DIE MARABOUT-SEITE
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CHRONIK
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas

ÄGYPTEN (Teil II: ab 2001)

Stand: 20.02.17


Ägyptische Reliefs und Wandmalereien

(Zufallsauswahl)
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30. Juli
2001
"Klage wegen Glaubensabfall gegen El Saadawi abgewiesen"
Im April war die Schriftstellerin Nawal El Saadawi von dem fundamentalistischen Anwalt Nabih El-Wahsh des Glaubensabfalls angeklagt worden. Ihr drohte die Zwangsscheidung von ihrem Ehemann Sherif Hetata, da ein gläubiger Muslime nicht mit einer der Apostasie für schuldig befundenen Frau verheiratet sein darf. Der Fall löste - insbesondere bei Menschenrechtsorganisationen - nationale und internationale Beachtung aus. Die Klage wurde heute von dem zuständigen Gericht in Nord-Kairo abgewiesen.
13. Juni
In der Rubrik At a glance bringt die englischsprachige Ausgabe der halbamtlichen Kairoer Zeitung Al-Ahram mehrere Kurzkritiken zu Neuerscheinungen aus dem Bereich Belletristik aus dem eigenen sowie aus anderen arabischen Ländern, u.a. wird das Buch: Al-Nubi (2001, Der Nubier) vom nubischen Autor Idris Ali vorgestellt:
Wie andere nubische Schriftsteller würde auch Idris Ali seinen Fokus auf die Zeit der 60er Jahre richten, als die Nubier während des Baus des Assuan-Staudamms aus ihrem Heimatland evakuiert wurden. Das Thema der drei Kurzgeschichten und der beiden Romane in diesem Buch konzentriere sich immer wieder auf diese Erfahrung und liefere eine "namentlich tiefere und befriedigendere Beschreibung" davon. Einige von Idris' früheren Werken litten unter einem schrillen Ton, der in Al-Nubi aber nicht zu finden sei, ein Werk, das "schön strukturiert und fein ausbalanciert" sei. Dies sei ein Roman, der einlade zum Vergleich mit dem klassischen Werk des nubischen Romanciers Mohamed Khalil Qasim: Al- Shamandoura.· (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
19. Dezember
BENSALEM HIMMICH: THE POLYMATH bei amazon bestellen
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2002
Unter dem Titel
"Ibn Chalduns Auferstehung"
berichtet die ägypt. Wochenzeitung Al-Ahram vom diesjährigen Gewinn der  Nagib Machfus Medaille für Literatur, die von der Amerikanischen Universität Kairo gestiftet wird. Der Preis geht an den marokkan. Romancier Bensalem Himmich für seinen Roman Al-Allama (The Polymath), der im Original 1997 in Beirut und 2001 in Rabat veröffentlicht worden ist. "Al-Allama ist die fiktive Biographie Ibn Chalduns, des berühmten Gelehrten des 14. Jahrhunderts; sie rekonstruiert dessen persönliches und intellektuelles Universum, fokussiert auf die in Ägypten und  Syrien verbrachten Jahre." ... · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
25. August
chrAbs Die algerische Tageszeitung El Watan berichtet über rituelle Klitorisbeschneidung in Ägypten ...
 mehr dazu (El Watan, ÜF: J.K.)
15. April

chrAbs Ägypter, Muslime und Christen gleichermaßen strömten in Scharen ins Kino, um Mel Gibsons Blockbuster The Passion zu sehen; für die ägyptische Wochenzeitung Al-Ahram Weekly findet Gihan Shahine heraus, warum. mehr dazu · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)

September
TARIK BARY: DER KÖNIG DER DINGE bei amazon bestellen
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2004
Anlässlich der Frankfurter Buchmesse, die als Ehrengast die "Arabische Liga" geladen hat, erfolgt eine Vielzahl von Buchveröffentlichungen arabischer Autoren. Das Jugendbuch Der König der Dinge des ägyptischen Schriftstellers Tarik A. Bary ist eines davon. Der Autor, der seit 1983 als freier Schriftsteller und Übersetzer tätig ist, studierte Germanistik, Anglistik und Arabistik in Kairo und in Münster. Nach der Promotion an der Kairoer Ain Schams Universität ist er dort als Assistant Professor tätig.
Der König der Dinge ist ein Schüler namens Karim, der neu in ein Internat kommt, in dem drei Schüller rücksichtslos die anderen beherrschen. Karims Fähigkeit, mit den Dingen zu reden, ändert die Situation grundlegend.
24. März
chrAbs
"Echos ‚Vom Land' -
Polizei sieht sich neuen Foltervorwürfen in der Ortschaft Sarandu gegenüber".
Unter diesem Titel berichtet Mustafa El-Menshawy für die englischsprachige Online-Wochenausgabe der halbamtlichen ägyptischen Zeitung Al-Ahram über Repressionen der Polizei im Zusammenhang mit Landstreitigkeiten.
mehr dazu · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
14. Juli
2005
In einer Pressemitteilung
- Statement Concernig my decision not to stand for the presidential election -
erklärt die Schriftstellerin, Ärztin und Feministin  Nawal El Saadawi, nun doch nicht für die Präsidentschaftswahl zur Verfügung zu stehen. Allein ihre Ankündigung, kandidieren zu wollen, hatte in Ägypten einigen Staub aufgewirbelt.
4. Dezember
2005
Im Alter von 76 Jahren stirbt nach langer Krankheit der ägyptische Dramatiker Alfred Farag im Saint Mary Hospital in London.
Foto - Alfred Farag
Alfred Farag

Alfred Farag schrieb mit Fall of Pharaoh (1957) sein erstes von 52 Dramen im Alter von 26 Jahren, weitere Stücke:
The Barber of Baghdad” (1964)
Sulayman Al-Halabi (1965)
Al-Zayr Salim (1967)
Fire and Olives (1970)
The Epistles of the Judge of Seville (1987)
Atwa with the Jack-Knife (1993) . - Vgl. Alfred Farag (1929-2005) v. Marwa Anani, in: Bibliotheca Alexandrina (www.bibalex.org)
zeit
los
Arabische Sprüche und Weisheiten:
16. März
2006
80. Geburtstag des aus einer koptischen Familie stammenden Romanciers, Literatur- und Kunstkritikers Edwar al-Charrat (auch: al-Kharrat). Mit seinen autobiographischen Romanen hat al-Charrat seiner Heimatstadt Alexandria ein literarisches Denkmal gesetzt. Als bekanntestes Werk gilt sein in viele Sprachen übersetzter Roman Turabha Zafaran (dt: Safranerde).
4. Mai

chrAbs In der Kolumne "Dialogues of Naguib Mahfouz" mit Mohamed Salmawy in der halbamtlichen ägyptischen Zeitung Al-Ahram (Weekly) äußert sich  Nagib Machfus kritisch gegenüber der Regierung des Landes. Vor dem Hintergrund des Welttages der Pressefreiheit am 3. Mai und aktueller Vorfälle in Ägypten, einmal der Angriff eines Mannes auf Betende in einer Moschee und zum Anderen das Verhalten von Sicherheitskräften, die einen Richter attackierten, wurde der Nobelpreisträger von Salmawy u.a. gefragt, was seiner Meinung nach die Lösung solcher Probleme sei. Machfus' Antwort: "Die Lösung liegt jenseits dessen, was die Regierung tun kann. Die Regierung kann die Situation nicht alleine lösen, weil sie ein Teil des Problems geworden ist. Was wir benötigen, ist eine Intervention der Gesellschaft als Ganzes. Im Augenblick ist die Rolle der Regierung, eine solche Intervention zu erleichtern." · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)

7. Mai

chrAbs Wegen seines Eintretens für Demokratisierung - im konkreten Fall seine Parteinahme für die Richter im Konflikt gegen die Regierung - wird der prominente ägyptische Blogger Alaa Abd El-Fatahn inhaftiert.
Seine Haft wird 45 Tage andauern. Während dieser Zeit wird es ihm immer wieder gelingen, Nachrichten nach draußen zu schmuggeln, die dann auf dem, gemeinsam mit seiner Frau Manal betriebenen Blog, veröffentlicht werden. Im Anschluss an seine Haft wird er in einem Interview mit seiner Tante, der Schriftstellerin
Ahdaf Soueif, gefragt werden, was er im Gefängnis am meisten vermisst habe. Ohne zu zögern wird er antworten, "mein Laptop".- Vgl. Bidoun Magazine u. "Bloggen hinter Gittern", in: Stern v. 11.06. 2006

12. August
2006
chrAbs
"Hassan Nasrallah in Qena"
Unter diesem irreführenden Titel greift die englischspr. der Regierung nahe stehende ägypt. Tageszeitung The Egyptian Gazette eine Kurzmeldung auf, die nach eigener Angabe am Vortage von der Oppositionszeitung Al-Ahrar gebracht wurde. Danach habe in der oberägyptischen Stadt Qena eine Frau nach 2 Jahren Ehe Zwillingen das Leben geschenkt. Al-Ahrar gegenüber habe die Mutter - mit Namen Soha Hamadallah - geäußert, sie wolle den Hisbollah-Führer ehren, indem sie ein Baby Hassan und das andere Nasrallah nennen wolle.· (Egyptian Gazette, ÜE: J.K.).
30. August
2006
Foto - Nagib Machfus
Nagib Machfus
Im Alter von 94 Jahren stirbt der ägyptische Schriftsteller  Nagib Machfus in einem Kairoer Krankenhaus, in dem er seit Juli behandelt worden war.
Nagib Machfus war der erste - und bisher einzige - arabischsprachige Autor, der - 1988 - mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Sein Werk, dessen Publikation mit dem 1939 veröffentlichten Roman Abat al-aqdar (dt: Cheops; Übersetzung: Doris Kilias, Zürich 2005), der in pharaonischer Zeit spielt, ihren Anfang nahm, ist von erstaunlichem Umfang, unglaublicher Vielfalt und nach überwiegender Meinung der Kritiker von bestechender Qualität.
8. Februar
Vom  "Ende der Ruhe" berichtet Mohamed El-Sayed für die englischsprachige Wochenzeitung Al-Ahram Weekly, vornehmlich aus Shebin Al-Kom, aber auch aus anderen Gegenden Ägyptens.
Eine Welle "von beispiellosen Streiks durch aufgebrachte Arbeiter" sei in der vergangenen Woche über das Land geschwappt
.  mehr dazu · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
26. April
2007
"Ein Gefühl für nationale Identität"
"Die Zwangsvertreibung der Nubier wird erneut thematisiert", schreibt Rania Khallaf für die halbamtliche Tageszeitung Al-Ahram
"dieses Mal auf der Bühne
".
 mehr dazu · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
1. November
2007

"Angelegenheiten des Urteilsvermögens",
überschreibt Mona El-Nahhas ihren Artikel für die halbamtliche ägyptische Zeitung Al-Ahram. Mit seiner letzten Fatwa, die immer noch im Fokus der Kontroverse stehe, scheine der Scheich der Al-Azhar-Universität entschlossen, damit fortzufahren, die Öffentlichkeit zu schockieren ...
 mehr dazu · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)

31. Januar
"Hundertjahrfeiern und Zensur"
Mahmoud Wl-Wardani berichtet für die englischsprachige Al-Ahram Weekly über die Aktivitäten der 40. Internationalen Kairoer Buchmesse.
Vor 40 Jahren, im Januar 1968, schreibt El-Wardani, habe der damalige Präsident des bedeutendsten Regierungsverlags die erste Buchmesse Ägyptens oder eigentlich der gesamten Region organisiert. Die Initiative sei von einigen als Reaktion auf die Niederlage von 1967 gesehen worden, anstatt sich der Verzweiflungswelle hinzugeben, die über
Ägypten schwappte, habe El-Qalamawi das Kulturleben des Landes wiedererwecken wollen. mehr dazu · (Al-Ahram, ÜE: J.K.)
2008
chrAbs "Der ägyptische Autor Bahaa Taher wird für seinen Roman Sunset Oasis mit dem ersten mit US $ 60.000 dotierten Internationalen Arabischen Preis, dem sog. arabischen Booker-Preis ausgezeichnet".
Neben Taher waren in der Shortlist der ägyptische Autor Mekkaoui Said mit Swan Song, die libanesischen Autoren Jabbour Douaihy und May Menassa, mit June Rain und Walking in the Dust, der jordanische Autor Elias Farkouh mit Land of Purgatory und der Syrer Khaled Khalifa mit In Praise of Hate. Angesiedelt ist die Handlung des Romans Sunset Oasis im 19. Jh., einige Jahre vor der britischen Okkupation Ägyptens im Jahre 1882. Sie erzählt die Geschichte eines ägyptischen Polizeioffiziers, der von seinen britischen Vorgesetzten wegen seines Eintretens für die einheimischen Nationalisten bestraft wird. (vgl. Al-Ahram Weekly v. 13.-19.03.2008)
16. Mai
2008
chrAbs "Der ägyptische Autor Alaa al-Aswani wird mit dem ersten Coburger Rückert-Preis ausgezeichnet",
meldet die Coburger Zeitung Neue Presse.
Die Stadt ehre mit  Alaa al-Aswani „einen der meistgelesenen arabischen Autoren unserer Zeit, einen Querdenker, der in humorvoller und tiefgründiger Weise den Blick auf die zahlreichen Facetten der ägyptischen Gesellschaft und der arabischen Welt lenkt“, heiße es in der Verleihungsurkunde. Der mit 7.500 € dotierte Rückert-Preis verstehe sich, so der Coburger Bürgermeister Norbert Tessmer, "als Brücke zwischen Orient und Okzident, aber auch als Ehrung des Dichters und Orientalisten Friedrich Rückert". (vgl. Neue Presse v. 17.05.2008)
2008
chrAbs Im Alter von 95 Jahren stirbt in Paris der frankophone ägyptische Schriftsteller Albert Cossery (Portrait Albert Cossery von Frederico Penteado)
Foto - Alfred Farag
Albert Cossery

1945 war er nach Paris übergesiedelt und lebte dort zeit seines Lebens in ein- und demselben Hotelzimmer. Er war bekannt mit einigen der herausragendsten Schrifsteller seiner Zeit, u.a. mit Henry Miller, Albert Camus, Jean-Paul Sartre, Jean Genet und Lawrence Durrell.
Über sein Schreiben heißt es im britischen Guardian: "Seine ätzende Satire, die wie die Sonne der Wüste brannte, unterminierte alle Formen von Autorität. In La Violence et la Dérision (Gewalt und Gelächter) nutzen Freiheitskämpfer nicht Gewalt als politische Waffe gegen staatliche Willkür, sondern Spott und Verachtung."
Als sein Meisterwerk gilt allgemein der Roman Mendiants et orgueilleux (dt: Gohar der Bettler), indem ein ehemaliger Universitätsprofessor sein Seelenheil im Dasein eines Bettlers findet.
Auszeichnungen:
1965: Prix de la Société des Gens de Lettres (SGDL) für La Violence et la dérision
1990: Grand Prix de la francophonie de l'Académie française für sein Gesamtwerk
1995: Grand Prix littéraire d'Antibes - Juan-les-Pins/Jacques Audiberti ("Grand Prix Audiberti") für sein Gesamtwerk
2000: Prix Méditerranée für Les Couleurs de l'infamie
2005: Grand Prix Poncetton de la Société des gens de lettres für sein Gesamtwerk anlässlich des Erscheinens seiner Sämtlichen Werke

WERK:
Les Hommes oubliés de Dieu, Novellen (1941)
La Maison de la mort certaine, Roman (1944)
Les Fainéants dans la vallée fertile, Roman (1948)
Mendiants et orgueilleux, Roman (1951, dt: Gohar der Bettler. München und Wien 1996, als Taschenbuch: Frankfurt 1998)
La Violence et la Dérision, Roman (1964, dt: Gewalt und Gelächter, Düsseldorf 1966; Berlin 1984 und 2000)
Un complot de saltimbanques, Roman (1975)
Une ambition dans le désert, Roman (1984)
Les Couleurs de l'infamie, Roman (1999)
Les Fainéants dans la vallée fertile, Roman (2004)
16. März
Bevor am Abend des heutigen Tages bekannt gegeben wird, dass der ägyptische Autor Yusuf Zeydan (auch: Youssef Ziedan) für seinen Roman Beelzebub mit dem mit US $ 60.000 dotierten Internationalen Arabischen Preis für Literatur 2009, dem sog. Arab Booker-Preis ausgezeichnet wird, veröffentlicht die in Abu Dhabi ansässige, englischsprachige Zeitung The National ein am Vorabend geführtes Interview von Sayyed Mahmoud mit dem Philosophen, Romanschriftsteller und Leiter der Bibliotheca Alexandrina.

Angesiedelt sei die Handlung des Romans Beelzebub (Azazeel) von Yusuf Zeydan im 5. Jahrhundert in Oberägypten, Alexandria und Syrien während eines Wendepunktes in der Geschichte der Christenheit. mehr dazu, · (The National, Abu Dhabi, ÜE: J.K.)
5. April
TAREK ELTAYEB: STÄDTE OHNE DATTELPALMEN bei amazon bestellen
2009
In der Residenz des österreichischen Botschafters in Kairo stellt der ägypt. Schriftsteller  Alaa al Aswani den Roman Cities without Palms (dt: Städte ohne Dattelpalmen) des in Wien lebenden gebürtigen Kairoers sudanesischer Abstammung  Tarek Eltayeb vor:
Protagonist des Romans Städte ohne Dattelpalmen ist der junge Hamza, der in einem sudanesischen Dorf gemeinsam mit der Mutter und seinen beiden Schwestern lebt, der Vater ist abwesend und so fühlt sich Hamza verantwortlich für die Familie. Auf der Suche nach Arbeit geht er zunächst in eine nahe gelegene Stadt, dann nach Kairo, schließlich findet er sich als Illegaler in Europa wieder, nur um irgendwann desillusioniert in seine Heimat zurückzukehren.
15. Mai
2009

"Ägypten
Furcht wächst angesichts des Anstiegs von vermissten Kindern",

heißt es in einer Meldung von Adam Morrow und Khaled Moussa für IPS. mehr dazu, · (IPS, ÜE: J.K.)

30. September
2010
In der Online-Ausgabe der halbamtlichen ägyptischen Zeitung Al-Ahram erscheint anlässlich der 35. Buchmesse in Kuwait, die vom 13. bis zum 23. Oktober stattfinden soll, unter dem Titel
No Egyptians Allowed - Keine Ägypter zugelassen -
ein kritischer Bericht zur Zensur von Büchern in der arabischen Welt.
Im Vorfeld besagter Buchmesse sei ägyptischen Verlegern von den Veranstaltern eine Liste übermittelt worden mit 120 unerwünschen Büchern. Sie liest sich wie ein Who is Who der ägyptischen Literatur. Neben dem politischen Analysten Mohammad Hassanin Heikal finden sich "
 Gamal Al-Ghitani, Khairy Shalaby, der verstorbene Abdel-Hakim Qassim, Ibrahim Aslan,  Ibrahim Abdel-Meguid, Youssef El-Qa'id, Mohammad El-Mansi Qandil,  Ahdaf Soueif, alles von  Alaa Al-Aswani (ein Buchladen wurde geschlossen nachdem er im vergangenen Jahr den Roman Chicago ausgestellt hatte) als auch Galal Amin's Autobiografie."
Das Ausmaß der aktuellen Zensureinschnitte übertrifft laut Mohammad Shoair, dem Autor des Artikels das früherer Jahre, nichtsdestotrotz versuchten die Verleger, allen voran Mohammad Shoair, der Vorsitzende der ägyptischen Union der Verleger zu relativieren: "Jedes Land hat seine eigene Politik. In jedem arabischen Land stehen dem arabischen Buch über 20 Zensoren gegenüber und die sind in jedem Land anders. Was man zunächst als vollständig inoffensiv betrachten mag, stellt sich, begibt man sich erst mal von einem Land ins nächste, als offensiv heraus. Jedes Land hat seine eigenen spezifischen Empfindlichkeiten und Buchmessen neigen besonders dazu, sich dessen bewusst zu sein." So, als säßen sie in einer Nussschale, sei die Haltung der Verleger. Weniger diplomatisch dagegen seien die Autoren selbst, die der Autor mit ihrer kritischen Meinung hinsichtlich der Zensur zitiert, gipfelnd in der resignativ-zynischen Haltung des ägyptischen Romanciers Ibrahim Abdel-Meguid: "Jeder meiner Romane wurde bereits in dem ein oder anderen arabischen Land verboten. Zensur überrascht mich längst nicht mehr." - Vgl. No Egyptians Allowed, Mohammad Shoair, in: Al-Ahram Weekly Online v. 30.09.2010
Januar / Februar
2011
An den Protestkundgebungen in Ägypten gegen das Regime Mubarak nehmen unzählige Künstler teil, vom Tahrirplatz in Kairo melden sich u.a. die im achtzigsten Lebensjahr stehende Schrifstellerin und Feministin  Nawal El Saadawi und der Schriftsteller  Alaa al-Aswani zu Wort. - Näheres dazu siehe in den Portraits.
11. Februar
2011
Auch die in London und Kairo lebende Schriftstellerin und Journalistin Ahdaf Soueif hält sich um die Zeit von Mubaraks Rücktritt auf dem Tahrir Square auf. Ihre Berichte werden zeitnah im brit. Guardian Online veröffentlicht. Zwei ihrer Artikel erscheinen an diesem historischen Tag und beschreiben die Gefühle unmittelbar vor und nach dem Rücktritt des gehaßten Präsidenten.
Der erste, Egypt protests: The feeling in Tahrir Square was one of disbelief, spricht von Unglauben nachdem sich Mubarak erneut geweigert hatte, zurückzutreten, Ahdaf beschreibt die Athmosphäre, indem sie die Stimmen zitiert: "Er geht nicht? Was zum Teufel will er?" Und unmittelbar nach dem Rücktritt am 11. Februar nachmittags, heißt es Hosni Mubarak resigns: 'Look at the streets … This is what hope looks like', "Er tritt zurück, schaut in die Straßen ... so sieht Hoffnung aus!".
16. Februar
2011
Die englische Ausgabe der ägyptischen (Online-)Zeitung Al-Ahram Weekly bringt eine Serie, in der arabische Schriftsteller im Kontext des revolutionären Umbruchs im Lande zu Wort kommen:
WRITERS IN THE REVOLUTION
]: Nawal El-Saadawi's greatest pleasure in meeting all sorts of Egyptians (Schriftsteller in der Revolution: Nawal El-Saadawis großes Vergnügen, alle möglichen Ägypter kennen zu lernen), in: Al Ahram Online v. 16.02.2011.
WRITERS IN THE REVOLUTION]: Alaa Khaled's walk in a new world (Schriftsteller in der Revolution: Alaa Khaleds Gang in eine neue Welt), in: Al Ahram Online v. 16.02.2011.
17. Februar
2011
Die englische Ausgabe der ägyptischen (Online-)Zeitung Al-Ahram Weekly bringt eine Serie, in der arabische Schriftsteller im Kontext des revolutionären Umbruchs im Lande zu Wort kommen:
WRITERS IN THE REVOLUTION
: Mahmoud El-Wardani recalls the onset of the Tahrir demonstrations (Schriftsteller in der Revolution: Mahmoud El-Wardani erinnert sich an den Beginn der Tahrir-Demonstrationen), in: Al Ahram Online v. 17.02.2011.
20. Februar
2011
Die englische Ausgabe der ägyptischen (Online-)Zeitung Al-Ahram Weekly bringt eine Serie, in der arabische Schriftsteller im Kontext des revolutionären Umbruchs im Lande zu Wort kommen:
WRITERS IN THE REVOLUTION
: Ezzat El-Kamhawy discovers the Egyptian revolution of laughter (Schriftsteller in der Revolution: Ezzat El-Kamhawy entdeckt die ägyptische Revolution des Lachens), in: Al Ahram Online v. 20.02.2011.
WRITERS IN THE REVOLUTION: Soha Zaki's surprise at the regime's retaliation (Schriftsteller in der Revolution: Soha Zakis Überraschung über den Gegenschlag des Regimes), in: Al Ahram Online v. 20.02.2011.
24. Februar
2011
Die englische Ausgabe der ägyptischen (Online-)Zeitung Al-Ahram Weekly bringt eine Serie, in der arabische Schriftsteller im Kontext des revolutionären Umbruchs im Lande zu Wort kommen:
WRITERS IN THE REVOLUTION
: Ibrahim Abdel-Meguid’s first week synopsis (Schriftsteller in der Revolution:  Ibrahim Abdel-Meguids Zusammenfassung der ersten Woche), in: Al Ahram Online v. 24.02.2011.
28. Februar
2011
Die englische Ausgabe der ägyptischen (Online-)Zeitung Al-Ahram Weekly bringt eine Serie, in der arabische Schriftsteller im Kontext des revolutionären Umbruchs im Lande zu Wort kommen:
WRITERS IN THE REVOLUTION
: Hala Halim sees Egypt blossoming (Schriftsteller in der Revolution: Hala Halim sieht Ägypten aufblühen), in: Al Ahram Online v. 28.02.2011.
10. März
2011
Die englische Ausgabe der ägyptischen (Online-)Zeitung Al-Ahram Weekly bringt eine Serie, in der arabische Schriftsteller im Kontext des revolutionären Umbruchs im Lande zu Wort kommen:
WRITERS IN THE REVOLUTION
: Every Egyptian at the top of the pyramid of respect - Mekkawi Said observed the Egyptian transformation and new-found solidarity (Schriftsteller in der Revolution: Jeder Ägypter auf der Spitze der Pyramide des Respekts - Mekkawi Said beobachtet die ägyptische Transformation und neu entdeckte Solidarität), in: Al Ahram Online v. 10.03.2011.
22. März
2011
Die englische Ausgabe der ägyptischen (Online-)Zeitung Al-Ahram Weekly bringt eine Serie, in der arabische Schriftsteller im Kontext des revolutionären Umbruchs im Lande zu Wort kommen:
WRITERS IN THE REVOLUTION
: Shereen Abouelnaga Beholding a Rainbow - Abouelnaga tells her story of tear gas canisters in Qasr El-Aini street and old dreams coming true (Shereen Abouelnaga beschaut einen Regenbogen - Abouelnaga erzählt ihre Geschichte von Tränengasbomben in der Qasr El-Aini Street und wie alte Träume wahr werden), in: Al Ahram Online v. 22.03.2011.
23. Juli
2011
"Ibrahim Abdel-Meguids neues Buch bringt die Revolution zu Akhbar Al-Youm",
titelt Marwa Mohie El-Din für Al-Ahram Online und fährt im Untertitel fort: "Der berühmte ägyptische Schriftsteller
 Ibrahim Abdel-Meguid stellt sein neuestes Buch Every Land Has a Birth (Jedes Land hat eine Geburt) über Tahrir Square und die Januar-Revolution am gesetzlich gefeierten "Tag der Revolution", der den Sturz der Monarchie durch die Freien Offiziere unter Nasser kennzeichnet, vor.  mehr dazu · (Al-Ahram Online, ÜE: J.K.)
1. November
2011
"Die Ägyptische Schriftstellervereinigung in solidarischem Protest mit der syrischen Revolution",
heißt es in der Überschrift zu einem Bericht der ägyptischen Zeitung Al-Ahram Online.
Das Arabische Kommitee für (Auswärtige) Beziehungen in der Ägyptischen Schriftstellervereinigung (Egyptian Writers’ Union, EWU) habe
im Schulterschluss mit dem syrischen Volk zu Protest und zu einem Marsch zum Hauptquartier der Arabischen Liga am Mittwoch aufgerufen.
   mehr dazu · (Al-Ahram Online, ÜE: J.K.)
5. November
2011
"Inhaftierter Blogger Alaa sagt, er lehnte eine an Konditionen gebundene Freilassung ab",
überschreibt Sherif Tarek seinen Artikel für die halbamtliche ägyptische Tageszeitung Al-Ahram und konkretisiert im Untertitel: Der Blogger Alaa Abdel Fattah behauptet, er habe ein Angebot erhalten, freigelassen zu werden, vorausgesetzt, er werde den de facto-Herrscher Hussein Tantawi nie wieder kritisieren.
   mehr dazu · (Al-Ahram Online, ÜE: J.K.)
22. November
2012
"Ägyptisches Journalismus-Projekt entwickelt eine neue Generation von Bürgerjournalisten",
überschreibt Omar El Adl seinen Bericht für die englischsprachige Daily News Egypt.

Das Projekt sei offiziell am Dienstag gestartet worden; man würde sich jede Woche im Stadtzentrum, in Mesaha, treffen, wo das Projekt Raum für seine Schulungen angemietet habe. "Sollten Sie bei jedem Protest im Verlauf der Revolution und in den letzten beiden Jahren gewesen sein, haben Sie sie gesehen", schreibt Omar El Adl wörtlich. "Oft jonglieren sie zwischen mehrere Aktionen gleichzeitig; posten Tweets oder bloggen live, fotografieren dabei oder singen und rennen, wenn es erforderlich ist."
 mehr dazu · (Daily News Egypt, ÜEK: J.K.)
30. November
2014
Im Alter von 68 Jahren stirbt die Schriftstellerin Radua Ashur (auch: Radwa Ashour) in ihrem Geburtsort Kairo.
Radua Ashur studiert in Kairo Vergleichende Literaturwissenschaft und promoviert in afroamerikanischer Literatur an der Universität Massachusetts/USA. Zurück in ihrer Heimat hat sie an der Ain-Shams-Universität in Kairo eine Professur inne. Über ihre Erfahrungen als Studentin in den USA veröffentlicht sie Erinerungen mit dem Titel The Journey. Nach anderen Publikationen wie dem Kurzgeschichtenband I Saw the Date Palms schließt sich mit der Romantrilogie Granada ihr größter literarischer Erfolg an. Für deren ersten Teil wird sie bei der Kairoer Buchmesse 1995 ausgezeichnet.
18. Oktober
2015
Gamal al-Ghitani stirbt im Alter von 70 Jahren in einem Kairoer Hospital. Er hinterlässt seine Ehefrau, die ägyptische Journalistin Magda El-Guindy und zwei Kinder: Mohammad und Magda.

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2015
In Kairo verstirbt knapp 90-jährig der in Alexandria geborene ägyptische Schriftsteller, Literatur- und Kunstkritiker Edwar al-Charrat (auch: al-Kharrat).
Al-Charrat wird in eine christlich-koptische Familie hinein geboren. Nach Abschluss eines Jurastudiums ist er in verschiedenen Bereichen tätig, u.a. als Journalist.
Wegen politischer Aktionen gegen die britische Besatzungsmacht wird der 22-Jährige
verhaftet; er wird fast zwei Jahre in Lagerhaft verbringen müssen. Nach seiner Entlassung im Jahre 1950 entwickelt er sich zu einem der einflussreichsten Schriftsteller der arabischen Welt, er ist die leitende Figur der 60er-Jahre-Schriftstellergeneration und begründet das Journal Gallery 68.
Als Romancier setzt al-Charrat mit seinen stark autobiographisch gefärbten Romanen seiner Heimatstadt Alexandria ein literarisches Denkmal. Als bekanntestes Werk gilt sein in viele Sprachen übersetzter Roman Turabha Zafaran (dt: Safranerde). Doch schon sein Erstlingsroman Rama w-l-tineen (engl.: Rama and the Dragon) wurde in seiner Heimat ausgezeichnet. In diesem erzählt al-Charrat die Liebesgeschichte zwischen dem koptischen Mikhail und der exotisch schönen Rama, Angehörige der islamischen Religion.
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Werke (Auswahl):
Hohe Mauern, Erzählungen 1959
Rama w-l-tineen (engl.: Rama and the Dragon; Übersetzung ins Englische: Ferial Ghazoul und John Verlenden. Kairo 2004), Roman 1980.
Turabha Zafaran (dt: Safranerde; Übersetzung: Hartmut Fähndrich. Basel 1990), Roman.
Yábanát Iskandaríyah (engl.: Girls of Alexandria. Kairo 1990), Roman.
Hijárat Búbíllú (dt: Die Steine des Bobello; Übersetzung: Hartmut Fähndrich. Basel 2000), Roman.
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Anmerkungen:
Quellen allgemein, siehe  Chronik-Startseite
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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Quellen

.. . Sach- und Personenregister