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DAMBUDZO MARECHERA: HOUSE OF HUNGER bei amazon bestellen
DAMBUDZO MARECHERA
( 1952-1987)
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Literarisches Portrait: Dambudzo Marechera

DAS BESONDERE BUCH
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HAUS DES HUNGERS
Erzählungen
Beschreibung siehe unten

Kritischer Blick auf das literarische Schaffen von Dambudzo Marechera

In Vengere-Township bei Rusape im damaligen Rhodesien (heute: Simbabwe) wird 1952 Dambudzo Marechera als Sohn eines Leichenhausarbeiters geboren. Die Gewalt und die ökonomische Not, die Dambudzo in dem Township erlebt, wird die Grundlage für die neun Erzählungen seines ersten Buches Haus des Hungers darstellen.

In einem Interview im Dezember 1984 wird er seine Situation im Elternhaus beschreiben:
"Ich erwarb die Fähigkeit, einfach weiterzulesen, sogar wenn mein Vater und meine Mutter Streit hatten oder wenn draußen vor dem Haus gerade jemand mit dem Messer angefallen wurde. Ich konzentrierte mich einfach auf das Buch, wohl wissend, was alles Schreckliches um mich herum passierte. Ein totaler Eskapismus."[1]

Als Dambudzos Vater im Jahre 1966 stirbt, verschärft sich die materielle Situation der Familie; Dambudzo wird mit seiner Mutter und seinen acht Geschwistern obdachlos. Ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit plagt sich die Mutter ab, um allen Kindern eine schulische Bildung zu ermöglichen. Dambudzo Marechera nimmt nach dem Schulabschluss 1972 ein Studium der Englischen Literatur an der Universität von Salisbury (heute: Harare) auf. Bereits 1973 wird er wegen studentischer Protestaktionen gegen das Smith-Regime von der Uni verwiesen. Ein Stipendium verschafft ihm die Möglichkeit, sein Studium im Jahre 1974 am New College in Oxford (UK) fortzusetzen. Hier zeigt sich, dass seine innere Protesthaltung, ein anarchistischer Zug, der sich Zeit seines Lebens in den Vordergrund drängen wird, tiefer geht als eine rein politische Opposition: Wegen permanenter Störung des College-Betriebs und nach erfolgloser psychiatrischer Betreuung - es bedarf wenig Phantasie sich auszumalen, dass ein solcher Versuch auf Dambudzo eher provozierend als "heilend" wirken muss - wird er im März 1976 auch von dieser Lehreinrichtung verwiesen.

Die Jahre 1976-82 sind geprägt von ökonomischer Unsicherheit, die einhergeht mit einem Hauch von jenem anarchistisch anmutenden Zug von Freiheit. Dambudzo tummelt sich - ohne festen Wohnsitz - in der alternativen Szene Londons. Hier, im Herzen der britischen Kolonialmacht, wird er den 18. April 1980, den Tag der Unabhängigkeit seiner Heimat vom Vereinigten Königreich erleben. Im Londoner Africa Centre wird die Unabhängigkeit nach siebenjährigem Kampf gefeiert. Neben weißen Exil-Simbabwern, die sich im Ethnolook präsentieren, erscheint "in kompletter Reitermontur, mit Jodphurs, schwarzem Blazer, Stiefeln und Melone, wie ein englischer Lord, der gerade auf Fuchsjagd gehen will: Dambudzo Marechera, das enfant terrible der Londoner Exilantenszene"[2]
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Krtiischer Blick ...

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Die Zeit im britischen Exil brachte für Dambudzo nicht nur Anarchie und Chaos mit sich, sondern war durchaus auch von Produktivität und Erfolg gekennzeichnet. Im Jahr 1979 nahm er kurzzeitig eine Gastdozentur in Sheffield wahr und erhielt für seinen Erstling The House of Hunger den Guardian Belletristik-Preis. Eine Auszeichnung, die ihn sicherlich anspornte, mit seinem Schreiben fortzufahren. Das Produkt dieser Schaffensphase wird allerdings erst nach seinem Tod von Flora Veit-Wild herausgegeben werden; 1992 erscheint The Black Insider im Original und ein Jahr später in deutscher Übersetzung.

SEKUNDÄRLITERATUR:
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Die literarische Verarbeitung
der Gewalt von Frauen
an Frauen im Werk D. Marecheras und Y. Veras


Knapp zwei Jahre nach Simbabwes Unabhängigkeit kehrt Dambudzo Marechera in seine Heimat zurück und arbeitet als freier Schriftsteller. Es entstehen Prosatexte sowie Lyrik. Die Verwendung einer teilweisen assoziativen Technik und außergewöhnlicher Metaphern, die Übernahme von Shona-Begriffen ins Englische, um nur einige der Merkmale seines Schreibens zu nennen, erschweren Lesern wie Kritikern den Zugang zu seinem Werk und begründen gleichzeitig seinen Ruf als kompromissloser Schriftsteller, der sich in keine der für "afrikanische" Schriftsteller bereit gestellten Schubladen stecken lässt. Seine Texte sind antikolonial und antitribalistisch, sind politisch und anarchistisch und sind dies alles auch nicht und gleichzeitig viel mehr. Vor allem eine Kategorisierung als "afrikanischer Schriftsteller" konnte den schließlich an Aids Erkrankten maßlos erzürnen. "Entweder bist du ein Schriftsteller oder du bist es nicht." Er war einer der bemerkenswertesten und verstarb im Jahre 1987 an Lungenentzündung infolge von Aids.

2012 © by Janko Kozmus

DATEN UND FAKTEN
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1952
Am 4. Juni wird Dambudzo Marechera in Vengere-Township bei Rusape im damaligen Rhodesien (heute:
Simbabwe) geboren. Der Vater arbeitete im Leichenhaus.

1966
stirbt der Vater bei einem Verkehrsunfall; der 13-jährige Dambudzo wird mit seinen acht Geschwistern und seiner Mutter obdachlos.

1960er
Schulbildung an Regierungs- und Missionsschulen Rhodesiens.

1972/73
Studium der Engl. Literatur an der Universität von Salisbury (heute: Harare).

1973
wird Dambudzo Marechera wegen studentischer Protestaktionen gegen das Smith-Regime von der Uni verwiesen.

1974
Stipendium, das ihm die Fortsetzung seines Studiums am New College in Oxford (UK) erlaubt.

1976
Verweis vom New College wegen permanenter Störungen des College-Betriebs.

1976-82
Tätigkeit als freier Schriftsteller in der alternativen Szene von London ohne festen Wohnsitz.

1978
Bibliografische Angabe The House of Hunger (dt: Haus des Hungers; Übersetzung: Claus Peter Dressler u. Curt Kaemmerer. Frankfurt am Main 1981), Erz. London 1978. Neuauflage: Harare 1982 - In der Titelerzählung - eine von neun - beschreibt der Ich-Erzähler den ersten Tag nach seinem Weggang aus dem Haus des Hungers, seinem Zuhause. Er geht in eine Bierhalle, trifft auf Freunde und weniger geliebte Bekannte und reflektiert seine Situation in Gesprächen und in Gedanken, provoziert sein Umfeld und muss die Konsequenzen daraus tragen.

1979
Gastdozentur an der Universität von Sheffield.
Absatz Lesungen auf dem Berliner Horizonte-Festival.
Absatz The House of Hunger wird mit dem Guardian Belletristik-(fiction-) Preis ausgezeichnet.

1980
Bibliografische Angabe Black Sunlight (dt: Schwarzes Sonnenlicht; Übersetzung: Egon Larsen. In: Die zerbrochene Feder: Schriftsteller im Exil. Hrsg. Ota Filip u. Egon Larsen. Stuttgart 1984 S. 271-278). London 1980.

SEKUNDÄRLITERATUR:
CAIRNIE: MOVING SPIRIT - DAMBUDZO MARECHERA bei amazon bestellen
MOVING SPIRIT - THE LEGACY
OF DAMBUDZO MARECHERA ...
im engl. Original

1982
Rückkehr nach Simbabwe (seit 1980 unabhängig); Dasein als freier Schriftsteller ohne festes Einkommen.

1984
Bibliografische Angabe Mindblast. Or the Definitive Buddy (dt: Die Haut der Zeit; Übersetzung: Wolfgang Gehrmann. Wuppertal 1989), Textsammlung. Harare 1984.
Bibliografische Angabe The House of Hunger (Haus des Hungers), Film. Mit Dambudzo Marechera in den Dokumentarteilen des Films. Regie: Chris Austin. UK 1984.

1987
Am 18. August stirbt Dambudzo Marechera in Harare an Lungenentzündung infolge von Aids.

1988
Gründung des Dambudzo Marechera Trust in Harare, der sich nach dem Tod des Schriftstellers um seinen Nachlass kümmert.

1990
Bibliografische Angabe The Black Insider[3] (dt: Black Insider; Übersetzung: Beate Horlemann. Unkel/Rhein, Bad Honnef 1993), Roman. Hrsg. und Einleitung: Flora Veit-Wild. Harare 1990. London 1992

1992
Bibliografische Angabe Cemetry of Mind[4] (Gedankenfriedhof), Gedichte. Hrsg. und Einleitung: Flora Veit-Wild. Harare 1992.

1994
Bibliografische Angabe Scrapiron Blues[5] (Der Blues vom Schrott), Sammelband. Hrsg. und Einleitung: Flora Veit-Wild. Harare 1994.

STIMME(N):
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Dambudzo Marechera

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"
I would question anyone calling me an African writer. Either you are a writer or you are not. If you are a writer for a specific nation or a specific race, then fuck you. In other words, the direct international experience of very single living entity is, for me, the inspiration to write." - Marechera über Marechera, in: Flora Veit-Wild: Karneval und Kakerlaken, a.a.O., worin sie sich selbst zitiert.
ANMERKUNGEN:
1) Interview im South vom Dezember 1984, zitiert nach KLfG.
2) Veit-Wild: Karneval und Kakerlaken. a.a.O. S. 13 f.
3) Erster Band aus der Nachlass-Edition; er umfasst Marecheras Schriften aus den Londoner Jahren 1978-82.
4) Zweiter Band aus der Nachlass-Edition: Gedichte und ein Interview mit Marechera über Lyrik.
5) Dritter Band aus der Nachlass-Edition: Zum Teil unvollendete Schriften unterschiedlicher Genre aus den letzten Lebensjahren in Harare; verbindendes Thema ist die Urbanität.
Wichtigste Quellen:
Flora Veit-Wild: Dambudzo Marechera, in: Kritisches Lexikon der fremdsprachigen Gegenwartsliteratur (KLfG)
Flora Veit-Wild: Karneval und Kakerlaken. Postkolonialismus in der Afrikanischen Literatur. Antrittsvorlesung v. 8. Februar 1995
LINKS:
The Standard, Geheime Liebesträume von Dambudzo Marechera, 2012
Flora Veit-Wild: Karneval und Kakerlaken. Postkolonialismus in der Afrikanischen Literatur. Antrittsvorlesung v. 8. Februar 1995
2012 © by Janko Kozmus
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(noch nicht aufgenommen)
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