch einen Besuch auf dem Lande beschreibt, der immense Stadt-Land-Widerspruch in Simbabwe deutlich.
8) "Als Thatcher, im Versuch die Bergarbeitergewerkschaft zu schwächen, die Bergwerke schließen ließ, gab es viel Arbeitslosigkeit", erzählt Hove. "Die Leute saßen nur so herum und ich versuchte, ihre Fähigkeiten , Gedichte oder Kurzgeschichten oder Aufsätze und solche Sachen zu schreiben, zu entwickeln". - Die ungenaue Formulierung des Autors erweckt den Eindruck, Thatcher hätte die Bergwerke in den 90er Jahren schließen lassen. Tatsächlich war sie nur bis 1990 als Premierministerin im Amt. Im großen Bergarbeiterkampf Mitte der 80er Jahre beschloss ihre Regierung die Schließungen, die teilweise aber erst zehn Jahre später realisiert wurden. Den Kern der Aussage betrifft diese Ungenauigkeit jedoch nicht.- Vgl. Zimbabwe: Mugabe Held at Gunpoint.
9) Ancestors untersuche "die immer noch vitalen Verbindungen zwischen dem Volk und dessen präkolonialen Ahnen, eine Versöhnung zwischen Schona-Traditionen und dem modernen Leben propagierend", schreibt Katrin Berndt. Die drei Romane - Ancestors, Bones und Shadows - "formen eine metahistorische Trilogie, in welcher Hove versucht den lyrischen Ton und die dichte Sprache der Schona-Lyrik in den geschriebenen englischsprachigen Roman einfließen zu lassen". Vgl. Berndt, Katrin: Female Identity a.a.O. S. 43.
10) Chenjerai Hove war damals Kolumnist der Zeitung The [Zimbabwe] Standard. Als solcher kritisierte er die Mugabe-Regierung anlässlich der steigenden Gewalt nach den Parlamentswahlen des Jahres 2000. Einige Leute wie Mugabe, schrieb er, seien so machthungrig, dass es sie nicht kümmerte, wenn Menschen niedergemetzelt würden. Die Situation wurde mit den Präsidentschaftswahlen von 2002 verschärft. Hove blieb bei seiner Kritik und wurde von Freunden in der Sicherheitspolizei gewarnt. Er würde sicher nicht verhaftet werden, um keine internationale Aufmerksamkeit zu erregen, aber ein "Unfall" könnte ihm widerfahren. Persönliche Freunde im Ausland, wie Wole Soyinka, übten Druck auf ihn aus. Ob er vorhabe, ein zweiter Ken Saro-Wiwa zu werden. Er müsse das Land verlassen. Schließlich entschied er sich für diesen Schritt und rief Wole Soyinka und den amerikan. Schriftsteller Russell Banks an und erkundigte sich, wohin er sich wenden könne. Sie vermittelten ihm die Zuflucht über das International Parliament of Writers.- Vgl. Zimbabwe: Mugabe Held at Gunpoint.
Wichtigste Quellen:
Afrikanissimo, Afrikan. Lesebuch; Hg.: Ilija Trojanow/Peter Ripken, Wuppertal 1992
LIBRARY OF CONGRESS ONLINE CATALOG
Zimbabwe: Mugabe Held at Gunpoint, Says Exiled Writer, Interview mit Chenjerai Hove v. Charles Cobb, Jr., auf: allAfrica.com. vom 7. Mai 2008
Berndt, Katrin: Female Identity in Contemporary Zimbabwean Fiction, Bayreuth African Studies 73. Bayreuth 2005
Wikipedia als Quelle? Sicher ist bei der Zusammenstellung v.a. der Bibliografie auch das größte Lexikon der Menschheit vertreten, aber niemals ohne zumindest einen Quervergleich vorzunehmen mit den unterschiedlichen nationalen Versionen, in diesem Fall der englischen und deutschen. Treten wie in diesem Fall Widersprüche auf, hilft die oben gelistete Online-Ausgabe des Katalogs der Washingtoner Nationalbibliothek.
LINKS:
Poesie-Festival von Medellin
"Where is Chenjerai Hove’s Resistance?" v. Maurice Vambe, auf Zimbabwe Poetry International Web
"Macht nichts, Schwester, das ist unser Zuhause", Auszug aus Stadtgeflüster. (Inzwischen entfernt, 02/2016!)
2008-2016 © by Janko Kozmus
REZENSION(EN):
(noch nicht aufgenommen)
Weitere Portraits simbabwischer Autoren auf der Marabout-Seite
Shimmer Chinodya

Tsitsi Dangarembga

Yvonne Vera
Simbabwische Themen in der Afrika-Chronik der Marabout-Seite
The Herald berichtet über Wellingtone Kusemas Gedichtband Lazarusse und Divas, 2012
Financial Gazette, Des Landes kollektives Gedächtnis, gemeinsam konserviertes Gewissen, 2012
NewsDay, Zeitungsverkäufer bedroht, 2011
The Standard, Herausgeber von The Standard verhaftet, 2008
The Standard, Ngugi Wa Mirii stirbt im simbabwischen Exil, 2008
The Herald berichtet von der Vergabe des simbabwischen Verlegerpreises 2007
The Standard, 150 Simbabwer suchen Asyl in Botsuana, 2007
The Standard, Mordenthüllung an Befreiungshelden in Buchform angekündigt, 2006
The Standard über die Kinderarbeit auf den neuen kommerziellen Farmen, 2006
Chronicle, Über Entschädigungsforderungen zwangsumgesiedelter Menschen am Lake Kariba, 2005
Chronicle, Über den Schwarzmarkthandel in Victoria Falls, 2005
The Herald, Simbabwe, Polizeieinsatz gegen illegalen Wohnungsbau, 2005
The Standard über die Folgen der Säuberungskampagne an den Schulen, 2005
The Herald berichtet von einem Mann, der wegen Sodomie vor Gericht steht, 2005
The Herald berichtet über illegales Goldschürfen in Simbabwe, 2004
The Standard, Über Unterernährung in Simbabwe, 2004
Die Allgemeine Zeitung aus Namibia über den Ertstlingsroman der simbabwischen Autorin Alexandra Fuller, 2002
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